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Die Wahrheit · 1933-04-10 · Heft 14-15 (10.4.1933) · page 11

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1933
Issue
Heft 14-15 (10.4.1933)
Date
1933-04-10
Page
– (sequence 11)
Language
German
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OIE WAHRHEIT. Seite II Gemeinde - thronik VexeinmatfkrHMen. Im Josefstädter Tempel fand) Mittwoch, den 5. d. M., ein ausgezeichnetes Tempelkonzert unter Mitwirkung; der Oberkantoren Mann (Brünn) und Müller statt, über das wir in unserer nächsten Nummer ausführlich berichten wedien. Barmizwahfeier. Samstag, den 22. d. M., 'A9 Uhr vormittags, findet im Müllnertempel die Barmizwahfeier des Studenten Leo Postolow, Sohn des Herrn Oberkantors S. Postolow und Frau, statt. 90. Geburtstag. Am 6. d. M. feierte Herr Alois Winterstein in voller geistiger und körperlicher Frische im Kreise seiner Kinder, Enkel und Urenkel seinen 90. Geburtstag. Herr Winterstein, der seit vielen Jahren dem Hubertempel zum Stolze gereicht, gehört zu den populären Erscheinungen des Bezirkes, nicht nur wegen seines patriarchalischen Alters, sondern auch wegen seines herzensguten Wesens. Sein gottgefälliger Lebenswandel bietet seinen Kindern Alfred und Julie Z i k a n. geb. Winterstein, ein leuchtendes Beispiel. Todesfälle. Kürzlich verschied allzu früh Herr Josef Schlesinger, der weltberühmte Wiener jüdische Buchhändler. Sein Name, eigentlich der Name seines Großvaters, der die heutige Weltfirma in den Fünfzigerjahren in Preßburg begründet hat, ist fast in allen Gotteshäusern und überall, wo jüdische Bibliographie geschätzt und gepflegt wird, gekannt. Er selbst war eine merkwürdige Vereinigung praktischesten Geschäftsgeistes und schwärmerischer Liebe zum Schrifttum, das er in seiner ganzen Breite und Tiefe kannte. Er war eine lebende Enzyklopädie des jüdischen Buchwesens. Zweimal in kurzer Zeitspanne stand das Wiener orthodoxe Judentum in Mattersburg an einem frischen Grab, am Grabe ihres Lehrers R. Josef Baumgarten und nun am Grabe des braven Josef Schlesinger. — In hoffnungsvoller Blüte — er wurde nur 39 Jahre alt — ist dieser Tage nach einem mit Ergebung: ertragenen schweren Leiden der in der Leopoldstadt wegen seines vornehmen, grundgütigen Wesens rühmlichst bekannte Zahntechniker Ludwig Fischer gestorben, an dessen Bahre seine Witwe Ilka und sein Töchterchen Ilse trauern, denen sich die Teilnahme weitester Kreise zuwendet Die kantorale Funktion bei dem unter starker Beteiligung stattgehabten Leichenbegängnisse hatte 1. Kantor L. Funke in ergreifender Weise inne. Am Lesetindvernt JEUW Der Vorstand des Vereines „Tefllat Jeschurun". IL, Sebastian Kneippgasse 14, teilt hiemit mit, daß die Installierung des Herrn Rabbiner cand. phiL M. Zikier am Dienstag, den 11. April (Pessach) um ia30 Uhr stattfindet. Verein zur Ausspeisung armer israelitischer Schulkinder für den 16. und 17. Bezirk in Wien. Die 31. ordentliche Generalversammlung dieses Vereines findet Donnerstag, den 20. d. M.. um halb 8 Uhr abends im großen Saale des Vereinsheimes. XVI., Wurlitzergasse 11, statt. Mitglieder und Gönner des Vereins werden hiezu freundlichst eingeladen. Scdcr-ÄDcndc^sr IL, UUENBRUNNGASSE 2 — TELEPHON A 47-4-50 am i«. ■■« it. April«. f. Komplettes Naduessen inkl. Wein, Mazzos und Mocca « SchluB der Voranmeldung für den 1. Seder Sonntag, den 9- April, für den 2. Seder Montag, den 10. April Den Seder hält in uneigennütziger Weise Herr Chefredakteur EUGEN FILLER-HELLER tertotarif^ Mimst und £Unaim offenen Grabe sprach Oberkantor H. F i s c h e r Worte des Abschiedes von seinem guten Freunde, dem er ein pietätvolles „El mole rachmim" widmete. Eine große Freundesschar verließ den Gottesacker in dem Bewußtsein, einen prächtigen Menschen in allzu frühen Jahren verloren zu haben. — Im Alter von 63 Jahren verstarb Frau Cäcilie Schauer, eine in der Leopoldstadt gut bekannte brave jüdische Frau, deren Heimgang allseits tief beklagt wird. In harmonischer Ehe lebte sie mit ihrem Gatten Emil, dem sich ebenso wie den Kindern die allgemeine Teilnahme zuwendet. Bei dem Leichenbegängnisse hatten Rabbiner Dr. Z. Taubes und Oberkantor J. L. M ü 1- I e r die Funktionen inne. Marienbad. Am 25. März verschied in Karlsbad Herr Moriz Bogner, Kantor der isr. Kultusgemeinde Marienbad, und wurde zur Bestattung nach Marienbad überführt. Bei seiner Leichenfeier widmete ihm Herr Rabbiner Dr. J. D i a m a n t einen tiefempfundenen Nachruf, in welchem er die Vorzüge, die Pflichttreue und das reiche Wissen lobte und die harten Schicksalsschläge, die der Verewigte, dessen Witwe seit 14 Jahren ans Krankenlager gefesselt ist. während seiner 27jährigen Wirksamkeit erfahren mußte, in tief ergreifender Weise schilderte. Kein Auge blieb tränenleer, als der Redner von dem großen Schmerze des Vaters erzählte, der vor sechs Jahren seinen einzigen, geliebten Sohn, der ihm durch den Tod entrissen wurde, zum Opfer bringen mußte. Sodann ergriff Tempelvorsteher Glauber das Wort, um dem treuen, pflichtbewußten Beamten Dank und Anerkennung der Gemeinde zu zollen. S. L. Am Pessachieste werden in nachbenannten Gemeinde- und Bezirkssynagogen beim Hauptgottesdienste (Beginn 'A9 Uhr vorm.) Predigten abgehalten, und zwar: Dienstag, den 11. April (1. Festtag). 1. Bez., Seitenstettengasse 4, Rabb. Dr. J. M. Bach, 2. Bez., Pazmanitengasse 6, Rabb. Dr. Z. Taubes, 3. Bez., Untere Viaduktgasse 13, Rabb. Prof. Dr. K. Kupier, 5. Bez., Siebenbrunnengasse la, Rabb. Dr. M. G. Mehrer, 6. Bez., Schmalzhofgasse 3. Rabb. Dr. J. Drobinsky, 8. Bez., Neudeggergasse 12, Rabb. Dr. M. Bauer, 9. Bez., Müllnergasse 21, Rabb. Dr. A. Z. Schwarz. 10. Bez., Humboldtgasse 27, Rabb. Dr. A. Weiner, 13. Bez., Eitelbergergasse 22, Rabb. Dr. M. Lewin, 15. Bez., Turnergasse 22, Rabb. Dr. I. Taglicht, 16. Bez., Hubergasse 8. vertretungsweise Rabbinatskandidat Dr. Adolf Kessler, 20. Bez., Kluckygasse 11, Rabb. Dr. B. Murmelstein, 21. Bez., Holzmeistergasse 12, Rabb. Dr. M. Rosenmann. Mittwoch, den 12. April (2. Festtag). 2. Bez., Tempelgasse 5. Rabb. Dr. J. M. Bach. Montag, den 17. April (7. Festtag). 2. Bez.. Tempelgasse 5, Rabb. Dr. M. Rosenmann, 20. Bez., Kluckygasse 11, Rabb. Dr. B. Murmelstein, Dienstag, den 18. April (8. Festtag). 1. Bez.. Seitenstettengasse 4. Rabb. Dr. J. M. Bach, 2. Bez., Pazmanitengasse 6, Rabb. Dr. Z. Taubes. 3. Bez., Untere Viaduktgasse 13, Rabb. Dr. K. Kupfer, 5. Bez., Siebenbrunnengasse la, Rabb. Dr. M. G. Mehrer. 6. Bez., Schmalzhofgasse 3, Rabb. Dr. J. Drobinsky. 8. Bez., Neudeggergasse 1?. Rabb. Dr. M. Bauer, 10. Bez., Humboldtgasse 27. Rabb. Dr. A. Weiner, 13. Bez., Eitelbergergasse 22, Rabb. Dr. M. Lewin, 15. Bez., Turnergasse 22, Rabb. Dr. I. Taglicht, 19. Bez.. Dollinergasse 3. Prediger Dr. A. Frankfurter, 20. Bez., Kluckygasse 11, Rabb. Dr. B. Murmelstein, 21. Bez., Holzmeistergasse 12. vertretungsweise Rabb.- Kand. M. Landau. Am Vorabend des 7. Festtages (Sonntag, den 16. April, Beginn 7 Uhr 10 Minuten abends) 9. Bez., Müllnergasse 21, Rabb. Dr. A. Z. Schwarz. Wissen Sie schon das Neueste? DarSChah ist soeben von Palästina gekommen. Es ist ihm gelungen, die besten Palästin aweine, wie auch ungarische Weine Meth, Slibowitz, Kognak, bester Qualität zu staunenswert billigsten Preisen zu verschaffen. Empfehlenswert: seine streng koschere Küche noa "ras BeideSederabende werden billigst abgehalten. A. BARSCH AK Wien II., Grotte Schlfiaasse Nr. 3 Telephon A 46-4-39 Unter Aufsicht Sr. Ehrw. Herrn Rabb. Josef Babad Sederieiern für die Schuljugend. Der Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde Wien veranstaltet am kommenden Pessachfeste Sederfeiern für Schulkinder, die sonst keine Gelegenheit hätten, an einer solchen Feier teilzunehmen. Die Feiern finden in folgender Einteilung statt: Montag, den 10. April 1. J. (1. Sederabend) um 7 Uhr abends im Lokale XV., Herklotzgasse 21 und im Lokale XX., Othmargasse 46 und Dienstag, den 11. April I. J. (1. Pessachtag) um 4 Uhr nachmittags im Festsaale des Dr.-Krüger-Heimes, II., Malzgasse 7. £ Kundmachung. Der Vorstand der israel. Kultusgemeinde Wien hat den Rechnungsabschluß pro 1932 und den Voranschlag pro 1933 über die Einnahmen und Ausgaben der Kultusgemeinde und sämtlicher in der Verwaltung derselben stehenden Fonds und Anstalten fertiggestellt. Gemäß der §§ 91 und 92 des Kultusgemeinde- Statuts liegt der Rechnungsabschluß und der Voranschlag durch 14 Tage, vom Tage der Kundmachung an gerechnet, zur Einsichtnahme durch die Gemeindemitglieder in der Amtsdirektion der Kultusgemeinde. L. Seitenstettengasse 4, 3. Stock, auf. Die Gemeindemitglieder sind berechtigt, innerhalb dieser Frist Erinnerungen bezüglich des Rechnungsabschlusses und Voranschlages beim Vorstande der israel. Kultusgemeinde Wien schriftlich zu überreichen, welcher dieselben in Erwägung zu ziehen hat. Diese Kundmachung wird unter einem im amtlichen Teile der „Wiener Zeitung'" verlautbart. Wien. 30. März 1933. Der Vorstand der israel. Kultusgemeinde Wien. * Die Kleider-Stelle der Fürsorge-Zentrale bittet dringendst um Zuweisung von brauchbaren Bekleidungsgegenständen jeder Art. Wäsche. Schuhe usw. für Männer, Frauen und Kinder. Telephonische oder schriftliche Benachrichtigung erbeten an die Fürsorge-Zentrale der israelitischen Kultusgemeinde Wien I- Seitenstettengasse 2. Telephon U 25-5-85, welche die Abholung veranlaßt. Ein Vierteljahrhundert jüdischer Klaviermusik. Auf Einladung des Berliner Schalom-Alecnem-Clubs hielt Alice Jacob Loewenson einen Vortrag, in dessen Verlauf sie die Entwicklung der jüdischen Klaviermusik in den letzten 25 Jahren schilderte und am Klavier vorführte. Der Beginn einer jüdischen Kunstmusik fällt zusammen mit der Gründung der „Gesellschaft für jüdische Volksmusik" in Petersburg im Jahre 1908. Die Begründer und ersten Propagatoren waren Joel Engel, J. Achron. David Schorr, Saminsky, Rosowsky. Milner, Gnessin, Alexander Krein usw. Ihr Ziel bestand in der Sammlung und Erforschung jüdischer Volkslieder sowie in deren Verwertung für eine jüdische Kunstmusik, deren Komponenten sowohl traditionellen als auch zeitgenössischen Charakter haben sollten. Die Rednerin analysierte dann das neue Klanggeiühl. das zu modernen jüdischen Kompositionen geführt hat. Der Klangwille der Gegenwart hängt mit der Krisenverfassung der heutigen Psyche zusammen. Dissonanzen geben die Kampfstimmung der gegenwärtigen Jugend wieder und der Schönheitsbegriff hat sich auch in musikalischer Hinsicht von dem der Klassik und Romantik abgewandt. Als Beispiele neuer jüdischer Klaviermusik spielte die Vortragende zuletz1! Werke von Wolfsohn, Stutschewsky, Achron, Weprik, Vredenburg und Edward Moritz, die ein Bild von der Vielfalt der Kompositionsart jüdischer Komponisten in Deutschland. Oesterreich. Rußland. Holland und Amerika boten. Voran ging eine historische Einleitung, die durch Schallplaftenvorträge illustriert wurde. Jüdische Künstlerspiele, Ii.. Praterstraße 34. Wiederauftreten der Wilnaer Truppe. Täglich: „Tag und Nacht". mystisches Spiel von Sch. An-Ski. bearbeitet von Kacyzne. In der Rolle des Zadik Josef Kamen. — In weiterer Vorbereitung das berühmte Werk von Schalom Asch, „Kidusch Haschern", dessen Premiere in zirka 10 Tagen stattfinden wird. Spinoza-Festschrift, herausgegeben von S. Hessing. Heidelberg 1933. C. Winter (für Oesterreich: Zsolnay). RM 8.—, geb. RM 10.—. — Als Epilog zur Feier des 300. Geburtstages Spinozas ist soeben eine Festschrift erschienen, in der Spinozaforscher und -freunde aus Deutschland, Oesterreich. Frankreich. Rumänien, Polen zu Worte kommen. Nach einleitenden Worten der Widmung „Salve Spinoza!" des Herausgebers, der auch einen Beitrag, „Die Glückseligkeit des freien Menschen", beigesteuert hat, behandelt J. Brucar „Die Ewigkeit der Seele bei Spinoza". M. B u b e r erblickt im Chassidismus einen unbewußten Gegenspieler Spinozas, F. Droop bietet „Fünf Szenen aus dem Leben Spinozas", Dubnow skizziert Spinozas Leben. C. Gebhardt weist auf die gotische Beimischung im Blute der Sefardim hin und nimmt zwischen diesen, zu denen ja Spinoza gehörte, und den Aschkenasim einen Unterschied der Rasse an. Prof. G h e r a s i m untersucht eingehend die Bedeutung der Affektenlehre Spinozas, Max Grunwald würdigt den Lebensphilosophen Spinoza und hebt bei aller Ablehnung seines Verhaltens gegen das Judentum den hohen praktischen Wert seiner Lehre hervor. Jos. Klausner, Sokolow und KI a t z k i n beleuchten diese Beziehungen Spinozas zum Judentum, Niemirower und Marcianu werden der geschichtlichen Größe Spinozas gerecht. Einstein, Freud. Wassermann, Minister Petrovici huldigen seinen Manen. Prof. Myslicki schreibt über „Spinoza, das Ideal des Menschen". K. Sass über „Spinozas Bibelkritik und Gottesbegrifi", Prof. C. Siegel über den „Grundlegenden Dualismusin seinem System. Arnold Zweig über den Schriftsteller Spinozza. Romain Rolland („Der Lichtstrahl Spinozzas") schildert begeistert seine Eindrücke aus der Bekanntschart mit dem großen Denker. Das inhaltsreiche Buch bildet einen beachtenswerten Meilenstein an dem Wege, der von der Verketzerung Spinozas über seine kritiklose Verhimmelung zu einer gerechten Beurteilung seines Wirkens und seiner Wirkungen auf die Nachwelt führt b.- Woolley C. L., Mit Hacke und Spaten, F. A. Brockhaus. Leipzig, M 4.20. — Zum erstenmal wird hier von einem der hervorragendsten Fachmänner aui dem Gebiete wissenschaftlicher Ausgrabungen eingehend über die Methoden seiner Arbeit berichtet. Was sonst unübersichtlich, bald hier, bald dort darüber bekannt wurde, ist nun systematisch und einprägsam zusammengestellt und durch die persönlichen Erfahrungen des Verfassers ergänzt, zu lebensvoller Anschauung gebracht. Das reiche Bildermaterial macht uns fast zu Augenzeugen der überaus wichtigen Entdeckungen denen wir eine in weitestem Maße vollzogene Umwälzung unserer geschichtlichen Begriffe verdanken. Das Buch bietet auch dem Nichtgelehrten eine überaus spannende Lektüre und eignet sich vorzüglich für Geschenkzwecke. G. O. Dibelius, Das Wiedererwachen des Glaubens in der Gegenwart, Buchholz & Weißwange. Berlin-Charlottenburg 2. RM. 0.75. In tiefgründiger Unter-

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