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Die Wahrheit · 1933-05-19 · Heft 20 (19.5.1933) · page 2

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1933
Issue
Heft 20 (19.5.1933)
Date
1933-05-19
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 DIE WAHRHEIT sehen Kapazitäten der ganzen Welt statt Nur Deutschland war durch völlig unbekannte Herren vertreten, weil die berühmten deutschen Wissenschaftler, die ursprünglich nominiert worden waren, infolge ihrer jüdischen Abstammung durch das Reichskultusministerium abgesetzt worden waren. Der Kongreß ging über die Wünsche der deutschen Nichtse zur Tagesordnung über, ja er traktierte sie sogar mit saftigen moralischen Ohrfeigen, denn ein Jude, der berühmte polnische Rechtsgelehrte Rafael Taubenschlag, wurde beauftragt, im Namen des Gesamtkongresses die Festrede zu halten, und dem von den deutschen Behörden von seiner Freiburger Lehrkanzel vertriebenen Professor Lenel wurde ein Begrüßungstelegramm geschickt, in dem der Kongreß bedauert, daß diese „Leuchte der Wissenschaft" infolge der in Deutschland herrschenden Verhältnisse an der Teilnahme am Kongreß verhindert worden sei. Damit handelte der Kongreß im Sinne der sehr deutlich an die Adresse der deutschen Nazidelegierten gerichteten Ansprache des faschistischen Ministers für Justiz E r c o 1 e, der mit erhobener Stimme erklärte, „die Wissenschaft kennt keine Rassen- oder konfessionellen Unterschiede, die Wissenschaft ist unpolitisch". So ließe sich die Liste der Blamagen, die sich fütJer-Deutschland in letzter Zeit überall holte, unendlich vergrößern. Oesterreich nimmt seit dem Hinauswurf des Herrn Reichskommissärs Frank in dieser internationalen Liste einen ehrenvollen Platz ein. Hoffentlich wird es das Bestreben der österreichischen Regierung sein, diesen Rang beizubehalten. Sie wird damit nicht zuletzt im eigenen Interesse handeln, denn die gewalttätigen Kundgebungen der fiakenkreuzler vom letzten Sonntag, gerichtet gegen die Stütze der Regierung, haben bewiesen, was von diesen Herrschaften noch zu erwarten ist. Im Interesse Oesterreichs und seiner Bewohner, wie auch des Ansehens unseres Staates in der Welt ist hier die in den letzten Tagen so oft angerufene Härte der Regierung wirklich notwendig. o. h. nicht nötig, dieses Märchen im Detail zu widerlegen, jedermann weiß, daß die Juden die Angegriffenen und blutigen Opfer der „Empörung" der Nazis über das Uniformverbot waren. Aber es ist bezeichnend, daß. ein so bedeutendes Blatt mit internationaler Geltung eine Korrespondenz benützt, die augenscheinlich im Parteiinteresse ihre (vermutlich recht gut bezahlten) Berichte aussendet. Die Herren in Zürich werden gut daran tun, sich um objektivere Gewährsmänner umzusehen, denn sonst werden in Wien selbst die Nazi verwundert sein über Berichte, die sie nicht einmal in ihren Wienern Hetzblättern vorgesetzt bekommen. Schluß mit den Hochschulkrawallen! Der „Bund jüdischer Frontsoldaten Oesterreichs" hat am 9. d. M. folgende Eingabe im Original an den Bundesminister für Unterricht und in Abschrift an den Bundeskanzler, den Staatssekretär für Sicherheitswesen und den Po- - lizeipräsidenten übermittelt: Der „Bund jüdischer Frontsoldaten Oesterreichs" hat mit seiner Eingabe vom 3. d. M. auf die Gefahr neuer Ausschreitungen an den Hochschulen zu Beginn der Vorüesungen hingewiesen und gebeten, mit Rücksicht auf die ehrlose, gewalttätige Einstellung gewisser derzeit an den Hochschulen das große Wort führender Kreise, Vorsorge zu treffen, um derartige tiefbedauerliche, den Ruf Oesterreichs schädigende Vorfälle zu verhindern. Zu unserer und aller anständigen Menschen hellster Empörung war heute wieder der akademische Boden der Schauplatz widerlicher und blutiger Rauf- und Radauszenen. Wir Frontsoldaten haben für unser Vaterland schwere Blutopfer erlitten und haben nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht, darüber zu wachen, daß diese Opfer nicht umsonst gebracht wurden. Unsere Jugend ist unter den Augen1 des Rektors, der für diese Vorfälle die gesamte Verantwortung trägt, schutzlos gemeinsten und feigsten Angriffen ausgesetzt. Wir lehnen die Vorrechte des akademischen Bodens ab, wenn Studenten wie infame Rowdies und Wegelagerer auf diesem hausen und mit vielfacher Uebermacht feig und hinterüstig jüdische Studenten überfallen. Die bekannte Einstellung des derzeitigen Rektors Prof. Dr. Abel gibt keine GewähT für die objektive Führung der Amtsgeschäfte an der Universität. Wir fordern die Aufhebung der Vorrechte, den akademischen Boden betreffend, mit sofortiger Wirksamkeit und ersuchen, an sämtlichen Wiener Hochschulen ständige Sicherhei ts wa chstuben einzurichten, wie sie bereits in vielen öffentlichen Gebäuden bestehen; diese dort dislozierten Sicherheitsorgane hätten darüber zu wachen, daß die Vorübung von Verbrechen, welche bisher stets vollkommen ungesühnt blieben, in Hinkunft an der Universität verhindert werden. Wir sind der festen Ueberzeugung, daß das hohe Unterric^tsmmisterium sich deni hier angeführten Argumenten nicht verschließen wird und bitten um sofortige und vollständige Abstellung dieser Mißstände. Der „Bund jüdischer Frontsoldaten Oesterreichs" betont wiederholt seine unbedingte Loyalität der derzeitigen Regierung gegenüber, ist aber außerstande, länger diese an jüdischen Studenten begangenen Brutalitäten ruhig mitanzusehen und fest entschlossen, im Wiederholungsfalle den Schutz der jüdischen Studenten selbst in die Hand zu nehmen und zu organisieren. Der Bundesführer: Generalmajor S o m m e r m. p. \ Die antisemitischen Hochschulkrawalle der Vorwoche, die alles auf diesem Gebiete bisher von den Hakenkreuzlern „Geleistete" in den Schatten stellten, haben in der Presse des Auslandes ein Echo gefunden, das nicht immer schmeichelhaft für Oesterreich war. Um so merkwürdiger muß es berühren, daß eine so angesehene und auch hier stark verbreitete Zeitungwie die „Neue Züricher Zeitung" sich über den Verlauf der Krawalle aus Wien melden ließ, daß ein jüdischer Student im Anatomischen Institut eine abfällige Aeußerung über den Rektor machte und deshalb zur Rede gestellt wurde; darauf hätten sich die Marxisten, bewaffnet mit Ochsenziemern, Totschlägern und Stahlruten, auf die Mitglieder der Deutschen Studentenschaft gestürzt, von denen 16 zum Teil schwer verletzt wurden. Es ist wohl ENOBHE AUSWAHL DILLIGSTE PREISE E ppllW YAHL <Ut#*' ' TEPPICHE VOMI/LNGE MÖBELSTOFFE, DECHEN NUR I.,BADEPJ\iMÄRKT 12-14 #8 Die Antwort der Wissenschaft. Am 6. Mai hielt Professor Albert Einstein seine Antrittsvorlesung an der Brüsseler Universität. Die Vorlesung fand in einem festlichen Rahmen vor zahlreichen hervorragenden Vertretern der Wissenschaft, unter ihnen den Rektoren aller vier Universitäten Belgiens, statt. (Dr. Chaim Weizmann hat Professor Einstein besucht und sich bemüht, ihn von seiner ablehnenden Haltung betreffend eine Berufung an die Hebräische Universität Jerusalem abzubringen. Wie die Jüdische Telegraphen- Agentur erfährt, hat die Unterredung Dr. Weizmanns mit Professor Einstein kein positives Resultat gezeitigt.) * Der bekannte Krebsforscher Hofrat Dr. Adolf Theilhaber, München, der Gründer des „Daniel- Bundes", der eine Erneuerung des Judentums auf ethisch-vegetarischer Grundlage anstrebte, wurde an das Wissenschaftliche Institut der Chirurgischen Klinik in Basel berufen. Aus der Schweiz hat er die Mitteilung erhalten, er sei ein willkommener Gast. Ein Film über die Behandlung des Krebses nach der Methode Theilhabers wurde in den letzten Tagen in Wien aufgeführt. (Hofrat Dr. Theilhaber ist der Vater des insbesondere durch sein Buch „Der Untergang der deutschen Juden", bekanntgewordenen Arztes und Bevölkerungsstatistikers Dr. Felix A. Theilhaber. Die Red.) * . Der bekannte Tuberkulose-Forscher Doktor Max Gerson, der bisher in Bielefeld tätig war, ist in Wien eingetroffen, um seine Tätigkeit an der Tuberkulose-Abteilung des Spitals der Gemeinde Wien in Lainz aufzunehmen. Dr. Gerson hat durch die von ihm eingeführte diätetische Behandlungsmethode bei Lungentuberkulose Weltruf erlangt. Schach dem Antisemitismus! Von Marcus Si 1 ber s ch a tz. Mit meiner bekannten Aktion für die jüdische Selbstverteidigung verfolgte ich die Absicht, eine geistige Generaloffensive gegen die endemische Seuche des Antisemitismus einzuleiten. Das Judentum hat wiederholt den große Fehler begangen, sich gegen Angriffe nur defensiv zu verhalten; die antisemitischen Arsenale blieben bestehen und jeder Demagog, dem es an zugkräftigen Argumenten zur Gewinnung der Masse mangelte, brauchte sich nur aus dem „Zeughaus" ein paar Sturmfetzen oder „Fahnen1", aus Judenhaut hergestellte Trommeln, aus geistigen Abfällen gebrautes Gift und ähnliche Requisiten zu holen, um jdamit eine Psychose auszulösen. Meine Absicht bestand darin, die Schlupfwinkel durch allgemeine Aufklärung endgültig auszuräuchern. Denn im Volke lebt ein starkes Rechtsempfinden. Wenn die Hexenprozesse beseitigt werden konnten, vermag man auch, wenn man es nur richtig anfaßt, „Hetzprozesse" zu verhüten. Tatsache ist, daß die Bedingungen für eine Abwehr nie so günstig waren als in den letzten Jahren; die bei Einleitung der Judenemanzipation von Judenfreunden vorausgesagten jüdischen Kulturleistungen sind in einem von niemandem erwarteten Maße eingetroffen: das 19. und das 20. Jahrhundert waren Zeugen einer klassischen Epoche des alten, aber ewig jungen jüdischen Geistes. Diese Leistungen! in ihrer ganzen Grandiosität den Kulturvölkern vorzuführen, um die Nützlichkeit des oft geschmähten und verleumdeten Juden dokumentarisch und für immer darzutun, -betrachtete ich als das richtige Mittel. Obwohl es bedauerlich ist, daß mit der Verwirklichung meiner Vorschläge nicht, sofort bedie begonnen wurde, ist es doch eine Tatsache, daß Situation in Deutschland die Ausführung günstigen könnte; denn durch den blamablen, halsbrecherischen Vorstoß der deutschen Antisemiten ist eine derartige Lücke in der „Antisemitenfront" entstanden, daß sie vollständig aufgerollt werden könnte. Die Demagogen werden dann eine Lehre haben: Solange der jüdische Rücken gebeugt war, konnte man auf ihm Gegensätze austragen; in aufrechter Stellung dagegen ist auf ihm kein Platz. Es ist sehr traurig, daß das Judentum so wenig für seine Abwehr tut; wenn ein Jude beleidigt wird, so geht er zum Kadi und verschafft sich Recht. Dagegen schaut er ruhig zu, wie die Antisemitenpresse dem ganzen Judentum die haarsträubendsten Beschimpfungen ins Gesicht schleudert. Wenn ein Jude krank ist, so geht er zum Arzt und wenn ihm dieser nicht helfen kann, so wendet er sich an einen anderen, geht eventuell zu einem Professor, verlangt ein Konsilium und macht Reisen, um seine Gesundheit herzustellen; dagegen sieht er nicht ein, daß 600.000 deutsche Juden auf dem Krankenlager liegen, daß auch andere Juden von Krankheit bedroht sind und wenn man ihm eiweto Weg zur Rettung zeigt, behandelt er das mit einer Gemütsruhe, als wenn man ihm das Projekt einer Reise zum Mond vorgetragen hätte. Als Conditio sine qua non betrachte ich die Herstellung des von nur angeregten Gratis-Volkslexikons, also eines geistigen, uneinnehmbaren Arsenals, aus dem alle Argumente geholt werden könnten.

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