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Die Wahrheit · 1933-06-16 · Heft 24 (16.6.1933) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1933
Issue
Heft 24 (16.6.1933)
Date
1933-06-16
Page
– (sequence 3)
Language
German
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DIE WAHRHEIT Seite 3 Secfeld in Tirol (1200 m) das Paradies der Erholung und Gesundung, modernes Schwefelheilbad, Strandbad, Höhensonne, aller Sport, bekannt erstklassigeVerpflegung, billige Preise, Pension Geschwister Seheer im Hotel Hochalm, Tel. 28 Preis allein angegangen. Und es ist zu wetten: Gegen ein ganzes Rudel Gummiknüttel schwingender Sturmschärler hätte auch ein Max Baer nichts aufstecken können . . . Fairnesse ist ein Fremdwort und schon als solches den Neudeutschen hitlerischer Prägung verhaßt. Die Herren beherrschen, wie ihre literarischen Enunziationen beweisen, nicht einmal ihre Muttersprache ordentlich, wozu sollen sie noch das Risiko in Kauf nehmen, das der Gebrauch von Fremdwörtern mit sich bringt? Speziell mit Fairnesse wüßten sie wirklich nichts anzufangen. Mit Fairnesse hätten sie nicht die durch die von Hitler beschworene Verfassung gewährleisteten Staatsbürgerrechte der Juden zerschlagen, nützliche Mitglieder der Gesellschaft als Schädlinge brandmarken und um Ehre und Brot bringen können. Fairnesse könnte sich bei alldem nur als Spielverderber geltend machen, wie bei dem Match Schmeling—-Baer . . . Am einfachsten wäre es, Fairnesse als jüdische Erfindung hinzustellen. Aber das geht leider nicht, denn die Juden würden dabei moralisch profitieren und die Hakenkreuzler hätten sich selbst der Möglichkeit beraubt, diesen jüdischen Profit programmgemäß in Beschlag zu nehmen .... Auch sonst bietet ihnen der Boxkampf Schmeling—Baer sehr unerfreuliche Ein- und Ausblicke. Der Draht berichtete, wie der Jude die schwersten Hiebe, die der Deutsche gegen ihn führte, lächelnd ertrug. Nur ganz am Anfang wurde er durch einen Kinnhaken in die'Knie gezwungen, erhob sich indes bald. Als er aber in der zehnten Runde selbst das Kinn des Gegners traf, stürzte dieser, wie vom Blitz getroffen, zu Boden und war endgültig besiegt . . . Muß bei der Lektüre dieser Schilderung den Rittern vom Hakenkreuze, die ohne zwingenden Grund einen Krieg gegen Juda vom Zaun gebrochen haben, nicht schwül werden? Was nützt es, daß der Gegner in der Anfangsrunde in die Knie gezwungen scheint? Wer weiß, wie bald er sich wieder erheben wird, wie viele Runden er einem noch aufnötigt und wie die Affäre schließlich ausgeht? Die Weltgeschichte bietet den Feinden Israels hiefür kein freundliches Prognostikon: Gar viele einst mächtige Völker, deren Kriegsruhm unsterbliche Dichter der Nachwelt künden, liegen seit langem knock out geschlagen auf der Walstatt, das Judentum aber, oft genug in die Knie gezwungen, konnte sich stets noch vor „neun" wieder aufrichten und schreitet erhobenen Hauptes durch die Arena der Menschheit.... int***r"****** Das Weltgewissen. Kürzlich wurde in Washington eine Amerikanische Nationalkonferenz gegen rassische Verfolgung in Deutschland abgehalten, anderprominenteNichtjuden, unter ihnen mehrere Senatoren und Staatsgouverneure, teilnahmen. Die Konferenz richtete an Präsident Roosevelt die Bitte, sich bei der deutschen Regierung zugunsten der von den judengegnerischen Maßnahmen betroffenen deutschen Juden zu verwenden. Amerikanischen Zeitungsmeldungen zufolge soll die Regierung der Vereinigten Staaten an die deutsche Reichsregierung tatsächlich ein offizielles Schreiben gerichtet haben, in dem auf die in den Vereinigten Staaten herrschende tiefe Beunruhigung angesichts der antisemitischen Maßnahmen in Deutschland hingewiesen wird. Eine amtliche Bestätigung der amerikanischen Blättermeldungen steht noch aus. * Die Vertreter der Arbeitnehmer Frankreichs, Belgiens und der Schweiz haben der Internationalen Arbeitskonferenz einen Antrag vorgelegt, in dem unter Hinweis auf die seinerzeitigen Aktionen des Internationalen Arbeitsamtes zugunsten der russischen und armenischen Flüchtlinge Maßnahme zur wirtschaftlichen Eingliederung der aus Deutschland ausgewanderten jüdischen Arbeitskräfte in ihren jetzigen Aufenthaltsländern gefordert werden. In dem Antrag wird u. a. ausgeführt: Die politischen Veränderungen, die sich in der letzten Zeit in Deutschand zugetragen haben, haben Tausende gezwungen, das Land zu verlassen. Unter dem neuen System wurden deutsche Bürger aus Rassegründen an der Ausübung ihrer Arbeit verhindert oder ihrer Stellung beraubt. Unter diesen Umständen sind für die Nachbarländer, nach denen sich diese Flüchtlinge gewendet haben, schwere Rückwirkungen zu befürchten. Die ohnehin schon allenthalben erschütterte Lage des Arbeitsmarktes wird dadurch noch weiter erschwert werden; hieraus wird sich für diese Länder eine Vermehrung der Arbeitslosigkeit ergeben, welche die internationale Arbeitsorganisation gerade zu bekämpfen trachtet. Da nun das Internationale Arbeitsamt sich bereits unter ähnlichen Umständen mit der Unterbringung der russischen und armenischen Flüchtlinge zu befassen hatte, ersucht die Konferenz den Verwaltungsrat, das Internationale Arbeitsamt zu beauftragen, die notwendigen Untersuchungen vorzunehmen, um die erwähnten deutschen Flüchtlinge in den Landern, in denen sie beschäftigt werden können, angemessen unterzubringen, ohne dadurch die Volkswirtschaft der betreffenden Länder zu schädigen. * Der tschechoslowakische Buchhändler-und Verlegerverband kündigt die Abhaltung einer „Woche der verbrannten Bücher" an. In dieser Woche sollen in den Schaufenstern aller Buchhandlungen ausschließlich die Werke solcher Schriftsteller ausgestellt werden, die in Deutschland verfemt wurden. Zimmermaler Kohn empfiehlt sich zur Ausführung von Malerarbeiten jeder Art II., RotMkreuzgasse 3 Tel. A 43-5-37 Der weltberühmte Pianist und ehemalige Präsident der polnischen Republik, Ignaz Pader e w s k i, hat sich bereit erklärt, zugunsten der in Frankreich eingetroffenen jüdischen Auswanderer aus Deutschland demnächst in Paris ein Konzert zu veranstalten. * Das jüdische Hospital in Warschau hat den berühmten Internisten Professor Hermann Zondek, früheren Direktor des Urban-Krankenhauses in Berlin, eingeladen, die Leitung seines mit €JLUSIUS]BAB KTUB- TOD BAIDEABTSTAI/T WIEN IX., CLUSIUSGASSENR 12 an der Friedensbrflcke gelegen v ■A Original RDSSlSdlCS Dampfbad mit "^=r Buschenbehandlung gegen Rheuma etc. Gegen Vorweisung dieses Inserates S 1.30 Während meines heurigen Urlaubes wurde ebenso wie im Vorjahr nicht nur im 2. Bezirk, den ich als Vertreter der Schuhcreme-Firma Karl Schmoll bearbeite, sondern auch in mehreren anderen Wiener Gemeindebezirken das Gerücht verbreitet, daß ich von der Firma Schmoll entlassen worden sei. Ich erkläre hiemit, daß dieses Gerücht auch heuer wieder vollkommen unwahr ist. da von der Firma Karl Schmoll niemand, also auch ich nicht, entlassen wurde. Der Urheber und Verbreiter des Gerüchtes ist daher ein Lügner und Verleumder. Diese Gehässigkeit gegen meinen Arbeitgeber, die Firma Karl Schmoll, und mich ist um so bedauerlicher, da der von mir infolge schwerer Erkrankung meines Kindes erbetene vorzeitige Urlaubsantritt sofort bewilligt wurde. Dieser unvorhergesehene, plötzliche Urlaubsantritt verhinderte mich, meine geschätzten Kunden von meiner dreiwöchigen Abwesenheit im Monate Mai vorher noch in Kenntnis zu setzen. Für zweckdienliche Mitteilungen zur Ermittlung des Urhebers, beziehungsweise Verbreiters des meine Existenz bedrohenden Gerüchtes würde ich mich dankbar und erkenntlich zeigen. RUDOLF LÖWY, Vertreter den Firma Karl Schmoll VI.. Mollardgasse 70 Peision Sonniiot. Sceteld. Ural. i20Bm Modernes Haus, fließendes Kalt- und Warmwasser, sonnige Liegeterrasse, staubfrei, freier Rundblick. — Pensionspreis 10—12 S. Besitzer: Andreas Mair. Hilfe des Jewish Joint Distribution Committee of America errichteten Pathologischen Institutes zu übernehmen. Die polnische Regierungsbank hat eine Sonderanleihe bewilligt, um die schnellstmögliche Fertigstellung des Instituts- Gebäudes zu ermöglichen. Der Völkerbund-Kongreß. Am 7. Juni wurde in Montreux der 17. Kongreß des Weltverbandes der Völkerbundligen geschlossen. In seiner letzten Sitzung erstattete die holländische Delegierte Frau Bakker van Bosse einen Bericht über die Lage der Juden in Deutschland. Eine Resolution, die unter Stimmenthaltung der deutschen Völkerbundliga angenommen wurde, gibt der tiefen Beunruhigung über die Lage der Juden in Deutschland Ausdruck und spricht die Hoffnung aus, daß die gleichen Rechte, die den Minderheiten der Sprache, Religion oder Rasse durch die Verträge garantiert sind, von allen Mitgliedstaaten des Völkerbundes beachtet werden. Sie erinnert an das ständige Eintreten der deutschen Delegationen beim Völkerbund für die Beachtung der Minderheitenrechte und gibt der Meinung Ausdruck, daß die Aufrechterhaltung der Maßnahmen, die in Deutschland ergriffen worden sind, geeignet sein könnte, das gute Einvernehmen zwischen den Völkern zu stören. Schließlich ersucht die Resolution den Präsidenten des Weltverbandes, Lord Robert Cecil, sich in einem Appell an die deutsche Liga zum Dolmetsch der Gefühle des Weltverbandes der Völkerbundgesellschaften zu machen. Lord Robert Cecil richtete an den Führer der deutschen Delegation, Gouverneur Doktor Schnee, ein Schreiben, in dem es heißt, der Weltverband erkenne an, daß er nicht das Recht habe, sich in die inneren Angelegenheiten eines Landes einzumischen, und er wünsche das auch nicht zu tun. Immerhin hätten die beglaubigten Ereignisse in Deutschland in Europa und in den Vereinigten Staaten eine sehr ernste Beunruhigung hervorgerufen und das gute Einvernehmen beeinträchtigt Denn sie verletzen Menschenrechte und Prinzipien, welche als allgemeine Errungenschaften unserer Zivilisation bleibende Geltung zu genießen scheinen. In der höflichsten Form wird die Haltung der deutschen Regierung als eine Belastung für die vertrauensvollen Beziehungen der Völkerbundmächte hingestellt. * Die österreichische Delegation. In einem in der Sonntagsnummer der „Neuen Freien Presse" erschienenen sehr interessanten Artikel berichtet Botschafter a. D. Dr. C. D u m b a u. a. auch folgendes: In erster Linie waren es die Vertreter der großen westlichen Demokratien, welche ihre Stimme gegen die Maßnahmen wider die persönliche Freiheit, die Freiheit der Presse, der Gleichheit aller Bürger vor dem Gesetze usw. erhoben. Auch wurde der Einwand, die Juden wären gar keine religiöse Minderheit, son- Isdiias, Rheuma, &m Utägige Ischias - Schnellkuren (Italienische Methode) Fango-, Schlammpackungen, Moor-, Schwefel-, Sool-, Flehten-, Koblensaurebüder, Diathermie. Helfitaft, Höhensonne Paraffin-Entfettungskuren und alle sonstigen modernen physikalischen Heilmethoden täglich von 8—6 Uhr HeHanstaU „Thermlo" L, Franz Josefskai 1 — Telephon R 29-1-37 Leiter: Dr. Wolf Somer

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