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Die Wahrheit · 1933-06-02 · Heft 22 (2.6.1933) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1933
Issue
Heft 22 (2.6.1933)
Date
1933-06-02
Page
– (sequence 3)
Language
German
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DIE WAHRHEIT Seite 3 kalen ca. 5000; in Rechtsanwaltsbüros ca. 3000; in ärztlichen Betrieben, Zahntechnik, Sanatorien ca. 2000; in Geld, Kredit, Versicherungen ca. 2000; zusammen ca. 212.000 christliche Arbeitnehmer! Bescheiden gerechnet, erhalten die 40.000 selbständigen Juden zumindest 200.000 christliche Arbeitnehmer, das heißt mit ihren Familien 600.000 bis 800.000 Oesterreicher. Diese Ziffern stehen vielen Kontrollmöglichkeiten offen, diese ganz ungewöhnlichen Leistungen aber finden ihre Begründung dadurch, daß der Jude, als Arbeitnehmer boykottiert, sich nur als Arbeitgeber fortbringen kann. III. Die Juden Oesterreichs schaffen Werte innerhalb des Landes: Sie beteiligen sich an der Erzeugung in der Industrie und im Gewerbe mit einem Arbeiterstand von zumindest 70.000 Menschen in den industriellen und gewerblichen Betrieben. IV. Die Juden Oesterreichs führen neue Quellen des Wohlstandes aus dem Ausland nach Oesterreich. Fast zwei Drittel des österreichischen Exportes liegen in den Händen der Juden, die hier, dank ihrer Verbindungen im Ausland, nicht nur für unsere Währung entscheidende Mengen fremder Valuten nach Oesterreich bringen, sondern auch Hunderttausende von Menschen, die für die Exportbetriebe arbeiten, beschäftigen. V. Die Juden Oesterreichs stehen kulturell nicht unter den anderen Gruppen der ganzen staatlichen Gemeinschaft zurück. Ein Besuch der Theater, eine Nachfrage bei den Buchhändlern, ein Rundgang durch die Bibliotheken, ein kurzes Verweilen in den wissenschaftlichen Vortragssälen liefern hierfür den vollen Beweis. VI. Die Juden Oesterreichs haben die Treue zum Staat immer durch Blutopfer bewiesen, die ihr Zahlenverhältnis zur übrigen Bevölkerung weit übersteigen: Die Archive der altösterreichischen Armee, die Verlustlisten, die Dekorierungslisten, die Ranglisten, in die jedermann heute leicht Einsicht nehmen kann, legen ewiges Zeugnis für den Opfermut der jüdischen Frontkämpfer ab. Und nun liegen die Dinge in Oesterreich und in Wien so, daß die Gemeinschaft der ganz auf sich selbst gestellten, abseits aller öffentlichen Versorgungsmöglichkeiten lebenden Juden, die für Oesterreichs Wirtschaft von überragendem Wert sind und ihm kulturell wahrhaftig keine Schande machen, sich trotz alledem mehr denn je durch eine Welle von Haß und Verhetzung bedroht sieht. Der Tragik dieser Situation fehlt die Ironie nicht. Genau so wie in Deutschland die Juden, deren Ahnen dort mit Julius Cäsar eingewandert sind, von Hitler, der erst seit einem Jahr deu tsch er Staatsbürger ist, bedrängt werden, so wird in Wien, wo sich die Vorfahren der Juden schon zur Zeit der Babenberger mit den Wienern in deutscher Sprache verständigt haben, gegen die Juden als Nicht-Deutsche von Leuten gehetzt, die sehr häufig erst in der ersten Generation die deutsche Sprache als Umgangssprache benützen. Aber die Juden, die schon seit zwei Jahrtausenden die Verfolgungen der sogenannten „Bodenständigen" aller Völker, unter denen sie wohnten, überlebt haben, werden auch in Wien von keiner Panik ergriffen werden. Mit diesem Oesterreicher inniger verbunden als alle ihre Verfolger, werden sie unbeirrbar auch weiterhin zu jenen Elementen gehören, die dem Staat und allen Bürgern zum Nutzen und zur Ehre gereichen. Das Weltgewissen. Das Mitglied des amerikanischen Kongresses Hamilton Fish hat im Repräsentantenhaus einen Antrag eingebracht, in dem der Präsident der Vereinigten Staaten aufgefordert wird, bei der deutschen Reichsregierung in freundschaftlicher Form dahin vorstellig zu werden, daß diese die bürgerlichen und wirtschaftlichen Rechte der jüdischen Bürger respektiere und der Zurücksetzung aus Gründen der Rasse- oder Religionsverschiedenheit ein Ende bereite. Kongreßmann Fish erklärte, er werde die dringliche Behandlung seines Antrages durch den Kongreß verlangen, wenn sich die amerikanische Judenheit geschlosssen hinter den Antrag stellen werde. Die National Conference of Jews and Christians veröffentlicht die Namen von 1200 hervorragenden protestantischen Geistlichen der Vereinigten Staaten, die eine an die protestantischen Führer in Deutschland gerichtete Petition unterzeichnet haben, in der gegen die Zurücksetzung der Juden in Deutschland protestiert wird. Wir christlichen Geistlichen, heißt es in der Petition, sind tief beunruhigt durch das Schicksal unserer jüdischen Brüder in Deutschland. Wir sehen uns veranlaßt, unseren Protest gegen die Zurücksetzung der Juden unter der jetzigen deutschen Regierung mit Schmerz und Unwillen zum Ausdruck zu bringen, damit nirgendwo ein Zweifel über unsere christliche Gewissenspflicht in diesem Belang bestehen könne. Die Bemühungen, einen geschlossenen Teil der menschlichen Familie zu demütigen, bedrohen die zivilisierte Welt mit Rückkehr zu mittelalterlicher Barbarei. Wir beklagen die Folgen, die die Juden, die Christenheit, welche diese Zurücksetzung zuläßt, und insbesondere Deutschland selbst treffen müsse. Mit diesem Protest gegen den Antisemitismus in Deutschland glauben wir als aufrichtige Freunde Deutschlands zu handeln. * Im englischen Unterhaus hielt der ehemalige Außenminister Sir Austen Chamberlain im Verlauf der Abrüstungsdebatte eine Rede, in der er sich mit der Lage der Juden in Deutschland befaßte. Er erklärte u. a.: der Geist, der sich in der Aechtung einer Rasse innerhalb der Grenzen Deutschlands bekundet habe, würde, wenn man ihn in außenpolitischen Dingen gelten ließe, eine Bedrohung der ganzen Welt darstellen. Man habe in letzter Zeit von hochgestellten Persönlichkeiten in Deutschland weitere tief beunruhigende Aeußerungen gehört. Die letzte Aeußerung stamme von Reichskanzler Hitler selbst. Wenn man dessen Worte, wie er, Chamberlain, es gern tun wolle, so werte, wie sie gesprochen worden seien, so komme in ihnen ein neuer für die Beziehungen Deutschlands mit der übrigen Welt hoffnungsvollerer Geist zum Ausdruck. Beunruhigend aber sei, daß keine maßgebende Persönlichkeit in Deutschland bisher die von Ministerkollegen des Reichskanzlers abgegebenen Erklärungen offiziell zurückgewiesen habe. Auch der Abgeordnete Barnett Janner kam während dieser Debatte auf die Judenfrage in Deutschland zu sprechen. Er erklärte, ein Volk, das für sich selbst Gleichberechtigung in Anspruch nehme, dürfe diese eigenen Bürger nicht vorenthalten und nicht Männer und Frauen, die sich auf allen Gebieten des Lebens eher Anspruch auf Anerkennung und Wertschätzung erwarben als ein Ausrottungsurteil verdient hätten, als eine Klasse von Heloten behandeln. Was sich in Deutschland im Verlauf der letzten Wochen ereignet habe, zeige, daß die von Reichskanzler Hitler in seiner letzten Rede zum Ausdruck gebrachten Grundsätze in der Praxis noch nich t ih re Anwendung gefunden hätten. Janner führte sodann eine Reihe von Beispielen aus dem deutschen Wirtschafts- und Erziehungsleben an, aus denen zu ersehen sei, daß die schärfste Zurücksetzung der Juden in Deutschland fortdauere. Man könne nicht annehmen, daß eine von solchem Geist beherrschte Nation in ihrem Wunsch nach Frieden wirklich ursprünglich sei. Er hoffe, daß Menschlichkeit etwas zähle, und werde jene jüdischen Menschen, die in der Vergangenheit soviel geleistet hätten und innigst wünschten, auch in Zukunft wieder dem Staate und der Menscheit zu dienen, wieder in den Bereich der deutschen Nation zurückbringen. CJLUSIUS1IAB RUTH- UTIfflD BADEANSTALT 12 WIEN 1X.,,CLUSIUSGASSE NR an der Friedensbrflcke gelegen _~. Original RUSSlSdies Dampfbad mit ' Buschenbehandlung gegen Rheuma etc. ~_Gegen Vorweisung dieses Inserates S 1.30 Deutsche Arzte . . . Im „Aerzteblatt der Provinz Brandenburg, Grenzmark und Pommern" und später im „Groß- Berliner Aerzteblatt" ist ein Aufruf des Kommissärs im Provinzialververband der Aerzte der Provinz Brandenburg und Grenzmark „Fort mit den jüdischen Aerzten!" erschienen, der schwere Verunglimpfungen nicht nur der jüdischen Aerzte, sondern aller Juden enthüllt. Das Verschwinden der früheren idealen Beniisauffassung in weiten Kreisen der freien Berufe wird in diesem Aufruf, der den Juden als „Inkarnation der Lüge und des Betruges" bezeichnet, auf die' Juden zurückgeführt. Im Organ des Verbandes der Ärzte Deutschlands (Hartmann-Bund) fordert Medizinalrat Dr. L. Vellguth ein Gesetz, durch das die SterilisierungvonMinderwertigen als zulässig erklärt werden soll. Zu den Minderwertigen rechnet Dr. Vellguth folgende Gruppen: 1. Schwachsinnige, 2. Geisteskranke, 3. Epileptiker, 4. Unsoziale (Kriminelle), 5. Taubstumme, 6. körperliche Schwächlinge (Tuberkulose), 7. Fremdrassige. Die Aufnahme der siebenten Gruppe in diese Reihe wird folgendermaßen begründet: „Die Einsickerung fremdrassigen Blutes in den Organismus unseres Volkes wollen wir nach Möglichkeit verhindern. Juden, Neger, Mongolen und dergleichen Völker können also straffrei mit ihrem Willen sterilisiert werden, ganz gleich, ob sie gesund sind oder krank". Schließlich wird der Vorschlag gemacht, Fremdrassigen den Entschluß zu einer Sterilisation ducrh eine Prämie zu erleichtern. . . . und englische Wissenschaftler. Ein Komitee, dem eine Anzahl der bedeutendsten englischen Gelehrten angehört, hat an alle diejenigen, „die um die akademische Freiheit und die Sicherheit des Studiums besorgt sind", einen Aufruf gerichtet, Mittel zur Unterstützung der aus ihrem bisherigen Wirkungskreis entfernten Gelehrten aus Deutschland zur Verfügung zu stellen. Der Aufruf enthält eine vollständige Liste der in der Zeit vom 4. April bis 15. Mai von ihren Posten entfernten Hochschullehrer und Wissenschaftler. Das Komitee will sich bemühen, diesen Männern Zimmermaler Kohn empfiehlt sich zur Ausführung von Malerarbeiten jeder Art II«» Rolonkreuzgasse 3 Tel. A 43-9-37 an den Universitäten Englands und anderer Länder neue Wirkungsmöglichkeiten zu eröffnen, Fonds für die Errichtung neuer Lehrkanzeln zu schaffen und eine Zusammenarbeit aller in Betracht kommenden Faktoren herbeizuführen. Zu den Unterzeichnern des Aufrufs gehören u. a. der berühmte Dichter und Professor der englischen Literatur an der Londoner Universität Lascelles Abercrombie. der große Philosoph Prof. Samuel Alexander, der ehemalige Vizekanzler der Londoner Universität Sir William Beveridge. der Nobelpreisträger für Chemie Sir William Bragg. der Vorsitzende des Imperial College of Science, ehemaliger Lordkanzler Lord Buckmaster, der Kanzler der Universität Birmingham Viscount Cecil. der ehemalige Unterrichtsminister Prof. H. A. L. Fisher, die Universitätsprofessoren Holdane. Sir William Holdsworth und A. E. Housman, der Direktor des Britischen Museums Prcf. Sir F. S. Kenyon. der Nationalökonom Prof. J. M. Keynes. Prof. Gilbert Murray. der Physiker Lord Rayleigh, der Nobelpreisträger für Chemie Lord Rutherford, der Leiter der Universität Aberdeen Sir Georges Adam Smith und viele andere Professoren der Universitäten Oxford und Cambridge. Die Professorenkollegien der Universitäten Oxford und Cambridge sowie die Professoren der Londoner Handelshochschule haben beschlossen, 3 Prozent ihrer Gehälter dem neugeschaffenen Fonds zur Verfügung zu stellen. Ischias, Rheuma, tiidif 14tägige Ischias - Schnellkuren (Italienische Methode) Fango-» Schlammpaeknngen, Moor-, Sehwe» fei-, Sool-, Flehten-, Koblensaurebfider» Diathermie HeißSnÄ, Höhensonne Paraffin-Entfettungskuren und alle sonstigen modernen physikalischen Heilmethoden tfigUeb von 8—6 Uhr HellonstaU n"lnc:armlc**~ L, Franz Josefskat 1 — Telephon R 29-1-37 Leiter: Dr. Wolf Somer

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