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Die Wahrheit · 1933-04-10 · Heft 14-15 (10.4.1933) · page 10

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1933
Issue
Heft 14-15 (10.4.1933)
Date
1933-04-10
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10 DIE WAHRHEIT Union öslerreicMscluer Juden Achtung! Mitglieder des Parteirates! Die zweite diesjährige Tagung des Parteirates findet am 22. d. M. statt. Ort: Cafe-Restaurant Tonello, IL, LÜienbrunngasse 2 Beginn: präzise 8 Uhr abends Die Mitglieder des Parteirates erhalten noch spezielle Einladungen. Aus alter Weit Mazzoth-Aktion — konterrevolutionär. Die Moskauer jiddische kommunistische Zeitung „Emess" erklärt, das von 200 palästinensischen Rabbinern gegen die Verfolgung der Juden in Sowjetrußland veranstaltete Meeting sei ebenso wie die im Ausland durchgeführten Aktionen zur Beschaffung von Mazzoth für die Juden in Rußland zur Förderung der konterrevolutionären Propaganda bestimmt gewesen. Die dunklen Kräfte im Ausland, schreibt das kommunistische Biatt, haben sich mit nichts anderem zu befassen als damit, was den Juden in Rußland geschehe, wo es keine Arbeitslosigkeit, kein antisemitisches Problem gibt, wo die Mehrheit der jüdischen Bevölkerung produktiver Arbeit in Industrie, Landwirtschaft, Handwerkerkooperativen und Beamtenschaft zugeführt wurde. Von diesem Lande mit seinen drei Millionen Juden erklären die zionistisch-rabbinischen dunklen Mächte, daß seine Juden von Ausrottung bedroht seien. So lauten die schamlosen Gerüchte, die die konterrevolutionären Klerikalen verbreiten. Sie sammeln Gelder, angeblich zur Beschaffung von Mazzoth, in Wahrheit aber, u m d a s Sowjetregime zu stürzen. Sie erklären, Lebensmittelpakete kaufen zu wollen, aber jedes Lebensmittelpaket ist ein Geschoß, bestimmt, das sowjetische Aufbauwerk zu zerstören. Sie wollen die Reaktion, den Faschismus, den Imperialismus wiederherstellen. Sie wollen die Arbeiter in ihren Ländern glauben machen, daß die Juden in Rußland Hunger leiden, daß die Lage in Rußland scldecht sei, um so die Sympathie der arbeitenden Massen für Rußland zu schwächen. Wir erwarten, erklärt das Blatt zum Schlüsse, daß die arbeitende jüdische Bevölkerung aller Länder diesen Vorkämpfern der antisemitichen imperialistischen Intervention, diesen dunklen jüdischen Mächten die entsprechende Antwort geben werde. flQgtcnisdies Köniöslicm .UIIM^ den Publikums Rechnung tragend, wird unter der Bezeichnung „Hygienisches Königslicht" Nummer 2 ein kleines Jahrzeitlicht in den Verkehr gebracht, das garantiert 24 Stunden brennt und sich im Preise bedeutend billiger als das bisherige Nr. 1 stellt Polen räumt auf. Die nationaldemokratische antisemitische Organisation 0 b w i e p o 1 (Großpolnisches Lager) wurde von der Regierung in ganz Polen aufgelöst. In der bezüglichen Verlautbarung der Regierung wird mitgeteilt, es sei festgestellt worden, daß die Tätigkeit des Obwiepol darauf abzielte, Exzesse herbeizuführen und Rassenhaß sowie politischen Haß zu verbreiten. Die in den Distrikten Krakau, Lemberg und Bialystok vor kurzem stattgefundenen Ausschreitungen hätten bewiesen, daß Obwiepol eine schwere Gefahr für den gesamten Staat darstelle. Prag. Der hervorragende Jurist Edmund Prochaska wurde dem Obersten Gericht der Tschechoslowakei zugeteilt. Edmund Prochaska hat sich durch viele wissenschaftliche Abhandlungen einen über die Grenzen der Tschechoslowakischen Republik reichenden Ruf erworben. Er ist politisch nie hervorgetreten; aus seinem Judentum hat er nie ein Hehl gemacht. Zehn Jahre jüdische Kredithilfe. Die durch den verstorbenen Oberrabbiner Dr. Chajes gegründete jüdische Kreditkassa für Kleingewerbe und Kleinhandel in Wien hielt vor kurzem unter dem Vorsitz ihres gegenwärtigen Obmannes, des Herrn Börserates I. Glück, ihre 10. ordentliche Generalversammlung ab. Wir bringen nachstehend einen Auszug aus dem durch Direktor Henisch erstatteten Tätigkeitsbericht für das Jahr 1932. Finanzen. Die finanzielle Lage der Kreditkassa wurde durch die im Berichtsjahre erfolgten größeren Rückzahlungen an die Joint-Foundation ungünstig beeinflußt. Trotz der Verringerung des Betriebskapitals um rund S 25.000, konnte jedoch der Geschäftsbetrieb in vollem Umfang aufrechterhalten werden, und dank dem Entgegenkommen der Joint-Foundation wird es auch weiterhin möglich sein, die segensreiche Wirksamkeit der Kasse ohne Störung fortzusetzen. Geschäftsbetrieb. Die im Jahre 1931 erstmalig zum Vorschein gekommene sinkende Tendenz der Kreditansprüche hielt auch während des Jahres 1932 an. Wieder gingen in der Berichtsperiode weniger Kreditansuchen als im Vorjahre ein. Ebenso weist die Zahl der ausbezahlten Darlehen gegenüber dem vorangegangenen Jahre eine Abnahme auf. Dieser Rückgang war zum Teil durch die notwendig gewordene Erweiterung der Darlehensfristen bedingt, welche sich früher iin allgemeinen auf 6 Monate erstreckten, heute jedoch in den meisten Fällen länger dauern. Zum Großteil aber ist diese Rückgangserscheinung zweifellos eine Folge der fortschreitenden Verarmung der für diese Kredithilfe in Betracht kommenden Kreise. Durch die ansteigende Arbeitslosigkeit und die stetig sinkende Kaufkraft der Bevölkerung verlieren nämlich die jüdischen Kleinkaufleute und Kleingewerbetreibenden, besonders in den Arbeitervierteln, nach und nach ihre Kundschaft und sehen leider dem Zusammenbruche ihrer armseligen Existenzen entgegen. Anderseits hat die durch die Devisenmaßnahmen erfolgte Unterbindung des Außenhandels u. a. ganze Gruppen des Kleinkaufmanns- und Kleingewerbestandes in arge Mitleidenschaft gezogen und für viele eine weitere Inanspruchnahme eines geschäftlichen Kredites überflüssig gemacht. In diesem Zusammenhange ist auch die beträchtliche Zahl der abgewiesenen Gesuche erwähnenswert. Der Doppelcharakter der Kreditkassa, die wohl eine Wohltätigkeitsinstitution, jedoch auf kaufmännischer Basis mit gesetzlichen und statutarischen Beschränkungen ist, macht der Leitung die Erfüllung ihrer Aufgabe ungemein schwer. Einerseits erfordert die jetzige schwere Zeit die Anwendung äußerster Milde und des größten Entgegenkommens gegenüber den kreditwerbenden Petenten. Andererseits macht gerade die kritische wirtschaftliche Lage es unbedingt notwendig, bei Gewährung von Krediten äußerste Vorsicht walten zu lassen und stärkere Gewährleistung für die Rückzahlung der Darlehen zu verlangen. Auf diesen letzten Umstand eben sind auch die meisten Abweisungen zurückzuführen, die sich nach reiflicher Prüfung als notwendig erwiesen. Angesichts der traurigen wirtschaftlichen Lage und der erwähnten Umstände ist es um so erfreulicher, daß auch in der Berichtsperiode die Rückzahlungen im all- Zimmermaler Kohn empfiehlt sich zur Ausführung von Malerarbeiten jeder Art ll.f Rotenkreuzgasie 3 Tel. A 45-9-37 gemeinen pünktlich, wenn auch in kleineren Raten und innerhalb längerer Frist als vorher erfolgten. Ebenso hielten sich auch in diesem Jahre die Klagefälle und Abschreibungen in den gewohnten Grenzen. Wie im Vorjahre betrug auch im letzten Jahre die Zahl der neuen Kreditnehmer etwa 20 Prozent aller Fälle, was ein deutlicher Beweis der Existenzberichtigung der Kreditkassa sowie ihrer stets wachsenden Popularität ist. Statistisches. Zwölf Plenarsitzungen des Vorstandes waren der Prüfung und Erledigung der Darlehensgesuche gewidmet. Von den eingelaufenen Gesuchen wurden in der Berichtsperiode 765 Gesuche einer definitiven Erledigung zugeführt, davon 689 in positivem uiid 76 in negativem Sinne. Von den bewilligten Darlehen gelangten in der Berichtsperiode 612 Darlehen zur Auszahlung, gegenüber 671 im Vorjahre. 118 Darlehen entfallen auf neue Darlehensnehmer. Die Höhe der Einzcldarleheii betrug in 12,9% der Fälle zwischen S 500 und S 1000. in 76% der Fälle S 500 und in 11,1% der Fälle unter S 500. Gegenüber dem Vorjahre ist der Prozentsatz der höheren Darlehen gesunken, dagegen erhöhte sich der Prozentsatz der Darlehen unter S 500 von 6,9% auf 11,1%. Die Gesamtsumme der ausbezahlten Darlehen betrug S 312.530 (gegenüber S 348.325 im Vorjahre), was einen Monatsdurchschnitt von 51 Darlehen mit S 26.000 ergibt. Nach Berufskategorien gegliedert entfallen auf Kleinkaufleute 430 Darlehen (70,3%), auf Handwerker 111 Darlehen (18,1%), auf kleinindustrielle Betriebe 52 Darlehen (8,5%) und auf Angehörige freier Berufe 19 Darlehen (3,1%). Die Gesamtsumme der Darlehensrückzahlungen betrug S 336.148.80. Der Gesnmtdarlehensstand mit Jahresende belief sich auf S 166.110.12, weist also gegenüber dem vorjährigen Stand von zirka S 190.000 eine Abnahme von S 24.000 auf. Die Bewegung der Genossenschafter und Geschäftsanteile im Berichtsjahre weist einen Zuwachs von 105 neuen Mitgliedern mit 1102 eingezahlten Anteilen und einen Abgang von 39 Mitgliedern mit 577 Anteilen auf. Der Stand der Genossenschafter mit Jahresende betrug 1806 Mitglieder mit 6763 eingezahlten Anteilen ä S 10.—. Spezialhaus für Wolle und Strickgarne Moritz Nagel Wien, 2. Bez., Tatoorslraße Nr. 17 Fabriksniederlage. Wirku. Strickmoden. Telephon A 45-8-69 Aus Anlaß des zehnjährigen Bestandes der Kreditkassa nahm Direktor Henisch zum Schluß auch die Gelegenheit wahr, um über die gesamte bisherige Kredithilfsleistung dieser Institution summarisch zu berichten (es sind dies 6763 Darlehen im Gesamtbetrage von S 3,353.025) und schloß seine Darlegungen mit folgenden Worten: Die Leitung ist sich dessen bewußt, mit dieser Kredithilfe nur einen Teil der wichtigen Aufgabe erfüllt zu haben, für welche die Kreditkassa geschaffen wurde. Aber allzu gering darf diese Hilfe dennoch nicht scheinen, besonders wenn man die ungemein schwere Zeit und auch die Kreise berücksichtigt, auf die sich diese Tätigkeit erstreckte. Zahlen sagen zwar viel, aber doch nicht alles. Um die Bedeutung der erwähnten Zahlen richtig einschätzen zu können, muß man sich vor Augen halten, daß hinter diesen Fällen jüdische Menschen und jüdische Existenzen stecken. Und die Leitung benützt auch diese Gelegenheit, um mit großer Genugtuung festzustellen, daß es dank der Tätigkeit der Kasse in diesenzehn Jahren gelungen ist, vielen jüdischen Familien zu einem anständigen Erwerb zu verhelfen, zur Gründung und zum Ausbau von jüdischen Existenzen beizutragen. Vorstand und Aufsichtsrat. Nach vorgenommenen Ergänzungswahlen gehören an dem Vorstande die Herren Karl Alt mann, Aron Barschak, Max Eisner, Börserat Ignatz Glück, Dir. Ernst Goldschmidt, Rafael Halp e r n, Dr. Siegfried Kantor. Geza KI i n g e r, Dr. I. H. Körner, Oskar R o s n e r, Oberbaurat Ing. Robert Stricker und Feiwel Türkl; dem Aufsichtsrat die Herren Mendel Feigenbaum, Präsident Dr. Desider Friedmann, Gustav Goldmann, Dr. Armand Kaminka, Moritz Kohn, David Lessing, Vizepräsident Dr. Josef Löwenherz, Samuel Preis, N. M. Racker, Dr. Paul Raumann und Max Schiffmann; dem Revisionsausschuß die Herren Schale Horowitz, Dr. Leo Landau und Kommerzialrat Moritz Reif. Streng orthodox riDÖ h& *)t9D Prima ungarisches Mastgeflügel, sowie erstklassige Weine per Liter von S 1.10 aufwärts. Auf Wunsch ins Haus gestellt. Adolf Neubauer, II., Negerlegasse 3

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