Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1933
- Issue
- Heft 25 (23.6.1933)
- Date
- 1933-06-23
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Bad Gleid&enberg, Steiermark. Ein Ort des Friedens in einer Welt der Klassen-, Nationalitäten- und Rassenkämpfe. In dieser rein ländlichen, fruchtbaren Gegend mit ihrer gutmütigen, liebenswürdigen Bevölkerung kann jeder Gast freundlichster Aufnahme gewiß sein und ungestört sedner Gesundung und Erholung leben. Bad Gleichenberg wurde von der Natur mit vielerlei Vorzügen ausgestattet. Die heilkräftigen Ouellen „Konstantinquelle" und „Emmaquelle" entspringen in einer reizvollen Umgebung, welche einem einzigen großen Parke gleicht. Durch die windgeschützte, sonnige Lage und die auffallend milde, feuchtwarme Luft ergibt sich eine besonders wohltuende Wirkung auf erkrankte Atmungsorgane. Die Kurmittelhäuser sind mit den modernsten Heilbehelfen ausgestattet und enthalten nebst Inhalatorien für Ouellsole und Fichtendämpfe auch die größte pneumatische Kammeranlage Oesterreichs, sowie Respirations-Apparate. Lichtbäder. Höhensonne und Abteilungen für Kaltwasserkuren. Ein besonders wichtiges und gesuchtes Kurmittel sind die natürlich-kohlensauren Bäder, welche bei nervösen Herzleiden. Adernverkalkung. Stauungserscheinungen, aber auch bei Zuckerkrankheit von ausgezeichneter Wirkung sind. Die Preise sind durchwegs der allgemeinen Geldknappheit angepaßt: volle Pension ist schon ab S 8.— zu haben. _ Zionistische „Einigkeit". Man sollte glauben, daß in diesen kritischen Zeiten die so arg drangsalierte deutsche Judenheit einig und geschlossen dasteht und daß in dieser Hinsicht insbesondere die Zionisten, die immer das Wort von der „Einigkeit des Judentums" im Munde führen, beispielgebend vorangehen. Daß dem aber nicht so ist, beweisen seltsame Vorgänge im Vorstand der Berliner jüdischen Gemeinde, in dem sich die „Jüdische (sprich: jüdischnationale) Volkspartei" bekanntlich in der Minorität befindet. Diese Minorität hat sich nun überdies gespalten, und zwar sind vier Mitglieder der „Jüdischen Volkspartei" aus dieser ausgeschieden und haben sich zu einer „Zionistischen Fraktion" zusammengeschlossen. Schuld an allem ist der bekannte Berliner Zionistenführer K a r e s k i, ehemals Präsident der Berliner Gemeinde, auch unseren Lesern in Erinnerung als Durchfallskandidat des katholischen Zentrums. Herr Kareski hat vor einiger Zeit einen von der neugeschaffenen „Zentralstelle für jüdische Wirtschaftshilfe" entlassenen Beamten gewaltsam wieder in sein Amt einsetzen wollen und zu diesem Zweck die Zentralstelle durch Mitglieder des berüchtigten Brith Trumpeldor gewaltsam zu besetzen versucht! Ein solches Vorgehen wäre schon in normalen Zeiten unerhört gewesen. Wie sein „Handstreich" gegen die Zentralstelle unter den jetzigen Verhältnissen zu beurteilen ist, geht am besten daraus hervor, daß Kareskis eigene Partei, nämlich der Geschäftsführende Ausschuß der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, Herrn Kareski aufgefordert hat, aus dem Vorstand der Berliner Jüdischen Gemeinde auszuscheiden, weil durch sein Vorgehen seiner weiteren Wirkensmöglichkeit der Boden entzogen sei! Auf Grund dieser Vorfälle hatte sich nun die volksparteiliche Repräsentationsfraktion mit der Frage von Kareskis Verbleib im Gemeindevorstand zu beschäftigen. Die Mehrheit der Fraktion sprach sich gegenKareskis Rücktritt und damit gegen den Beschluß des Geschäftsführenden Ausschusses der Zionistischen Vereinigung aus. Die Vertreter der Zionistischen Vereinigung in der Jüdischen Volkspartei zogen hierauf die einzig mögliche Konsequenz und schieden aus der volksparteilichen Fraktion aus. ■ Infolge des Ausscheidens des früheren Vorsitzenden der Berliner jüdischen Gemeinde Direktor Dr. h. c. Wilhelm Kleemann aus dem Gemeindevorstand war eine Ersatzwahl notwendig geworden, bei der Dipl.-Ing. Bruno Woyda mit 24 Stimmen der Liberalen, des Vertreters der Mittelpartei und der z i o n i s t i s c h e n (!) Fraktion gegen 10 Stimmen der jüdischnationalen Volkspartei von der Repräsentanz in den Vorstand entsandt wurde. Bruno Woyda, der Leiter der Zentralstelle für jüdische Wirtschaftshilfe und Mitglied des Rates des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden ist, legt in seiner öffentlich-jüdischen Arbeit besonderen Nachdruck auf die Lösung sozialpolitischer und wirtschaftlichenProbleme. Er war acht Jahre hindurch Chefredakteur der „Jüdisch-liberalen Zeitung". ISpezialhaus für Voll» und Strickgarne ■ Moritz Naael I Wien, 2. Bez., Taboralraße Nr. 17 I Fabriksniederlage. Wirku. Strickmoden. I _Telephon A 45-8-69_| Sememde ~ thronifc Professor Dr. Hugo Stern. Wie wir erfahren, wurde über Vorschlag der medizinischen Fakultät der Wiener Universität Herr Dozent Dr. Hugo Stern, dessen Name durch seine wissenschaftlichen Forschungsergebnisse auf dem Spezialgebiete der Stimmbildung Weltruf erlangt hat, zum a. o. Professor ernannt. Diese Nachricht wird nicht nur in ärztlichen Kreisen, sondern vor allem auch in allen Schichten der jüdischen Bevölkerung Oesterreichs, deren Interessen ihm als führenden Zentralvorstandsmitglied der „Union" so sehr am Herzen liegen, hohe Befriedigung auslösen. Jossele Rosenblatt, der weltberühmte Chasen, ist, wie wir bei Blattschluß erfahren, im 52. Lebensjahre in Tel-Awiw gestorben. Der neue Lehrplan für den Religionsunterricht an den Mittelschulen. Dank der Bemühungen des zielbewußten Obmannes des Mittelschullehrerverbandes für die israelitische Religion. Prof. Dr. M. P a p o, ist im Anschlüsse an die „Histadruth Iwrith" der Entwurf des neuen Lehrplanes fertig geworden. Vom alten Lehrplan, der schon längst verbraucht und überwunden war. nahm der neue Lehrplan das Gute und Brauchbare auf und erfüllte ihn mit neuem, anregenden Inhalt. Das mechanische Uebersetzen, das anödend wirkt, wird durch das methodologische Verfahren ersetzt und in den oberen Klassen sollen die Grundwahrheiten des Judentums modern und mit eindringlichem Verstehen der Bibel, der Psalmen. Propheten und anderer biblischer Schriften, wie Hiob und Koheleth, der reiferen jüdischen Jugend übermittelt werden. Auch der Geschichtsunterricht, auf das Große und Ganze gerichtet, soll ein Wissen und Fühlen des Judentums schaffen. Am 14. Juni fand die erste Beratung statt, in der die Inspektoren Studienrat Doktor R e d i s c h. Rabbiner Dr. T a g Ii c h t und Rabbiner Dr. Rosenmann aus der Fülle ihrer Erfahrungen wichtige Anregungen den Lehrern boten. Die Durchberatung der Einzelheiten dieses Lehrplanes wird im nächsten Schuljahre erfolgen und dann wird er eine feste Grundlage des Unterrichtes bilden. Vom Vorstande der Kultusgemeinde nahmen der Obmann der Unterrichtskommission Prof. M. Rath. Ministerialrat Ing. Fr. Schläfrig und Dr. Stiglitz an dieser Beratung teil. Dr. K. Todesfälle. Am 15. d. M. wurde Herr David Lessing auf dem Zentralfriedhof (I. Tor) unter außergewöhnlich großer Beteiligung zu Grabe getragen. Mit ihm. der ein Alter von 63 Jahren erreichte; ist ein prächtiger Mensch dahingegangen, der zeitlebens nur ein Ziel kannte, den Armen zu helfen. Und er tat dies in einer so vornehmen Weise, daß vielen jener Unglücklichen, denen er half, gar nicht bekannt war. woher ihnen die großzügige Hilfe wurde. Vornehmheit war überhaupt der Grundzug dieses edlen Menschen, der. für sich selbst bescheiden, in der Wirtschaft und der Gesellschaft höchste Ehren genoß. Innige Liebe verband ihn mit serner Gattin Berta: das schöne Familienglück der beiden wurde vor einigen Jahren getrübt durch den jähen Tod eines hoffnungsvollen Sohnes, zu dessen Andenken das hochherzige Ehepaar eine große Bettenstiftung für das Israelitische Versorgungshaus vornahm. So wird das Andenken David Lessings auch in der jüdischen Gemeinschaft bewahrt bleiben, die in ihm ebenfalls einen ihrer Besten verliert. Insbesondere betrauert der Vorstand des Müllnertempels in dem Heimgegangenen einen wertvollen Vorstandskollegen, dem zu Ehren beim Leichenbegängnis der Gesamtvorstand unter Führung des Herrn Börserates I. Glück erschienen war. Für die Kultusgemeinde waren Präsident Dr. D. Friedmann und Dr. J. Löwenherz gekommen, für die Verscrgungshaus-Kommission der Obmann Dr. H. Körner. Prominente Mitglieder der jüdischen Gesellschaft gaben weiteren Beweis für die Wertschätzung, die der Verewigte mit Recht genossen. Die Trauerrede hielt Rabbiner Dr. A. Z. Schwarz in eindrucksvoller Weise, er entwarf ein liebevolles Bild vom Wesen und Wirken des Dahingeschiedenen, dessen Seelenadel und Herzensgüte er trefflich rühmte. Für die Kultusgemeinde sprach Vizepräsident Dr. J. Löwenherz, für den Müllnertempel Börserat I. Glück tiefempfundene Abschiedsworte. Sehr ergreifend wirkte die kantorale Funktion des Oberkantors S. Pos toi ow. — Am 15. d. M. verschied im Sanatorium Wienerwald nach langem und schweren Leiden der weltbekannte Großrabbiner Nuchim Friedmann aus Stefanesti (Rumänien) im 54. Lebensjahre. Nachkomme des berühmten „Ruziner-Zadiks". zeichnete sich der Heimgegangene nicht nur durch jüdisches Wissen, sondern auch durch sehr umfangreiche profane Kenntnisse aus. Seine vielen Werke stehen ganz im Zeichen dieser Vielseitigkeit. Hier seien der Kommentar Man sowie Abhandlungen über die Schönheit und über den Menschen besonders hervorgehoben. Das Leichenbegängnis fand am 16. d unter überaus großer Beteiligung der jüdischen Gemeinde und bei Anwesenheit sämtlicher in Wien lebenden Mitglieder der Großrabbiner-Familie Friedmann sowie vieler Gemeinde-Rabbiner statt. Namens der israelitischen Kultusgemeinde waren Kultusvorsteher Dr. Ernst Feldsberg und Amtsleiter Freistadt erschienen. Am Grabe verrichtete der Schwiegervater des Heimgekehrten. Großrabbiner Israel Friedmann aus Czortkow, das Kadisch-Gebet, Allen, die ihn kannten, sei es persönlich oder durch seine Werke, wird der Heimgegangene unersetzlich und unvergeßlich bleiben. B. GROSSFLEISCHHAUEREl' HEGM. KORNMEHL («■■«■■■■laaaaMBMaMHMMBNa WMN IX., BEMOASSE NR. 19 FILIALE XVIII., WAMtmOMBSniASSS 97 Telephon Nr. A 17-3-99and A 18-3-34 Lieferant für Kallalutatta* AbteflungenfürKoscherfteisch nater Aufsteht «*•• «hrw. Habbimtes «*•«" Isr. KaltHsgunind» Wie«. Sämtliche Fleischsorten von ausschließlich Prima-Qualität zu den billigsten Marktpreisen — Am 5. d. M. fand am Zentralfriedhofe. I. Tor, das Leichenbegängnis des im 80. Lebensjahre verstorbenen ehemaligen Chorsängers und Beamten der Israelitischen Kultusgemeinde, Adolf Goldenberg, unter überaus zahlreicher Beteiligung statt. Es waren u. a. erschienen: Der Präsident der Kultusgemeinde Dr. Desider Friedmann. Vizepräsident Dr. Jakob Ornstein. Kultusrat Waltuch und Amtsdirektor Reg.-Rat Guido Fuchsgelb. Rabbiner Dr. Bach hielt dem Verstorbenen einen überaus warmen Nachruf, wobei er besonders hervorhob, daß mit Goldenberg wohl einer der Letzten dahingegangen ist. dem es noch vergönnt war. unter dem Altmeister S u 1 z e r tätig zu sein. Die kantoralen Funktionen versah in gewohnt erhebender Weise Oberkantor M a r g u 1 i e s unter Mitwirkung des gesamten, vom Obmanne S t r y fc s geführten Gemeindechores. Am Grabe brachte der I. Kantor Funke in ergreifender Weise ein „El mole rachamim" zum Vortrage. An der Bahre des Verstorbenen trauern seine Gattin Regine. geb. Blau, und die einzige Tochter Rosl. Gattin des bekannten Rechtsanwaltes Dr. Erwin Löwenthal. Mädchenkonfirmation. Scnnta«. den 18. Juni, fand im Stadttempel die Konfirmation von 22 Mädchen statt. In feierlichem Zuge betraten die Konfirmandinnen das hell erleuchtete Gotteshaus und nahmen auf der Estrade Aufstellung. Die Feier wurde mit dem Vortrage von Ma-tauwu durch Oberkantor M a t y a s. mit Chor- und Harmoniumbegleitung, eingeleitet, worauf Rabbiner Dr. T a g 1 i c h t in formvollendeter Rede über die Bedeutung des Tages sprach und die Konfirmandinnen ermahnte, dem Judentume Treue und Anhänglichkeit zu bewahren. Die Mädchen beantworteten sodann die an sie gestellten Fragen über die sittlichen Lehren und sprachen gemeinsam das Glaubensbekenntnis. Oberkantor Matyas stimmte hierauf einen erhebenden Festgesang an, worauf die Feier, die einen sehr schönen und würdigen Verlauf nahm, zu Ende war. Schlußfeier der Döblinger Bibelschule. Am 14. ds. fand die Schlußprüfung der Döblinger Bibelschule statt, zu welcher der Vorstand mit seinem Obmann Herrn Bela F r ä n k 1 und Herrn I. Tempelvorsteher Michael Tauber erschienen war. Rabbiner Dr. Frankfurter begrüßte die Gäste und die zahlreich erschienenen Knaben und Mädchen in einer gehaltvollen Ansprache. Frau Lehrerin Johanna Felsner eröffnete die Prüfung. Die Kinder beantworteten verständnisvoll die an sie gerichteten Fragen, lasen fließend aus dem Gebetbuche und übersetzten ganze Gebetstücke. Nach der Prüfung dankte Dr. Frankfurter den Kindern für ihren Lerneifer, ebenso der Lehrerin Frl. Felsner für ihre hingebungsvolle Tätigkeit Obmann Bi;la Fränkl widmete herzliche Worte der Anerkennung namens des Vorstandes sowohl Herrn Dr. Frankfurter als auch der Lehrerin Frl. Felsner und beglückwünschte die Kinder zu dem schönen Erfolge. Der Vorstand ließ den Kindern eine kleine Aufmerksamkeit als sichtbares Zeichen seiner Anerkennung überreichen. 50. Geburtstag. Dieser Tage feiert Herr Bela Fischer seinen 50. Geburtstag. In Preßburg geboren, studierte er in Deutschland und beendete sein Studium an der Preßburger Jeschiwah. Im Kriege wirkte er seelsorgerisch bei verschiedenen Truppen und Anstalten, leitete eine Zeitlang die Buchversandstelle des Roten Kreuzes und war nach dem Kriege in verschiedenen Wiener Spitälern im Dienste der Wiener Kultusgemeinde tätig. Er war es. dem die Einrichtung einer rituellen Küche im Wiener städtischen Versorgungshause zu danken ist. Heute ist er im Wohlfahrtsamte der Kultusgemeinde tätig und versieht seinen bei den heutigen krisenhaften Zeiten doppelt schweren Dienst in menschenfreundlicher Weise: kein Hilfsbedürftiger, dem er helfen kann, verläßt unerledigter Dinge seinen Amtsraum. Ein Jahr „Emunah". Was ein jüdischer Verein auch in Wien bei zielbewußter Leitung zu leisten vermag, zeigte der vor kurzem gelegentlich der Hauptversammlung erstattete Tätigkeitsbericht des Jüdischen Angestellten-Verbandes „Emunah", I.. Jordangasse 7. Den wirtschaftlichen Verhältnissen Rechnung tragend, mußte vor allem eine Stellenvermittlung geschaffen werden, die trotz der bekannten Schwierigkeiten schon sehr ersprießliche Arbeit geleistet hat. Den besonderen geistigen Bedürfnissen der Mitglieder dienen die reichhaltige Bibliothek, die hebräischen, englischen und französischen Sprachkurse sowie eine Reihe von wissenschaftlichen und literarischen Vorträgen aus den verschiedensten allgemeinen und jüdischen Gebieten. Aber auch die Pflege der Geselligkeit kommt dabei nicht zu kurz und gemütliche Heimabende, eine Chanukah-, Chamischa-Assar-. Purim- und Lagbeomer-Peier, sowie Ausflüge sorgen dafür, daß der jüdische Angestellte in der „Emunah" einen Ersatz für das ihm oft fehlende Heim, für die eigene Familie, findet. Nicht zuletzt ist es das Verdienst des Obmannes Bernard