Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1933
- Issue
- Heft 17 (28.4.1933)
- Date
- 1933-04-28
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3062972-3064350-3064366--19271-3084390- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Setoe 6 PDS WAHRHEIT fachen Vermehrung der Bevölkerung in Osteuropa steht demnach nur eine dreifache Vermehrung in. Westeuropa gegenüber. Auf dem Gesamtterritorium Osteuropas (Sowjetunion. Polen, Rumänien, Litauen, Lettland und Estland) setzte sich der Zuwachs aus 80.000 bis 90.000 Juden jährlich zusammen. Die jüdische Bevölkerung dieser Länder, die 1924 etwa 7,000.000 stark war, hat sich im Laufe von fünf Jahren, bis zum Jahre 1928, um rund 400.00 Seelen vermehrt Bei den Juden Polens betrug die Geburtsquote in den Jahren 1925 bis 1927 22 bis 28 pro Tausend, während die Sterbliclikeitsquote nur 10 bis 13 pro Tausend beträgt Noch höher ist der Geburtenzuwachs bei den russischen Juden, wo die Geburtenziffer bis 28,3 pro Tausend angestiegen ist, während die Sterblichkeit mancherorts auf 8 gesunken ist (Dafür überwiegt in den mittel- und westeuropäischen Ländern die Zahl der Todesfälle die der Geburten. Die Redaktion.) Die große Zahl der Lebendgeborenen macht in der Periode 1924 bis 1928 allein schon ein Kontingent von rund 700.000 Menschen aus. Jüdische Arbeirslosenfürsorge in Amerika. Die Synagogengemeinde Emanu El in San Francisco hat auf Antrag ihres Rabbiners Irving Reichert beschlossen, das dem Tempelgebäude angeschlossene Gymnasium als Nachtasyl für notleidende Arbeitslose während der nächsten Monate zur Verfügung zu stellen. In dem Asyl werden über 100 Feldbetten aufgestellt werden. In Detroit wurde eine rituelle Küche für Notleidende und Aarbeitslose eröffnet. Durch größere Spenden jüdischer Kaufleute ist die Aufrechterhaltung des Betriebes bis über die nächste Zeit gesichert InWilmington hat der jüdische Kaufmann Max Weiß ein Gebäude zur Errichtung einer Suppenanstalt für mehrere hundert Familien zur Verfügung gestellt. Der Vizepräsident der Sears-Roebuck Company Lessing Rosenwald, ein Sohn des bekannten Millionärs und Philanthropen Julius Rosenwald, hat eine Aktion zur Aufbringung von 100.000 Dollar für die Arbeitslosenhilfe eingeleitet. Alle Angestellten seiner Gesellschaft, die Zweigstellen in ganz Amerika besitzt, haben sich bereit erklärt, dem Arbeitslosenfonds monatlich einen Taglohn zuzuführen. Der jüdische Kaufmann Stern in Atlantic City stellt der Arbeitslosenhilfe der Gemeinde fünf Monate hindurch monatlich 500 Dollar zur Verfügung. Genf. Die Völkerbundskommission zur Bekämpfung des Frauen- und Mädchenhan d e 1 s hat eine Sitzung abgehalten, an der als Vertreter der jüdischen Gesellschaft zum Schutze von Mädchen und Frauen Generalsekretär S. C ohen teilnahm. Generalsekretär Cohen (London) legte der Kommission einen ausführlichen Bericht über die Tätigkeit seiner Organisation im abgelaufenen Jahre vor. Aus dem Berichte, der gleich den Berichten der übrigen privaten Organisationen zur Bekämpfung des Mädchenhandels in die offiziellen Publikationen des Völkerbundes aufgenommen wurde, geht hervor, daß sowohl durch das Londoner Zentral-Komitee als auch durch die angegliederten Komitees in den verschiedenen Ländern, insbesondere in Südamerika, Polen, Spanien und Portugal, den Schäden des internationalen Mädchenhandels erfolgreich entgegengewirkt wurde. Im Anhang an den Bericht wird an einigen Sonderfällen das Eingreifen des Verbandes im Interesse gefährdeter Frauen und Mädchen dargelegt. Gemeinde - thromk Kopenhagen. Am 21. April wurde die Feier des 100jährigen Bestandes der GroßenSynagoge in Kopenhagen in besonders festlichem Rahmen begangen. Am Festgottesdienst nahmen König Christian X., der dänische Kultusminister, Vertreter des Kopenhagener Stadtrates, sämtliche Mitglieder der Repräsentanz der Jüdischen Gemeinde Kopenhagen, Delegationen der jüdischen Gemeinden Oslo, Stockholm, Göteborg und Malrnö, sowie Vertreter zahlreicher jüdischer Korporationen teil. Die Feier, die: ursprünglich auf den 19. April festgesetzt worden war. war verschoben worden, um dem König, der nicht in Kopenhagen geweilt und den ausdrücklichen Wunsch geäußert hatte, dem Festgottesdienst beizuwohnen, die Teilnahme an der Feier zu ermöglichen. Das Budget der Prager Gemeinde. Das von der Repräsentanz der Prager Jüdischen Gemeinde angenommene Budget für das Jahr 1933 beträgt Kö 2,197.000, um K£ 110.000 weniger als im Vorjahre. Die Eingänge aus Kultus, Religionsunterricht und rituellen Leistungen sind mit Kc 421.000, die aus Verwaltung und Stiftungen mit Kc 186.000, die aus sozialen Institutionen mit Kc 154.000 präliminiert. Der Abgang von Kc 1,306.000 soll durch Steuern gedeckt werden. Die hauptsächlichen Ausgabenposten im Gemeindehaushalt betreffen Kultus, Unterricht, Ritus und Verwaltung sowie Stiftungen (K£ 1,600.000), während für soziale Zwecke ein Betrag von Kc 454.000, für kulturelle Zwecke K£ 99.000 eingesetzt wurden. Trauung. Der Seitenstettentempel war vergangenen Sonntag Ort eines jüdisch-gesellschaftlichen Ereignisses ersten Ranges. Der Sohn des beliebten Ehepaares Rabb. Dr. M. Rosen mann, Herr Ernst Rose n m a n n, führte Fräulein Anny Bernt, die Tochter des Herrn und Frau Komm.-Rat S. Bernt aus Neuern, zum Traualtar" und eine gewaltige Menschenmenge bekundete durch ihr Erscheinen die große Wertschätzung und Achtung, die Herrn Rabb. Dr. M. Rosenmann in weitesten Kreisen entgegengebracht wird. Man sah unter Führung ds Präsidiums viele Kultusvorsteher wie auch den Altpräsidenten Prof. Dr. A. Pick, sämtliche Wiener Vereins- und Gemeinderabbiner, soweit nicht berufliche Pflichten sie an dem Erscheinen verhindert hatten, die Mitglieder der Bethausvorstände I/1I (Präsident Dr. E. Münz) und XXI (Präsident Gabriel Dukes), Vertretungen aller Floridsdorfer jüdischen Vereine und Organisationen, namentlich eine starke Abordnung des Floridsdorier Frauenvereines, dessen rührige Präsidentin Frau Dr. M. Rosenmann ist, Bundesführer Generalmajor Sommer mit einer Deputation des Frontkämpferbundes, in Vertretung der Ortsgruppe Floridsdorf der „Union" Dr. J. G r ü n w a 1 d, zahlreiche Kultusbeamte mit Amtsdirektor Reg.-Rat Dr. G F u c h s g e 1 b an der Spitze, den Chefredakteur der „Wahrheit" O. Hirschfeld, eine Abordnung der „Weiblichen Fürsorge" mit Frau Dozent S. Grünfeld u. v. a. In dieser Aufzählung sind mit Absicht nur einige Namen enthalten, denn die Erwähnung aller, die Rabbiner Dr. M. R o s e n m a n n zu Ehren kamen, ginge weit über den möglichen Raum hinaus und müßte immer noch unvollständig sein. Denn hunderte bewiesen ihre herzliche Anteilnahme an der schönen Feier, die mit einem Violinsolo des begabten Kurt Fuchsgelb eingeleitet wurde, unter dessen schönen Klängen der Brautzug erschien. Nach einem stimmungsvollen „Ma tauwu" des Oberkantors M. M a t y a s ergriff Rabbiner Dr. M. Rosenmann selbst das Wort um seinen Kindern den Wert des jüdischen Hauses in dieser schweren Zeit vor Augen zu führen und an sie zu appellieren, die Tradition des Elternhauses fortzusetzen und das zu vollenden, woran ihre Eltern nach jüdischer Art gearbeitet. Die Rede wirkte allseits erhebend. Die weitere kantorale Funktion hatte in gediegener Weise Oberkantor H. Fischer inne. Nach der Feier im Gotteshause fand im Hotel Krantz die Gratulation statt, bei der Eltern und Brautleute wieder Gegenstand herzlichster Sympathiekundgebungen waren. In echt jüdischer Weise wurde auch der Armen nicht vergessen, denn die Vorstandsdamen des Floridsdorfer Frauenvereines haben aus diesem freudigen Anlaß einen Babette-Rosenmann- Fonds gegründet, aus dessen Erträgnis arme Bräute ausgestattet werden sollen. Für diesen schönen Zweck wurde bei der gemütlich verlaufenen Gratulationsjause eine stattliche Summe gesammelt Barmizwahfeier. Samstag, den 22. d. M., fand im Müllner-Tempel die Barmizwah des Knaben Leo P o s t o 1 o w, Sohnes des Herrn Oberkantor S. Postolow, statt. Eine überaus große Schar von Teilnehmern an dieser schönen Feier bewies dem Vater des Barmizwah, welch großer Beliebtheit er sich wegen seiner vorzüglichen künstlerischen und menschlichen Eigenschaften erfreut. Unter anderen bemerkte man den Vizepräsidenten der Kultusgemeinde Dr. J. Ornstein, den Gesamtvorstand des Tempelvereines mit Börserat I. Glück an der Spitze, die Kultusvorsteher Dr. E. F e 1 d s b e r g, Dr. H. Körner, Doktor J. L ö w y, ferner Herrn Dozent Dr. H. S t e r n, eine Abordnung des Kantorenvereines unter Führung des Präsidenten Oberkantor I. L ö w i t, eine Deputation des Witwen- und Waisenvereines IX. mit Obmann Trebitsch, mehrere Kultusbeamte u. a. Der Gottesdienst, bei dem Oberkantor S. Postolow in gewohnt hervorragender Weise fungierte, war ein sehr feierlicher, die Ansprache des Herrn Rabbiners Dr. A. Z. Schwarz an den Konfirmanden brachte in schöner Weise die Hoffnung zum Ausdruck, daß der junge Postolow ein würdiger Sohn seiner braven Eltern sein und sich auch bemühen werde, das Ansehen seiner als jüdische Kapazitäten geachteten Vorfahren zu vermehren. Eltern und Sohn waren Gegenstand herzlichster Gratulationen, die auch durch in dem gastfreundlichen Hause erschienene Deputationen verschiedener Vereine und Organisationen ausgesprochen wurden und denen wir uns aufs herzlichste anschließen. Berlin. Am 16. April vollendete der Vorsitzende des Zentral Verbandes jüdischer Handwerker Deutschlands, Wflhelm Marcus, sein 50. Lebensjahr. Marcus, der auf dem Gebiete jüdisch-sozialer Arbeit in mannigfacher Richtung hervorragend tätig ist. hat sich insbesondere durch den Aus*"'.'.! Osv Organisation der jüdischen Handwerker ::::;! t'cr :''.V eben Darlehenskasse verdient gemacht, deren ehrenamtlicher Geschäftsführer er ist Als Präsident des Weltverbandes jüdischer Handwerker übt er auch über die Grenzen Deutschlands hinaus Einfluß auf Entwicklung und Organisation des jüdischen Handwerkerstandes. Seit vielen Jahren gehört er der Repräsentanz der Jüdischen Gemeinde Berlin an und ist stellvertretender Vorsitzender der liberalen Fraktion dieser Körperschaft. Anläßlich seines 50. Geburtstages sind dem Jubilar zahlreiche Glückwünsche aus allen Lagern und Schichten des deutschen Judentums zugiegangen. Die jüdischen Zeitungen würdigen eingehend seine Arbeiten und Erfolge. 60. Geburtstag. Am 10. v. M. wurde der in weitesten jüdischen Kreisen bekannte und geschätzte Herr Alfred May, eines der im Dienste jüdischer Interessen eifrigsten Mitglieder unserer Gemeinde, dem wegen seines warmen jüdischen Gefühls auch der Gegner die gebührende Achtung entgegenbringt, 60 Jahre alt. Die Ortsgruppe II des „Bundes jüdischer Frontsoldaten Oesterreichs" nahm den 60. Geburtstag ihres verdienstvollen Bezirksiührers zum Anlaß, um ihm eine besondere Ehrung zu bereiten. Zu diesem Zwecke veranstaltete sie am 13. April abends in ihrem neuen Heime eine Festversammlung. Einige hundert Festgäste waren Zeugen dieses schönen Festaktes. Der Vorsitzende der Versammlung, Ausschußmitglied Ludwig E i s n e r, begrüßte unter den Erschienenen die gesamte Bundesleitung mit Herrn General Emil Sommer an der Spitze und die Deputationen sämtlicher Ortsgruppen, ferner Herrn Rabbiner Dr. M. Rosenmann, die Kultusvorsteher Ing. Emil Buchbinder, Dr. Oskar Grünbaum. Dr. Isidor K1 a b e r und Bezirksrat Dr. Josef L ö w y. Sodann verlas er einige eingelangte Gratulationsschreiben, besonders den vom Präsidium und dem Amtsdirektor gefertigten Brief der Wiener Kultusgemeinde, die Schreiben des Altpräsidenten Generaloberstabsarzt Univ.-Prof. Dr. Alois Pick und des Herrn Univ.-Prof. Dr. Ludwig Braun u. a. Hierauf gratulierte Herr General Sommer als Bundesführer im Namen des Bundes in markanten Sätzen dem treuen Bezirksführer Hauptmann May aufs herzlichste. Ausschußmitglied Max Brandt hielt im Namen der Leitung der Ortsgruppe II die großangelegte Festrede, in der er, wie alle folgenden Redner, der leidvollen jüdischen Gegenwart gedachte und die großen Verdienste des Jubilars um die Gruppe ganz besonders würdigte. Als sichtbares Zeichen der Verehrung und Dankbarkeit seiner engeren Kameraden überreichte er ihm ein sinnvolles Ehrengeschenk. Kultusvorsteher Dr. Oskar Grünbaum sprach als Präsident des zionistischen Landeskomitees, Bundesführerstellvertreter Dipl.-Kaufmann Ernst Stiaßny feierte in eindrucksvollen Worten den Kameraden May und Rabbiner Dr. M. Rosenmann ehrte als Vizepräsident des „Vereines für jüdische Geschichte und Literatur" seinen Vorstandskollegen in einer großen Beifall auslösenden Ansprache. Hierauf stattete, mit großei.i Applaus begrüßt, der Jubilar bewegten Herzens und sichtlich tief ergriffen allen Korporationen, Kameraden, Rednern und Anwesenden, unter denen sich seine Familie mit ihrem Senior Herrn Josef May befand, seinen tiefsten Dank für die ihm gewordene Ehrung ab, gedachte in pietätvoller Weise seines seligen Vaters, seiner Lehrer, des Rabbiners Salomon Spitzer und Lektors M. F r i e d m a n n, skizzierte in schlichter Weise seine Arbeit als Jude und hob die kulturellen Ruhmestaten und Verdienste der jüdischen Gemeinschaft, zu der er sich stolz bekannte, in Vergangenheit und Gegenwart für die Menschheit hervor. 80. Geburtstag. Dieser Tage feierte der in weitesten Wiener jüdischen Kreisen gut bekannte und viel geschätzte Herr Kommerzialrat Carl Fuchs in vollster geistiger und körperlicher Frische seinen 80. Geburtstag. Der Jubilar, ein alter Vorkämpfer für Freiheit und Demokratie, hat viele Jahrzehnte lang im politischen Leben der Leopoldstadt eine hervorragende Rolle gespielt, die ihm ebenso wie seine berufliche Tätigkeit die Achtung und Wertschätzung weitester Kreise erworben hat. Auch an jüdischen Angelegenheiten hat Kommerzialrat Carl Fuchs stets lebhaftestes Interesse bekundet und auch auf diesem Gebiete Ersprießliches geleistet. Todesfall. Der Chefingenieur der ehemaligen österreichisch-ungarischen Kriegsmarine, Siegfried Popper, ist im Alter von 85 Jahren bei einem Straßenbahnzusammenstoß tödlich verunglückt. Popper, ein gebürtiger Prager, trat im Alter von 21 Jahren als Aushilfstechniker in die österreichisch-ungarische Marine ein, wurde 1902 oberster Schiffbauingenieur und 1904 Generalschiffbauingenieur im Range eines Konter-Admirals. Als Chefkonstrukteur des „Stabilimento technico" in Triest hat er die Pläne für die österreichischen Dreadnoughts ausgearbeitet und galt als einer der hervorragendsten zeitgenössischen Schiffbauer. Er war Inhaber des Goldenen Verdienstkreuzes, des Ordens der Eisernen Krone III. Kl., des Ritterkreuzes und des Komturkreuzes des Franz Josef- Ordens. Als an der Wiener Technischen Hochschule der antisemitische Kurs einsetzte, legte er das ihm von dieser Hochschule verliehene Ehrendoktor-Diplom zurück. Amsterdam. Im Alter von 61 Jahren verstarb in Amsterdam Rabbi S. Dasberg, einer der beliebtesten Prediger der holländischen Judenheit. Er war der Vater des Oberrabbiners von GroniH-