Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1933
- Issue
- Heft 25 (23.6.1933)
- Date
- 1933-06-23
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 DIE WAHRHEIT Streng -uro sccldd in Tirol (1200 m) das Paradies der Erholung und Gesundung, modernes Schwefelheilbad, Strandbad, Höhensonne, aller Sport, bekannt erstklassige Verpflegung, billige Preise, Pension Voranmeldung erwünscht Geschwister Schmer im Motel Hechalm. Tel. 28 dienen. Wir erfüllen damit wie sie, unsere religiöse Pflicht die uns gebietet: „Fördert das Wohl des Staates in dem ihr lebet" Diese Pflicht ist uns um so heiliger, als ja die Regierung unseres Staates allen Bundesangehörigen die gleichen Rechte gewährleistet. Gleiche Rechte sichern die gleichen Pflichten. Und so wellen wir denn in altehrwürdiger Weise für das Seelenheil unserer Helden gemeinsam beten: Herr des Lebens und des Todes, nimm gnädig und erbarmungsvoll die Seelen unserer Brüder, die ihr Leben auf dem Altare des Vaterlandes geopfert haben in dein Himmelreich auf. Gib ihnen den Gotteslohn, den du den Edlen und Tugendhaften aller Völker als Lohn für die Prüfungen und Heimsuchungen des irdischen Lebens aufbewahrt hast. Laß' die Angehörigen Trost finden in dem erhebenden Bewußtsein, daß ihre Lieben fortleben in dsr Geschichte als die unsterblichen Blutzeugen jüdischer Pflichttreue. Ehre ihrem Angedenken. Amen. Der Bundesführer Generalmajor Emil Sommer sprach namens des Bundes, tief ergriffen im Angesicht der Gräber der toten Kameraden, nachstehende Worte: Keine Brücke der Verständigung führt von den Lebenden zu den Toten, die da vor uns stumm und starr in der Tiefe ruhen, sie sehen und hören uns nicht, die wir heute an ihren Gräbern erschienen sind, und wir können ihnen nicht sagen was wir empfinden, sie nicht fragen, was sie gelitten, wie sie gestorben sind. Ob sie in dem Gedanken Trost gefunden haben, daß die Nachwelt ihr Andenken bewahren wird, wir wissen es nicht. Wir wissen auch nicht wie weit der Gedanke, für den Schutz ihrer Heimat und ihrer Lieben zu kämpfen, ihnen im Augenblicke des Grauens und der Verzweiflung Linderung gewährte. Aber eines wissen wir, daß sie unter Qualen des Leibes und der Seele, die alle menschliche Vorstellung übersteigen, in einem Kampf dahingegangen sind, den ihnen eine unerbittliche Notwendigkeit aufgezwungen hat So viele sind heimgekehrt dem Verhängnis entronnen, zurückgekehrt in das Leben, und mochte dieses Leben noch so schwer sein, es war das Leben! Sie aber waren die unschuldigen Opfer eines grausamen Verhängnisses. Und noch eins können wir gerade von ihnen, die da vor uns den ewigen Schlaf schlafen, mit Sicherheit annehmen, daß sie der Meinung sein durften, daß die Gleichheit im Leiden und im Tode ihren Hinterbliebenen, ihren Glaubensgenossen, auch die Gleichheit in der Beurteilung durch jene bringen werde, die sie im Frieden nicht als gleichberechtigte, vollwertige Menschen anerkennen, die sie von dem Platze an der Sonne ausschließen wollten, sie mit Rassenhaß und Verfolgung quälten und bedrückten. Sie durften hoffen, daß diese Auswüchse menschlicher Kurzsichtigkeit und Schlechtigkeit durch das von ihnen gebrachte Blutopfer für immer getilgt sein werde. Und hat sich diese Hoffnung erfüllt? Die Antwort muß ich Ihnen nicht geben, sie wird uns durch die traurigen Ereignisse der jüngsten Zeit drastisch genug erteilt. Sollten sie also vergebens gestorben sein, soll die Saat ihres Leidens nicht aufgehen, sollen mit ihren Leibern auch ihre Hoffnungen begraben sein? Das darf nicht sein. Das wollen wir. ihre Kameraden, die mit ihnen im Feld gestanden sind, mit ihnen alle Not geteilt haben, nicht zulassen. Deshalb haben wir uns zusammengetan, um die Nachwelt unablässig daran zu erinnern, was sie diesen Toten schuldig ist Wir wollen für den Anspruch auf Anerkennung ihrer und unserer Menschenrechte immer und überall eintreten, bis sie sich durchgesetzt haben. Wir betrachten das als eine uns von den Toten hinterlassene heilige Aufgabe, zu ihr bekennen wir uns, indem wir hier erschienen sind, und in ihrer Erfüllung wird die größte, die einzig richtige, die wahre Ehrung ihres Andenkens liegen. 1 , ' Lassen Sie uns dieser Aufgabe leben und aus dieser Stunde Stärkung für ihre Durchführung gewinnen! Während der Rede des Bundesführers kreiste ein Flugzeug über dem Heldendenkmal und warf einen Lorbeerkranz ab. Nach einer Trauerminute des Schweigens intonierte die Musik das „Gebet vor der Schlacht". Hierauf rezitierte äußerst gefühlvoll Oberkantor Weiß, dessen Ornat mit den Kriegsauszeichnungen geschmückt war, mit Chorbegleitung das El mole rachamim, das alle Anwesenden auf das tiefste ergriff. Rabbiner Dr. T a g 1 i c h t sprach das Kaddischgebet. Die Kommandanten der beiden Ehrenkompagnien kommandierten zum Gebet. Die Fahne senkte sich. Nach Beendigung der rituellen Gebete erfolgte die Kranzniederlegung durch die erschienenen Korporationen. Sensationell wirkte die Rede des Obersten Reichlin-Meidegg, der die Tapferkeit der jüdischen Soldaten pries und als Beispiel jüdischer Tapferkeit anführte, daß die erste goldene Tapferkeits-Medaille in seiner Artillerie-Division dem jüdischen Feuerwerker Fischer verliehen wurde. Er ist jederzeit bereit, als Zeuge für die jüdische Tapferkeit aufzutreten. Hierauf sprach der Vertre- Pension SonnBof, SeefGld, Tirol, 1200 m Modernes Haus, fließendes Kalt- und Warmwasser, sonnige Liegeterrasse, staubfrei, freier Rundblick. — Pensionspreis 10—12 S. Besitzer: Andreas Mair. HOTEL m ELISABETHHOF Zeitgemäße Preise. Kein Mahlzeitenzwang ter des Deutschmeister-Schützenkorps Major Aufrichtig und erklärte, daß die jüdischen Frontsoldaten in ihren vaterländischen Bestrebungen jederzeit auf die Unterstützung des Deutschmeister- Schützenkorps rechnen können. Anschließend defilierten die Ehrenkompagnie des Bundesheeres, die Ehrenkompagnie des Bundes unter der Führung der Kameraden Bundesfülirer-Stellvertreter Dipl.-Kaufmann Stiaßny, Ing. Insel, Barbag, Burian und vier Bataillone des Bundes vor den Ehrengästen. Der Feier wohnten als Vertreter des Heeresministers General Vaugoin Generalmajor Klepsch mit einem Offiziersstab bei. Ferner erschienen: Generaloberst von Sarkotic. Feldzeugmeister von Goglia mit General Schmeißer. Generalsltabsobarst Allexin, Oberstleutnant Freiherr von Reichlin-Meldegg für den „Eisernen Ring", Oberst Moritz Kaldegg, Vertreter der Frontkämpfervereinigungen, sowie Vertreter des Deutschmeister- Bundes, der Bund der Artillerieoffiziere, der Vize-Präsident der Wiedersehensfeier Glaser, in Vertretung des erkrankten General Wächter Dr. Adolf Fried für den Kaiserschützenbund, Vertreter einer Anzahl von Infanterie-Regimenter. Begrüßungsschreiben sind eingelangt von der Präsidentschaftskanzlei, von Minister Dr. Schuschnigg, Dr. Buresch und Major Fey, Minister a. D. Kollmann, Landeshauptmann Reither. vom katholischen MÜitär- Vikariat, vom Generalobersten Fürsten Schönburg und vielen anderen Generälen der alten Armee, Sektionschef Dr. Hecht, der Witwe des Feldmarschalls Conrad von Hötzendorf, von Generaloberstabsarzt Prof. Dr. Alois Pick, von vielen Kultusgemeinden der ehemaligen Monarchie, von den Frontsoldaten Englands, von den jüdischen Frontsoldaten Ungarns und Bulgariens. Außenminister Benesch über die Judenfrage. Der Außenminister der Tschechoslowakischen Republik Dr. Eduard Benesch empfing den Brünner Industriellen und Publizisten Fritz J e 11 inek und gab ihm Aufschlüsse über aktuelle Zeitfragen. Zur Judenfrage äußerte sich Dr. Benesch folgendermaßen: „Bei uns in der Tschechoslowakei gibt es keine Judenfrage. Einer Regierung, die eine solche Frage kennt oder stellt, würde ich gewiß nicht angehören wollen. Um Ihnen den Standpunkt, der, wie ich glaube, von der überwältigenden Majorität aller Tschechen und Slowaken zur Judenfrage eingenommen wird, darzustellen, will ich zu einer historischen Reminiszenz greifen: auf der Friedenskonferenz war die Rede davon, daß der Tschechoslowakei ein Minderheitenschutz für die jüdische Bevölkerung aufgetragen werden sollte. Ich erklärte damals, daß ich einen solchen S ta n d p u n k t nj e mji 1 s aje z e p t i ere n o d er uhterschrei6"en"wurde", denn erstens sei' es eine Beleidigung des tschechoslowakischen Volkes, wenn.ihm zugemutet würde, daß eine solche Klausel im Minderheitenvertrag nötig wäre, und zweitens dachte ich bei meiner Weigerung auch an die eigenartige politische Schichtung derJuden in der Tschechoslowakei; getreu unserem Grundsatz, daß in der Tschechoslowakei niemand, der sich loyal zum Staate bekennt, wegen seiner Nationalität oder wegen seiner Konfession verfolgt oder beeinträchtigt werden dürfe, wollten wir allen Juden unseres Landes die Wahl ihrespolitischenBekenntnissesvollkommen freistellen. Ich wollte, daß die zionistisch-nationaljüdisch Orientierten, ebenso wie die der tschechischen oder der deutschen Seins¬ und Meinungswelt verbundenen Judeninunbedingter Freiheit der von ihnen erwählten politischen Richtung sollten leben und wirken dürfen. Es ist meine Ueberzeugung, daß in der Tschechoslowakei alle Nationalitäten geachtet und geschützt werden müssen. Niemand, selbstverständlich auch kein Jude, der sich zum Deutschrum bekennt — ich betone das nochmals — könnte bei uns wegen seines Bekenntnisses verfolgt werden, wenn die Verbundenheit an unseren Staatsgedanken gewahrt wird." Prediger in der Wüste. Der Hirtenbrief des deutschen Episkopats. In dem vom deutschen Episkopat nach der Fuldaer Bischofskonferenz ausgesandten Hirtenbrief heißt es unter anderem: Wir deutschen Katholiken brauchen keine neue Einstellung dem Volk und Vaterland gegenüber, sondern setzen höchstens bewußter und betonter fort, was wir bisher schon als unsere natürliche und christliche Pflicht erkannten und erfüllten. Man darf anderseits aber erwarten, daß die staatliche Autorität die menschliche Freiheit nicht mehr beschneidet, als es das Gesamtwohl verlangt. Wenn die neue Staatsautorität sich weiter bemüht, die eigene Volkskraft zu fördern, so liegt das ganz in der Richtung des katholischen Gedankens. Es ist aber dringend zu verlangen, daß dabei nicht die Seele gegenüber dem Körper Not leide und daß die staatliche Autorität bei der Förderung der Volksgesundheit nicht zu Gesetzen und Verfahren greife, die sie vor G o 11, dem alleinigen Herrn allen Lebens, nicht veranWorten kann. Wir glauben, erklären die Bischöfe, daß eine Volkseinheit sich nicht nur durch Blutsgleichheit, sondern auch durch Gesinnungsgleichheit verwirklichen läßt und daß bei der Zugehörigkeit zu Nagers Selchwaren-Restaurant Selchwaren ans der Fabrik Eisen & Hönigsber streng orth. (Unter Aufsicht der Adas - Jisroel - Schiffschul) Wien II., PraterstraBe 33, Telephon R-47-4-49 Menü von S 2.— aufwärts. Hochzeiten und Banketts werden bestens arrangiert einem Staatswesen die ausschließliche Betonung der Rasse und des Blutes zu Ungerechtigkeiten führt. Was bisher für jede Volksgemeinschaft galt, daß die Gerechtigkeit die Grundlage aller Volkswohlfahrt sei, muß erst recht bei der Neuordnung des deutschen Volkswesens gelten. Diese Gerechtigkeit darf auch dem bisherigen Feinde gegenüber nicht versagen. Den politisch nur anders Gesinnten aber wird diese Gerechtigkeit, sofern er aufrichtig entschlossen ist, dem neuen Staat ehrlich und opferwillig zu dienen, nicht einem ungewissen Schicksal überliefern, sondern seine Mitarbeit wieder ermöglichen. Zum Schluß heißt es im Hirtenbrief unter anderem: Wir wollen dem Staat um keinen Preis die Kräfte der Kirche entziehen. Nur vertrauen auch wir darauf, daß manches, was uns vom katholischen Standpunkt aus in den letzten Monaten als befremdlich und unbegreiflich erschien, sich nur als Gärungsvorgang erweist, der bei der Klärung der Verhältnisse als Hefe zu Boden sinkt. Wir vertrauen, daß die Gerechtigkeit sich nunmehr auch jenen gegenüber großmütig bewährt, die bisher unter den Zusammenbrüchen, Umschaltungen und Ausschaltungen Unsägliches erlitten und unser innigstes Mitleid verdienen. Wir vertrauen, daß es der Umsicht und Tatkraft der deutschen Führer gelingt, alle jene Funken und glimmenden Kohlen zu ersticken, die man da und dort zu furchtbaren Bränden gegen die katholische Kirche anfachen möchte. Die Antwort Hitlers besteht in den fortwährenden Verfolgungen katholischer Geistlicher, Politiker und ihrer Anhänger.