Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1933
- Issue
- Heft 25 (23.6.1933)
- Date
- 1933-06-23
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3062972-3064350-3064374--19343-3084470- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 6 OSE WAHRHEH Wer betreibt Greuelpropaganda? Ii r ■: I lt I i II :U 1 «; i i:r Der Frankfurter Juwelengroßhändler Moritz N. Oppenheim, Inhaber der international angesehenen Firma N. M. Oppenheim Nachf., hat gemeinsam mit seiner G-alt in Selbstmord verübt. Es ist wahrscheinlich, daß Oppenheim, der im 85. Lebensjahre stand, die Tat in einem Zustand seelischer Depression infolge der neuen Verhältnisse in Deutschland, in die er sich nicht mehr finden konnte, verübt habe. Die Nachricht von seinem Freitode wurde in der Frankfurter Presse zunächst ohne Namensnennung veröffentlicht, es hieß bloß, „ein hochbetagtes Ehepaar, das früher im kaufmännischen Leben der Stadt eine große Rolle gespielt habe, sei infolge seelischer Depression freiwillig aus dem Leben geschieden". Anläßlich des Begräbnisses Oppenheims und seiner Frau würdigt die „Frankfurter Zeitung" die hohen Verdienste Oppenheims als Förderer der Naturwissenschaften, bringt aber keinerlei Hinweis auf die Todesart des Ehepaares. Moritz N. Oppenheim entstammte einer Familie, die seit nahezu 300 Jahren in Frankfurt im Juwelenhandel tätig war. Das besondere Interesse des Verstorbenen, der für den Fortschritt auf allen Gebieten der Wissenschaften einen offenen Sinn hatte, galt den Naturwissenschaften. Die Universität Frankfurt verdankt ihm den Lehrstuhl für theoretische Physik, die Sternwarte ihren großen, nach dem Ehepaar Oppenheim genannten Kuppelrefraktor. Die Neigung zur Astronomie ging besonders auch von Frau Oppenheim aus, deren Bruder eine eigene Sternwarte errichtete. Zu Ehren von Moritz Oppenheim wurde sogar einer der kleinen Planeten „M a u r i t i u s" genannt. Weiter war die Meereskunde ein besonderes Interessengebiet des Verstorbenen. In Helgoland hat er große Beträge für das dortige Aquarium gestiftet; er wurde in Anerkennung dessen zum Ehrenbürger der insel ernannt. Die Stadt Frankfurt verlieh ihm an seinem 80. Geburtstag die silberne Ehrenplakette. Wie die Conti-Agentur mitteilt, wurden sämtliche Insassen des jüdischen Zöglingsheims in Wolzig (Mark) nach Vornahme einer Durchsuchung des Heims, bei der verschiedene Waffen und belastendes Schriftenmaterial (?) gefunden wurden, auf Anweisung des Landrates auf Lastautos verladen und nach dem Konzentrationslager Oranienburg geschafft. Die Durchsuchung des Heims wurde durch Landjägerei mit Unterstützung der SA vorgenommen. Die Juden drängen sich vor. So wie im Vorjahre beim Internationalen Chopin-Wettbewerb in Warschau hat auch beim diesjährigen Internationalen Wettbewerb für Klavier in Wien ein Jude den ersten Preis errungen, und zwar der junge Pianist Boleslav Kohn aus Warschau. Beim Internationalen Wettbewerb war das jüdische Element überhaupt stark vertreten. Einen besonderen pädagogischen Erfolg erzielte der berühmte Professor Juliusz W o 1 f s o h n. Alle drei Schülerinnen, die an dem Wettbewerb teilnahmen, wurden ausgezeichnet So erhielt Fräulein Betty Fischer ein Diplom und kam sogar in die engere Wahl für Prämüerte. Die von wiederholten Mitwirkungen auch im Großen Konzerthaussaal bestens bekannte Künstlerin Sarah Stuckart errang ebenfalls ein Diplom. Einen Sensationserfolg hatte Fräulein Evi Wächter. Sie wurde mit einem Diplom ausgezeichnet und wirkte beim Festkonzert der Preisgekrönten im Großen Musikvereinssaal mit hervorragendem Erfolge mit. Mit dieser Feststellung kann man von Fräulein Evi Wächter nicht Abschied nehmen. Denn die Künstlerin hat noch ihre Besonderheit, und das ist ihr Alter. Sie ist sage und schreibe — neun Jahre alt, Schülerin der dritten Volksschulklasse und — Pianistin. Sie begann vor drei Jahren Klavier zu spielen. Vom ersten Tage ihres Musikstudiums erkannte ihr berühmter Lehrer, daß dieses kleine Ding ein ganz großes musikalisches Talent besitzt Und er sollte Recht behalten. Im vorigen Jahre siegte die Achtjährige, trotzdem sie erst zwei Jahre Klavier spielen lernte, im Kinderwettbewerb, nachdem sie schon bei einigen Konzerten mitgewirkt hatte. Ihre Lieblings-Komponisten sind B a eil, Chopin und natürlich W o 1 f s o h n. Ihr nächstes Ziel ist Warschau. Dort findet in drei Jahren der nächste Internationale Chopin-Wettbewerb statt. Da wird die zwölfjährige Evi Wächter vorspielen und der Erfolg, den sie diesmal in Wien errungen, wird ihr hoffentlich auch in Warschau nicht versagt bleiben. Achtzehn Nationen beteiligten sich an der Schacholympiade in der englischen Hafenstadt Folkestone. Nach dem Urteil der Sachverständigen dürfte die Entscheidung zwischen fünf Völkern fallen, die durch je vier Spieler vertreten sind: Frankreich durch Dr. Osip Bernstein, Polen durch Akiba Rubinstein und Dr. S. Tartakower, Ungarn durch Geza Maroczy und Lajos Steiner, Amerika durch Kashdan, Tschechoslowakei durch Salo Flohr. Die angeführten Spitzenführer sind Juden. Deutschland beteiligt sich an diesem Völkertreffen nicht, da es nach Ausschaltung der jüdischen Spieler keine starke Mannschaft zur Verfügung hat. Die gebührende Antwort Zu dieser in der Nummer vom 16. Juni erschienenen Notiz schreibt uns die Amtsstelle des Leipziger Meßamts für Oesterreich folgendes: „Der von uns geplante Presseempfang, zu dem bereits zahlreiche Persönlichkeiten der hiesigen Presse, und zwar von Tageszeitungen wie Fachzeitschriften, ihr Erscheinen zugesagt hatten, ist im Hinblick auf die völlig ungeklärte politische und wirtschaftliche Lage zwischen Oesterreich und Deutschland, also aus rein vernunftmäßigen Erwägungen heraus, nicht abgesagt, sondern verschoben worden. Mehrere hiesige Tageszeitungen und Fachzeitschriften haben in diesem Sinne ihren Leserkreis unterrichtet. Es trifft zu, daß der Präsident des Verbandes jüdischer Auslandsberichterstatter. Herr Dr. Wolf, von Herrn Dr. Köhler, dem Präsidenten des Leipziger Meßamts, der gelegentlich des Internationalen Handelskammerkongresses in Wien weilte, empfangen wurde. Dabei hat Herr Dr. Wolf eingehende Informationen über die tatsächlichen Verhältnisse in Deutschland erhalten. Wir geben der Hoffnung Ausdruck, daß in ganz kurzer Zeit die in Aussicht genommene Veranstaltung abgehalten werden kann, insbesondere, da man den Ausführungen, die dabei Herr Präsident Dr. Köhler über das Thema „Fragen deutscher Wirtschaftspolitik" zu machen gedenkt schon jetzt große Beachtung entgegenbringt. Nachwortder Redaktion: Wir wären natürlich nicht verpflichtet, die obige Richtigstellung zu veröffentlichen, denn sie beruft sich nicht auf das Preßgesetz, und Rücksichten gegenüber Enunziationen deutscher Amtsstellen müßte man eigentlich heute nicht nehmen. Allein wir sind loyal genug, auch dem Angegriffenen Gelegenheit zur Erwiderung zu geben, nur dürfte diese Erwiderung nicht so lendenlahm sein. Man kann heute schwer von einer völligen Ungeklärtheit der politischen und wirtschaftlichen Lage zwischen Oesterreich und Deutschland sprechen, diese Lage ist nun durch die Schuld des „Dritten Reiches" schon so völlig geklärt daß die Verschiebung des Presseempfanges tatsächlich sehr „vernunftmäßig" war, denn — er wird so bald nicht stattfinden können. Wir glauben nämlich nicht, daß man in Wien Ausführungen über „Fragen deutscher Wirtschaftspolitik" heute Interesse entgegenbringt, diese ..deutsche Wirtschaftspolitik" kennt man nun schon zur Genüge und braucht darüber keine entstellenden Belehrungen zu erhalten. Wie diese „deutsche Wirtschaftspolitik" in Wirklichkeit aussieht, beweist uns ein uns zur gleichen Zeit wie die obige Berichtigung zugekommener Bericht des „Israelitischen Familienblattes" gerade aus Leipzig. Dort sind 200 jüdische Angehörige des sogenannten ambulanten Gewerbes (Markthandel) mit ihren Familien in stärkste Not dadurch geraten, daß es ihnen unmöglich gemacht wird, auf Märkten und Messen fernerhin Ware zu verkaufen. Seitens der zuständigen jüdischen Stellen sind die notwendigen Maßnahmen unternommen worden. Erstes sfreng rituelles Semmeringer Ferienheim Eigener Park, Planschbecken, Schwimmbad, Spielwiesen. Ärztl. Aufsicht, geschultes Personal, Sport, Sprachen Ab s 6 - taaiich Pädag. Leitung: Staatl. gupr. Lehrer J. EISENBERG, Wen II., Große Pfarrgasse 8, Telephon A 45-5-92 Palästina-Nachrichten. Einem Bericht der Zeitung „AI Balag" zufolge ist unter der arabischen Jugend Palästinas eine Bewegung im Gange, die die Gründung einer arabischen faschistischen Partei zum Ziele hat. Die neue Partei soll sich nicht nur auf Palästina, sondern auch auf die benachbarten arabischen Länder erstrecken. Die Stadtverwaltung von Tel Awiw rechnet damit, daß sich in ihrem diesjährigen Haushalt ein D ef iz i t von 22.000 Pfund ergeben werde. Im Hinblick darauf, daß der Stadt bisher nur völlig unzureichende Regierungsbeihilfen gewährt wurden, sind bei den maßgebenden Regierungsstellen ernste Vorstellungen erhoben worden, der Stadt Tel Awiw die Ausbalancierung ihres Budgets zu ermöglichen. Es wurde darauf hingewiesen, daß Tel Awiw für öffentliche Arbeiten 20.000 Pfund ausgibt, von denen nur 600 Pfund durch einen Regierungsbeitrag gedeckt sind, wärend in Jerusalem und Haifa diese Ausgaben zum überwiegenden Teil von der Regierung getragen werden. Ferner wurde daran erinnert, daß die Regierung vor einem Jahre anläßlich der Eingliederung der bis dahin selbständigen jüdischen Polizei Tel Awiws in die allgemeine Landespolizei sich bereit erklärte, die Stadt von den Kosten der Erhaltung der Polizei zu befreien. Tatsächlich aber wurde von der Stadtverwaltung verlangt, ihren Beitrag für die Erhaltung der Polizei von 4600 auf 6000 Pfund zu erhöhen. * In dem in der Jezreel-Ebene angelegten B a 1four-Wald wurden 3000 Bäume durch Feuer vernichtet. Im Zusammenhang mit diesem Brand wurden zwei 13jährige arabische Knaben unter dem Verdacht der Brandstiftung verhaftet. Kandmafhang! Die stimmberechtigten Herren Aktionäre der Niederösterreichischen EscomDte-Gesellschaft werden hiemit zu der am 30. Juni 1933 um 4 Uhr nachmittags im Gebäude der Gesellschaft, Wien I.. Am Hof 2, stattfindenden 80. ordenffichen GeneralYersammlung eingeladen, in weücher folgende Gegenstände zur Verhandlung gelangen werden: 1. Rechenschaftsbericht und Bilanz für das Geschäftsjahr 1932. 2. Bericht des Revisionsausschusses. und 3. Beschlußfassung über die Herabsetzung Wiedererhöhung des Aktienkapitals: a) Herabsetzung des derzeitigen Aktienkapitals von Nominale S 54,000.000.— durch Einziehung und Vernichtung von Aktien im Nennwerte von S 18,000.000.— auf Nominale S 36,000.000.—, b) Herabsetzung des so verminderten Aktienkapitals durch Zusammenlegung der verbleibenden 360.000 Stück auf Namen und den Nominalbetrag von je S 100.— lautenden' Aktien im Verhältnis von 50:1 auf Nominale S 720.000.—. c) Wiedererhöhung des Aktienkapitals auf Nominale S 29,500.000.— durch Ausgabe von 287.800 Stück auf Namen und den Nominalbetrag von je S 100.— lautenden Aktien. d) Ermächtigung des Verwaltungsrates zu einer eventuellen weiteren Erhöhung des Aktienkapitals auf Nominale S 45,000.000.— durch auf einmal oder in Teilbeträgen erfolgend© Ausgabe von 155.000 Stück auf Namen und den Nominalbetrag von je S 100.— lautenden Aktien. 4. Beschlußfassung über die durch die Herabsetzung und Wiedererhöhung des Aktienkapitals bedingte Abänderung, der Statuten, insbesondere der §§ 6. 95 und 99a derselben und Ermächtigung des Verwaltungsrates, etwaige Abänderungen des neuen Statutentextes oder weitere Aenderun^u der Statuten, welche von der Bundesverwaltung im Zusammenhange mit der Genehmigung der Statutenänderungen verlangt werden soüten. im eigenen Wirkungskreise vorzunehmen. 5. Wahlen von Verwaltungsratsmitgliedern. 6. Wahl von vier Mitgliedern des Revisionsausschusses. Niederösterreichische Escompte-Gesellschaft. ■HHBBnBHBBBBMnH n