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Die Wahrheit · 1933-04-21 · Heft 16 (21.4.1933) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1933
Issue
Heft 16 (21.4.1933)
Date
1933-04-21
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 DIE WAHRHEIT Und dient den jüdischnationalen Parteizwecken. Es mutet auch in eingeweihten Kreisen gar seltsam an, einerseits beim Bundeskanzler Dollfuß und beim Führer der christlichsozialen Regierungspartei vorzusprechen und den Schutz der jüdischen Bevölkerung zu heischen und anderseits gleichzeitig pathetisch zu erklären, „nur der Jude kann und wird dem Juden helfen". IM m H. H. Ewers und die Greuelpropaganda. imnutfitf "■"» MÖBEL Im Jahre 1922 erschien bei S. Cronbach, Berlin, „Die Stimme von Jerusalem" von I. Zangwill, autorisierte deutsche Ausgabe, mit einem Vorwort von Dr. Hanns Heinz Ewers. Israel ZangwiU, der bekannte jüdische Führer, Begründer der jewish Territorial Organisation (ITA), Verfasser der „Kinder des Ghettos", „König der Schnorrer und anderer vielgelesener Romane, Skizzen, Dramen usw., würdigt in dieser „Stimme von Jerusalem" die Wirkungen des Judentums auf die Menschheit und bekennt sich darin begeistert zu seiner angestammten Gemeinschaft. Von einer ganz neuen Seite lehrt ihn uns aber das Geleitwort von H. H. Ewers kennen. Wenigstens jene Leser, die mit den Vorgängen in den Ententeländern während des Weltkrieges nicht vertraut sind. Die Eingeweihten wissen freilich nur zu gut, mit welcher Gefahr für Leib und Leben viele Juden, u. a. Oberrabbiner Dr. Gaster und Israel Zangwül in London, der eine rumänischer, der andere russischer Herkunft, der Hetze gegen die Deutschen entgegentraten. H. H. Ewers schreibt nun hierüber wörtlich: „Es ist mir eine besondere Freude, dieses Buch meines alten Freundes Israel Zangwül den deutschen Lesern vorstellen zu dürfen. Wir haben, von Anatole France angefangen bis hin zu dem kleinsten Schreiberlein, in allen Ententeländern so viele .Deutschfreunde' umwerfen sehen, als das erste Kriegshorn blies, daß es fast wunderlich erscheint, daß einige wenige Künstler dennoch ihrer Gesinnung getreu blieben. Zu diesen ganz wenigen, die allen Angriffen und allen Gehässigkeiten zum Trotz durch alle Fährnisse des Weltkrieges fest ihren Standpunkt vertraten, gehört Israel Zangwül. Seit langen Jahren ein überzeugter Feind des Müitarismus, schrieb er um 1910 sein Versspiel ,Der Kriegsgott', das Sir Herbert Tree im Majestytheater in London zuerst aufführte. Er war der erste in England, der kurze Zeit nach Kriegsausbruch erkannte, daß England selbst, das einen ,Krieg gegen den Militarismus* zu führen vorgab, bis auf die Knochen militaristisch war. Sofort protestierte er, und er war während der ganzen Kriegsdauer unermüdlich tätig, in Reden wie in Zeitungsaufsätzen für den Gedanken des Friedens zu kämpfen und die Völker für ein besseres Verständnis zu gewinnen. In seinem Buche ,The War for the World', das mitten während des Krieges erschien, versuchte er zu zeigen, daß der eigentliche Krieg nicht zwischen Deutschland und England, sondern zwischen Ormuzd und Ahriman geführt werde, die in beiden Ländern ihre Anhänger zählten. In einem anderen Büchlein ,The Principee of Nationalities' nagelte er die englische Heuchelei fest, die die Welt nach dem Nationalitätenprinzip zu verteilen wünschte, ohne doch selbst Irland, Aegypten, Indien aufzugeben. In .Chosen Peoples' führte er aus, daß das stärkste antimilitaristische Buch der Neuzeit von einem Deutschen, Kant, geschrieben sei. Sein Kampf ging weit über die Grenzen Englands hinaus, immer wieder brachte er — der einzige neben G. B. Shaw — auch in amerikanischen Blättern Aufsätze, die betonten, daß auch die Deutschen — Menschen seien, um so der maßlosen Hetze gegen alles Deutsche entgegenzuarbeiten. Die Folge dieses vielseitigen Kampfes war natürlich die, daß er selbst den größten Angriffen ausgesetzt war. In dem kleinen Städtchen Sussex, in dem Zangwül lebte, wurde auf alle Häuser und Mauern groß mit Kreide aufgemalt: ,Zangwül ist prodeutsch!' Die Presse denunzierte ihn immer wieder; trotzdem ließ er sich nicht abhalten, zusammen mit den Unterhausmitgliedern Ramsay Macdonald, Arthur Posonby, dem berühmten Professor Bertrand Rüssel und anderen gutgehaßten Persönlichkeiten, der verabscheuten ,Union of Democratic ■n» Konditoreiwaren Abraham Leib Pomeranz, IL, Hermin engasse 13 Verkaufslokal: II., Floßgasse 7, Telephon A 41-7-78 Filiale: II. Hollandstraße 8 Bestellungen für Hochzeiten, Sudes und alle anderen Kestlichkeiten» sowie verschiedene Zackerbackereiwaren «erden prompt und billigst aufgeführt. Unter Aufsicht der Adas Jisroel (Schiffschuli. Central' beizutreten. Er trat ferner in enge Fühlung mit den deutschen Gefangenenlagern in England, schenkte Lebensmittel und stellte seine gesamte große deutsche Bibliothek den Kriegsgefangenen zur Verfügung. Er erzählt übrigens heute noch mit besonderer Genugtuung, daß ihm jedes einzelne Buch in gutem Zustande später wieder zurückgestellt wurde. Bei Friedensschluß gründete er mit anderen sofort die englische .Gesellschaft für hungernde Kinder der Kriegszonen' und betätigte sich dabei aufopfernd, adoptierte auch ein elfjähriges Waisenkind aus Leipzig. Israel Zangwül läßt keine Gelegenheit vorbeigehen, den Politikern der Entente es ins Gesicht zu sagen, daß sie Deutschland in hinterlistiger Weise in eine ,Friedensfalle' gelockt hätten. In einer Rede in der ,Albert Hall' zu London, am 28. Februar 1920, sagte er wörtlich: .Diese Regierung, die das deutsche Volk durch eine Blockade, die jedem Völkerrecht Hohn sprach, aushungerte, es dann in eine Friedensfalle lockte und es nun dank der .League of Damnations'*) ewig im Eisen zu halten gedenkt, hat nicht das Recht, von Moral zu sprechen.' Man mag als Engländer oder Nichtengländer, als Jude oder Nichtjude den Ansichten Israel Zangwüls zustimmen oder sie verwerfen — man wird immer den prachtvollen aufrechten Charakter Moderne Kuchen- Vonlnmtr- Wohnzlmmer- F. KOHff, Wien II., TABORSTRASSE Nr. 22 Telephon R 40-7-14 Samstag geschlossen — Angeschlossen der „Schornra mmmmmmmmmmmmmmmmm dieser Kämpfernatur anerkennen müssen, der das, was er einmal für richtig erkannt hat, stets und unter allen Umständen verficht. Und die Männer, die das tun, sind selten genug in einer Zeit, in. der es sicher dem stets am besten ergeht, der geschickt sein Mäntelchen nach dem Winde drehen kann. Berlin, 22. Februar 1922. Hanns Heinz Ewers." Soweit H. H. Ewers, dessen Worte einen nicht unbeträchtlichen Nachdruck dadurch erhalt'enVdaß er bekanntlich heute unter den Literaten des neuen deutschen Kurses im Vordergrunde steht und seine jüngste Veröffentlichung, den Roman „Horst Wessel", ganz im Geiste des Programmes der gegenwärtigen Regierung gehalten hat. Es wäre zu begrüßen, wenn Herr Dr. H. H. E w e r s seine Sachlichkeit wieder einmal auch in der vorurteilsfreien Schilderung eines Mannes vom Schlage Israel Zangwüls bekunden wollte, doppelt anerkennenswert „in einer Zeit, in der es sicher dem stets am besten ergeht, der geschickt sein Mäntelchen nach dem Winde drehen kann." Die Bruderhand. Großzügiges Hilfswerk von HJCEM für die Die Leitung des Pariser jüdischen Verbandes für Auswanderungshilfe HJCEM. in dem die Organisationen ICA (Jewish Colonisation Association), HIAS (Hebrew Immigrant Shelter and Aid Society) und EMIGDIRECT zusammengeschlossen sind, hat sich, wie die Jüdische Telegraphen-Agentur erfährt, mit allen Ländern, in die Juden aus Deutschland sich in letzter Zeit begeben haben, in Verbindung gesetzt Es wurden Besprechungen mit Delegierten aus der Schweiz. Holland. Belgien. Polen. Jugoslawien und der Tschechoslowakei abgehalten. Die HJCEM-Leitung hat die ihr angeschlossenen Organisationen in diesen JLändem aufgefordert, regelmäßig genaue Berichte über Zahl. Beruf und Zukunftsabsichten der dort eintreffenden Juden aus Deutschland einzusenden. Die gegenwärtigen Unterhandlungen mit den zentralen Organisationen in diesen Ländern zielen vor allem darauf ab. die Hilfsaktionen zu koordinieren und zu vermeiden daß die Auswanderer zwecklose und kostspielige Reisen von einem Land in das andere unternehmen. Gleichzeitig steht HJCEM in dauernder telegraphischer Verbindung mit allen Ländern, die für die Einwanderung von Juden aus Deutschland rechtäich und wirtschaftlich in Betracht kommen. Zu diesen Ländern gehören Chile, Brasilien. Uruguay. Spanien (hier hat HJCEM zwei Aufnahmekomitees organisiert, das eine in Madrid, das andere in Barcelona). Südafrika, Australien und Palästina. Aus einigen dieser Länder sind bereits ermutigende Mitteilungen ein- Zimmermaler Kohn empfiehlt sich zur Ausführung von Malerarbeiten jeder Art II., Rotenkreuzgasse 3 Tel. A 45-5-37 getroffen, in denen bekanntgegeben wird, daß die offiziellen Kreise der eventuellen Aufnahme von Einwanderern aus Deutschland sympathisch gegenüberstehen. Chile hat telegraphisch vollste Unterstützung der auf Unterbringung deutscher Juden in diesem Lande gerichteten Bemühungen zugesagt Die Jewish Agency in Jerusalem hat der HJCEM-Leitung telegiraphisch mitgeteilt, daß Auswanderern! aus Deutschland eine große Zahl von Einwanderungszertifikaten auf Rechnung der nächsten Arbeitereinwanderungsschedule reserviert bleiben soll und daß die Jewisch Agency bereit ist. in der Aktion zugunsten jüdischer Auswanderer aus Deutschland mit HJCEM zusammenzuarbeiten. An die Organisation HIAS in New York und an Freunde der jüdischen Auswandeningshilfsbewegung in Kanada hat sich HJCEM mit der Aufforderung gewandt, sich für die Erschließung von Einwanderungsmöglichkeiten in diesen Ländern einzusetzen. Dem Kongreß in Washi mg ton wurde bereits ein Antrag auf Aufhebung der von Präsident Hoover im September 1930 verfügten Einwanderungsbeschränkungen unterbreitet. In einem weiteren Antrag wird die Gewährung von Erleichterungen für die Einreise in die Vereinigten Staaten an Juden aus Deutschland gefordert. Wie die HJCEM-Leitung mitteilt, sind zahlreiche Juden aus Deutschland in Frankreich eingetroffen. Hunderte haben in den letzten Tagen das Pariser HJCEM-Büro in Anspruch genommen. Es wurde veranlaßt, daß auf allen Bahnhöfen ein ständiger Dienst durch Abteilungen freiwilliger Hilfskräfte, hauptsächlich Jugendlicher, versehen werde. Diese Hilfskräfte haben die *) Unübersetzbares Wortspiel League of Nations Völkerbund; League of Damnations Liga der Verdammungen. aus Deutschland ausgewanderten Juden. Aufgabe, aus Deutschland eintreffende Juden zu empfangen und ihnen zweckdienliche Auskünfte betreffend ihren Aufenthalt in Frankreich zu geben, bzw. sie zu jenen Stellen zu bringen, die zur Erteilung vom Rat und Hilfe berufen sind. Dieser Bahnhofsdienst wurde sowohl in Paris, als auch auf den verschiedenen Grenzstationen, wie Straßbourg, Metz, Mülhausen usw. organisiert. Die aus Deutschland eingetroffenen Juden sind durchweg Menschen von hoher Bildung und Kultur. Es gibt unter ihnen zahlreiche Aerzte. Rechtsanwälte. Ingenieure, Architekten usw. Unter den Frauen und Mädchen gibt es viele Lehrerinnen, Laboratoriumsassistentinnen und andere Angehörige intellektueller Berufe. Auch Kaufleute sind unter den Auswanderern stark vertreten. Ferner gibt es unter ihnen höchstqualifizierte Arbeiter, z. B. Elektriker und Angehörige anderer in vielen Ländern gesuchter Berufe. HJCEM ist daher der Ueberzeugung. daß diese jüdischen Elemente unter Berücksichtigung der Absorptionskraft der einzelnen Einwanderungsländer für jedes Land, das zu ihrer Aufnahme bereit sein wird, eine Bereicherung bilden werden. Viele Auswanderer haben den Wunsch, in Frankreich zu bleiben, doch hat dieses Land, ebenso wie die Schweiz, Juden aus Deutschland zwar freie Einwanderung, jedoch nur ein z.eitlich beschränktes Aufenthaltsrecht ohne Zulassung zu erwerbsmäßiger Betätigung gegeben. Es besteht daher die Notwendigkeit, die Melirheit der Eingewanderten in andere Länder weiterzuleiten, wo ungeachtet etwa vorhandener Arbeitslosigkeit doch größere Absorptöonsmöglichkeiten bestehen. So hat HJCEM bereits damit begonnen, Immigranten nach Spanien weiterzuleiten, wo es noch Aussichten für Personen mit etwas Kapital oder bestimmter beruflicher Qualifikation gibt Die lokalen HJCEM-Komitees werden den Einwanderern bei der Suche nach Erwerbsmöglichkeiten behilflich sein. Ein Mitglied der HJCEM-Exekutive hat sich nach Genf begeben, um die Frage der aus Deutschland auswandernden Nansenpaß-lnhaber und sonstigen Staatenlosen mft den zuständigen Behörden zu erörtern. Die Leitung von HJCEM hegt die Hoffnung, daß es ihr mit Hilfe ihres administrativen Apparates, ihrer Komitees in allen Ländern und der ihr zur Verfügung stehenden Fonds bei Ausnutzung aller bestehenden Möglichkeiten gelingen wird, allen Juden, die Deutschland verlassen haben, zur Niederlassung in einem neuen Lande unter möglichst günstigen Bedingungen zu verhelfen. * Ein „Zentralausschuß der deutschen Juden für Hilfe und Arbeit." Die Reichsvertretung der jüdischen Landesverbände hat sich einen „Zentralausschuß der deutschen Juden für Hilfe und Arbeit" errichtet, der die Arbelt auf allen Gebieten der wirtschaftlichen und sozialen Hilfe verteilt und abstimmt. Der Zentralausschuß ist die einzige Sammelstelle für die Beschaffung und Verteilung aller Mittel, insbesondere auch dem Ausländ gegenüber. Hagel's Selchwaren-Restaurant Selchwaren ans der Fabrik Elsen & Hönigsber streng orth. (Unter Aufsieht der Adas-Jisroel-Schiffschal) Vfian llM PraterstraB« 33, Telephon R-47-4-49 Menü von S 2.— aufwärts. Hochzeiten und Banketts werden bestens arrangiert

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