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Die Wahrheit · 1933-04-21 · Heft 16 (21.4.1933) · page 2

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1933
Issue
Heft 16 (21.4.1933)
Date
1933-04-21
Page
– (sequence 2)
Language
German
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CJLUSIUSBA© KUK- UKD BADEMSTALT WIEN IX., CLUSIUSGASSE NR. 12 an der Friedensbrücke gelegen -■- ■A, Original BDSSlSAeS Dampfbad mit ~ Buschenbehandlung gegen Rueuma etc. ^JT Gegen Vorweisung dieses Inserates S 1.30 neten aller Parteien eingebracht Der Antrag hat folgenden Wortlaut: Ohne sich in die innere Verwaltung irgend eines Landes einmengen zu wollen, verfolgt das Unterhaus mit Bedauern die fortgesetzte Benachteiligung von Juden in Deutschland, erklärt, daß das jüdische Glaubensbekenntnis nicht mit irgend einer einzelnen Nation identifiziert wer denkann, spricht den englischen Juden in der über sie durch die Leiden ihrer Glaubensgenossen gekommenen Stunde der Prüfung sein Mitgefühl aus und fordert die Regierung Sr. Majestät im Interesse des Weltfriedens, der Förderung des Welthandels und in Uebereinstimmung mit unseren alten Traditionen auf, der deutschen Regierung gegenüber in freundschaftlichster Weise dahin vorstellig zu werden, daß diese die numerische Schwäche und die wehrlose Lage der Juden in Deutschland berücksichtige. Commander Locker-Lampson und eine Anzahl anderer Abgeordneter haben folgende Resolution beantragt: „Das Unterhaus lenkt die Aufmerksamkeit der Regierung Sr. Majestät auf die ungünstige Auswirkung der gegen Juden in Deutschland gerichteten Diskriminierung auf die englisch-deutschen Beziehungen und ersucht die Regierung, diesen Gesichtspunkt bei nächster Gelegenheit auf dem passendsten diplomatischen Wege zum Ausdruck zu bringen." Diese Resolution wurde von folgenden Abgeordneten unterzeichnet: Commander Oliver Locker-Lampson, Major Hills, John Buchau, Admiral Sueter, Isaac Foot, Lord Hartington, John Potter, Stuart Bevan, Lord Elmley, R. D. Denman, Adam Maitland und Sir Nicholas Grattan-Doyle. In der am Donnerstag, den 13. April, nachmittags abgehaltenen Sitzung des Unterhauses fand nun eine mehrstündige Aussprache über die Rückwirkung der politischen Neugestaltung in Deutschland auf die dortige jüdische Bevölkerung und die Notwendigkeit von Hilfsaktionen zugunsten derjenigen deutschen Juden, die infolge der gegen sie gerichteten Maßnahmen Deutschland verlassen, statt Die Aussprache erfolgte im Anschluß an eine Anfrage des stellvertretenden Vorsitzenden der Labour-Pa.rty Major Attlee, der die Regierung fragte, ob sie bereit sei, sich der FlüchtlingeinDeutschland anzunehmen, eine Aktion des Internationalen Nansen-Amtes für Flüchtlingswesen zu veranlassen und verfolgten Juden in Palästina eine Heimstätte zu bieten. Nach ihm ergriff der Hochtory Sir Austen Chamberlain, der frühere englische Außenminister, das Wort zu einer großangelegten politischen Rede, in der er u. a. darauf hinwies, daß es in Deutschland heute als Verbrechen gelte, für den Frieden zu sprechen oder ein Jude zu sein. Der neue Geist des deutschen Nationalismus sei das alte Preußentum, erweitert durch einen exklusiven Rassenstolz. „Das ist nicht ein Deutschland, dem wir Konzessionen machen können. (Beifall.) Das ist nicht ein Deutschland, dem Europa die Gleichberechtigung zugestehen kann, von der der Ministerpräsident gesprochen hat Bevor die englische Regierung sich bereitfinden kann, abzurüsten oder andere zur Abrüstung zu bewegen, muß sie ein Deutschland vor sich haben, dessen Geist sich dem Frieden zuwendet ein Deutschland, das seine Gleichberechtigung dazu nützen will, seine eigene Sicherheit zu wahren, aber nicht die Sicherheit der anderen zu bedrohen; ein Deutschland, das gelernt haben wird, nicht nur wie es selbst zu leben hat, sondern wie es andere bei sich und außerhalb seiner Grenzen leben lassen muß." (Stürmischer Beifall) Der Stimmungsumschwung zu Ungunsten Deutschlands ist nicht auf jüdische Propaganda zurückzuführen. Der liberale Abgeordnete Barnett Jänner wandte sich gegen die Auffassung, wonach jüdische Zeitungen, jüdische Organisationen oder Nachrichtenagenturen übertriebene Darstellungen der Ereignisse in Deutschland verbreitet hätten. Er erklärte, .die Wahrheit sei ernst genug, es sei daher überflüssig, zu den Tatsachen noch etwas hinzuzufügen. Was die zivüisierte Welt am stärksten beunruhige, sei die planmäßige Unterdrückungspolitik, die einen Bestandteil des nationalsozialistischen Programms ausmache. Man habe jüdische Aerzte aus den Hospitälern, jüdische Rechtsanwälte aus den Gerichten entfernt, selbst jüdische Krankenschwestern habe man verhindert, ihr barmherziges Werk zu tun. Jüdische Sportsleute habe man von der Teilnahme an Wettspielen ausgeschlossen. Dabei umfasse die solchen Angriffen ausgesetzte kleine Gemeinschaft bloß 500.000 bis 600.000 Seelen, etwa 1 Prozent der Gesamtbevölkerung. So klein die deutsche Judenheit zahlenmäßig sei, habe sie doch ihrem Lande hervorragende Männer auf allen Gebieten der Kultur geschenkt. Die Behauptung, daß diese Männer sich mit dem deutschen Volke nicht identifiziert hätten, sei eine grobe Entstellung der Wahrheit. Es sei im Gegenteil die neue nationalsozialistische Politik, die darauf abziele, sie von der Teilnahme am Leben des Landes abzuhalten, indem versucht wird, ein rassenreines platonisches Deutschland zu schaffen. Diese Politik basiere nicht auf vernunftsmäßigen Erwägungen und verleugne alle ethnologischen Tatsachen. Zum Schlüsse wies Abgeordneter Janner auf die Beweise der Teilnahme hin, die den Juden in der Stunde ihrer Prüfung allenthalben gegeben werden, und richtete an das Haus den Appell, ebenfalls den Juden beizustehe n. Es sei durchaus wahrscheinlich, daß dem Völkerbund nahegelegt werden würde, eine Hilfsaktion zugunsten der deutschen Juden einzuleiten. Es sei wünschenswert, daß die Initiative hierin von England ergriffen und nicht einem anderen Staate überlassen werde. ENODME AUSWAHL BILLIGSTE PREISE E p?# i#8 1* TEPPICHE VORHÄNGE MOBELSTOrrE, BECHEN NUR I., BAUERNMARKT 12-14 Das nationalsozialistische Programm und die Juden. Abg. Major Nathan erklärte, er würde sich einer Treulosigkeit gegenüber seinem Blute und seinem Glaubensbekenntnis schuldig machen, wenn er in dieser Debatte nicht das Wort ergriffe. Was die Berichte über die Lage der Juden in Deutschland anlange, so seien vielleicht hier und da Uebertreibungen vorgekommen, doch hätten die verantwortlichen Korrespondenten der britischen Presse in Deutschland die Tatsachen ziemlich klar dargestellt. Auch nach Richtigstellung der Uebertreibungen könne kein Zweifel darüber bestehen, daß in Deutschland gegenwärtig die Freiheit als solche auf dem Spiel stehe. Das offizielle nationalsozialistische Programm sei der Beweis dafür, daß die gegenwärtige Politik sorgfältig von langer Hand vorbereitet worden sei. Dieses Programm sehe vor, daß die Juden ihrer staatsbürgerlichen Rechte verlustig gehen sollten, daß sie keine amtlichen oder halbamtlichen Stellungen bekleiden dürfen. Dies bedeute, daß man den Juden alle staatsbürgerlichen Rechte abspreche. Sie seien allen ihren Verpflichtungen gegenüber dem Staate nachgekommen, sie hätten die Gesetze des Staates befolgt, trotzdem sollen sie sich keines der elementaren Rechte erfreuen, die aus der Staatsbürgerschaft fließen. Sie sollen als außerhalb des Gesetzes Stehende behandelt werden. Ich kenne einen Juden, führte Major Nathan aus, dessen Vorahne schon im Jahre 1604 in einer deutschen Stadt gelebt hat. Er war Rechtsanwalt und diente als Gemeiner Soldat in der deutschen Armee an der russischen Front. Jetzt lebt er als Flüchtling in diesem Lande, aller Mittel entblößt Einer seiner Freunde, ebenfalls ein Rechtsanwalt aus einer großen deutschen Stadt, der den Weltkrieg als Offizier der deutschen Armee mitgemacht hat, ein Christ, muß heute als Flüchtling l HOTEL 0 ELISABETHHOF Zeitgemäße Preise. Kein Mahlzeitenzwang in Skandinavien leben, weil einer seiner GroßväterJude war. Sein anderer Großvater und beide Großmütter waren christlichen Glaubens. Was gegenwärtig in Deutschland vor sich gehe, erklärte Major Nathan, könne in dem freien England gar nicht verstanden werden. Für ein Eingreifen Großbritanniens in ähnlichen Fallen gebe es jedoch einen Präzedenzfall. Vor 20 Jahren, als die Juden in Rußland verfolgt wurden, wandte sich der verewigte König Eduard auf Vorschlag seiner Minister an den Zaren,' um ihn für eine Besserung der Verhältnisse, unter denen die Juden lebten, zu gewinnen und tatsächlich sei eine solche Besserung erzielt worden. Er ersuche daher den Außenminister, bei der deutschen Regierung Vorstellungen zu erheben, und sie von dem tiefen Eindruck, den die Vorfälle in Deutschland auf die öffentliche Meinung machen, zu unterrichten. Zulassung der jüdischen Flüchtlinge nach England. Colonel Josiah Wedgwood erklärte, er würde es begrüßen, wenn dem Lande und der englischen Rasse durch Zulassung der Verfolgungen ausgesetzten Elemente aus Deutschland neue Kräfte zugeführt werden könnten. Heute würden Flüchtlinge aus Deutschland, unter ihnen Philosophen, Wissenschaftler, Aerzte, Künstler, Techniker und Kaufleute, die nach England kommen, um eine neue Heimstätte zu suchen, bei der Landung in Harwich zurückgewiesen. Nicht vom Gesichtspunkt der Humanität aus stelle er die Forderung nach Aufnahme der Flüchtlinge, sondern vom Gesichtspunkt der Wahrung des englischen Vorteils. Im eigenen Interesse Englands liege es, diese Leute hereinzulassen. So wie man während des Krieges belgische Flüchtlinge in englischen Häusern aufgenommen habe, so solle dies diesmal mit den Juden geschehen. „Wir wollen diese Aufgabe", erklärte Colonel Wedgwood, „nicht den Juden überlassen. Wir Engländer selbst müssen sehen, ob wir nicht diese Leute in unsere Familien aufnehmen und so den deutschen Gassenjungen, die ihr eigenes Vaterland ins Unglück gestürzt haben, zeigen können, wie wir in diesem Lande den W e r t v o n Köpfen zu schätzen und die Pflichten der Gastfreundschaft zu erfüllen wissen, was immer auch jene hinsichtlich der Juden oder Sozialisten denken und fühlen mögen." Der gegenwärtige Zustand sei für die Engländer beschämend, fügte Wedgwood hinzu. In allen anderen Ländern nehme man die Juden bereitwillig auf, bloß in England habe man noch nichts getan. Er hoffe, daß diese Aussprache u. a. das Ergebnis haben werde, daß man die Tore des Landes öffne und nicht nur die Männer der Wissenschaft und die Aerzte, sondern auch die politischen Verbannten willkommen heiße. Die Judenpolitik in Deutschland im Spiegel der öffentlichen Weltmeinung. Der konservative Abgeordnete Morris führte aus, die g e s a m t e B e v ö 1 k e r u n g E n glands sei entschieden gegen die in Deutschland befolgte Politik, durch die die Juden in jenem Lande ihrer elementaren Bürgerrechte beraubt wurden. Auch die öffentliche Meinung der ganzen Welt sympathisiere mit der deutschen Judenh e i t. Er sei stolz gewesen, ein Mitglied des Parlaments zu sein, als er die Rede Sir Chamberlains hörte. (Hört Hört'.-Rufe.) Es sei die herrliche Rede eines Staatsmannes gewesen. Sie habe Toleranz und Gerechtigkeit ausgestrahlt, und er bedaure, daß'unter den verantwortlichen Männern Deutschlands kein einziger Staatsmann von solcher Art zu finden sei. (Hört! Hört'.-Rufe.) Abg. Morris erörterte auch die Möglichkeit, die Frage der Einhaltung der Minderheitenschutzbestimmung vor dem Völkerbund zu behandeln. Die britische Regierung sei als erste dazu berufen, die Angelegenheit vor dem Völkerbund zur Sprache zu bringen. Der Redner richtete an die Regierung den Appell, diese edle Pflicht zu erfüllen , und damit den Juden Englands die hoffnungsvolle Botschaft zu übermitteln, daß ihre Glaubensgenossen in Deutschland in naher Zukunft in ihre

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