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Die Wahrheit · 1933-04-21 · Heft 16 (21.4.1933) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1933
Issue
Heft 16 (21.4.1933)
Date
1933-04-21
Page
– (sequence 5)
Language
German
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DIE WAHRHEIT Seite S Union. iSsterreicnlscIier «Indien Achtung! Mitglieder des Parteirates! Die zweite diesjährige Tagung des Parteirates findet am 22. d. M. statt. 193 Ve getAilacbe Ktlcfae -yg^ und FrUfesnldcsatube Unter Aofsicat der Adas Jisroet (Sckiffschol) Johanna Deatsdi, «. ■cnuMU«e (Ecke Ptz. HochedlintetgMie 19) Lokal für Vereine und Peitlichkeiten billig« iti vermieten. Ort: Cafe-Restaurant Tonello, II., LQlenbrunngasse 2 Referate: Reg.-Rat Dr. Max Lenk: Bedeutung des Ausbaues der „Union" Eduard Widrich: Organisatorisches Einlaß nur gegen die an die Mitglieder des Parteirates ergangenen Einladungen. Beginn: präzise 8 Uhr abends Wer betreibt Greuelpropaganda? Die Ermordung des Chemnitzer jüdischen Rechtsanwalts Dr. Weiner. Der Fall des jüdischen Rechtsanwalts Doktor W e i n e r, der, nachdem er von mehreren Männern, die grüne Mäntel, SA-Binden und braune Mützen trugen, aus seiner Chemnitzer Wohnung gewaltsam in einem Kraftwagen fortgeführt worden war, auf der Wiedenauer Flur bei Mittweida mit einem Kopfschuß tot aufgefunden wurde, wird von der gesamten deutschen Presse ausführlich behandelt. Die Blätter veröffentlichen eine Mitteilung des Kriminalamtes des Chemnitzer Polizeipräsidiums, in der erklärt wird, Dr. Weiner sei einem „offensichtlich" von Feinden der nationalen Bewegung verübten gemeinen Verbrechen zum Opfer gefallen. Am 10. April, abends 'AlQ Uhr, haben drei in SA-Uniform gekleidete Männer in der Wohnung des Rechtsanwalts in Chemnitz in der Stoiberger Straße Einlaß verlangt. Unter Vorlegung eines Ausweises hat man dem Rechtsanwalt erklärt, daß er verhaftet sei und folgen solle. Der Rechtsanwalt liat den Ausweis selbst geprüft und auf eine Frage seiner Frau erklärt, daß die Sache in Ordnung sei. Angeblich hat aber keinerlei Schutzhaftbefehl gegen Rechtsanwalt Weiner bestanden und es war kein Festnahmeantrag an die SA erlassen worden. Weiner war nicht einmal in der Boykottliste jüdischer Rechtsanwälte enthalten, weil er den We 11- Jcriegmit gemacht hatte und Offizier geworden war. Raubmord liegt nicht vor. Es wurden Paß, Führerschein, goldene Uhr und über 400 Mark Bargeld in der Tasche des Toten gefunden. * ... * Versuch eines Bombenattentats auf die Synagoge in Eisenach. In einer der letzten Nächte wurden im Garten der Eisenacher Synagoge drei Männer beobachtet, die sich an einer Wand der Synagoge zu schaffen machten. Beim Nahen einer Polizeistreife flüchteten sie und warfen eine Blechbüchse in einen der benachbarten Gärten. Sie war mit Sprengstoff und einer Zündschnur versehen. Nach Annahme der Polizei sollte sie zu einem A nschlag auf die Synagoge verwendet werden. Umfassende Nachforschungen nach den Attentätern sind eingeleitet worden, man darf neugierig sein, ob sie auch zum Erfolg führen werden. Seit wann gibt es Jaden in Deutschland? Neue Forschungen über das früheste Vorkommen der deutschen Juden. In einer in der Paulinus-Druckerei zu Paderborn erschienenen Abhandlung publiziert der Oberrabbiner von Trier Dr. A. Altmann neue Forschungsergebnisse über das früheste Vorkommen der Juden in Deutschland. Bisher galt das Gesetz Constantins „Ueber die Kölner Decurionen" vom Jahre 321 als früheste Quelle über das Vorkommen von Juden in Germanien. Altmann wertet den Fund einer Tonlampe mit dem siebenarmigen Leuchter, den man bei Trierer Ausgrabungen machte, archäologisch und historisch aus, unter Heranziehung i eichen geschichtlichen Materials. Er kommt zu dem Resultat, daß, nach diesem Funde zu urteilen, bereits im 3. Jahrhundert in Trier Juden gewohnt haben. Trier besaß demnach die ä 1teste jüdische Gemeinde auf deutschem Boden. Beziehet und verbreitet Die Wahrheit! Wie man in Deutschland heute schreiben muß. Die „Frankfurter Zeitung"* über „Gleichschaltung" und Rassendünkel. Unter dem Titel „Die Revolution im Vormarsch" veröffentlicht die „Frankfurter Zeitung" einen Artikel, in dem sie sich rruft Theorie und Praxis der sogenannten „Gleichschaltung" auf den Gebieten von Verwaltung und Wirtschaft beschäftigt. In dem Artikel wird betont, daß die gigantische Machtkonzentrierung durch die Gleichschaltung nicht Selbstzweck sein kann und zu zahlreichen Argumenten, Zweifeln und Einwendungen Gelegenheit gibt. Die straffere Organisierung des gesamten öffentlichen Lebens sei eine Lebensnotwendigkeit gewesen, wenn man sie sich auch anders — und von anderen durchgeführt — vorgestellt habe. Sie könne in jedem Falle viel Gutes Stiften, wenn sie nicht durch politische und menschliche Ressentiments beeinträchtigt und — nachdem die NSDAP zum Hauptträger der Macht geworden ist — nicht unter Gesichtspunkten vorgenommen wird, die im Kampf einer gegen heftigsten Widerstand wild aufstrebenden, durch rücksichtslose Agitation während vieler Jahre großgezogenen Partei gewonnen wurden. Das Prinzip der Gleichschaltung, heißt es u. a. in dem Artikel, vollzieht sicli praktisch unter anderen nach diesen zwei Grundgedanken: Wer „marxistisch" vorbelastet und wer jüdisch ist. muß gehen. Wir brauchen nicht zu betonen, daß die bessere Parole hieße: Wer nichts taust oder wer den Staatszweck stört, der muß verschwinden . . . Menschliche Rücksichten haben zur Zeit keine gute Konjunktur. Aber steht man nicht den wirtschaftlichen Schaden, der angerichtet werden muß. wenn man sich nur auf die Parole versteift: Juden heraus? Gewiß „Radau- Antisemitismus" soll es nicht mehr geben, aber was liegt an einem Wort? Man kann mit sanften (?) Mitteln genau ebensoviel Unheil anrichten wie mit groben. Ein Zurücktreten des Judentums wird ohnehin die sichere Folge der Umwälzung sein. Versteift man sich auf eine rassische Doktrin, so setzt man sich ohnebin grotesken Situationen aus. Man hat es, weiß Gott, fertigigebracht. Söhne hoher preußischer Offiziere, Menschen, die sich selbst Kriegsauszeichnungen erworben haben, und die weit davon entfernt waren, jemals „marxistisch gewesen zu sein, aus öffentlichen oder privaten Aemtern zu verdrängen, bloß weil sich herausgestellt hat. daß sie eine jüdische Mutter oder Großmutter hätten. Wenn freilich selbst große wirtschaftliche Verbände schon bei dem leisesten Wink sich einer solchen Tendenz unterwerfen, dann kann man allenfalls fragen, was aus Mut und Charakter geworden ist. aber dann kann man sich über nichts mehr wundern. Wie die „Frankfurter Zeitung" erfährt, will der Kommissar des Reiches für das Preußische Justizministerium eine allgemeine Verfügung veröffentlichen, nach der Rechtskandidaten und Referendare, die als Mitglieder einer der anerkannten nationalen Verbände im vaterländischen Dienst eine gewisse Zeit hindurch tätig gewesen sind, zum Ausgleich einer dadurch verursachten „Behinderung des Ausbildungsganges" auf Antrag die juristischen Prüfungen in abgekürzter Form ablegen können. An diese Meldung knüpft „Frankfurter Zeitung" einen ausführlichen Kommentar, in dem es u. a. heißt: Es ist immerhin beachtlich, daß unter denen, die man in diesen Tagen von ihrerTätigkeit in der Rechtspflege wegen semitischer Abstammung fernhält, Juristen sich befinden, die wegen ihrer wissenschaftlichen Leistungen auf dem Gebiet der Rechtswissenschaft Weltruf besitzen. Einige der Betroffenen haben die Behandlung, die ihnen als deutsche und deutschfühlende Juden zuteil wurden als so schmerzliches Unrecht empfunden, daß sie den Freitod dem Leben vorgezogen haben. Und ihre Nachfolger? . . . Man mag im Sinne des preußischen kommissarischen Justizministers die Tätigkeit in nationalen Verbänden für eine hinreichende Charakterprobe halten — eine Leistungsprobe für den Beruf kann sie nicht gut sein. Auch drängt sich eine Gegenüberstellung auf. Die Tätigkeit in nationalen Verbänden wird den Kandidaten jetzt als Verdienst angerechnet. Bei den vielen preußischen Erlässen gegen jüdische Richter. Staatsanwälte eder Rechtsanwälte und Notare aber hat sich nicht ein Wort gefunden, welches den Frontdienst solcher Männer im Weltkriege, wenn schon nicht zum Verdienst, so doch wenigstens zum Grund der Anerkennung ihrer vollen staatsbürgerlichen Gleichberechtigung gemacht hätte. Streng orthodox i^n Prima ungarisches MastgeflDgel, sowie erstklassige Weine per Liter von S 1.10 aufwärts. Auf Wunsch ins Haus gestellt Adolf Neubauer, II., Negerlegasse 2 Palästina-Nachrichten. Die Ergebnisse der palästinensischen Volkszählung. Die Ergebnisse der im Jahre 1931' durchgeführten Volkszählung in Palästina liegen in einem sa eben veröffentlichten, annähernd 950 Seiten in zwei Bänden umfassenden statistischen Werk vor. Das Werk gibt vielseitigen Aufschluß über Entwicklung und gegenwärtige Zusammensetzung der palästinensischen Bevölkerung. Die Gesamtbevölkerung Palästinas im Jahre 1931 wird mit 1,035.821 Seelen gegenüber 757.182, die bei der vorangegangenen Volkszählung des Jahres 1922 gezählt wurden, angegeben. Die Zahl der Mohammedaner beträgt 759.712, die der Juden 174.610, die der Christen 91.398, ferner gab es 182 Samaritaner, der Rest verteilt sich auf Drusen und verschiedene Sekten. Von der Gesamtbevölkerung waren 526.680 Männer und 509.141 Frauen. Die jüdische Bevölkerung ist von 83.794 Seelen im Jahre 1922 auf 174.610 Seelen im Jahre 1931 gestiegen, was einer Zunahme von über 108 Prozent entspricht. In Tel Aviv betrug die Zunahme 203 Prozent, in Haifa 104 Prozent, in Jerusalem 45 Prozent. Die prozentuelle Zunahme der arabischen Bevölkerung beträgt 28 Prozent. Der auf je 10.000 Personen entfallende Bevölkerungszuwachs wird bei den Juden mit 850, bei den Mohammedanern mit 354 und bei den Christen mit 251 pro Jahr angegeben. In Tel Aviv entfallen auf je 1000 Einwohner 709 Personen, die im Ausland geboren sind. Die überwiegende Zahl der Juden hat Hebräisch als Muttersprache angegeben. Außerdem bekannten sich 2216 Juden zur arabischen, 4694 zur jiddischen Muttersprache. 5305 Personen haben englisch, 2492 deutsch als Muttersprache angegeben. Interessant ist, daß auch 21 Araber Hebräisch als Muttersprache angegeben haben. Die Kaufmannschaft Palästinas «exen Wirtschaftskrieg. Die Handelskammer von Tel Aviv und Jaffa hat einstimmig folgende Resolution gefaßt: Die Handelskammer von Tel Aviv und Jaffa spricht sich entschieden gegen jede Form von Wirtschaftskrieg aus. In seiner gegenwärtigen unsicheren Lage benötigt Deutschland Frieden und Stärkung seiner internationalen Beziehungen: jede Aktion, die diese Beziehungen ungünstig beeinflussen könnte, sollte vermieden werden. Deshalb legt die Handelskammer Wert darauf, daß die friedlichen Beziehungen mit Deutschland auf dem Gebiete von Handel und Industrie aufrechterhalten werden; sie betont nachdrücklich, daß weder sie noch irgendeine andere verantwortliche Institution in Palästina einem Boykott deutscher Waren ihre Unterstützung geliehen oder irgendeine gegen diese Waren gerichtete Boykottbewegung gutgeheißen haben. Die Handelskammer hält den Protest der Weltjudenheit und ihre Empörung angesichts der Maßnahmen der deutschen Behörden für durchaus natürlich und gerechtfertigt und ist der Meinung, daß diese Bewegung in keiner Weise den offiziellen Boykott der Juden in Deutschland rechtfertigt. Die Handelskammer nimmt mit Befriedigung zur Kenntnis, daß der offizielle Boykott nicht fortgesetzt wurde und bringt die Hoffnung zum Ausdruck, daß er nicht erneuert werden wird. Sollte der offizielle Boykott neuerdings erklärt werden oder sollten die deutsciien Juden tatsächlich unter einen, wenn auch nicht offiziellen Boykott gestellt werden, so wird die Handelskammer die Lage nochmals überprüfen und ihre Entschließungen veröffentlichen. Die Handelskammer wurde seitens des Industriellenverbandes der Vereinigung des Einzelhandels und des Verbandes des Kommissionshandels ermächtigt zu erklären, daß diese Körperschaften sich der vorliegenden Resolution anschließen. * Jüdische Touristen an der Landung in Palästina verhindert. Unter der jüdischen Bevölkerung Palästinas hat die Verweigerung der Landungserlaubnis für eine mit dem rumänischen Dampfer „Ardealul" am 9. April eingetroffene 123köpfige Gesellschaft jüdischer Touristen Empörung ausgelöst Das Verbot wurde von den Einwanderungsbeamten damit begründet, daß die Touristen, die bloß die Pessach- Feiertage in Palästina verbringen wollten, verdächtig seien, ihre dauernde Niederlassung zu versuchen. Der Dampfer sollte über Tripoli nach Konstanza zurückfahren. Ein bei der Zwischenlandung in Haifa von Verwandten der Palästina-Reisenden gestelltes Ersuchen, diesen gegen Erlag einer Kaution den Aufenthalt im Lande

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