Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1933
- Issue
- Heft 12 (24.3.1933)
- Date
- 1933-03-24
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT Seite 5 Nagers Selchwaren-Restaurant Selchwaren aus der Fabrik Elsen & Hönigsöer streng orth. "%q (Unter Auflftht der Adas-Jisroel - Schiffachnl) Wian II., PraterstraBe 33, Telephon R-47-4-49 Hochzeiten und Banketts werden bestens arrangiert Veröffentd'cffungen der „Tinion*' Puritnfest der „Union". Es gehört Mut dazu, in diesen traurigen Zeiten Feste zu feiern, selbst ein Purimf est, dessen freudige Begehung den. Juden schöne Tradition geworden ist. Unsere Lage ist gar ernst, weshalb wirklich fröhliche Stimmung schwer aufkommen kann. Anderseits ist das Bemühen gerechtfertigt, ©ine solche Stimmung herbeizuführen, weil eben die Erinnerung an einen genußreichen Abend so manche trübe Stunde leichter ertragen hilft. Und so hat sich auch die „Union" in Gemeinschaft mit ihrer Jugendgruppc entschlossen, gleich vielen anderen Wiener jüdischen Vereinen und Organisationen das Purimfest nicht sang- und klanglos vorübergehen zu lassen. Iii den prachtvollen Sälen des Handelsm u s e u m s wurde seitens des rührigen Festkomitees, das insbesondere die Unterstützung zahlreicher Damen des „Union-Frauenklubs" genoß, ein durchaus gelungenes Fest geboten, das mit einer ausgezeichneten Akademie eingeleitet wurde. Wahre Beifallsstürme errangen Oberkantor S. P o s t o 1 o w, der prachtvoll Arien und Lieder sang, der stimmgewaltige erste Bassist der Wiener Volksoper Herbert Weiß, die blendende Else Kaufmann. Sehr gut gefielen der ungemein talentierte junge Violinkünstier David Grünschlag, wie auch die anmutige Tänzerin Lola B e r g e r und der Chansonnier Kurt D i x o n. Die Conference führte in launiger Weise die charmante Lizzy Götzlinger. Nach der Akademie trat zu den Klängen der gediegenen Kapelle W o 1 f s t h a 1 der Tanz in seine Rechte, das frohe Bild gewann besonders durch das Erscheinen zahlreicher geschmackvoller Masken. Alt und jung unterhielt sich bis in die frühen Morgenstunden köstlich in den schönen Räumen, deren einer, zu einem „Gemütlichen" ausgestaltet, besondere Anziehungskraft durch die lustigen Karikaturen des Herrn Nordhof liatte. Auch das reichhaltige Büfett, das die Damen des Frauenklubs selbst beigestellt hatten, fand lebhaften Zuspruch. Nach Abschluß des Festes vereinigten sich noch zahlreiche Besucher zu einer gemütlichen Unterhaltung im Festsaal des Cafe City. So schloß der Abend stimmungsvoll, wie er begonnen, er war ein Erfolg in jeder Hinsicht, der den eifrigen Bemühungen des Festkomitees zu danken ist. Bezirksorganisation Floridsdorf. Die Bezirksorganisation Floridsdorf der „Union" hielt kürzlich eine stark besuchte Versammlung unter Vorsitz des Obmannes Dr. Julius Grünwald ab. In zwei instruktiven Referaten der Herren Kultusvorsteher Geza Kling er und Dr. Ernst Feldsberg wurde die Situation im Kultusvorstand eingehend beleuchtet und den Versammlungsteilnehmern vor Augen geführt, auf welch schwierigem Posten derzeit die nichtaationale Opposition im Kultusvorstande stehe, die die Pflicht habe, die wahren Interessen der Wiener jüdischen Bevölkerung gegenüber den nationalistischen Aspirationen der heutigen zionistischen Mehrheit zu vertreten. Reicher Beifall bekundete das Verständnis der Versammlung für diese ernsten Bemühungen der unionistischen Partei. Ein weiteres Referat des Obmannes Dr. Julius Grünwald beschäftigte sich mit der derzeitigen Situation in der Bezirkskommission XX/XXI, deren Mitglied der Referent ist. Seine Ausführungen über die Unnahbarkeit dieses Zustande», durch den die jüdische Bevölkerung Floridsdorfs arg betroffen ist, fanden lebhafte Zustimmung; über seinen Antrag wurde folgende, dem Präsidium des Kultusvorstandes zu unterbreitende Entschließung einstimmig angenommen: nD2 bv Pfeiler, Zimt, Ingwer rraa bv feinst gemahlen Essig, Hase, Kondensmlldi, Marmeladen, Weine, silbowifz. Spezerelen D. STEINnor, II., naidgasse Nr. 5 Konditoreiwaren ivz Abraham Leib Pomeranz, IL, Herminengasae 13 Verkaufslokal: iL, Floßgasse 7, Telephon A 41-7-78 Filiale: II. Hollandstraße 8 Beateliangen für Hochzeiten, Sudes uud alle anderen Festlichkeiten, sowie verschiedene Zuckerbäckereinaren für Poaaach werden prompt und billigst ausgeführt. Unter Aufsicht der Adas Jisroel iSchiffschul.'. Die heute versammelten Kultuswähler des XXI. Gemeiudebezirkes erheben im Interesse der gesamten jüdischen Bevölkerung ihres Bezirkes dagegen Einspruch, daß in Abgehung von der seit rund 25 Jahren bestehenden Uebung diesmal -eine selbständige Bezirkskomnüssion für ihren Bezirk nicht gebildet worden ist Die Versammelten sind sich bewußt, daß nach dem Statut der Gemeinde die Bezirke XX und XXI einen Wahlkreis bilden und eine Bezirkskommission zu wählen haben. In Erkenntnis des Umstandes. daß die genannten beiden Gemeindebezirke eine vollkommen verschiedene Struktur aufweisen, und nicht wie z. B. die Bezirke VI und VII oder XVI und XVII im engen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Zusammenhange stehen und demnach einen einheitlichen Charakter besitzen, hat aui Grund von Parteienvereinbarungen nach jeder Kultuswahl eine den Wahlresultaten entsprechende Teilung der Bezirkskommission des X. Wahlkreises in zwei selbständige ßezirkskommissionen stattgefunden. Die Besonderheit der Kille Floridsdorf kommt schon darin zum Ausdruck, daß dieser Bezirk nicht nur einen eigenen Gemeindetempel, sondern auch einen eigenen Friedhof, eine selbständige Chewra Kadischa sowie andere eigene Wohltätigkeitsinstitutionen besitzt, die bisher ven der jüdischen Bevölkerung des XXI. Bezirkes mit den notwendigen Mitteln versehen wurden, ohne irgend eine Subvention seitens der Kultusgemeinde beanspruchen. Wir erachten es als unsere Pflicht, den verehrlichen Kultusvorstand mit allem Nachdrucke darauf aufmerksam zu machen, daß der gegenwärtige Zustand ebenso den Interessen der Gemeinde als denen der Steuerträger des XXI. Bezirkes zuwiderläuft, die u. a. auch um ihre bisherige selbständige Vertretung in der Schätzungskcmmissicn und in den Kommissionen I und II kommen. Wir wollen auch nicht unterlassen, daraur hinzuweisen, daß als Folgeerscheinung des gegenwärtigen Zustandes für beide Bezirke nur eine einzige gemeinsame Bezirks-Fürsorgekommission gebildet werden könnte, wodurch sicherlich dk anspruchsberechtigte jüdische Bevölkerung des XXI. Bezirkes zu kurz kommen könnte. Die Versammelten verlangen von der Einsicht des verehrlichen Präsidiums die nötigen Maßnahmen, um eine allen Interessen gerecht werdende Regelung herbeizuführen. Nach Annahme dieser Resolution, die eine rege Debatte ausgelöst hatte, schloß der Vorsitzende die eindrucksvoll verlaufene Versammlung. Die Notverordnungen. Durch die letzte Notverordnung, nach der nur Vereins-Versammlungen statthaft sind, die acht Tage vorher beim zuständigen Polizeikommissariat angemeldet wurden, ist die Versammlungstätigkeit der „Union" stark unterbunden. So mußte in der Vorwoche eine Versammlung der Bezirksorganisation Leopoldstadt abgesagt werden, in der Kultusvorsteher Dr. Josei T i c h o hätte sprechen sollen. Die Bezirksorganisationen werden darauf aufmerksam gemacht, daß es im Interesse der weiteren Versammlungstätigkeit geboten ist, den Termin der Anmeldung ihrer Versammlungen genau einzuhalten. Hakenkreuz am Werft Unter dem Deckmantel der Wissenschaftlichkeit. Der Oszwald-Senat der königlichen Kurie verhandelte den Prozeß, den die Staatsanwaltschaft gegen den Universitätsprofessor Ludwig Mehely wegen Aufreizung gegen eine Konfession anhängig gemacht hat. In einer Polemik gegen „Egyenlöseg" hatte Mehely seinerzeit ausgeführt, die Juden wären eine Schmarotzerrasse, die die Angehörigem anderer Glaubensbekenntnisse schamlos ausbeute, und auch der Bolschewismus sei die Folge einer rassenmäßig jüdischen W el t anscha uun g, für die die Judenheit verantwordich sei. Wegen dieses Artikels wurde Mehely seinerzeit erstinstanzlich zu 14 Tagen Gefängnis mit Bewährungsfrist verurteilt. Die königliche Tafel, vor die die Sache im Berufungswege gelangte, sprach jedoch Mehely mit der Begründung frei, daß sein Aufsatz lediglich theoretische wissenschaftliche Feststellungen enthalte. In dritter Instanz verhandelte kürzlich die Kurie diese Angelegenheit. Der Kronanwalt Koloman Lojzer wandte sich gegen das Urteil der zweiten Instanz und sagte, daß in diesem Falle die Wissenschaftlichkeit bloß ein Deckmantel war, unter dem der Angeklagte sich der Aufwiegelung schuldig machte, gegen die jüdische EE3 3Jtsa GD SUPPENWÜRFEL Erzeugt unter Aufsicht des ehrwürdigen Herrn Rabbiners H. SCHENK ■ BEACHTEN SIE DIE BLAU-WE1SSEN WORFELSCHLEIFEN! ■ Konfession Gehässigkeit ausstreute, die geeignet war, eine gesetzlich anerkannte Glaubensgemeinschaft der allgemeinen Verachtung preiszugeben. Nach längerer Beratung verkündete der Senat der Kurie das Urteil, das den Spruch der königlichen Tafel aufhebt und das Urteil der ersten Instanz in Rechtskraft erhebt. Nach den Urteilsgründen ist der Artikel tatsächlich geeignet, gegen die Judenheit Haß zu erregen. Nach den Gesetzen des ungarischen Staates sei die Judenheit keine Rasse, sondern eine Glaubensgemeinschaft, was aber der Verfasser an Hand seiner allgemein bekannten Rassentheorie in Zweifel ziehe. Das Urteil der Kurie hebt hervor, daß das Gericht weder erschwerende, noch entlastende Momente vorgefunden habe, immerhin jedoch eine Bewährungsfrist einräume, weil es hoffe, „daß der Angeklagte unter dem Eindruck des Urteils sich in der Zukunft ähnlicher Feststellungen enthalten werde." Haussuchung in der Münchener Gemeinde. Wie jetzt bekannt wird, wurde in München eine nächtliche Haussuchung im Verwaltungsgebäude der Israelitischen Kultusgemeinde vorgenommen. Man fahndete nach kommunistischem Propagandamaterial, von dem aber selbstverständlich nichts vorgefunden wurde. Gegen Morgen zog das Kommando unter Mitnahme verschiedener Akten des Wohlfahrtsamtes wieder ab. Dr. MAX MARK dankt herzlichst für die ihm anläßlieb seiner Promotion zuteil gewordenen Gratulationen, insbesondere für die aus den Kreisen der .UNION" und JUGEND-UNION' Polen räumt auf. In dem polnischen Kreis Zywiec bei Beelitz, im früheren Oesterreichisch-Schlesien, kam es kürzlich in verschiedenen kleinen Städten zu Ausschreitungen rechtsradikaler polnischer Nationalisten gegen jüdische Geschäfte. Polnische Polizei ging mit großer Schärfe gegen die Demonstranten vor, von denen einer getötet und drei schwer verletzt wurden. Ueber 80 Teilnehmer der antisemitischen Demonstrationen sind verhaftet worden. Die Warschauer Regierungspresse erklärte iru sehr scharfen Ausdrücken, daß ein Uebergreifen der antisemitischen Agitation nach Polen von der Regierung auf jeden Fall verhindert werden würde. Die Vorstellung, daß die nationale Größe durch das Zerschlagen jüdischer Läden begründet werden könnte, hätte in der freien polnischen Republik keinen Platz. Der nationaldemokratische Student der Warschauer Universität, Taddeusz Dworak. wurde wegen Teilnahme an der Vorbereitung antijüdischer Ausschreitungen in Kielce zu 60 Tagen Gefängnis ohne Bewährungsfrist verurteilt. Im Kölner Schlachthof wird Schächten verhindert. Auf dem Kölner Schlachthof erschien eine Abordnung SA-Männer, die bekanntgaben, daß das Schächten der Tiere nicht mehr statthaft sei. Die Schächter wurden aus dem Schlachthof geführt und die Schächtmesser beschlagnahmt. Soeben erschienen: DAS CHAJES-WERK (REDEN, VOBTDA6E,DIOODJtPIIlt> Eine Novität, die auf dem Büchertisch keines gebildeten |uden fehlen darf Zwei Monamentalbände Preis . . . S 25.— Zn bezie : Dr. M.Posenleld. XX, Drlftltfenaneriande 4»