Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1933
- Issue
- Heft 14-15 (10.4.1933)
- Date
- 1933-04-10
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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DIE WAHRHEIT Seite 3 Für Ostergerichte das reine Kuneroi.. Kunerol ist 100% reines Fett aus Kokosnüssen und deshalb für Fleisch- und Milchspeisen ganz besonders geeignet. Kunerolwird in mustergültigen Betrieben auf einwandfrei hygienische Art erzeugt — es kommt während der Herstellung nie mit Menschenhand in Berührung. Kunerol wird unter ständiger Aufsicht des Herrn Bezirksrabbiners S. Ehrenfeld zu Mattersburg hergestellt. KUNEROL 100%REIN ES KOKOSNUSSFETT schaften und Gaben besitzen, die einem vorgeschrittenen Zustande der Zivilisaton am besten entsprechen?" Ohne äußeren Zwang zusammengehalten, ohne Geburtsvorrecht und Kastenscheidüng, geeint durch das Band der Brüderlichkeit, eine geschlossene Kampfgenossenschaft zur Abwehr des äußeren Feindes, so war die jüdische Gemeinde ein Volk im Kiemen, eine Familie im Großen. E i n Volk, das jüdische Volk im Kleinen. Das jüdische Volk, das unsterblich ist, das umstürmt und umbrandet von Haß wie kein zweites, doch wie kein anderes sich erhalten hat. Erhalten durch Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit. Die schon in der Bibel uns nachgesagte Hartnäckigkeit, die unerträglich ist, wenn sie sich in Unverträglichkeit im Innern der Gemeinde äußert, sie wird eine der edelsten Mannestugenden als Steifnackigkeit gegenüber dem äußeren Feinde. Im Innern aber muß herrschen, was wir Juden „Zedokoh" nennen, (wehojtho mäasse hazedokoh scholaum) „Nur wo Zedokoh herrscht, herrscht Friede." Heute, in einer der friedlosesten Zeiten, in einem Wirrsal ohnegleichen, haben wir Juden nur eine Aufgabe: Karree zu bilden, uns um die alte Fahne eng zu scharen und unsere einzige Formation zur Wacht und Wehr, die Gemeinde, zu festigen und zu einem unangreifbaren Bollwerk auszubauen. Nicht nur Zedokoh, nicht nur das primitivste Wohlwollen versagt man uns. Selbst außerhalb des Rechtes (Mischpat) werden wir — als Volksfremde! — gestellt. Es ist eine Zeit, in der wir nach der Weisung des Propheten (Jesaja 26, 20) „uns auf unser Haus zurückziehen" müssen und auf unsere Gemeindle, uns scharen um das alte Banner unseres Gottes und unseres Volkes, das Aegypten und Rom, alle Pharaonen und alle Hamans überdauert hat. Je wilder sich ihre Geisteserben heute gebärden und je rücksichtsloser und unbarmherziger sie uns aus dem Kreise der Menschheit weisen wollen, um so fester müssen w i r an den Grundsätzen der Menschlichkeit festhalten, zu denen unsere heilige Lehr© und unsere geschichtliche Erfahrung uns erzogen haben. Nur nicht verzagen! Auch als R. Akiba zur Erhebung gegen Tinnius Rufus seine Brüder aufrief, waren seine Kollegen dagegen. Einer höhnte ihn: „Eher wird Gras aus deinen Kinnladen wachsen, als daß für unser Volk die Erlösung kommt." R. Akiba ließ sich nicht1 beirren. Steifriackig gegen den Feind, fand er Männer, die, würdig der Erlösung aus Aegypten, treu zu ihm hielten und Taten vollbrachten, die, wenn sie auch für den Augenblick Rom nicht stürzten, so doch seinen Ruhm überdauert und dem Volke, das sie vollbracht, die Ewigkeit gesichert haben. (El mauziom mirmzrajim) Wir wollen nicht nach Mizrajim zurück, wir wollen auf dem Boden, auf dem wir stehen, mit Ehren bestehen. Haben wir die Jahrhunderte des ägyptischen Golus überdauert, hat uns das mutige Bekenntnis zu dem Erbe der Väter den Legionen Roms zu trotzen die Kraft verheben, so gibt uns auch in den Kämpfen der Gegenwart Halt und Hoffnung der Glaube an Ihn, an dem noch alle Pharaonen, alle Hamans, alle Ttus und alle Erben ihres Geistes zu Schanden wurden! Unsterblich ist sein Ruhm, unsterblich des Roscho Schmach! G. einer Agitation gegen Deutschland doppelt zu leiden haben: als Deutsche und als Juden. Weil die deutschen Juden dies erkannt haben, haben sie sofort durch den Mund ihrer dazu berufenen großen religiösen und politischen Organisationen — wohlgemerkt: ohne Unterschied der innerjüdischen Einstellung — und durch prominente Einzelpersonen von Weltgeltung Einspruch gegen die ausländische Propaganda eingelegt und sich um Aufklärung und Richtigstellung mit allen Mitteln bemüht. Den deutschen Juden wird darum niemand nachsagen können, mit den Bestrebungen des Auslandes sympathisiert und nicht das ihrige getan zu haben, um Schaden von Deutschland abzuwenden. Im Auslande ist diesem Einspruch der deutschen Juden geglaubt worden. Im eigenen Vaterland, dem Lande, für das 12.000 jüdische Helden ihr Leben ließen, hat man ihnen nicht geglaubt. Man beschuldigte sie, daß die Kampagne gegen Deutschland von den deutschen Juden ausgehe, an den deutschen Juden läge es, diese Kampagne einzudämmen, sonst — trifft sie der Boykott. So sieht es heute in Deutschland! aus: die deutschen Juden werden beschuldigt, die „Greuelpropaganda" inszeniert zu haben und an ihrem Fortbestehen interessiert zu sein, obwohl sich alle deutschen jüdischen Organisationen — der deutschjüdische Central verein ebenso wie die jüdischnationale Zionistische Vereinigung — gegen diese Propaganda gewendet haben; die Propaganda wird zum Vorwanda für einen Boykott genommen, der zwar eingestellt wird, dessen Effekt aber auf andere Weise erreicht wird. Kann man da wirklich optimistisch sein? - Das deutsche Judentum und die Erneuerung Deutschlands. Eine Erklärung Dr. Leo Baecks. Der Vorsitzende des Deutschen Rabbinerverbandes, Dr. Leo B a e c k, erklärte in einem Gespräch mit dem Berliner Korrespondenten des „Intransigent" u. a.: „Die nationale deutsche Revolution, die wir durchleben, hat zwei ineinander gehende Richtungen: den Kampf zur Ueberwindung des Bolschewismus und die der Erneuerung Deutschlands. Wie stellt sich das deutsche Judentum zu diesen beiden? Der Bolschewismus, zumal in seiner Gottlosen-Bewegung, ist der heftigste und erbittertste Feind des Judentums. Die Ausrottung der jüdischen Religion ist In seinem Programm; ein Jude, der zum Bolschewismus übertritt, ist ein Abtrünniger. Die Erneuerung Deutschlands ist ein Ideal und eine Sehnsucht innerhalb der deutschen Juden. Mit keinem Lande Europas sind Juden in jahrhundertelanger Geschichte so tief und so lebendig verwachsen wie mit Deutschland. Keine Sprache Europas bedeutet für sie so viel wie die deutsche. Wir Juden hier hegen den ehrlichen Wunsch und die ehrliche Hoffnung, daß wir in Ruhe auch unser Verhältnis zu den neuen Herren in Deutschland aufrichtig werden gestalten . können." ■■••■■■•■«■■••■■■•■■•*•■••■■■•■••••••••• Hangen und Bangen. Der bis ins kleinste Detail ausgearbeitete Judenboykott ist nach bloß eintägiger Dauer abgeblasen worden. Nach einer offiziellen Erklärung der Reichsregierung wird er nicht wieder aufgenommen werden. Optimisten mögen aus der Tatsache, daß die mit so großem Applomb angekündigte Aktion nur einen Tag währte und angeblich nicht fortgesetzt werden soll, die Hoffnung schöpfen, daß nunmehr eine Besserung in der Lage der deutschen Juden eintreten wird. Wir können uns solch angenehmen Erwartungen nicht hingeben. Denn der Effekt, (der mit dieser Aktion erreicht werden sollte, nämlich die Ausschaltung der Juden aus dem deutschen Wirtschafts- und Geistesleben, dieser Effekt ist zum großen Teile bereits erreicht worden, ohne daß erst bestimmte Termine für diese Eliminierung festgesetzt werden mußten. Man hat im Amte ergraute Richter und Staatsanwälte aus Amt und Würden gejagt, nur weil sie Juden sind, man hat Rechtsanwälte und Notare aus ihren Berufen verdrängt, nur weil sie Juden sind, man hat hervorragende Aerzte auf die Straße gesetzt, nur weil sie Juden sind, man duldet keine Professoren und Lehrer, die Juden sind, und man jagt prominente Männer der Kunst und Literatur davon, nur weil sie Juden sind. Als letztes Heldenstück wird eine Razzia im Judenviertel zum Zwecke der Rundfunkreportage gemeldet. Kann man d!a von einer Besserung der Situation sprechen, nur weil der öffentliche Boykott eingestellt worden ist? Seine Einstellung hat an den Dingen nichts geändert. Adolf Hitler geht, wie Streicher kürzlich sagte, schrittweise vor. Die Position der deutschen Juden ist unvermindert gefährdet und gibt Anlaß zu schwersten Besorgnissen. Wie so oft in der Weltgeschichte, wurden auch hier wieder Unschuldige getroffen, der Jude mußte auch hier wie tausendmal vorher als Prügelknabe herhalten. Gewiß, die nationalsozialistische Partei, die nun in Deutschland unumschränkt regiert, sie ist seit eh und je antisemitisch gewesen, es war zu erwarten, daß die meisten ihrer Aktionen von judenfeindlichen Gesichtspunkten geleitet sein würden. Aber der Vorwand, der für die letzten antijüdischen Maßnahmen genommen wurde, ist so dürftig als nur möglich. Die „Greuelpropaganda" als „jüdische Hetze" hinzustellen, ist eine Gemeinheit, würdig der Verleumdungen, denen das Judentum in der Gegenwart fortwährend ausgesetzt ist. An der Propaganda gegen Deutschland haben sich im wesentlichen nur ausländische nichtjüdische Blätter beteiligt, die diese Propaganda oft als Mittel für ihre gegen die deutsche Gesamtpolitik gerichteten Ziele benutzten. Die verantwortungsbewußte demokratische und jüdische Presse im Ausland hat sich von dieser Propaganda völlig ferngehalten. Die jüdischen Blätter haben allerdings voller Sorge die Entwicklung der Verhältnisse in Deutschland und die Maßnahmen, die gegen die deutschen Juden bisher getroffen worden sind, verfolgt. Sie haben aber nur Tatsachen mitgeteilt, die in der allgemeinen deutschen Presse verbreitet und in vollem Umfange beglaubigt waren. Die Berichte, die die Aufregung im Ausland erzeugten, stammen gewöhnlich von Nichtjuden. Die Welle der Antipathie gegen Deutschland, die z. B. jetzt durch England geht, ist keine „jüdische" Angelegenheit. Ein Mann, wie G. K. Chesterton, der kürzlich in den „Times" einen haßerfüllten Brief gegen Deutschland schrieb, ist der Judenfreundschaft nicht verdächtig: seine antijüdischen Schriften wurden vor einigen Jahren von deutschen Antisemiten mit zustimmendem Behagen zitiert. Es ist daher, wir wiederholen es, eine Gemeinheit, von einer „jüdischen Greuelpropaganda" zu sprechen. Es erscheint dies aber insbesondere auch deswegen als durchaus skrupellos, weil die Juden Deutschlands wie des Auslandes sich durchaus dessen bewußt sind, daß durch eine solche Propaganda in ersterReihe die deutschen Juden geschädigt werden, daß sie unter