Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1933
- Issue
- Heft 20 (19.5.1933)
- Date
- 1933-05-19
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 DIE WAHRHEIT BAP^ÄSTHN ,t I HOTEL ELISABETHHO Zeitgemäße Preise. Kein Mahlzeitenzwang CJLUSIUSBA!» KUK- II» BABEASTSTA1LT WIEN IX., CLUSIUSGASSE NR. 12 an der Friedensbrücke gelegen - A Original DUSSlSdieS Dampfbad mit •—ss- Buschenbehandlung gegen Rheuma etc. *y_Gegen Vorweisung dieses Inserates S 1.30 Faschismus ist nicht Antisemitismus. Weder in Italien noch in England. Der Führer der britischen Faschisten-Liga, Sir Oswald Mosley, der erst vor kurzem in der Qründungsversammlung der faschistischen Studentenvereinigung in Oxford jede Verbindung der faschistischen Bewegung in England! mit antisemitischen Tendenzen entschieden abgelehnt hat, setzt nunmehr im Londoner „J e w i s h C h r o n i c 1 e" seinen Standpunkt gegenüber dem Antisemitismus ausführlich auseinander. Sir Oswald Mosley wendet sich dagegen, daß die faschistische Bewegung Englands in der allgemeinen Presse als antisemitisch hingestellt wird. Er weist darauf hin, daß er schon einen Monat nach der im Oktober 1932 erfolgten Gründung der Liga in allen ihren Heimen einen Befehl anschlagen ließ, durch den judenfeindliche Ausschreitungen in jeder Form verboten wurden. In dem gleichen Befehl wurde der nichtantisemitische Chairakteridler englischen Faschistenliga ausdrücklich betont. Es gebe, führte Sir Oswald Mosley weiter aus, in England einen oder zwei kleine Vereine, deren Mitglieder sich zwar auch Faschisten nennen, die aber in keinerlei Zusammenhang mit der von ihm gegründeten Liga stünden. Von Mitgliedern dieser offenbar zu dem einzigen Zweck, Ueberfälle auf Juden zu organisieren, gegründeten unbedeutenden Gruppen seien die in letzter Zeit vereinzelt vorgekommenen Ausschreirungen begangen, nachträglich aber völlig unberechtigt der Faschistenliga zugeschrieben worden. Der größte Teil der Mitglieder dieser selbständügen Faschistenvereine aber sei schon früher zur Liga übergetreten und habe sich ihrer Disziplin unterstellt. In der englischen Faschistenliga, heißt es in dem Artikel Mosleys weiter, sei jeder dem britischen Staate ergebene Bürger, Jude oder Nichtjude, willkommen. In dieser Beziehung stimme die englische Liga vollkommen mit dem italienischen Faschismus, dem Angriffe auf Juidlen unbekannt sind, überein. Antisemitismus gehöre nicht zum Wesen des Faschismus. Was in Deutschland geschehe, sei eine rein lokale Erscheinung, die mit der allgemeinen faschistischen Bewegung nichts zu lun habe. Schließlich bekräftigte Mosley seine schon früher öffentlich abgegebene Erklärung, daß er die antisemitische Politik der deutschen Nationalsozialisten für einen schweren Fehler halte, und daß 'diese Politik keineswegs von der britischen Faschistenliga übernommen werden würde. Er hoffe und glaube, daß auch die; Angriffe auf die Juden in Deutschland bald aufhören werden. Das deutsche Judentum in schwerer Notzeit. In der soeben erschienenen Mai-Nummer des Gemeindeblattes der Jüdischen Gemeinde zu Berlin beleuchtet Dr. Arthur Lilienthal die Lage der deutschen Judenheit, wie sie sich infolge der Ausschaltung der Juden aus weiten Gebieten des deutschen Gemeinschaftslebens gestaltet hat, und weist auf die große Fülle der Aufgaben hin, die von der Judenheit Deutschlands ohne Unterschied der Richtung in gemeinsamer Arbeit gelöst werden müssen, um die durch die Maßnahmen der letzten Zeit erschütterten Existenzen zu retten und der von der höheren Schulbildung größtenteils ausgeschlossenen Jugend einen Weg zu neuen Zukunftsmöglichkeiten zu eröffnen. In diesem Zusammenhang kennzeichnet Dr. Lilienthal folgendermaßen den in der deutschen Judenheit immer stärker sich geltend machenden Zug nach Einigung und einheitlicher Willensbildung: Ein enger Zusammenschluß, schreibt Dr. Lilienthal, ist die spontane Reaktion auf die Erlebnisse der jüngsten Zeit Austritte aus der Gemeinschaft sind so gut wie verschwunden. Wer geglaubt hat, der Gemeinschaft den Rücken kehren zu können, kehrt zu ihr zurück; und wo bisher innerhalb des deutschen Judentums Zersplitterung und gegenseitige Befehdung herrschte, tritt an ihre Stelle die Einheit. Das deutsche Judentum hat heute eine einheitliche Vertretung, die Jahre eingehender Verhandlungen nicht zustande gebracht hatten . . . Hinter' der Reichsvertretung stehen die großen jüdischen Verbände, die die lebendigen Kräfte des deutschen Judentums verkörpern, stehen der Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, die Zionistische Vereinigung für Deutschland, der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten. Durch ihren Präsidenten, Dr. B a e c k, ist die Reichsvertretung gerade jetzt aussichtsvoll bestrebt, diese großen politischen Gruppen des deutschen Judentums auf eine einheitliche Linie des Handelns festzulegen, das in der Reichsvertretung verwirklicht werden soll. Die Führer der deutschen Juden stehen vor der schweren Aufgabe, in irgend einer Weise die deutschen Juden zu einer Neugestaltung ihrer Verhältnisse innerhalb der veränderten Gesamtlage des deutschen Judentums zu führen. Es ist noch zu früh, um sagen zu können, welches endgültig unsere Lage innerhalb des deutschen Volkes und Staates sein wird. Eins aber ist schon jetzt sicher: Zurückgestoßen von der Mitarbeit an den allgemeinen deutschen Dingen wird das deutsche Judentum sich stärker als je auf seine Eigenart besinnen müssen. Schnellsieder-Zionismus. In der vorletzten Nummer der „Stimme" erschien unter obigem Titel ein Artikel, der niedriger gehängt zu werden verdient. Zunächst überschüttet der Schreiber dieses Artikels die durch die unerhörten Vorgänge in Deutschland Erschreckten und ausgerechnet beim Zionismus Schutzsuchenden mit einer Flut von Spott und Hohn über ihre Unwissenheit in zionistischen Belangen, um sich dann scheinheilig selbst die Schuld an dieser Unwissenheit zuzuschreiben und am Ende des Artikels in Klagen über die Zersplitterung im eigenen Lager auszubrechen. Vor allem ist es recht bezeichnend, daß der Autor des Artikels die neu beitretenden Mitglieder sogar mit jenen Ariern auf die gleiche Stufe , stellt, die um den Preis eines Zertifikates zum Judentum übertreten möchten. Wie ist eine solche Verspottung in Einklang zu bringen mit den vor kurzer Zeit überall affichierten Werbeplakaten der zionistischen Organisation' (alias „Jüdische Volkspartei"), die besagten: „Juden, wendet euch vertrauensvoll an uns!" Wie sollen sich Juden vertrauensvoll an eine Organisation wenden, die sie aufs gröblichste verspottet und die ihnen hämisch sagt, daß sie ihre Zugehörigkeit erst durch „Klei narbeit verdienen müssen"? Der Autor jenes Artikels leistet dem Zionismus einen schlechten Dienst, denn sein Artikel ist ganz dazu angetan, das kaum gewonnene Vertrauen der neu Beigetretenen wieder zu zerstören. Besonders schmählich aber ist es, die ins Judentum Heimkehrenden zu verspotten. Statt Freude zu empfinden über diese Heimflüchteinden, statt gerade diese liebevoll aufzunehmen und sie begreifen zu MÖBEL Moderne Kilchen- Vorzimmer- Wohnzlmmer- F. KOHN, Wien IL, TABORSTRASSE Nr. 22 Telephon R 40-7-14 Samstag geschlossen — Angeschlossen der „Schomra" lehren, was sie durch ihre Zwitterstellung verloren haben, statt sie wieder zum Glauben und zum freudigen Bekenntnis ihrer Zugehörigkeit zum Judentum zu führen und aus ihnen selbstbewußte Juden zu machen, statt all dieser für jeden aufrechten Juden selbstverständlichen Dinge hat der Autor des genannten Artikels nur höhnisches Achselzucken für diese Armen und den Hinweis auf „Kleinarbeit". Dasselbe Achselzucken hat er auch für diejenigen, die er in seinem Artikel „alte Zionisten" nennt. Er beschimpft sie, nur weil sie sich bisher nicht aktiv betätigten. Es ist eben nicht jedermanns Sache, in Radau-Versammlungen zu rennen oder gar persönüch hervorzutreten, damit derTHerr Artikelschreiber sehen kann, „wo er steht". Es sind nicht immer die besten, die am weitesten ihr Maul aufreißen. Ich kenne viele solche „alte Zionisten", die, ohne in der Partei tätig zu sein, immer ihr Scherflein zum Palästinaaufbau beigetragen haben, auch wenn sie die jüdischnationale Landespoftik entschieden abgelehnt haben. Der stille, bescheidene Mitarbeiter ist bei einem solchen Werk, wie es der Palästinaaufbau ist, genau so notwendig, ja oft notwendiger, wie der im Vordergrund stehende Führer. Besonders verhaßt scheint dem Herrn Autor der sogenannte „gute Jude" zu sein, dessen Ideologie der Autor als eingefleischter Zionist absolut nicht begreifen kann. Er kann nicht verstehen, daß dem Juden die Heimat, in der er geboren und erzogen wurde, lieb und teuer werden kann. Er glaubt, daß der Jude sich überall außerhalb Palästinas als Fremder fühlen soll. Der Jude hat aber ein unantastbares Recht an die Heimat, an'deren wirtschaftMchen und kulturellen Aufstieg er regen Anteil genommen hat, für die er sein Blut vergossen hat. Wer immer ihm dieses Recht rauben will, begeht ein gewaltiges Unrecht. In den westlichen Kulturländern ist dieses Recht längst anerkannt worden und es wird niemandem einfallen, die Juden nicht als gleichberechtigte Bürger des Landes zu betrachten. Nur in Mittel- und Osteuropa hat sich dieses unzweifelhafte Recht noch nicht vollkommen durchsetzen können, weil das Judentum oftmals dem politischen Machthunger als Sprungbrett dienen muß. So begrüßenswert .die Palästinaarbeit ist, so wenig darf sie zum Anlaß genommen werden, das Judentum seiner Heimat zu berauben, auf die es durch die Jahrhunderte alte Verbundenheit eiw unveräußerliches Recht erworben hat. Der Zionismus mag sich hüten vor überspitztem Nationalismus. Dieser ist das Grundübel, unter dem die Juden heute leiden und aus ihm ist' das meiste Unheil, das je die! Welt betroffen, hat, entsprungen. Der Nationalismus hetzt die Menschen wie wilde Tiere aufeinander und verhindert eine allgemeine Völkerverständigung. Er ist der Haupt-f- Urheber aller Kriege und solange die Menschheit sich von nationalen Schlagworten betören läßt, .wird sie nie zur Ruhe kommen. Die Zionisten sollen aus den Vorgängen in Deutschland lernen, wohin ein ins Maßlose gesteigerter Nationalismus führen kann. Dies gilt besonders für den Publizisten jenes Artikels, der von der Höhe seines überspitzten Zionismus auf alle Nichtzionisten in einer Weise herabsehen zu können glaubt, die die Nichtzionisten sich merken werden müssen. R. W. In tiefer Trauer gibt der Verein Smetana- Woblfahrtseinrichtungallen Mitgliedern, Freunden und Bekannten die Nachricht vom plötzlichen Ableben seines hochverehrten Alterspräsidenten Herrn Adolf Smetana Innsbruck Wer diesen guten, edlen Menschen kannte, weiß, was der Verein an ihm verloren hat. Bas Begräbnis fand Dienstag, den 16. Mai, in Innsbruck statt. Der Vorstand des Vereines Smetana-Woblfahrtseinrichtnng Wien, Budapest, Prag, New York