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Die Wahrheit · 1933-04-21 · Heft 16 (21.4.1933) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1933
Issue
Heft 16 (21.4.1933)
Date
1933-04-21
Page
– (sequence 6)
Language
German
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für die Dauer der Feiertage zu gestatten, wurde von der Regierung zunächst zurückgewiesen. Eine Intervention des palästinensischen Oberrabbiners Kook und der Jewish Agency beim High Commissioner blieb ergebnislos, da die Einwanderungsbeamten erklärten, die Touristen seien nicht im Besitze der vorgeschriebenen Summe Bargeldes. Im Hinblick auf dieses Verhalten der Einwanderungsbehörden fordert die hebräische Presse den sofortigen Rücktritt des Leiters des Einwanderungsamtes Hyamson Mazzoth-Pakete, die von der jüdischen Bevölkerung Haifas auf den Dampfer geschickt worden waren, wurden von den Touristen, welche den Hungerstreik erklärt hatten, zurückgewiesen. Erst am folgenden Tage wurde ihnen gegen eine Kaution von 100 Pund pro Kopf ein viertägiger Aufenthalt in Haifa gestattet Brief aus Jugoslawien. Der Verband der Kultusgemeinden protestiert gegen die deutschen Zustände. Am 2. und 3. April 1933 fand in Beograd der V. Kongreß des Verbandes der jüdischen Kultusgemeinden statt Die Beteiligung war eine noch nie dagewesene. Sämtliche Kultusgemeinden waren durch insgesamt über 200 Delegierte vertreten. Auch die Rabbiner fast aller Gemeinden waren erschienen. Der König hatte seinen Personaladjutarnten entsendet Auch die Ministerien und die Stadt Beograd waren vertreten. Der Präsident der Beograder askenasischen Kultusgemeinde, Dr. Friedrich Pops, ergriff als geschäftsführender Vizepräsident das Wort und führte u. a. bezüglich der gegenwärtigen judenfeindlichen Bewegung in Deutschland folgendes aus: „Erlauben Sie. meine Damen und Herren, daß ich zunächst eine Frage anschneide, die uns Juden, auf welchem Punkte der Erdkugel wir auch leben mögen, schmerzlich berührt und mit Entsetzen erfüllt Es handelt sich um unsere jüdischen Brüder in Deutschland. Ich will mich in keine Betrachtungen über die politische Seite dieser Frage einlassen. Für uns ist allein wesendich, daß unsere jüdischen Brüder in Deutschland, die dort immer treue und loyale Staatsbürger waren und für Deutschland in jeder, sei es kultureller sei es wirtschaftlicher Beziehung, nur Nützliches geleistet haben, Gegenstand ungerechter und unbegründeter Verfolgungen sind. Der Antisemitismus, der sich in Deutschland immer von Zeit zu Zeit gezeigt hat. ist heute einer der Grundsätze der herrschenden Partei, weiche trachtet, die Ursachen alles Unglücks und aller schweren Not in Deutschland auf die Juden zu überwälzen. Um bei der Masse noch mehr Erfolg zu erreichen, tritt sie gegen die Juden in der vehementesten Weise auf. ja es wurde sogar eines Tages der Boykott gegen alle Juden, Kaufleute und Wirtschaftler wie Intellektuelle proklamiert. Als Begründung dieser Maßnahme wird die Propaganda angeführt welche die Juden der ganzen Welt angeblich gegen Deutschland betreiben. Jeder unparteiische Beobachter muß über diese absurde Begründung lächeln, mit welcher die in Deutschland heute herrschenden Kreise die Verfolgung unserer dortigen Brüder motivieren wollen. Wir sind weit davon entfernt uns in die internen Angelegenheiten Deutschlands einmengen zu wellen. Aber wir können nicht umhin, unserem Entsetzen darüber Ausdruck zu verleihen, daß in einem Kulturstaate derlei geschehen, derlei geduldet werden kann Deshalb schlage ich im Namen aller in unserem Verbände der jüdischen Kulrusgemeinden vertretenen Juden dieses Königreiches folgende Resolution zur Annahme vor: „Die auf dem Kongreß ihrer Gemeinden versammelten Juden Jugoslawiens begleiten mit großer Erregung die unerhörten Vorfälle in Deutschland, welche die fundamentalen Menschenrechte und die bürgerliche Freiheit der deutschen Juden gefährden, sie des gesetzlichen Schutzes verlustig zu machen und wirtschaftlich zu vernichten droben. Der Kongreß der jüdischen Gemeinden Jugoslawiens übermittelt in diesen schicksalsschweren Stunden seinen jüdischen Brüdern in Deutschland den Ausdruck seiner dauernden Sympathie und versichert sie seines unerschütterlichen Willens, sie in jeder Weise zu unterstützen. Die Juden Jugoslawiens betrachten fetzt und künftig die an den deutschen Juden verübten Gewalttaten als Eingriff in ihr eigenes Fleisch und Blut und werden sieb dagegen gemeinsam mit den Juden der ganzen Welt mit aller Kraft widersetzen, indem sie alles zur Verteidigung der Ehre und der Würde des jüdischen Volkes und zur Rettung der deutschen Juden unternehmen werden." Diese Resolution wurde einhellig unter stürmischer Zustimmung angenommen. Bei der Konstituierung des neuen Ausschusses wurden Dr. Friedrich S. Pops zum Präsidenten des Gemeindeverbandes, Dr. David Albala. Beograd, Dr. Hugo Kon, Zagreb, und Dr. Elemer Kalmar, Subotica, zu Vizepräsidenten gewählt Jugoslawien nimmt unter jenen Ländern, die die flüchtenden deutschen Juden hilfreich aufnehmen, eine der ersten Stellen ein. Das Entgegenkommen, das die Opfer der HiÜerei dort finden, ist allerort sehr groß, es entspricht der liberalen Haltung, die der König wie seine Regierung den Juden gegenüber immer bekundeten. JCaftenkteuz am Werft Ein Nobelpreisträger bedankt sich ... Der bekannte Göttinger Gelehrte Professor Dr. Franck, der Nobel-Preisträger für Physik, hat um sofortigeEnthebung von seinen Amtspflichten gebeten. Er erklärte, daß die Deutschen jüdischer Abstammung als Fremde und Feinde des Vaterlandes behandelt werden. Allerdings habe man eine Ausnahme gemacht für jene, die Kriegsdienste geleistet haben. Er selbst sei vier Jahre lang an der Front gestanden und besitze das Eiserne Kreuz erster und zweiter Klasse sowie zahlreiche andere Kriegsauszeichnungen. Er lehne es aber ab, von der Begünstigung Gebrauch zu machen. Einer eventuellen Berufung ins Ausland wolle er nicht Folge leisten, sondern solange in Deutschland bleiben, als ihm hier die Möglichkeit wissenschaftlicher Betätigung geboten ist Ab 1. Mai Schächtverbot in ganz Deutschland. Das Reichskabinett hat am 4. April ein Gesetz verabschiedet, das ein S c h ä c h tverbotfürdasganzeReich festsetzt. Das am 1. Mai 1933 in Kraft tretende Gesetz trägt den Titel „Gesetz über das Schächten von Tieren". Es sieht vor, daß warmblütige Tiere beim Schlachten vor Beginn der Blutentziehung zu betäuben sind. Der Reichsminister des Innern kann bestimmen, daß diese Vorschrift auch beim Schlachten anderer Tiere anzuwenden ist. Vorsätzliches oder fahrlässiges Uebertreten der Betäubungszwangsvorschrift wird mit Gefängnis bis zu 6 Monaten oder mit Geldstrafe bestraft. Das hat gefehlt Der Studentenrat der lettischen Universität in Riga hat einen vom Verband der nationalsozialistischen Studenten eingebrachten Antrag, die E rr ichtung eines Lehrstuhls für Antisemit i s m'u s an der Universität zu verlangen, m i t großer Mehrheit abgelehnt Stimmt die Ueberschrift, die wir dieser Meldung geben? Nur mit einem Fragezeichen, denn die lettischen Antisemiten brauchen nur die Verfügungen ihrer reichsdeutschen Gesinnungsgenossen zu studieren, um im Antisemitismus ausgebildet zu sein. Am Balkan gibt es keine deutschen Zustände. Der Generalsekretär der mazedonischen Regierung, Leontides, erklärte einer jüdischen Delegation, die anläßlich eines antisemitischen Zwischenfalls, der sich vor einigen Tagen in S anqgienisdies Köniösüchf Seit vielenjahren dasa^erkannt beste ton^-nfctw Man achte auf die ges. gesch. Marke „Hyglen. Königsilchl" und Name Schulz Fabrik und Büro: Wien XIV., Braunhlrschengasssa 3 Telephon R .»3-1-87 Den allgemeinen Wünschen des konsumierenden Publikums Rechnung tragend, wird unter der Bezeichnung „Hygienisches Königslicht" Nummer 2 ein kleines Jahrzeitlicht in den Verkehr gebracht, das garantiert 24 Stunden brennt und sich im Preise bedeutend billiger als das bisherige Nr. 1 stellt 1 o n i k i ereignet hatte, bei ihm vorsprach, die griechischen Behörden würden jedermann, der es versuchen sollte,, judenfeindliche Unruhen in Saloniki hervorzurufen, strengster Bestrafung zuführen. Den Anlaß zur Vorsprache der jüdischen Deputation bei der mazedonischen Regierung bildete folgender Vorfall: Einige betrunkene Nationalisten waren mit einem Gendarm in Streit geraten und hatten im Verlauf des Streites Steinegeschleudert, durch die S c h e iben der in der Nähe gelegenen Monastirioten-Synagoge zerbrochen wurden. Einige Exzedenten hatten dann noch mit roter Farbe auf die Außenwände der Synagoge Hakenkreuze und die Initialen des antisemitischen Nationalistischen Verbandes gemalt. Die Schuldigen wurden verhaftet. Aus aller Welt Ein Jude gewinnt Ostgrönland für Dänemark. Die Entscheidung des Haager Gerichtshofes, derzufolge Dänemark ein bisher unter norwegischer Herrschaft gestandene sGebiet an der ostgrönländischen Küste zugesprochen wurde, ist, wie die gesamte dänische Presse hervorhebt, auf die Bemühungen des Chefs der Völkerrechtsabteilung im dänischen Ministerium des Aeußern Dr. Georg Cohn zurückzuführen. Der Internationale Gerichtshof im Haag ist in den Prämissen seines Urteils genau der von Dr. Cohn ausgearbeiteten völkerrechtlichen Begründung des dänischen Anspruchs gefolgt. Im Zusammenhang mit dem Erfolg des jüdischen Rechtsgelehrten weisen die Kopenhagener Zeitungen darauf hin, daß die Juden eine besondere Begabung für dieRechtswissen schaff haben. Diese Begabung sei im vorliegenden Falle dem Staate zugute gekommen. Wie der dänische Ministerpräsident Stauning mitteilt, hat König Christian X. der Umbenennung des neugewonnenen Gebietes in „Christian X. Land" zugestimmt. Ein jüdischer Stadtsekretär in Amsterdam. Der Amsterdamer Stadtrat hat den bisherigen Direktor der Magistratsabteilung für öffentliche Arbeiten Dr. S. J. v a n L i e r zum Stadtsekretär von Amsterdam ernannt. Dr. van Lier ist der erste Jude, der diese hervorragende Stellung bekleidet. Antwerpen. Dem jüdischen Fliegerunteroffizier Sergeant Borischewitsch wurde in Anerkennung seines bei schwierigen' Flügen bewiesenen außerordentlichen Mutes das Ritterkreuzdes Leopold-Ordens verliehen. Das Leopold- Ritter-Kreuz ist eine der höchsten und seltensten militärischen Dekorationen in Belgien. Berlin. Vor kurzem beging Rechtsanwalt Bruno Weil, stellvertretender Vorsitzender des Centrai- Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, die Feier seine 50. Geburtstages. Anläßlich dieser Feier gingen dem Jubilar, der sich seit vielen Jahren in unermüdlicher Arbeit für die Verteidigung der Rechte der deutschen Juden eingesetzt hat, zahlreiche Beglückwünschungen aus den Kreisen des deutschen Judentums zu. Bruno Weil, der im Saarlande geboren wurde und seine Jugend in Metz verbracht hat, trat bereits als Student für sein Ideal der Verbindung von Deutschtum und Judentum ein; als Angehöriger einer K. C.-Verbindung war er in diesem Sinne organisatorisch, schriftstellerisch und rednerisch tätig. In seinem Werk „Juden in der deutschen Burschenschaft" befaßte er sich mit Problemen der jüdischen Akademikerschaft in Deutschland. Er ist auch Begründer der K. C.-Jahrbücher, in denen grundsätzliche Fragen der deutsch-jüdischen Jugend erörtert wurden. Nach dem Kriege wurde erausStraßburg, wo er sich als A n w a 11 niedergelassen hatte, ausgewiesen und kam nach Berlin. Hier hat er u. a. auch eine intensive Tätigkeit zugunsten der aus ihrer Heimat ausgewanderten Elsaß-Lothringer entfaltet. Er verfaßte mehrere schwierige juristische Fragen lösende Werke über die Rechtslage der verdrängten Auslandsdeutschen. Literarisch trat er durch eine Reihe von geschichtskritischen Werken hervor. Für den Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens hatte sich Bruno Weil schon in Straßburg betätigt. Nach seiner Uebersiedlung nach Berlin wurde er bald in die Leitung dieser Organisation berufen, der er seither ununterbrochen als stellvertretender Vorsitzender angehört.

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