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Die Wahrheit · 1933-04-28 · Heft 17 (28.4.1933) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1933
Issue
Heft 17 (28.4.1933)
Date
1933-04-28
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 DIE WAHRHEIT I HOTEL ELISABETHHOF Zeitgemäße Preise. Kein Mahlzeitenzwang Die Judenschaft des alten Regates hat einen schweren Verlust zu verzeichnen. In Bukarest ist der dortige Großindustrielle und Bankier, Herr Elly B e r c o w i c z, im Alter von 68 Jahren aus dem Leben geschieden. Der Verblichene hat im politischen Leben eine hervorragende Rolle gespielt, war viele Jahre Präsident der dortigen Judengemeinde, führendes Mitglied der liberalen Partei in Rumänien, Begründer und Erbauer eines Waisenhauses und vieler anderer Fürsorgeinstitute. Seine Bedeutung in der Exekutive der großen Regierungspartei Rumäniens geht auch daraus hervor, daß er sogar zum Senator gewählt wurde. Der gegenwärtige Präsident der rumänischen „Union", Herr Dr. Fi ld ermann, ist bekanntlich ein Schwiegersohn des Verblichenen. Bernhard Rippel, Czernowitz. * Scharfe Maßnahmen der rumänischen Regierung gegen die Judenhetze. In der Bukowina ist es zu einem Z usammenschluß der Eisernen Garde mit den deutschen nationalsozialistischen Organisationen in der Bukowina gekommen. Bei einem Kongreß in Radautz ist eini zehntägiger J u d e n b o y k o 11 beschlossen worden. Die Behörden haben alle Maßnahmen getroffen, um die antisemitische Hetze unwirksam zu machen. Die in Czernowitz erschei- CJLtJSIlJSBAB KHK- 1IWB BAJDEAMSTAILT WIEN IX., CLUSIUSOASSE NR. 12 an der Friedensbrücke gelegen " ~ Original RüSSlSdieS Dampfbad mit -—•—1 Buschenbehandlung gegen Rheuma etc. Gegen Vorweisung dieses Inserates S 1.30 nende nationalsozialistische Zeitung „Der Scharfschütze" wurde beschlagnahmt. Die R eg i e r u n g erklärt, daß sie die antisemitische Hetze nicht dulden und gegen ihre Urheber mit aller Strenge des Gesetzes vorgehen wird. Ueber Anordnung des Innenministeriums wurde in den Räumen der Cuza-Partei eine Hausdurchsuchung vorgenommen, wobei zahlreiches schriftliches Material beschlagnahmt wurde. Am 23. April ereigneten sich in Jassy Ausschreitungen, wobei es aber zu einem Zusammenstoß zwischen den beiden feindlichen Flügeln der antisemitischen Partei gekommen ist. Zahlreiche Personen wurden verwundet. Die Polizei nahm mehrere Verhaftungen vor. ENORME AUSWAHL BILLIGSTE PREISE E pPlP VARL s sts^ * TEPPICHE VORHANGE MODELSTOfTE, DECHEN NUR I.,DADC»NMAßliT12-14 i#S „Wir Katholiken beten für die verfolgten Juden" Eine Predigt des Monsignore Remond, Bischof von Nizza. In der Kirche zum Heiligen Herzen Jesu in Nizza hielt Bischof Remond eine Predigt, in der er Worte der schärfsten Verurteilung für die Judenverfolgungen in Deutschland fand. Alle Menschen mit einem aufrechten Herzen — sagte Monsignore Remond — müßten gegen die Verletzung der Gewissensfreiheit, gegen die Unterdrückung der Israeliten in Deutschland protestieren. Wir Katholiken haben die Pflicht, im Namen der Barmherzigkeit Christi zu beten, daß Gott die Leiden der Menschheit, die wegen ihrer religiösen Ueberzeugung verfolgt werde, abkürzen möge. Wir mißbilligen die Ausnahmsgesetze gegen Juden ebenso, wie wir die Ausnahmsgesetze, die sich in Spanien und Mexiko gegen die Katholiken richten, mißbilligt haben. Es ist unbegreiflich, daß in einem Lande, das sich einer höheren Kultur rühmt, als andere Völker sie haben, solche Rückfälle in die Zeiten der Barbarei stattfinden können. Als Apostel des Evangeliums predigen wir die Barmherzigkeit',' üiS Liehe" und fleh' Frieden unter den Menschen. Als Träger der christlichen Zivilisation sprechen wir unter solch grausamen Verhältnissen den unterdrückten Juden in Deutschland unsere selimerzerfüllten Sympathien aus. Wir wünschen, in der Lage zu sein, ihre Leiden zu lindern und ihnen moralisch und materiell beizustehen. Indem wir in dieser Weise sprechen, bleiben wir den Traditionen der katholischen Kirche treu, deren Fürsorge, da sie allumfassend ist, sich auf alle Völker, alle Rassen und alle Seelen erstreckt. Die italienische Jadenheit zur Lage in Deutschland. Ein zwischenstaatliches Uebereinkommen gegen den Antisemitismus vorgeschlagen. Die neue Exekutive der auf Grund eines Regierungsdekretes organisierten und als offizielle Vertretung der italienischen Judenheit anerkannten Union der jüdischen Gemeinden Italiens hat in ihrer uralter Vorsitz des Regierungskommissärs Advokat Feiice Ravenna abgehaltenen ersten Sitzung folgende Resolution betreffend die Lage der Juden in Deutschland gefaßt: „Die Union der jüdischen Gemeinden Italiens, in dieser traurigen Stunde den so sehr zurückgesetzten deutschen Juden aus vollem brüderlichen Herzen verbunden, bringt den innigen Wunsch zum Ausdruck, daß so rasch als möglich normale Lebensbedingungen für die deutschen Juden wiederhergestellt, ungerechte Beschränkungen gegen sie aufgehoben werden und daß sie sich wieder derselben Rechte wie alle übrigen Bürger erfreuen mögen. Die Union der jüdischen Gemeinden Italiens bringt den Wunsch zum Ausdruck, daß alle zivilisierten Nationen ein bindendes Uebereinkommen treffen, das die Wieder holung gewaltsamer Zurücksetzung der Juden unmöglich macht und sie vor Verfolgung schütz t." Die Exekutive der Union der jüdischen Gemeinden Italiens hat alle Rabbiner Italiens aufgefordert, diese Resolution in den Synagogen zu verlesen und sie der nächsten Wochenpredigt zugrunde zu legen, in der auf die schwierige Lage der deutschen Judenheit hingewiesen und dem Gefühl der Solidarität der italienischen Juden mit ihren zurückgesetzten Glaubensgenossen in Deutschland Ausdruck verliehen werden soll. Wird die italienische Regierung die Forderungen der italienischen Judenheit unterstützen? Die in der Resolution des italienischen Gemeindeverbandes erhobene Forderung nach Abschluß eines zwischenstaatlichen Ueberernkommens gegen den Antisemitismus bezieht sich zweifellos auf den seinerzeit von Professor T e d e s c h i von der Universität Rom aufgestellten Plan einer Konvention zur Aechtung des Antisemitismus. Dieser Plan wurde in der gesamten jüdischen Presse und in einem großen Teil der allgemeinen Presse aller Länder lebhaft diskutiert. In einem Gespräch mit dem Vertreter der Jüdischen Telegraphen-Agentur in Rom hat der Regieningskommissär für die jüdischen Gemeinden Italiens, Advokat Feiice R avenn a, seinerzeit erklärt, er sei in der Lage, mitzuteilen, daß die italienische Regierung dem von Professor Tedeschi entworfenen Plan einer internationalen Aechtung des Antisemitismus wohlwollend gegenüberstehe. Die von dar Exekutive der Union jüdischer Gemeinden Italiens gefaßte Resolution, die Mussolini vom Oberrabbiner von Rom, Dr. Angele S a- MÖBEL Moderne Kdchen- Vorzlmmer- Wohnzlramer- F. KOHff, Wien II., TABORSTRASSE Nr. 22 Telephon R 40-7-14 Samstag geschlossen — Angeschlossen der „Schomra mm H^^^F^^WrW^fflr^^P^^^ c e r d o t i, unterbreitet wurde, gewinnt also im gegenwärtigen Moment besondere Bedeutung. Mussolini gab bei dieser Unterredung seiner Zuversicht Ausdruck, daß die Lage bald zur Normalität zurückkehren werde. Wer betreibt Greuelpropaganda? „Wir werden Ihm ein ganzes Volk ins Jenseits nachsenden!" In der Feier der Wiener Nazi anläßlich des Geburtstages Hitlers hielt Frauenfeld die Festrede. Ein charakteristischer Satz sei aus seiner an Kriecherei nicht zu überbietenden Rede wiedergegeben: „Wehe dem, der unseren Führer trifft. Wir werden, einer alten, harten Vätersitte gehorchend, dem Einen ein ganzes Volk auf den Weg ins Jenseits nachsenden." Vor ein paar Tagen erst hat ein Naziblatt auf das bloße Gerücht hin, daß Traumdeuter und Hellseher einen Anschlag gegen Hitler prophezeit haben, von einem Pogrom gesprochen, „gegen den die Bartholomäusnacht ein Kinderspiel sein sollt e". Und jetzt droht Frauenfeld, der oberste Führer der österreichischen Nazi, „ein ganzes Volk — lies: die Juden — Ihm ins Jenseits nachzusenden". So sprechen die Führer und die Parteipresse der Nazi. Und dann schreien sie Zeter und Mordio über die „Greuelpropaganda" gegen das Nazireich. Wundert sich da jemand, wenn sich die ganze Welt mit Abscheu und Entsetzen von dieser Gesellschaft abkehrt? Die Bruderhand. Amerikanische Hilfe für notleidende deutsche Juden. Im Gemeindehause der Synagogengemeinde Emanu- El zu New-York fand eine vom American Jewish Joint Distribution Committee einberufene Versammlung statt, zu der über 750 Delegierte der dem Committee angeschlossenen Organisationen erschienen waren, um über Hilfsmaßnahmen zugunsten der infolge der politischen und wirtschaftlichen Umgestaltung in Deutschland notleidend gewordenen jüdischen Bevölkerungskreise zu beraten. Es wurde beschlossen, neben der bisher vom Committee geleisteten großzügigen Hilfe- und Aufbautätigkeit in Osteuropa, die ungeschmälert weitergeführt werden soll, eine neue Hilfsaktion philanthropischer Art für die deutschen Juden zu eröffnen. Mit der Leitung der Hilfsaktion wurde das europäische Büro des Joint Distribution Committee betraut und ihm gleichzeitig die Weisung erteilt, bei seiner Tätigkeit in dauernder enger Fühlung mit den jüdischen philanthropischen Organisationen in Deutschland zu bleiben. Nicht politische Kundgebung, sondern praktische Hille.' Den Vorsitz in der Versammlung führte der Vizepräsident des Joint Distribution Committee James N. Rosenberg. In seiner Eröffnungsansprache betonte er nachdrücklich, daß das Committee ebenso wie andere Organisationen seiner Art, etwa das Rote Kreuz und ähnliche Verbände, durchaus nichts mit irgendwelchen politischen Dingen zu tun habe. Dementsprechend werde sich auch diese Konferenz ausschließlich mit der Erörterung von Hilfsproblemen befassen. „Die Tragödie der jüdischen Bevölkerung in Deutschland", führte der Redner aus, „bereitet uns unaussprechlichen Kummer. Doch ist dies weder die Zeit noch der Ort, über diesen ganzen Fragenkomplex mehr zu sagen, als daß wir einem schweren Hilfsproblem gegenüberstehen. Wir hegen das Vertrauen, daß wir bei der Durchführung solcher Aufgaben die Unterstützung aller ohne Unterschied von Rasse. Nationalität oder Glaubensbekenntnis finden werden." Richter Irving L e h in a n schilderte eingehend die bisherige Tätigkeit des Joint Distribution Committee-in Deutschland und anderen Ländern. Er erklärte, das Committee habe in den 18 Jahren seines Bestehens über 80 Millionen Dollar für Hilfsaktionen zugunsten notleidender Juden in allen Teilen der Welt ausgegeben. Wieder einmal dringe der Notschrei von Juden, die schwer unter wirtschaftlicher Zurücksetzung leiden, durch die Welt. Amerika sei durch die Folgen der Wirtschaftsdepression in hohem Maße betroffen und wirtschaftlich in schwierigerer Lage als während des Krieges. Die Juden Amerikas seien nicht mehr imstande, aus ihrer Fülle zu geben, denn eine solche Fülle gebe es nicht mehr. Doch könne er voll Vertrauen erklären, daß das Mitgefühl der amerikanischen Juden für die Notleidenden, ihr Wunsch, auch mit ihren jetzt geringer gewordenen Mitteln zu helfen, in demselben Maße gestiegen sei, wie ihre materiellen Hilfsquellen schwächer geworden sind.-

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