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Die Wahrheit · 1933-03-31 · Heft 13 (31.3.1933) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1933
Issue
Heft 13 (31.3.1933)
Date
1933-03-31
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 DIE WAHRHEIT KUNDMACHUNG Die Wiener Molkerei bringt auch heuer Pessach-Koschermilctl in allen ihren Filialen zum Verkauf. Die PeSSach - Koscher milch wird in ihren Meiereien in Niederösterreich unter streng ritueller Aufsicht der von Sr. Ehrw. Herrn Rabbiner Dr. M. Rosenmann bestellten religiös verläßlichen Organe dvtopd erzeugt. Jede Kanne und jede Flasche ist mit einer Plombe, respektive mit einer Schleife versehen mit dem Aufdruck: hdb ibo zbn Wien, 27. Marz 1933. Wiener Molkerei. MÖBEL Rahmen des Vorjahres vorgeschlagene Steuer viel zu hoch ist. Wir können dieses Mittel nicht als eine Maßnahme erblicken, welche unter den derzeitigen Verhältnissen in Anwendung gebracht werden darf. Schon aus diesem Grunde sind wir bemüßigt, diese Budgetvorlage abzulehnen. Wir können verlangen, daß ein ordnungsmäßig durchberatenes Budget, in welchem von vornherein den leider verminderten Einnahmeziffern auch verminderte Ausgabenziffern gegenüberstehen, vorgelegt wird. Das Budget der Gemeinde wäre sofort ins Gleichgewicht zu bringen, ohne daß besondere Maßnahmen erforderlich sind, wenn sich die Gemeinde auf jene Tätigkeit beschränken würde, die ihr gemäß dem Gesetze vom Jahre 1890 und gemäß dem Statut zukommt. Wird diese Tätigkeit der Gemeinde, die Sorge für die Befriedigung der religiösen Bedürfnisse der jüdischen Bevölkerung in den Vordergrund gerückt, so wird sich hieraus ergeben, daß vor allem jene Bestrebungen in weitestem Maße zu unterstützen sind, welche diese Aufgabe zu erfüllen haben. Es wird dann auch für die Tempel vereine nicht notwendig sein, täglich und stündlich sich in banger Sorge zu befinden, wie sie die Bedürfnisse ihrer Bethäuser decken können.' Hierin tiegt eben der ganze Gegensatz zwischen den Parteien im Vorstande, daß wir, auf dem Boden des Gesetzes stehend, die Kultusgemeinde als Organisation aller Juden zu dem Zwecke anerkennen, damit dieselben autonom ihre religiösen Bedürfnisse befriedigen können. Wird aus der Kultusgetneinde eine Volksgemeinde gemacht, so überschreitet sie das ihr eingeräumte Tätigkeitsgebiet, sie betritt ein fremdes, und sie greift dadurch in andere Tätigkeitsgebiete über, für welche andere Institutionen und Organisationen bestehen. Selbst wenn ich von den hiedurch notwendigen Geldmitteln absehen würde, welche die Erfüllung dieser Zwecke mit sich bringen, so liegt in der Sache selbst ein so schwerer Gegensatz, daß ich ihn kaum überbrückbar sehe. Wir wollen die ganze Gemeinde als Religionsgemeinde, als jene, die autonom für die Religionsbedürfnisse zu sorgen hat, erhalten. Hiezu wollen wir die Mittel gewähren. Wir wollen nicht, daß die Gemeinde andere Angelegenheiten, die ihr nicht zugewiesen sind, betreibe und daß diese Gemeinde hiedurch mit anderen Institutionen konkurrenziere. Dieser Gegensatz hängt innig zusammen mit unserer Stellung in diesem Staate, in diesem Lande und in dieser Gemeinde. Lediglich in religiösen Beziehungen sind wir an die Kultusgemieinde gewiesen, in allen anderen an Staat, Land und Gemeinde. Wir glauben, daß die Ereignisse der letzten Zeit unserem Standpunkte leider Recht gegeben haben, daß unsere Hervorhebung als eigene Nation und unsere Absonderung als solche, daß der Ausbau der israelitischen Religionsgemeinde zu einer jüdischen Volksgemeinde für uns nur Nachteile bringen kann, weil sie die Waffen schmieden helfen, die die Feinde gegen uns führen. Und da Sie an diesem Gegensatze bisher festgehalten haben, sind wir nicht in der Lage, Ihnen jenes Vertrauen zu votieren, welches in der Genehmigung des von Ihnen vorgelegten Budgets gelegen ist. Wir müssen Ihnen die Verantwortung für die Geschäftsführung überlassen und werden daher gegen diese Vorlage stimmen. I Neeerdiinoms! $pagafC Und SCllCrWuTCn ( ] Billigste Einkaufsquelle j i aller Sorten Spagate, Jutegarne, Strohsäcke, Gurten, Wäschestricke, Scheuer- [ i tücher, Turngeräte, Packpapiere, Fußmatten, Rouleaux-Bänder und Schnüre usw. : 5 En gros — en detail [ Emil Büsehitz, Wien II., Ober« DonaustraBe 71, nächst Salztorbrücke Telephon A 45-8-44 Rückkehr zur Familie. Der folgende Artikel, den wir auszugsweise der Berliner „Central-Vereins-Zeitung" entnehmen, behandelt eine Entwicklung, die sich im deutschen Judentum, das jetzt von solchen Gefahren bedroht ist, Bahn bricht Der Aufruf des Autors zur „Rückkehr zur Familie" hat aber auch für die österreichischen Juden eine vollgültige Berechtigung, denn die Verhältnisse liegen, wenn sie auch lange nicht solch krasse Formen angenommen haben und auch wohl gar nicht eine derartige Gefahr besteht, recht ähnlich und es ist immer besser, etwas freiwillig zu tun als gezwungen. Unausweichbar ist jedem von uns deutschen luden die Begegnung mit einer Umwelt, die uns gegenüber bestenfalls zuschauend teilnahmsvoll, in stärkerem Maße ablehnend, ja sogar feindselig gestimmt ist Es ist uns keine Flucht mehr in Gruppen möglich, für die unsere Sache — die des Rechtes und der Ehre und der Lebensmöglichkeit der deutschen Juden — auch die eigene wäre. Die Frage nach unserem Schicksal ist ungemildert immer und überall da, besonders verschärft bei dem Vergleich mit anderem, nicht jüdischem Schicksal. Denn jeder Nichtjude kann durch Verbrennung seiner alten politischen Anschauung die Anerkennung, zumindest die Duldung der herrschenden Kreise erreichen. Unser Judesein dagegen ist eine unzerstörbare Eigenschaft, die uns bequeme Kompromisse verbietet. Für uns lautet die Frage, ob im Räume eines Fünfundsechzig-Millionen-Volkes, das sich jetzt anschickt, sein volkliches und politisches Schicksal neu zu formen, kein Platz sein kann für etwas mehr als eine halbe Million Menschen, die in ihrer überwältigenden Mehrzahl unpolitisch, loyal, arbeitssam sind; ob die Kraft einer Bewegung, die Jahrhunderte alte mächtige staatsrechtliche Bindung mühelos sprengte, sich ganz besonders an dieser kleinen, in die fünfundsechzig Millionen versprengten Zahl deutscher Juden erweisen will, um sich zu legitimeren!? Unsere Auseinandersetzung mit der Gegetiwartsgeschichte ist nicht nur ein geistig-sittliches Problem: wie bewahre ich menschliche Würde, Selbstachtung, innere Ehre? Sie ist zugleich auch eine primitiv-praktische Aufgabe: Wie bleibe ich stark und jüdisch für den Augenblick, in dem die Entwicklung der deutschen Umwelt zu dem Punkte .gekommen ist, an dem sie sich selbst entschließen wird, Moderne KQchen- Vorzimmer- Wohnzimmer- F. KOHN, Wien IL, TABORSTRASSE Nr. 22 Telephon R 40-7-14 Samstag geschlossen — Angeschlossen der „Schomra" FLEISCHHAU&REI BRÜDER STADLER Wien II., Im Werd 1 Telaphon A 43-B-20 unter Aufsicht der Adas Jisroel, Schifftchul, Wien of/erlert täglich frisches, prima extrem Rind- und Kalbfleisch eigener Schlachtung zu den billigsten Preisen u. zw. Rindfleisch: Welche Brust S 2.40, Vorderes S 2.80, Hinteres S 3. — Kalbfleisch; DOnne Brust S 3.40, Karree 6 3.60, Kotelette, dicke Brust S 3.80 Geselchtes, roh, noa bv (KUgerl-Brust) S 4.— bis 8 6.— Das Fleisch wird in unserer hygienisches, amerikanisches Kühlanlage „Kelvinator1* aufbewahrt und auf Wunsch kostealos ins Baus gestellt. Aufträge auch telephonisch unter Nummer A 43-5-20 erbetea. Ein einiger Versuch genügt, daQ Sie unsere st&adige Kunde bleibe» ZumVerkauf gelangen Prima Mastochsen« bei der Wiener Messe gekauft unsere jüdischen Notwendigkeiten ihrer wahren Größe entsprechend und nicht in propagandistischer Vergrößerung in den Rahmen der großen Aufbaupläne einzufügen. Wir merken, indem wir uns beim Stellen dieser Frage aufmerksam betrachtend umsehen, in wie instinktsicherer Weise die wertvollen Teile des deutschen Judentums ihre Antwort gewählt haben. Sie folgten der Macchiavellschen Forderung, in Zeiten der Gefahr müsse jede Gemeinschaft sich auf ihre Ursprünge besinnen. Wir müssen aus dem widerstandsschwachen Gemenge unserer Gemeinschaftsformen zum unzerstörbaren Kern unserer jüdischen Existenz zurückgelangen: der sittlich-religiös gestimmten jüdischen Familie. In ihr können wir gelockerte Wurzeln wieder festigen. In ihr nach dem häßlichen Erleben, das uns täglich, stündlich zustoßen kann, reine Luft finden. In ihr an Stelle des oberflächlich-flachen Genießens in Kaffeehäusern und Vergnügungsstätten geistigere Geselligkeit pflegen. Man hat uns Juden als Individuen alles erdenklich Schlechte nachgesagt. Unsere jüdische Familie war aber immer vorbildlich, und nur selten wagte sich die Herabsetzung an sie heran, um ihre positiven Merkmale: Opferfähigkeit, Treue, Zusammenhalt ins Negative umzubiegen. Gewiß, was kennzeichnendes Merkmal der jüdischen Familie war, ist vielfach nicht mehr anzutreffen gewesen, weil die Gestaltung unseres Lebens sie ihrer zentralen», Bedeutung entkleidet hatte. Die Not zwingt uns zur Rückkehr — wir sollten darum gern zurückkehren. Jeder Staat, autoritär oder demokratisch, muß Volkszellen — Familien — haben. An der Eltern-Kind-Beziehung, an der Mann-Frau- Beziehung endet die Allmacht jedes Regimes — und kein Regirr» drängt sich in sie hinein. In der jüdischen Familie haben wir den geschützten Bereich einer menschlichen Autonomie, in dem wir alte Werte neu erwecken, Schlacken der Zeit beseitigen und vor allem unseren Persönlichkeitsstolz wiederfinden und erhalten können. Dies alles brauchen wir, um als Menschen Krisen zu überdauern und zugleich als Bürger lebendig der Zeitentwicklung verbunden zu bleiben. Hg. Hägers Selchwaren-Restaurant Selchwaren aus der Fabrik Elsen & Hönlgsber streng orth. TO (Unter Aufsieht der Adas -Jisroel - Schiffschul) Wien II., Praterstraße 33, Telephon R-47-4-49 Hochzeiten und Banketts werden bestens arrangiert noa bm Pfeiler, Zimt Ingwer noa bo feinst gemahlen Essig, Hase, Kondensmlldj. Marmeladen, nimbersaM, weine. Slibowiiz, Gurken, Spezerelen D. STNNnor. II., naidüasse Nr. 5

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