Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1933
- Issue
- Heft 17 (28.4.1933)
- Date
- 1933-04-28
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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DIE WAHRHEIT Seite S ..Die Menschheit kann nicht zulassen, daß 600.000 Juden zugrunde gehen." Dr. Jonah B. Wise vertrat in seiner. Ansprache die Auffassung, daß die Frage der Hilfeleistung für die deutschen Juden kein rein jüdisches, sondern ein allgemein menschliches Problem darstelle. Es sei unvorstellbar, daß die Menschheit es zulassen könnte, daß 600.000 Juden zugrunde gehen. Die auch mit vielen anderen Problemen beschäftigte öffentliche Meinung der Welt nehme vielleicht an, sie habe in dieser Frage ihre Stimme bereits klar und deutlich erhoben, und erwarte, daß Qerechtigkeits- und Gemeinschaftssinn die wirtschaftliche Vernichtung der deutschen Judenheit verhindern werde. Vorläufig aber müsse man mit den von der deutschen Regierung geplanten und getroffenen Maßnahmen rechnen und könne nichts anderes tun, als die unglaublichen Härten zu mildern, die die Folge dieser Maßnahmen sind. Die Lage der jüdischen Bevölkerung in Ost- und Mitteleuropa. Der Vorsitzende des American Jewish Committee Di. Cyrus Adler stellte fest, daß die Lage der jüdischen Bevölkerung in Ost- und Mitteleuropa heute schwieriger sei als während des Weltkrieges. Er könne sich nicht erinnern, daß es seit 1914 jemals eine Zeit gegeben habe, in der Hilfeleistung an die Juden dieser Länder dringender geboten erschien als heute. Der Leiter der New-Yorker Sammlungen des Joint Distribution Committee Dodlev D. Sicher teilte mit, daß sich auf seinen Appell hunderte juuge Leute a 1 s i r e i w i 11 i g e H e 1 i e r für die Durchführung des Drive in New-York zur Verfügung gestellt hätten. Er verglich in seiner Ansprache das Joint Distribution Committee mit einer Brücke zwischen der Judenheit Amerikas und den Juden aut dem alten Kontinent. Ueber diese Brücke brächten die amerikanischen Juden ihren Brüdern in Europa ihr herzliches Mitgefühl, positive Hilfe und Rat. Organisationen wie der Joint seien besonders notwendig in einer an Leidenschatten und Feindseligkeiten krankenden Welt. Sie hätten heute mehr denn je die Aufgabe, Trost und materielle Hilfe, Brot, aber auch Ermutigung und Hoiinung zu geben. Nachdem Dr. Walter Lyman Brown die hohen Aufgaben des Joint Distribution Committee umrissen und seine allgemeine Anerkennung fordernde Arbeit gewürdigt hatte, schloß James Roseuberg mit einer Ansprache, in der er erklärte, der Verlauf der Konferenz mache es überflüssig, besondere Resolutionen zu lassen. Er spreche wohl im Sinne aller, wenn er feierlich erkläre, daß die amerikanischen Juden entschlossen seien, sich wieder einmal der hohen Aufgabe, ihren leidenden Brüdern jenseits des Ozeans Hilfe zu bringen, zu unterziehen. Für die Lösung dieser Aufgabe erflehe er den Beistand und die weise Führung ds Schöpfers. * Massenpetition amerikanischer Juden an die Regierung. In New-York fand eine vom American Jewish Congrcss einberufene Konferenz statt, an der 1500 Delegierte von 600 jüdischen Organisationen teilnahmen. Es wurde beschlossen, eine Unterschriftensammlung für eine der Regierung der Vereinigten Staaten und dem Völkerbund zu überreichende Massenpetition einzuleiten, in der die Regierung der Vereinigten Staaten respektive der Völkerbund aufgefordert werden, ihren Einfluß dahin geltend zu machen, daß den deutschen Juden Gerechtigkeit widerfahre. Am 10. Mai, dem Tage, an dem in Deutschland Bücher jüdischer Autoren verbrannt werden sollen, werden in allen amerikanischen Städten Demonstrationszüge als Protest gegen die in Deutschland gegen die Juden ergriffenen Maßnahmen veranstaltet. Palästina-Nachrichten. Einstein geht nicht an die hebräische Universität. Professor Albert Einstein erklärte in einem Gespräch mit dem belgischen JTA-Vertreter, er sei von Dr. Ch. W e i z m a n n und dem Kanzler der Hebräischen Universität Jerusalem Dr. J. L. Magnes telegraphisch aufgefordert worden, eine Professur an der Hebräischen Universität anzunehmen. Er habe diese Berufung in entschiedenster Weise mit der Begründung abgelehnt, daß die derzeit an der Universität herrschenden Verhältnisse noch auf Jahre hinaus fruchtbringende Arbeit nicht ermöglichen. Solange nicht eine durchgreifende Verbesserung der Verwaltung erfolge, werde er von seinem Entschlüsse nicht abgehen. Einstein fügte hinzu, er bedauere diesen Zustand ganz besonders in diesem Augenblick, da die Hebräische Universität bedeutsame Aufgaben zu erfüllen hätte. -MD Konditoreiwaren iao Abraham Leib Pomeranz, IL, Herminengasse 13 Verkaufslokal: II., Floßgasse 7, Telephon A 41-7-78 Filiale: II. Hollandstraße 8 Bestellungen für Hochzeiten, Sudes und alle anderen Kesüichkeiten, sowie verschiedene Zuckerbäckereiwaren werden prompt und billigst aasgeführt. __Unter Aufsicht der Adas Jisroel (Schiffschul'. „Ellis Island-Methoden" in Palästina. Die Empörung der jüdischen Bevölkerung Palästinas über die in letzter Zeit von der Einwanderungsbehörde geübte drakonische Strenge bei Handhabung der Einwanderungsbestimtnungen und Durchführung der Fremdenkontrolle findet in der gesamten hebräischen Presse Palästinas beredten Ausdruck. Es wird offen von der Einführung von „Ellis Island-Methoden" in Palästina gesprochen. Nachdem in letzter Zeit wiederholt einzelne Einwanderer und kleinere Touristengruppen an der Landung in palästinensischen Häfen verhindert worden waren, hatte man am Vorabend des Pessach-Festes einer Gruppe von 123 jüdischen Touristen aus Rumänien die Landungserlaubnis verweigert. Ueber die Bemühungen, die Palästina- Regierung zur Aufhebung dieses Landungsverbotes zu bewegen, hat „Die Wahrheit" letzthin ausführlich berichtet. Obwohl ein Uebereinkommen zustande gekommen war. dahingehend, daß diesen Touristen ein dreitägiger Aufenthalt im Lande gegen Erlag einer Sicherstellung von 100 Pfund pro Kopf bewilligt werden sollte, wurde diese Z usage von der Regierung im letzten Augenblick zurückgezogen. Die Touristen mußten, nachdem sie eine Nacht in den Quarantäne-Baracken von Haifa verbracht hatten, nach Rumänien zurückkehren, ohne auch nur ihre in Palästina lebenden Angehörigen gesehen zu haben. Noch zittert die Erregung über dieses Vorgehen der Behörden in der jüdischen Oeffentlichkeit Palästinas nach und schon wird eine neue, noch krassere Maßnahme der Einwanderungsabteilung der Palästina-Regierung gemeldet. Die im jüdischen A1t e r s h e i m zu Jerusalem untergebrachte 70jährige Gitl S c h w i s k i erhielt wegen illegaler Einwanderung eine Vorladung der Einwanderungsbehörde und wurde bald darauf aus dem Altersheim ins Gefängnis überführt. Die Angehörigen der Greisin sind bemüht, ihre Freilassung gegen Kaution zu erwirken. Zimmermaler Kohn empfiehlt sich zur Ausführung von Malerarbeiten jeder Art II., Rotenkreuzgasae 3 Tel. A 45-9-37 Nur 5500 Palästina-Zertifikate für das kommende Halbjahr? Wie die Jüdische Telegraphen-Agentur erfährt, hat die P a 1 ä s t i n a - R e g i e r u n g an Stelle der von der Jewish Agency angeforderten 12.750 Einwanderungszertifikate für das kommende Halbjahr vorläufig nur 5500 Zertifikate bewilligt. In diese Zahl sind auch die für deutsche Juden ausgegebenen 1000 Zertifikate bereits miteingerechnet. In den Kreisen der Jewish Agency ist man wegen dieser starken Reduzierung der Zertifikate-Zahl tief verstimmt. Es werden alle Anstrengungen gemacht, um die Palästinaregierung zur Bewilligung weiterer Zertifikate zu bewegen. JCafcenkreuz am Werft Sie „anerkennen". In Wiesbaden fand jüngst der 45. Kongreß der Deutschen Gesellschaft für innere Medizin statt. Die Zahl der Teilnehmer ist in diesem Jahre um etwa ein Drittel kleiner als bei den vorhergegangenen Kongressen, was auf die Eliminierung der jüdischen Wissenschaftler zurückzuführen ist. Da der bisherige Erste Vorsitzende Professor L i c h t w i t z (Berlin) sein Amt niedergelegt hatte, wurde die Tagung von Professor Schittenhelm (Kiel) eröffnet, der u. a. die Beseitigung der der deutschen Rasse und Kultur durch übergroße fremdstämmige Vermischung drohenden Gefahr und Mitwirkung der deutschen Aerzteschaft an der Befriedigung des „natürlichen Anspruchs Deutschlands auf arteigene geistige Führung" forderte. Die Klärung der mit der Rassenkreuzung zusammenhängenden Fragen werden noch vieljähriger Forschung bedürfen; rasse- und erbbiologische Probleme seien von der Streng orthodox Prima ungarisches MastgeflQgel, sowie erstklassige Weine per Liter von S 1.10 aufwärts. Auf Wunsch ins Haus gestellt. Adolf Neubauer, II., Negerlegacse 2 ~W2 Vegetarische Kilcfae nW3 und FriinsiUckssnibe Unter Aufsicnt der Adas Jisroel (Schiffjchni; Johanna Deutsch, „. (Ecke Pn. Hochedlingergassb 19) Lokal für Vereine und Festlichkeiten billigst iu vermieten. Gesellschaft besonders zu berücksichtigen. Bei aller Schärfe der als notwendig erkannten Maßregeln zur Erhaltung der deutschen Rasse und Kultur würden die Verdienste und Leistungen von Persönlichkeiten wie Ehrlich, N e i sser, Minkowski, Wassermann u. a. stets unangetastet bleiben und volle Anerkennung finden, doch müsse betont weredn. daß für die Entwicklung dieser Männer das stete Zusammenleben mit der deutschen Rasse und der Einfluß deutscher Lebens- und Denkart von erheblicher Bedeutung waren. (Das gilt nur für diese Männer?) Jüdisch-arabische Straßenkämpfe in Tanger. Während der Pessach-Feiertage kam es in Tanger zu ernsten Unruhen und Straßenkämpfen zwischen Arabern und Juden, in deren Verlauf mehrere Personen schwere Verletzungen erlitten. Mehrere Araber und Juden wurden verhaftet. Nach Verstärkung der Polizei durch Militär wurde die Ordnung wiederhergestellt. Eine merkwürdige Maßnahme stellt das Verbot der Budapester jüdischen Zeitschrift „E g y e n- I ö s e g" dar. deren Erscheinen auf 14 Tage inhibiert wurde. Der Grund dieser auffallenden Maßnahme ist darin zu suchen, daß das mutige ungarisch-jüdische Blatt eine sehr scharfe Sprache gegen das neue deutsche Regime und dessen Judenverfolgungen führte. Die Artikel des Blattes hatten eine Demarche in Budapest zur Folge, deren Ergebnis die erwähnte Maßnahme ist. jfus affer Welt Spanien und die deutschen Juden. Die von der spanischen Regierung getroffene Verfügung, durch die der Visum-Zwang für Einreisende aus Deutschland wieder eingeführt wird, hat beträchtliches Aufsehen erregt und wird damit erklärt, daß im abgelaufenen Monat eine besonders große Zahl jüdischer Flüchtlinge aus Deutschland nach Spanien gekommen ist. Daß diese Verfügung der spanischen Regierung lediglich aus wirtschaftlichen und nicht etwa aus judenfe i n dl ichen Gründen erfolgte, geht daraus hervor, daß der spanische Unterrichtsminister gleichzeitig erklärt hat, er wolle die Möglichkeit, eine Anzahl jüdischer Gelehrter aus Deutschland an spanische Universitäten zu berufen, überprüfen. Berlin. Dem neugegründeten „Zentralausschuß der deutschen Juden für Hilfe und Aufbau, in dem die maßgebenden zentralen jüdischen Organisationen mitarbeiten, gehören die Herren Rabbiner Dr. B a e c k (Vorsitzender), Landgerichtsrat Dr. Lilien thal (Geschäftsführer), Alfred Berger, Dr. Georg Landauer, Direktor Stahl, Dr. Ludwig T i e t z, Dr. Carl Melchior, Doktor Mark. W i s c h n i t z e i und Dipl.-Ing. Bruno W o y d a an. Die Zahl der Juden wächst. Nach einer vor einixer Zeit erschienenen Abhandlung von Jakob Lestschinskv hat sich die Zahl der Juden in den letzten hundert Jahren v e r r ii n t f a c h t. im Jahre 1825 nab es nach seiner Berechnung 3,281.000, irn Jahre 1925 14.800.500 Seelen. In den letzten 25 Jahren betrug die 'ährliche durchschnittliche Zunahme Jer jüdischen Bevölkerung 170.000. Während das askenasische Judentum sich von 2.680.000 im Jahre 1825 auf 13,900.000 im Jahre 1925 vermehrt hat, haben sich die ssphardischen Juden nur von 60O.000 auf 900.000 vermehrt. Das osteuropäische Judentum ist seinerseits viel stärker angewachsen als das westeuropäische. 1825 wurden 2,232.000 Seelen gezählt. 1925 bereits 12.643.000. Im westlichen Europa stiegen die Zahlen von 438.000 auf 1.292.000. Der sechs- HageFs Selchwaren-Restaurant Selchwaren aus der Pibrik Elsen & Hönigsber streng orth. tto (Unter Aufsicht der Adas-Jisroel-Schiffschul) Wlan Prater«traB«33,Telephon R-47-4-4» ■•na von S 2m— aufwärts. _Hochzeiten und Banketts werden bestens arrangiert