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Die Wahrheit · 1933-05-19 · Heft 20 (19.5.1933) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1933
Issue
Heft 20 (19.5.1933)
Date
1933-05-19
Page
– (sequence 3)
Language
German
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DIE WAHRHEIT Seite 3 Die Köster, des Gratis-Yolkslexi'fcons. Sogar wenn es in 30 Sprachen gedruckt werden müßte, könnte ein Band auf Kunstdruckpapier, in sehr schönem Einband, unter Berücksichtigung der Vorbereitungsarbeiten, um etwa 3 österreichische Schilling hergestellt werden. Die Gemeinden verlieren, materiell betrachtet, mehr durch Austritte, als Venn sie zu der Herstellung entsprechend beisteuern würden. Ich denke mir die Verwirklichung am leichtesten in der Weise, daß einige Persönlichkeiten, die *ür eine größere Judengemeinde erforderliche Anzahl von Bänden zeichnen (die Hergabe von Geld wäre vorläufig nicht nötig), daß die betreffende Kultusgemeinde dann veranlaßt werde, lür eine andere Gemeinde eine Anzahl von Bänden In jüdischnationa^sn Kreisen herrscht eine gewisse intellektuelle Genugtuung über die Ereignisse in Deutschland vor: Ist doch scheinbar wieder einmal bewiesen, daß * die Emanzipation, jene Grundlage des nichtnationalen Judentums, Schiffbruch erlitten hat. Das Volk der Dichter und Denker, um das sich das Judentum so sehr bemüht hat, griff zum brutalsten Antisemitismus. Damit hat die Forderung der Jüdischnationalen nach jüdischnationaler Landespolitik, Einkapselung der jüdischen Gemeinschaft, jüdische Selbstgenügsamkeit ihre scheinbare Berechtigung gefunden. War wirklich die Emanzipation der Juden oder, richtiger gesagt, die Emanzipation der Nichtjuden von der Barbarei des Mittelalters eine Täuschung? Besinnen wir uns einen Augenblick! Woher ist dem deutschen Judentum in seiner Bedrängnis Trost und Hoffnung gekommen? England- und Frankreich waren es, die ihre Stimme erhoben. Die Staatsmänner dieser Länder sagten zwar nicht, daß sie den Zionismus als Ausweg aus der derzeitigen Not der deutschen Juden betrachten, dafür erklärten sie, daß . sie das deutsche Volk in seinem Haß gegen Andersgläubige und Andersstämmige nicht verständen. England und Frankreich haben damit bewiesen* daß sie sich von dem Vorurteil gegen die Juden emanzipiert haben. Dieser tiefgehende Unterschied zwischen den Weststaaten und Deutschland gibt zu denken. War das, was wir unter Emanzipation verstehen, in den Weststaaten dasselbe wie in Deutschland, beziehungsweise Mitteleuropa? In Frankreich war die Emanzipation eine Folge der naturrechtlichen Auffassung des Menschen, die in der französischen Revolution politisch sich Bahn brach und der die Emanzipation des Gefühls, auf die es vor allem ankommt, nachfolgte. In England lagen die Verhältnisse ähnlich, doch vollzog sich die Entwicklung dem Charakter der Bevölkerung entsprechend evolutionär. Ganz etwas anderes war die Emanzipation in Deutschland und Mitteleuropa. In diesen Ländern ggft HÖCHSTE?C QUALITÄT HORMYPHOH zu zeichnen, um die Sache in Schwung zu bringen und gleichzetig das Zusammengehörigkeitsgefühl der Juden zum Ausdruck zu bringen. Welcher jüdische Philanthrop wird den Willen aufbringen, durch Zeichnung der ersten 10.000 Bände den materiellen Grundstein für das jüdische Abwehrarsenal zu legen und seinen Namen in die jüdische Geschichte einzumeißeln? bestand sie in der Abschichtung der Hausjuden vornehmlich durch den Adel, damit sie in der beginnenden kapitalistischen Wirtschaitsära auf Grund ihrer Erfahrung Lehrer und Wegweiser würden. Das Aufblühen der Wirtschaft und die damit notwendig verbundene Weite und Freiheit des Blickes verschaffte den Juden in Deutschland und Mitteleuropa eine Position, die eine stattgefundene Emanzipation vortäuschte. Das Hereinbrechen der Wirtschaftskrise offenbarte diese Täuschung. Während andere Staaten daran dachten, das Uebel als solches zu beheben, wurde in Deutschland ein Sündenbock gesucht und in den Juden gefunden. Der Parole der Sozialisten: „Der Kapitalismus ist schuld" setzte der Nationalsozialismus, darin von Teilen der Großbourgeoisie, die das Hochkommen der Kommunisten fürchteten, bestärkt, die Teilung von „schaffendem und raffendem Kapital" entgegen und erklärte das raffende Kapital als dem Judentum zu eigen. So wurde der kommunistisch-sozialistische Blitz vom Dache des deutschen Kapitalismus auf die Juden abgeleitet. Sieht man die Dinge so, dann darf wahrlich nicht die Emanzipation als Utopie verschrien werden. Die Schlußfolgerung der Jüdischnationalen aus einer verkannten Situation auf jüdische Autarkie muß abgelehnt werden. Vergessen wir nicht, daß der Widerhall der deutschen Ereignisse bei den Westmächten nicht zuletzt deshalb so stark war, weil die Juden eben dort nicht abgeschlossen gelebt, sondern, in verschiedenen Parteien wirkend, an der Entfaltung ihres Staates mitgearbeitet haben. Daß die Entwicklung in Deutschland und Mitteleuropa denselben Weg nehmen wird wie in den Weststaaten, wollen wir hoffen eingedenk der Worte Güdemanns: „Die Emanzipation der Juden, welche nur eine Selbstemanzipation der Völker ist, besteht erst wenige Dezennien und Rückfälle sind erklärlich. Man wird sich einmal der Rückfälle und also auch des Antisemitismus schämen. Daß das Judentum darunter leidet, ist zweifellos. Es hat mehr und länger gelitten, aber es besteht seit 3000 Jahren noch heute wie einst. Die schlechtesten Früchte sind es nicht, woran die Wespen nagen." Dr. Max Mark. in Privatbetrieben Angestellten wüiden solche Spässe bald verleidet werden. Wenn den Streikenden im Verlag. Ullstein ein freundlicheres Schicksal beschieden war, ist dies ein Beweis, daß es dort um andere Dinge ging. In der Tat: Es war eine Lohnbewegung mit ganz neuen Zielen. Was gefordert wurde, waren nicht etwa höhere Löhne, sondern das Gegenteil: die Brotlosmachung von Angestellten, natürlich nicht von allen: so pervertiert ist die Arbeitersolidarität auch nach ihrer „Auinordung" nicht. Nur die jüdischen Kollegen genossen die Auszeichnung, zum Objekte einer so merkwürdigen Kampfaktion auserwählt zu werden, einer Kampfaktion, der nicht die Sorge um die menschenwürdige Existenz aller zu Grunde lag, sondern der edle Eifer, Kollegen, denen der neue Kurs die Menschenwürde streitig macht, auch noch che Existenz zu rauben . . . Diese Wandlung der Ziele streikender Arbeitnehmer ist jedenfalls symptomatisch für die neue Moral, für die sittliche „Blüte", die der „Aufbruch der Nationen" im Zeichen des Hakenkreuzes dem deutschen Volke beschert hat. Aber damit ist die Pikanterie dieser Affäre im Hause Ullstein noch nicht erschöpft. Judenhaß hat die neuen Machthaber im Reiche emporgetragen, diese suchen folgerichtig, um sich dauernd oben zu erhalten, mit den für sie so segensreichen Haßinstinkten gegen eine bestimmte Bevölkerungsschicht immer breitere Massen zu betören. Auch die Arbeiter sind von ihnen schon erfaßt, sie wollen mit Juden nicht mehr zusammen arbeiten. Man muß dies bedauern, kann es aber angesichts einer politischen Psychose, die von ihren Nutznießern hemmungslos verallgemeinert wird, begreifen. Weniger begreiflich ist folgendes: Das Haus Ullstein ist selbst jüdisch. Wie können antisemitische Eiferer es über sich bringen, ihre sicherlich sehr wertvollen Fähigkeiten zum Vorteil jüdischer Nutznießer zu strapazieren? Wie können Arier, die es als Schmach empfinden, neben Juden zu arbeiten, sich herbeilassen, unter und für Juden sich anzustrengen? Hier klafft ein ethisches Vakuum, das auszufüllen das dringendste Bestreben der Vorkämpier des Dritten Reiches sein sollte. Wenn Deutschland mit Frankreich Krieg führte, würde es wohl jeder Deutsche als ruchlos ablehnen, in französische Dienste zu treten. Das Dritte Reich führt Krieg gegen die Juden. Also müßte es den rnilitanten Hitlerianern ebenso ruchlos erscheinen, bei Juden Dienste zu nehmen. Die konsequenteste antisemitische Taktik wäre es, die Juden unter sich zu lassen, ja die jüdischen Chefs direkt zu zwingen, sich mit jüdischem Personal zu begnügen. Damit wäre allen geholfen: den Juden, die wieder Verdienst fänden, und den Ariern, denen der Schmerz erspart bliebe, ihren schöpferischen Genius den „raffenden" Juden zur Verfügung stellen zu müssen. Die Hakenkreuzler rühmen sich gern ihrer unerschütterlichen Konsequenz — selbst auf Kosten der Menschlichkeit. Warum verleugnen sie diese Konsequenz dort, wo sie der Menschlichkeit entgegenkäme? Dr. Hugo S p i e g 1 e r. Schiffbruch der Emanzipation? Streik der Moral. Mitten in den Zeitungsberichten über den unerbittlichen Vernichtungskampf, den Hitler gegen den Marxismus führt, tauchte dieser Tage die Meldung über einen Streik in der Verlagsanstalt Ullstein auf. Man hörte von dringlichen Forderungen der bei dieser Firma beschäftigten Arbeiter, zögernder Haltung der Unternehmer, darauf Arbeitseinstellung im Betriebe, Eingreifen der Regierung, Verhandlungen, Kompromiß . . . Fast glaubt man, Münchhausens eingefrorene Posthorntöne zu vernehmen, Schlagworte aus einer versunkenen Welt: Arbeiterforderungen, Streik . . . Ja, gibt's denn das alles noch in Hitlerdeutschland? Und die Regierung fährt nicht mit jener brutalen Strenge drein, die man von ihr gegenüber allem, was alte sozialistische oder demokratische Traditionen heraufzubeschwören wagen, schon gewohnt ist? Statt die Ungeduld der Unbotmäßigen in Konzentrationslagern abzukühlen, setzt man sich mit diesen an den Verhandlungstisch, beschwichtigt säe wohlwollend und macht gleichzeitig seinen Einfluß auf die Firma im Sinne der Streikenden geltend! Also hat sich trotz der nationalen Revolution und Gleichschaltung aller Klassen in Wirklichkeit nichts geändert und die Regierung Hitler befolgt bei Lohnkämpfen dieselbe Taktik wie jede sozialdemokratische Regierung? Ja, das kommt ganz auf die Art des Lohnkampfes am! Bisher hat die Arbeiterschaft von ihren gewerkschaftlichen Kampfmitteln dann Gebrauch gemacht, wenn sie für die Gesamtheft oder eine bestimmte Schicht im Betriebe eine Besserstellung in finanzieller oder sonstiger Beziehung durchsetzen wollte. Menschenwürdige Bezahlung, Freiheit, sich zu organisieren, — das waren die üblichen Parolen, für die die Arbeiter früher zu Felde zogen. Für solche Kriegsziele hat Herr Hitler keine Sympathie. Er hat gleich nach seiner Machtergreifung den Beamten das Recht zu gewerkschaftlichem Zusammenschluß, zur Mitbestimmung in Fragen ihrer Berufsinteressen genommen und kündigt 'jetzt eine fünfundzwanzigprozentige Kürzung ihrer Gehalte an. Organisierter Widerstand gegen diese Maßregeln würde den davon betroffenen Staatsbeamten im Dritten Reich sehr übel bekommen. Aber auch den Wer betreibt Greuelpropaganda? Unbekannte Täter haben in Mannheim das zum Gedächtnis an den im Weltkrieg gefallenen Reichstagsabgeordneten Dr. Ludwig Frank errichtete Denkmal in seinen wesentlichen Teilen zerstört. Das Bronze- Medaillon wurde heruntergerissen, die Inschrift größtenteils zerstört und Zacken der Krönung abgeschlagen. Das nationalsozialistische „Hakenkreuzbanner" hatte einige Tage vorher die Verlegung des Denkmals auf den jüdischen Friedhof gefordert. * Die Pressestelle der SA. teilt mit, daß „aus Gründen der öffentlichen Ruhe, Sicherheit und Ordnung" das Verbindungshausderiüdischen Verbindung „Bavaria" vor kurzem von Abteilungen der Heidelberger SA.-Gruppe besetzt wurde. Die Besetzung erfolgte auf Befehl von Oberführer Ziegler, da bekannt geworden war, daß zu Semesterbeginn Einzelaktionen auf das Verbindungshaus sowie auf einzelne Mitglieder der jüdischen Korporation zu befürchten waren. Der Trupp, der die Besetzung vornahm, unterhält bis auf weiteres eine Wache im Bavariahaus.

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