Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1933
- Issue
- Heft 24 (16.6.1933)
- Date
- 1933-06-16
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Arosa 1800 mü.M. Sdiweiz B ERGSTRANDBAD HOTE1 METROPOL SÄÄ warmes Wasser in allen Zimmern. Vorzügliche Verpflegung, sehr miflige Preise. Schöne Unterhaltungsraume. Ping-Pong-Sial. Lift. 0 dem eine Rassen minder h ei t, schon im Hinblick auf die v o 11 s t ä n d i g e F a 1 s c h h e i t d e r wissenschaftlich längst widerlegten Rassentheorie zurückgewiesen. Die unter meiner Führung stehende österreichische Delegation hatte Gelegenheit, im Laufe der Diskussion ihren Standpunkt zu präzisieren. Man kann verstehen, führte ich aus, daß es, wie bei jedem Umsturz, zu individuellen Gewaltakten und Exzessen gefährlicher Art gekommen sei Allein nun bestehe die neue Regierung schon seit Monaten auf breitester Basis. Es wäre Zeit, endlich den Uebergriffen ein Ende zu bereiten. Uebrigens wollte ich als Vertreter des deutschen Oesterreich, das durch Sprache, Geschick und Tradition, aber nicht durch Rasse, mit dem großen Brudervolk so eng verbunden sei, nicht wegen der Vergangenheit rekriminieren, sondern mich mehr der Zukunft zuwenden. Unsere Pflicht aber sei es, den Flüchtlingen die Existenz im Ausland zu erleichtern. Ich regte daher an, die V ö 1 k e rbundkommission für geistige Zusammenarbeit möchte ersucht werden, sich insbesondere der im Ausland befindlichen Intellektuellen anzunehmen und speziell eine Aktion zur Verschaffung von Lehrkanzeln für stellenlose Professoren einheitlich zu gestalten. Ferner sei ein neues Emigrationsproblem durch die massenhafte Anwesenheit von Flüchtlingen in gewissen Grenzgebieten entstanden. Im Norden der Tschechoslowakei fallen nicht weniger denn 12.000 deutsche Juden, mehr oder weniger zusammengedrängt, den Behörden zur Last. Dieser Zustand kann nicht dauern. Das Internationale Arbeitsamt in Genf, das über ein Emigrationsdepartement verfüge, sei das kompetente zwischenstaatliche Organ, um diesen Flüchtlingen neue Möglichkeiten und Einwanderungsgebiete zu eröffnen. Diese Anregungen wurden in dem Bericht aufgenommen. iinniiiiiiinniiiiiniiintuiiiiminiiiiiimiiiiiitn MÖBEL Moderne Küchen- Vorzimmer- Wohnzlmmer- F. KOHN, Wien IL, TABORSTRASSE Nr. 22 Telephon R 40-7-14 Samstag geschlossen — Angeschlossen der „Schomra" m m Der Fortfall der Staatsbeihilfen für die deutschen Gemeinden. Von Dr. Arthur L i 1 i e n t h a 1, Berlin. Seit 1925 hat die preußische Regierung den leistungsschwachen Synagogengemeinden finanzielle Beihilfen zur Verfügung gestellt. Aufwendungen des Staates für die religiösen Körperschaften waren in Preußen seit jeher erfolgt, aber bis dahin auf die christlichen Kirchen beschränkt gewesen. Aus denselben Gründen und aus demselben staatlichen Interesse am religiösen Leben heraus sind dann auch Beihilfen an die jüdischen Gemeinden gezahlt worden; wie die Kirchen Zuschüsse zur Pfarrerbesoldung erhalten, gab der Staat den Synagogengemeinden Beihilfen zur BesoldungihrerRabbiner. Nach Prüfung der Leistungsfähigkeit der einzelnen Gemeinden wurde derjenige Betrag zur Verfügung gestellt, der notwendig war, um den Gemeinden die Zahlung eines der Pfarrerbesoldung entsprechenden Gehalts zu ermöglichen. Darüber hinaus wurden Beihilfen für den Religionsunterricht zur Verfügung gestellt, und zwar ebenfalls als Zuschüsse zu den Gehältern. Diese Zuschüsse für den Religionsunterricht beruhten darauf, daß unsere Gemeinden nach § 62 des preußischen Gesetzes über die Verhältnisse der Juden vom 23. Juli 1847 verpflichtet sind, die notwendigen Einrichtungen für den Religionsunterricht zu treffen, also eine Aufgabe erfüllen müssen, die sonst der Staat erfüllt. Die Beträge, die für beide Zwecke zusammen gezahlt wurden, betrugen zur Zeit der größten Höhe zusammen nicht viel mehr als 500.000 Reichsmark, nicht unerheblich weniger als 1 Prozent der Ausgaben des Staates für die religiösen Körperschaften überhaupt. In den Jahren des allgemeinen wirtschaftlichen Niederganges sind auch die Staatsbeihilfen für unsere Gemeinden herabgesetzt worden. Im Jahre 1932 sind nur noch etwas weniger als 150.000 Reichsmark für Zwecke des Religionsunterrichtes ausgezahlt worden, während für Rabbinerstaatsbeihilfen 120.000 Reichsmark in den Etat eingesetzt waren, die aber nicht mehr zur Auszahlung gelangt sind. Selbstverständlich ist die Hilfe für unsere leistungsschwachen Gemeinden von uns Juden nicht dem Staat allein überlassen worden. In stets steigendem Maße hat der Landesverband eigene Mittel, d. h. ihm zugeführte Mittel der leistungsfähigeren großen Gemeinden für die kleinen Gemeinden verwandt. Die Staatsbeihilfen für die leistungsschwachen Synagogengemeinden sind nunmehr eingestellt. Wie schon erwähnt, sind die Rabbinerstaatsbeihilfen schon für 1932 nicht mehr ausgezahlt worden. Diese Beihilfen sind vom Ministerium nach Prüfung der Verhältnisse selbst verteilt und daher immer erst gegen Ende des Etatsjahres ausgeschüttet worden. Infolge des politischen Umschwunges ist die Auszahlung für 1932 unterblieben. Hier sind also für die betroffenen Gemeinden Einnahmen fortgefallen, mit denen sie nach Lage der Sache hatten rechnendürfen. Für die Zukunf ist nach einer Mitteilung des preußischen Kultusministers mit Staatsbeihilfen nicht mehr zu rechnen. Die Staatsbeihilfen haben sehr wesentlich dazu beigetragen, überall eine; religiöse Versorgung unserer Gemeinden, besonders'die religiöse Erziehung der Kinder, zu ermöglichen. Dieser Versorgung stehen bei uns besondere Schwierigkeiten entgegen. Die deutschen Juden sind vielfach in sehr kleinen Gemeinden auf die einzelnen Orte verteilt. Diese kleinen und kleinsten Gemeinden sind naturgemäß nicht in der Lage, selbst einen Beamten zu besolden. Die Staatsbeihilfen hatten ihnen geholfen, ihre Kinder religiös unterrichten zu lassen und ihnen eine religiöse Erziehung zu geben, die gewiß auch im Interesse des Staa.tes lagundliegt. Den Gemeinden überhaupt wurde eine religiöse Führung gesichert. Ihr Einfluß vor allem ist dafür wichtig, daß in der Isolierung der kleinen Gemeinden nicht unsichere, innerlich haltlose oder nur mit den Dingen hadernde in Radikalismus abgleitende Menschen werden. Dabei geht in den kleinen rabbinerlosen Gemeinden die Bedeutung des Lehrers weit über die des Jugendbildners hinaus. Er muß vielfach der geistige Halt der Gemeinde überhaupt sein. Die Durchführung dieser Aufgabe ist durch den Fortfall der Staatsbeihilfen äußerst erschwert. Die Not steigt in allen unseren Gemeinden, auch in größeren und großen. Gleichzeitig fällt ein erheblicher Teil der Mittel fort, die den religiösen Halt der kleineren und kleinen Gemeinden sichern sollen. Es hat keinen Zweck, jetzt darüber zu klagen. So unerfreulich der Vorgang ist und so schwer die Lage, so gibt es im Augenblick nur eins: Aus eigenerKraft das irgend Mögliche zu tun. * Der Balkan beschämt das „Dritte Reich". Die griechische Regierung hat einer Anzahl jüdischer philanthropischer Institutionen in Saloniki staatliche Beihilfen im Gesamtbetrag von 430.000 Drachmen bewilligt. Außerdem wurde dem jüdischen Schulwesen in Saloniki eine Subvention von einer Million. Drachmen sewährt. Auch die Gemeindeverwaltung von Saloniki hat jüdischen Institutionen Beihilfen in der Höhe von 640.000 Drachmen bewilligt. ||,IUUU*llMii Wie England hilft. Die deutsche Judenfrage vor der Anglo-Jewish Association. Die kürzlich unter dem Vorsitz von Leonard G. Montefiore abgehaltene Jahresversammlung der Anglo-Jewish Association stand im Zeichen der Wendung im Schicksal der deutschen Judenheit Eine große Zahl deutscher Juden sei bereits aus Deutschland ausgewandert erklärte Leonard Q. Montefiore; es müsse alles daran gesetzt werden, für diese Auswanderer neue Erwerbsmöglichkeiten zu schaffen. Doch dürfe nicht vergessen werden, daß auf jeden Juden, der Deutschland verlassen habe. 30 oder 40 entfallen, die genötigt sind, zurückzubleiben. Die weitere Gestaltung des Schicksals dieser halben Million menschlicher Wesen bilde den schwierigsten und dringendsten Teil des vorliegenden Problems. Unter diesen Männern und Frauen gebe es Persönlichkeiten von außerordentlicher Bedeutung. Ihre von der deutschen Regierung verschmähte Arbeitskraft stehe nunmehr ihrer eigenen Gemeinschaft zur Verfügung. Die jüdischen Führer in Deutschland täten, was in ihrer Macht stehe, um zu retten, was zu retten sei. und die durch dieses Unheil Ueberwältigten und Niedergeworfenen zu sammeln und wieder aufzurichten. Es sei dringendste Pflicht der Juden im Ausland, diese Bemühungen zu fördern und die Wünsche und Bedürfnisse der deutschen Judenheit weitmöglichst zu befriedigen. Montefiore unterstrich sodann die Notwendigkeit, in diesem Jahre keinerlei mit Ausgaben verbundene Erweiterung des Schulwerks der Association vorzunehmen, sondern nur das Bestehende zu erhalten, da die Leitung voraussichtlich große Geldmittel für ihre gemeinsam mit dem Joint Foreign Committee zu leistende Arbeit sowie für das zentrale Hilfswerk zum Wiederaufbau der Existenz zahlreicher zugrundegerichteter und exilierter Brüder aus Deutschland werde aufbringen müssen. Während der 62 Jahre ihres Bestehens habe die Vereinigung ihre Kräfte der Verbesserung der Lage der Juden in den osteuropäischen Ländern gewidmet Nunmehr stehe sie vor der Aufgabe, sich vor einer weit tragischeren, in ihrem Ausmaß weit gewaltigeren Katastrophe im Merzen Europas zu bewähren. Er wolle hoffen, daß man einst werde sagen können, die Vereinigung habe in einer Zeit der Krise, wie sie seit der Gründung des Verbandes noch niemals in solcher Schärfe aufgetreten sei,' eine nicht unwürdige Rolle gespielt. Der mit dem 31. Dezember des vergangenen Jahres, abschließende Bericht der Anglo-Jewish Association, fuhr Montefiore fort, biete eine Uebersicht über Ereignisse, die heute, fünf Monate später, wie einer fernen Vergangenheit angehörend anmuten. Dieser Bericht könnte einem künftigen Historiker als lehrreiches Beispiel dafür dienen, wie gründlich mitunter politische Propheten durch den Gang der Ereignisse widerlegt werden. Viele deutsche Juden hätten noch vor einem Jahre gesagt, eine Regierung Hitler sei unvermeidlich und schließlich sei es vielleicht besser, daß Hitler die Macht ergreife, denn dann werde es sich zeigen, daß die Durchführung seines Programms nicht möglich sei. Niemand konnte sich damals vorstellen, daß innerhalb weniger Monate die gegen die jüdische Bevölkerung gelrichteten Maßnahmen mit allen Machtmitteln einer modernen Regierung durchgeführt werden würden. Dennoch sei es so gekommen. Tausende Männer und Frauen seien ihres Erwerbes verlustig gegangen, weder Alter noch Ruf und Name noch auch dem Staate geleistete Dienste hätten vor der Anwendung dieser Maßnahmen geschützt. Der Widerhall dieser Maßnahmen in der öffentlichen Meinung Englands sei sowohl in der Unterhausdebatte als auch in freimütigen Aeußerungen hervorragender Vertreter des öffentlichen Lebens Englands im ganzen Lande zum Ausdruck gekommen. Die Ablehnung der Vorgänge in Deutschland beschränke sich nicht auf irgendeine einzelne politische Partei. Wenn einerseits Mitglieder und Freunde der „Union" ^Äi^^aer "l^'8 SBlcllWaP£n-RestaUPant Sommermonate jeden Donnerstag, ab 7s8llhr abends, im reservierten Teil des Restaurant S. Deutschberger II., Änsstellungsstraße (Straßenbahn-Haltesteüe Lustspieltheater), woselbst auch Gelegenheit zu freier Aussprache gegeben ist. ffiDnurninm^ - Selchwaren ans der Fabrik Elsen & Hönigsber streng orth. (Unter Aufsicht der Adas - Jisroel - Schiffschnl) Wien II., PralerslraBe 33, Telephon R-47-4-49 Menü von S 2.— aufwärts. Hochzeiten und Banketts werden bestens arrangiert