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Die Wahrheit · 1933-05-05 · Heft 18 (5.5.1933) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1933
Issue
Heft 18 (5.5.1933)
Date
1933-05-05
Page
– (sequence 5)
Language
German
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DIE WAHRHEIT Seite 5 nisation geschaffen, die an allen Hochschulen Zweigverbände organisierte und in ihrer Tätigkeit dieselben Methoden anwandte wie das aufgelöste Hauptkomitee. Nunmehr hat die Sicherheitsbehörde die Auflösung auch dieser neuen Organisation verfügt. * Nach zweitägiger Verhandlung hat das Lemberger Gericht am 26. April in dem Prozeß gegen den polnischen Studenten Samborski, der während der antisemitischen Unruhen in Lemberg im November v. J. ein Sprengstoffattent a t gegen den Leichenzug des getöteten Studenten Grodkowski verübt und zwei unbeteiligte Juden als Urheber des Attentats bezeichnet hatte, das Urteil gefällt. Als Zeugen wurden u. a. auch die fälschlich beschuldigten jungen Leute Schönfeld und Blaustein einvernommen. Samborski verantwortete sich damit, daß er mit Rücksicht auf die bedrohliche Stimmung in der Stadt aus dem Laboratorium des Polytechnikums eine Schachtel an sich genommen habe, deren Inhalt er nicht kannte, um sie im Notfall gegen Angreifer zu schleudern und diese dadurch abzuschrecken. Das Beweisverfahren ergab einwandfrei die Schuld des Angeklagten, der zu zwei Jahren Gefängnis (mit 5jährigem Strafaufschub zwecks Vollendung seiner Studien) verurteilt wurde. Zwei Mitangeklagte, die durch Bestätigung der von Samborski gegen die beiden jungen Juden erhobenen falschen Beschuldigung die Polizei irregeführt hatten, wurden zu einjähriger, bzw. zehnmonatiger Gefängnisstrafe verurteilt. * * £ Rumänien. Der Czernowitzer Polizeiquästor Amarascu, Segen den der Vorwurf erhoben worden war, daß er anläßlich der jüngsten antisemitischen Ausschreitungen in Czernowitz, bei denen mehrere jüdische und rumänische Bürger ernstlich verletzt wurden und erheblicher Sachschaden angerichtet wurde, die Polizei nur zögernd und zu spät gegen die Demonstranten eingesetzt habe, wurde telegraphisch seines Amtes enthoben. Zu seinem Nachfolger wurde Siguranzai-Inspektor Costescu ernannt. Weitere disziplinarische Maßregelungen von Czernowitzer Polizeifunktionären werden erwartet. 40 Teilnehmer an dem Ueberfall wurden verhaftet und sollen, da in Czernowitz von früher her Belagerungszustand herrscht, dem Kriegsgericht in Jassy übergeben werden. * In Bukarest fand eine Beratung der Leitung der Sicherheitspolizei mit den Vertretern der Polizeibehörden einer Reihe rumänischer Städte betreffend die Tätigkeit der von verschiedenen Gruppen gebildeten Sturmabteilungen statt. Im Hinblick auf die vor kurzem erfolgten Ausschreitungen in Czernowitz, Bivolari und anderen Städten wurde erklärt, daß die Bildung sogenannter Sturmabteilungen, gleichgültig welcher Nationalität, als illegal zu betrachten sei. Alle bereits bestehenden Sturmformationen werden polizeilich aufgelöst. * * Estland. Eine Gruppe von Studenten der Universität Tartu (Dorpat) hat beim Senat der Universität um die Bewilligung zur Gründung einer studentischen Korporation nachgesucht, der Angehörige aller Nationahiäten mit Ausnahme der Juden angehören sollten. Der Senat hat das Projekt dem Studentenparlament zur Begutachtung vorgelegt. Der Vertreter der jüdischen Studentenschaft wies darauf hin, daß in Estland die Gleichberechtigung aller Bürger gesetzlich gewährleistet sei und daher eine für Angehörige sämtlicher Nationalitäten bestimmte Korporation sich nicht einseitig gegen einen bestimmten Bevölkerungsteil abschließen dürfe. Nach kurzer Debatte wurde der Vorschlag zur Gründung der geplanten Korporation mit sämtlichen Stimmen, auch denjenigen der mit dem Nationalsozialismus sympathisierenden deutschen Studenten, abgelehnt. ivd Konditoretwaren 120 Abraham Leib Pomeranz, II., Herminengasse 13 Verkaufslokal: II., Floßgasse 7, Telephon A 41-7-78 Filiale: II. HollandstraBe 8 Bestellungen für Hochzeiten, Sudes und alle anderen Festlichkeiten, sowie verschiedene Zackerbickereiwaren werden prompt und billigst ausgeführt. ^_Unter Aufsicht der Adas Jisroel (Schiffschnl'. Desertion nützt nichts! Wer aufmerksam all das verfolgt, was sich heute im Lande des Volkes der Dichter und Denker abspielt, der muß sich ins Mittelalter zurückversetzt wähnen. Doch es kann nicht geleugnet werden, daß es Fälle gibt, bei denen man auch ais Jude eine gewisse Genugtuung empfindet. Da wurden in den letzten Wochen aus den Verwaltungs- und Aufsichtsräten verschiedener reichsdeutscher Industrie-, Bank- und Versicherungsunternehmungen einige Leute entfernt, die über den Hinauswurf ganz entsetzt waren. Unter ihnen waren auch einige Wiener, die ihr Judentum immer verleugnet hatten-, obwohl noch ihre Vätter aufrechte, fromme Juden gewesen waren. Sie hatten als Betriebsgewaltige demonstrativ Hakenkreuzler bevorzugt und jüdische Angestellte, selbst solche von Begabung und Wissen, geflissentlich vernachlässigt. All das hatte ihnen nichts genützt. Das Schicksal dieser Leute ist entschieden harmlos im Vergleich zu dem der unzähligen jüdischen Angestellten!, QTie aufs Pflaster geworfen wurden und dem Nichts gegenüberstehen. Es beweist aber, daß auch Desertion und Ehrlosigkeit nichts nützt. Darüber kann man wohl Genugtuung empfinden. Spectator. Die Jüdische Gemeinde Berlin verlautbart: Im Gemeindebüro gehen täglich Briefe von Personen ein, die in früheren Jahren aus der Gemeinde oder aus dem Judentum ausgeschieden sind und die jetzt ihren Wiedereintritt in die Gemeinde erklären. Unter diesen Briefen befinden sich auch solche sehr bekannter Persönlichkeiten, die sich für ehrenamtliche Mitarbeit zur Verfügung stellen. Wir geben von dieser erfreulichen Stärkung der Gemeinde mit besonderer Genugtuung Kenntnis. Zimmermaler Kohn empfiehlt sich zur AusiührungvonMalerarbeiten jeder Art II., Rolenkreuzgasse 3 Tel. A4S-5-37 Vom Hakenkreuz in Literatur und Theater. Die deutschen Dichter aus Oesterreich werden bei L. Staackmann in Leipzig verlegt. Neben Rosegger, Müller-Guttenbrunn, Schönherr und Emil Er11 — dieser liebenswürdige Autor des „Blauen .Guckuckshauses" hat vor einigen Monaten ein hübsches Erinnerungsbuch an 'das Wien seiner Jugend mit judenfreundlichen Wendungen erscheinen lassen —, also neben diesen unzweifelhaft seriösen Autoren, finden sich bei Herrn Staackmann auch jene deutschösterreichischen Literaturheroen, die in deni letzten Tagen einen Verband der Nazi-Schriftsteller gründeten: die Greinz, Ginzkey, Hohlbaum und ähnliche Kapazitäten, die vielfach durch jüdische Literaturkritik bekannt wurden und auch gerne von sogenannten „Judenblättern" Honorare nahmen. Daß sich in dieser reinrassigen Gesellschaft auch düe Herren Jelusich, Spunda und Millenkovich, dieser ehemalige Burgtheaterdirektor nennt sich als deutscher Schriftsteller bekanntlich verschämt Max Morold, befinden, darf nicht verwundern; unter den Vorkämpfern teutschler Kultur müssen nun einmal immer Tschechen und1 Kroaten sein. Seltsam ist es allerdings, daß Max Meli von katholischer Gläubigkeit zu der in katholischen Dingen nicht eben verläßlichen Hitlerei übersiedelte. Bei Staackmann erschien auch im Herbst des vergangenen Jahres ein Buch über Johann Nestroy von Otto Forst de Battaglia. Diese Nestroy-Publikation brachte nur in einer Hinsicht etwas neues: sie an t ise m i te 11 e. Warum wir das alles erzählen? Weil die jüdische Oeffentlichkeit jene Schriftsteller kennen soll, die nun, der momentanen Konjunktur folgend, die Masken fallen lassen und! sich zum Radauantisemitismus offen bekennen. Die Juden sintf das Volk des Buches und haben auch oft allzuviel Respekt vor dem gedruckten Wort. Vor dem Hanns Heinz Ewers, seinen österreichischen Kumpanen und ihren Verlegern braucht aber kein Jude, der auf Ehre hält, Respekt zu haben. Aehnlich ist es auch mit dtem Theater. Die Theaterfreudigkeit der Juden ist in Wien eine sehr Ef Ith DdltSCh II., Heralaea«. It/l/lS Atelier lar feinte ncrren-noMi ket* Aus eigenen u. mitgebrachten Stoffen, bei billigsten Preisen.StUtlMftll Telephon: A 13-8-12. Samstag geschlossen. große. Nun beginnen sich auch auf den Wiener Bühnen hübsche Dinge zu entwickeln, namentlich wird diesbezüglich von zwei bekannten Wiener Operettenbühnen viel in letzter Zeit gesprocheiv Wir Juden müssen diese völkischen Erscheinungen auf geistigem oder pseudogeistigem Gebiet genau beachten und uns entsprechend danach verhalten. Achtung, Christlichsozialel Das in München erscheinende, einen konsequenten rassentheoretischen Standpunkt vertretende Blatt „Ludendorffs Volkswarte" begrüßt dSe von der Reichsregierung erlassenen Gesetze zur Einschränkung des jüdischen Einflusses im öffentlichen Leben, weist aber gleichzeitig die Reichsregierung darauf hin, daß „der Schlüssel zur Verjudung und Entwurzelung des deutschen Volkes im Alten Testament und dessen Ausfluß und Propagandalehre, im Neuen Testamen t", liege. Die Zertrümmerung des marxistischer! Geistes genüge nicht, denn auch das Christentum sei dem jüdischen Geist entsprungen. An üieser Tatsache werde die Reichsregierung nicht vorbei können, wenn sie zur Vollendung der nationalen Revolution schreiten werde. Die Bruderhand, Koordinierung der amerikanischen Hilfsaktionen. Das American Jewish Comittee und der unabhängige Orden B n e B r i s s haben eine gemeinsame Erklärung veröffentlicht, in der sie für Verstärkung und Koordinierung der Hilfsaktionen für notleidende Juden in Deutschland eintreten. Die beiden Organisationen mißbilligen die Zurücksetzung der Juden in Deutschland, sprechen sich jedoch gegen die Organisierung antideutscher Boykottaktionen, Straßendemonstrationen und Protestmassenversammlungen aus. Mit dieser Kundgebung bekräftigten American Jewish Committee und Bne Briss eine vor wenigen Wochen erlassene, vom Präsidenten des American Jewish Comittee Dr. Cyrus Adler und vom Präsidenten des Ordens Bne Briss, Alfred M. Cohen, unterzeichnete Erklärung. In dieser auf Grund der Beschlüsse einer gemeinsamen Vertreterkonierenz beider Organisationen gefaßten Resolution wurde erklärt man werde alles tun. um der Zurücksetzung der deutschen Juden abzuhelfen und die ihnen drohenden Gefahren abzuwenden, in dieser Arbeit aber dürfe nicht an Leidenschaften und Ressentiments appelliert werden, so berechtigt diese auch sein mögen. Man werde alles unternehmen, um der heiligen Verantwortung gerecht zu werden, die auf den beiden Organisationen laste, und sich an die öffentliche Meinung der Amerikaner aller Bekenntnisse wenden, damit das den Juden in Deutschland zugefügte Unrecht wieder gut gemacht und der Grundsatz menschlicher Freiheit verteidigt werde. Die Joint-Aktion. Die die Mehrheit der jüdischen Bevölkerung der Vereinigten Staaten repräsentierenden religiösen Verbände, Gemeindevertretungen und gesellschaftlichen Vereinigungen haben sich der von Dr. Jonah B. W i s e geleiteten Aktion des American Jewish Joint Distribution Committee zur Aufbringung von Mitteln für eine großzügige Hilfsarbeit zugunsten der Juden in Deutschland und anderen Ländern Mittel- und Osteuropas angeschlossen. So hat der Synagogenrat Amerikas eine Resolution gefaßt in der die Aktion des Joint Distribution Committee begrüßt und ihr die Unterstützung durch den Rat zugesichert wird. Hilfsaktion von HIAS. Das Direktorium der Hebrew Shelterin and Immigrant Aid Society of America (HIAS) hat in einer unter dem Vorsitz seines Präsidenten Abraham Kadrnan abgehaltenen außerordentlichen Sitzung einstimmig beschlossen, sofort eine Hilfsaktion zugunsten jüdischer Flüchtlinge aus Deutschland einzuleiten. Dem Direktorium lagen telegraphische Berichte des Bevollmächtigten von HIAS in Europa. Dr. James Bernstein, vor, denen zufolge die HI AS-Büros in Paris und anderen Städten Europas von aus Deutschland ausgewanderten Juden belagert sind, die sich in schrecklicher Notlage befinden. Die in Europa aufgebrachten Mittel reichen nicht aus. um den An- Hagers Selchwaren-Restaurant Selchwaren aas dar Fabrik Elsen & Hönigsber Streng orth. tbo (Unter Aufsicht der Adas-Jisroel-Schiffschul) Wien II., PraterstraB* 33, Telephon R-47-4-49 Menü von S 2.— aufwärts. _Hochzeiten und Banketts werden bestens arrangiert

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