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Die Wahrheit · 1933-05-05 · Heft 18 (5.5.1933) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1933
Issue
Heft 18 (5.5.1933)
Date
1933-05-05
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Sprüchen der nach Tausenden zählenden Betroffenen gerecht zu werden. Die Durchführung einer großen Geldsammlung in Amerika ist daher zur Fortführung des Hilfswerks unerläßlich. Die europäischen HIAS-Büros haben alle Vorbereitungen zur Aufnahme und Befürsorgung der Auswanderer getroffen und tun ihr Möglichstes, um wirksame Hilfe zu leisten. Allgemeine Geineindeabgabe zur Stützung der deutschen jüdischen Gemeinden. In Brüssel fand eine Konferenz der Weltorganisation Agudath Israel unter Teilnahme von Delegierten aus Frankreich. Italien. England. Belgien und Holland statt Es wurde eine Resolution gefaßt, in der die jüdischen Gemeinden der ganzen Welt aufgefordert werden, eine prozentuelle Abgabe von allen Einkünften der Gemeinden einzuführen, deren Ertrag zur Stützung der jüdischen Gemeinden in Deutschland dienen soll. Gründung eines englisch-jüdischen Hilfskomitees. In London wurde ein Zentralkomitee geschaffen, dem die Leitung aller Maßnahmen im Interesse der wirtschaftlichen und sozialen Wohlfahrt der deutschen Juden obliegen soll. Dem Komitee gehören Oberrabbiner Dr. J. H. Hertz, Rechtsanwalt Lionel Cohen. Sir Robert Waley-Cohen, O. E. d'Avigdor Goldsmid, Neville Laski, Simon Marks. Abg. Major H. L. Nathan, Anthony de Rothschild. Lionel de Rothschild, Otto Schiff und Dr. Chaim Weizmann an. Der Eintritt der Herren Anthony und Lionel de Rotschild in das Komitee erfolgte auf das an sie durch den Präsidenten des Board of Deputies Neville Laski und den Präsidenten der Anglo-Jewish Association, Leonard Montefiore, gerichtete schriftliche Ersuchen hin. Das Komitee hat einen vom Präsidenten der United Synagogue Lionel de Rothschild, vom Präsidenten des Jewish Board of Deputies Neville Laski und vom Präsidenten der Anglo- Jewish Association Leonard G. Montefiore unterzeichneten Aufruf erlassen, in dem darauf hingewiesen wird, daß die großen Aufgaben des Augenblicks ein Zusammenwirken aller Kräfte des englischen Judentums erfordern. Einzelaktionen seien, so lobenswert die Absichten ihrer Urheber auch sein mögen, unerwünscht. Palästina-Nachrichten. In der hebräischen Presse war vor einiger Zeit die alarmierende Nachricht verbreitet, die Regierung beabsichtige, einen großen Teil der britischen Polizeikräfte zu entlassen oder für längere Zeit zu beurlauben. Die hebräischen Zeitungen erklärten, eine Verkleinerung der englischen Polizeimacht dürfe nicht zugelassen werden, sollte sie aber nicht zu vermeiden sein, dann müßten die entlassenen englischen Polizisten ausschließlich durch Juden ersetzt werden. Der Jüdischen Telegraphen-Agentur wurde nunmehr auf eine Anfrage bei den maßgebenden Regierungsstellen mitgeteilt, daß eine Verminderung der englischen Polizeikräfte nicht beabsichtigt sei. Es würde nur einer größeren Anzahl von Polizisten in diesem Jahre ein längerer Urlaub zum Besuche ihrer Angehörigen in England bewilligt werden. * High Commissioner Sir Arthur Wauchope hat die mit der Prüfung der Gesuche um Erteilung von Einreise-Visen für Palästina beauftragten Stellen dahin instruiert, daß Gesuche von Handwerkern undGewerbetreibenden mit einem Eigenkapital von mindestens 250 Pfund weitgehendberücksichtigt werden mögen. Dagegen hat der High Commissioner einen Vorschlag der Jewish Agency, eine neue Kategorie von Einwanderern mit einem Eigenkapital von 150 Pfund zu schaffen, abgelehnt * Das Immigrations-Departement der Palästinaregierung hat beschlossen, nicht alle für das kommende Halbjahr bewilligten Zertifikate auszugeben, sondern 850 Zertifikate als Reserve zurückzubehalten. Die E rregung der jüdischen Bevölkerung Palästinas über die ungenügende Berücksichtigung der jüdischen Forderungen bei der Festsetzung der Zahl der für das nächste Halbjahr auszugebenden Zertifikate wurde durch diesen Beschluß der Immigrationsabteilung noch gesteigert. * Die Exekutive der Histadruth Haowdim (allgemeine jüdische Arbeiterorganisation Palästinas) hat beschlossen, gegen die Entscheidung der Palästinaregierung, daß für das nächste Halbjahr anstatt der angeforderten 13.000 nur 5500 Arbeitereinwanderungszertifikate zur Verteilung gelangen sollen, einen scharfen Kampf zu eröffnen. Die Exekutive der Histadruth weist darauf hin, daß die Forderung nach Ausgabe von 13.000 Zertifikaten auf Grund einer von der Histadruth auf allen Arbeitsplätzen des Landes durchgeführten höchst genauen Kontrolle erhoben wurde. Die Histadruth könne auf Grund ihrer Untersuchungen nachweisen, daß sofortige Arbeitsmöglichkeiten für 13.000 neue Einwanderer vorhanden seien. In den nächsten Tagen wird die Histadruth Haowdim in allen von Juden besiedelten Städten und Dörfern des Landes große Versammlungen der palästinensischen Arbeiterschaft abhalten, in denen gegen die ungerechtfertigte willkürliche Beschränkung der jüdischen Einwanderung nach Palästina Einspruch erhoben werden soll. * Der Präsident der palästinensisch-arabischen Exekutive Musa Kazim Pascha hat eine Proklamation erlassen, in der gegen die Zulassung deutscher Juden nach Palästina protestiert wird. In der Proklamation heißt es, die Juden hätten Deutschland ebenso wie Rußland zugrunde gerichtet. * Vor seiner Abreise aus Palästina hielt der indische Mohammedanerführer Schaukat Ali in der Omar-Moschee eine Ansprache, in der er die Mohammedaner Palästinas aufforderte, lieber ihr Leben zu opfern, als den Juden Land zu verkaufen. Er versprach, an die Mohammedaner in Indien und in allen anderen mohammedanischen Ländern die dringende Aufforderung zu richten, in Palästina Grund und Boden zu kaufen, damit vermieden werde, daß dieser in jüdische Hände übergehe. In Worten höchster Anerkennung sprach Schaukat Ali von der Tätigkeit des Großmufti, von dem er behauptete, er habe ausschließlich die Interessen des Islams im Auge. Wie die arabische Tageszeitung „AI Jamea al Islamia" mitteilt, wird sich der Großmufti von Jerusalem demnächst nach Indien begeben, um dort Mittel für die geplante moslemitische Universität in Jerusalem aufzubringen. Die Aktion des Großmufti wird durch Schaukat Ali vorbereitet. Bisher wurden für die Errichtung einer mohammedanischen Universität in Palästina 4000 Pfund aufgebracht. * Die Palästina-Regierung hat kürzlich die Jewish Agency und die arabische Exekutive eingeladen, Vertreter in das Komitee zur Ausarbeitung eines E i n k o rhmensteuer-Entwurfs zu entsenden. Die arabische Exekutive hat die Entsendung von Vertretern aus dem Grunde abgelehnt, weil auch jüdische Vertreter eingeladen werden. In jüdischen Wirtschaftskreisen ist man entschieden gegen die Einführung einer Einkommensteuer, die auf der einen Seite den Zufluß von neuem Kapital nach Palästina dämmen, auf der anderen Seite doch hauptsächlich die jüdische Bevölkerung belasten wird. Hierin sind Industrielle und Kolonisten einer Meinung. Ein Jude amerikanischer Gesandter in Schweden. Präsident Roosevelt hat den hervorragenden New Yorker Rechtsanwalt Laurence Steinhardt, einen Juden, als Gesandten der Vereinigten Staaten in Schweden nominiert und diese Nominierung dem Senat zur Bestätigung unterbreitet. Laurence A. Steinhardt, der 40 Jahre alt ist, wurde in New York geboren. Er erwarb sein Diplom als Rechtsanwalt an der Rechtsfakultät der Columbia- Universität und war bis heute Mitinhaber der Rechtsanwaltsfirma Guggenheimer, Untermyer und Marshall, der auch der verstorbene amerikanischjüdische Führer Louis Marshall angehörte. Mit dem bekannten Rechtsanwalt Samuel Untermyer, der gleichfalls Teilhaber derselben Firma ist, ist er verwandtschaftlich verbunden. Gesandter Steinhardt, ein aktiver Zionist, ist eine Autorität auf dem medizinisch-juristischem Gebiet. j DANKSAGUNG. 1 IFür die mir anläßlich meines 60. Geburts- Hl tages erwiesenen Ehrungen sage ich allen Korporationen, besonders dem Präsidium der Kultusigemeinde. Kameraden. Weggenossen. Freunden und Bekannten vorläufig auf diesem Wege meinen i herzlichsten Dank. I ■ Alfred May. 'm |Li^=i^=i^=i^=i==i^=i =1 Speyer, die Stadt mit den beschränkten Badezeiten für Juden. „Als ich Speyer zur Stadt erhob, da meinte ich seine Ehre tausendfach zu vermehren, wenn ich auch die Juden mit hinzunahm." Bischof Rüdiger von Speyer im Jahre 1084. Kampf bis aufs Operationsmessen Dr. von Weisl, der Arzt und Schriftsteller, ist als führender Revisionist intim verfeindet mit allen gemäßigten zionistischen Politikern, energischer Gegner von Weizmann und Vater zahlloser Resolutionen, die jeden, der nicht für ein jüdisches Reich zu beiden Seiten des Jordan „mit Feuer und Schwert" kämpfen will, deklassieren, degradieren, als Juden und Zionisten aus der Gesellschaft ausschließen. Das muß man wissen, wenn man folgenden Versammlungsbericht, den die Jerusalemer Witzzeitung „Sastam" kürzlich veröffentlichte, verstehen will: Generalversammlung des Jerusalemer Aerztevereins ... Dr. von Weisl beantragt, Dr. Chaim Weizmann vom Aerzteverband auszuschließen. Der Vorsitzende erklärt, daß Dr. Weizmann gar nicht Mitglied der Vereinigung sei. Dr. Weisl: „Mit einer solchen laxen Erklärung können sich meine Parteifreunde und ich nicht begnügen. Wir fordern eine Resolution, die energisch betont, daß, wenn Dr. Weizmann Mitglied der Vereinigung wäre, man ihn wegen seiner charakterschwachen Haltung dem englischen Kolonialministerium gegenüber ausgeschlossen hätte!" Der Vorsitzende: „Dr. Weizmann ist Chemiker und nicht Mediziner, — er könnte also gar nicht Mitglied des Vereines werden . . ." Dr. von Weisl: „Ich habe von vornherein gewußt, daß man aus einseitiger Parteilichkeit hier leere Ausflüchte suchen würde. Das ist keine anständige Aerzteversammlung mehr! Ich verlasse zum Zeichen des Protestes mit meinen Parteifreunden den Saal und die Organisation!" Ein interessanter Konzertabend. Donnerstag, den 11. d. M., um halb 8 Uhr abends, firjdeti im Großen Konzerthaussaale ein von der Konzert-Direktion Dr. Hohenberg veranstaltetes Konzert des weltberühmten Warschauer Oberkantors Gerson Sirota statt. In der ersten Abteilung bringt der Künstler liturgische und jüdische, in der zweiten Abteilung weltliche Kompositionen zum Vortrage. In der gleichen Weise hat dbr mitwirkende Violinvirtuose Kurt Fuchsgelb sein Programm gewählt. Die KonzertweranStaltung begegnet in jüdischen Kreisen wärmstem Interesse. Ein Teil des Kartenerlöses, kommt wohltätigen Zwecken zugute. Gemeinde - Cflronift Großzügiges Hilfswerk der Berliner Gemeinde. In der soeben erschienenen Sondernummer des Gemeindeblattes der Jüdischen Gemeinde zu Berlin wird ein anschauliches Bild von den gesteigerten Aufgaben, welche die Gemeinde in dieser Zeit zu lösen hat, entworfen. Insbesondere wird die Tätigkeit des Wohlfahrtsamtes, der Zentralstelle für jüdische Wirtschaftshilfe und ihrer Zweigstellen geschildert. Es wird festgestellt, daß die Zahl der Hilfsbedürftigen, die bereits bisher von dem Wohlfahrtsamt betraut wurden, eine außerordentliche Steigerung dadurch erfährt, daß sehr viele Gemeindemitglieder, die bisher die Hilfe der Gemeinde nie in Anspruch nahmen, ihre Existenz verloren haben oder vor der Gefahr stehen, sie zu verlieren. In diesem Zusammenhang wird ein eindringlicher Appell an die Opferwilligkeit der noch leistungsfähigen Gemeindemitglieder gerichtet. In einem „Das Gebot der Stunde" überschriebenen Artikel erklärt Rabbiner Dr. Max Wiener, jetzt müsse man sich zur echten Art aufraffen, aus dem jüdischen Nichts zum jüdischen Sein den Zugang finden. Judentum werde wieder heroisches Leben.

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