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Die Wahrheit · 1933-03-24 · Heft 12 (24.3.1933) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1933
Issue
Heft 12 (24.3.1933)
Date
1933-03-24
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 DIE WAHRHEi 1 judendcbatte im südafrikanischen Parlament Im Zusammenhang mit der von dem Abgeordneten der Nationalistischen Partei Rev. Fiek eingebrachten Bill, daß die „Potchefstroom College" genannte südafrikanische Universität das Beiwort ..C h r d s t i a n" erhalten solle, fand im südafrikanischen Parlament zu Kapstadt abermals eine Debatte statt. Bei der zweiten Lesung dieser Bill im Mai v. J. hatte der jüdische Abgeordnete Morris Alexander im Namen der Judenheit Südafrikas gegen die Bill Einspruch erhoben, und der Präsident des südafrikanischen Jewish Board of Deputies, HUltnan. hatte der Regierung eine formelle Petition gegen die geplante Namensänderung der Universität überreicht. In der jetzigen Debatte im Parlament wies Morris Alexander, der der von General Smuts geführten Südafrikanischen Partei angehört, darauf hin. daß das Hauptgebäude des College als Wappenschild einen sieben armigen Leuchter, also das jüdische Menorah- Symbol, trage. Man solle nicht glauben, daß es hier lediglich um eine Namensänderung gehe, es handle sich vielmehr um ein geplantes großes Unrecht, das den Angehörigen der nichtchristlichen Konfessionen zugefügt werden soll; ein Unrecht, das um so krasser ist, als das College auch von den Steuergeldern der nichtchristlichen Staatsbürger erhalten wird. Alexander brachte einen Ergänzungsantrag ein des Inhalts, daß die Universität von Potchefstroom kein Recht hat, in Fragen der Zulassung von Studenten und der Heranziehung von Hochschullehrern Juden unterschiedlich zu behandeln. Der Antragsteller Fick stimmte diesem Ergänzungsanrrag zu. womit die Angelegenheit erledigt war. Nur Ihr Wortfeil, wenn Sie sich von meinen billigen Preisen überzeugen, bevor Sie anderswo kaufen. ALBERT BARTFELD, II., Holfandstrafle Nr. 18 Gebe auch telephonisch unter Nr. A 49-0-43 über Preise Auskunft Sämtliche Lebensmittel für Pessach, Mazzoth, Weine, Slibowitz nDB bli? "ItPD Mreng separierte Abfeilun^f Purlm in Palästina. Mehr als 100.000 Menschen aus gan^ Palästina, unter ihnen hunderte amerikanischer Touristen, nahmen an dem am 13. März in Tel Awiw stattgefundenen großen Purim-Karneval teil. Ungeachtet der Aufforderung der arabischen Presse an ihre Leser, der jüdischen Festlichkeit fernzubleiben, haben schätzungsweise nicht weniger als 10.000 Araber dem Feste beigewohnt. Istambul. Im Alter von 50 Jahren verstarb in Istambul der berühmte jüdische Rechtsgelehrte lsaac Ferrera, einst oberster Staatsanwalt Konstantinopels und späterer Rechtsanwalt. Er verteidigte wiederholt grundlos verdächtige Juden in politischen Prozessen. Er war einer der geachtetsten Lyriker der Türkei. Ans affer Weit Gemeinde - thtonik Jaden werden amerikanische Gesandte. Die Warschauer jiddische Tageszeitung „Moment" erfährt aus autoritativer Quelle, daß die amerikanische Regierung der polnischen Regierung mitgeteilt habe, sie beabsichtige, den Vorsitzenden der außenpolitischen Kommission im amerikanischen Senat S o 1 Bloom zum amerikanischen Gesandten in Warschau zu ernennen. Bloom ist Jude und stammt aus Polen. Seine Geburtsstadt ist Grodno. Er ist einer der führenden Politiker der republikanischen Partei. * * Präsident Franklin D. Roosevelt hat Herrn Jesse Isidor St raus zum Botschafter der Vereinigten Staaten in Frankreich ernannt. Jesse Isidor Straus ist ein Sohn des bei der „Titanic'-Katastrophe ums Leben gekommenen Isidor Straus und ein Neffe des verstorbenen Diplomaten Oscar Straus und des verstorbenen großen jüdischen Philanthropen Nathan Straus. Jesse Isidor Straus ist Leiter der riesigen Macey-Warenhäuser in New York und Vorsitzender der New Yorker Handelskammer. Er und Henry Morgenthau jr., Sohn des früheren Botschafters der Vereinigten Staaten in der Türkei und Vorsitzenden der Völkerbundskommission für Ansiedlung der griechischen Flüchtlinge Henry Morgenthau. wurden sofort nach der Wahl Roosevelts zum Präsidenten der Vereinigten Staaten als Anwärter für Regierungsposten in Roosevelts Kabinett genannt Man erwartete. duB Jesse Isidor Straus zum Handelsminister ernannt werde, ein Amt. welches sein verstorbener Onkel Oskar Straus unter dem verstorbenen Präsidenten Theodore Roosevelt bekleidet hatte. Statt dessen wurde nun Jesse Isidor Straus zum Botschafter in Frankreich ernannt. Henry Morgenthau jr., in dem man den zukünftigen Landwirtschaftsminister sieht» wurde vor einigen Tagen vom Präsidenten Roosevelt zum Vorsätzenden des Federal Farm Board ernannt. Ein Bruder von Jesse Straus, Percy Seiden Straus. ist Präsident der jüdischen Landwirtschaftsgesellschaft (Jewish Agricultural Society). Traurige Wirtschaftslage jüdischer Kolonisten in Argentinien. Vom Hauptbüro der Jewish Goionisation Association (JCA) wird mitgeteilt, daß die jüdischen Bauern in der Provinz Entre Rios in Argentinien infolge Mißernte sich in einer sehr schwierigen Lage befinden, der Mehrzahl von ihnen fehlt es an Saatgut für die nächste Bestellung der Felder. Die Nationalbank gibt Vorschüsse für Saatbeschaffung und! hilft auch sonst den Siedlern, bis zur nächsten Ernte durchzukommen. Zu diesem Zweck hat die Nationalbank eine Kommission ernannt der auch einer der Direktoren der JCA in Buenos Aires angehört. Auch in den lokalen Hilfskomitees der Regierung sitzen Vertrauensleute der JCA. Bombay. Meyer Nissim. ein Jude, ist zum Mitglied der Gesetzgebenden Körperschaft in Bombay ernannt worden. Meyer Nissim hat sich um das Gemeindewesen in Bombay sehr verdient gemacht und wurde 1929 zum Bürgermeister und Magistratspräsidenten gewählt Dem indischen Parlament gehörten bisher als Juden Sir Sassoon J. David und Sir Victor Sassoon an. Streng orthodox riDS b& 120 Prima ungarisches Mastgefliigel, sowie erstklassige Weine per Liter von S 1.10 aufwärts. Auf Wunsch ins Haus gestellt. Adolf Neubauer, II., Negerlegasse 2 Weit gebracht. In Duisburg wurde — wie das „Israelitische Familienblatt" meldet — bei der Wahl des Vorstandes der Synagogengemeinde die Zionistin Frau Anna Levy zum ersten Vorsitzenden gewählt. Das ist wohl der erste Fall, daß eine Frau an die Spitze einer jüdischen Gemeindekörperschaft gestellt wurde; die Zionisten dürfen auf diese Errungenschaft wahrlich sehr stolz sein. Einbruch in eine Frankfurter Synagoge. Innerhalb der letzten 14 Tage ist eine Frankfurter Synagoge von Dieben mehrfach heimgesucht worden. Sie raubten zur Nachtzeit einen Opferstock sowie einen wertvollen Altarvorhang mit einer Stickerei in hebräischen Buchstaben. Linz. Der Präsident der jüdischen Kultusgemeinde Linz. Herr Benedikt Schwager, feierte am 12. März nicht nur das Fest des 70. Geburtstages, sondern auch das 30jährige Jubiläum als Kultusvorstand. Aus diesem Anlasse fand unter Beteiligung der ganzen Gemeinde und im Beisein der Vertreter der Behörden im festlich geschmückten Tempel ein Festgottesdienst statt, der bewies, welch großer Sympathien und allgemeiner Wertschätzung der Jubilar sich erfreut. Der Tempelchor brachte stimmungsvoll Festgesänge zum Vortrage, worauf Herr Rabbiner Dr. K u r r e i n den bedeutungsvollen Tag in einer tief durchdachten und allgemein ergreifenden Rede würdigte, das Wirken Benedikt Schwagers in den 30 Jahren seiner Tätigkeit als Vorstand der Gemeinde schilderte und die Persönlichkeit des Jubilars in feinen Strichen zeichnete. Darauf antwortete Herr Schwager tief bewegt in einer längeren Rede und entrollte ein Bild der Arbeit, die in den drei Jahrzehnten für die Gemeinde und das Judentum von ihm im Verein mit allen seinen Mitarbeitern, von denen ein großer Teil schon unter der Erde ruht, geleistet wurde. Wahrlich, wer je Gelegenheit hatte, Präsident Schwager bei seiner Wirksamkeit zu beobachten, mit welcher unendlichen Geduld und mit welch großem Opfermut er sich seiner Aufgaben zum Wohle der Allgemeinheit erledigt, der muß Bewunderung für diesen Mann hegen, der neben seiner beruflichen Tätigkeit noch immer Zeit findet, so segensreich für das Judentum zu wirken. Besonders groß war die Inanspruchnahme, die dem Präsidenten und seinen Mitarbeitern während des Krieges durch die Flüchtlings- und Interniertenfürsorge auferlegt wurde. Oberkantor Bernhard Löwensohn sang dann einen Mischeberach mit tiefem Gefühl, worauf der Chor mit dem stimmungsvollen Psalm 19 der Feier einen erhebenden Abschluß gab. In der folgenden Festsitzung, an der die Vertreter der Landesregierung, des Magistrates, der Polizeidirektion sowie der Gesamtvorstand mit Rabbiner Dr. Kurrein, Oberkantor Löwensohn und Sekretär Piskaty und die Vertreter aller hiesigen jüdischen Vereine teilnahmen, feierte der Vizepräsident Herr Emil Bruder mit herzlichen Worten den Jubilar und überreichte ihm als Geschenk des Vorstandes einen silbernen Kiduschbecher, worauf dann das von Maler Prof. Sternberg in Wien verfertigte Oelbild Schwagers enthüllt wurde. Vizepräsident Dr. Morgenstern pries mit gefühlvollen Worten den Präsidenten als den Vater der großen Familie, welche die Gemeinde darstellt. Herr Präs. Schwager ergriff nun neuerlich das Wort, um für die ihm zuteil gewordenen Ehren vom Herzen zu danken. Von allen Gemeinden Oesterreichs, von zahlreichen Vereinen, Anstalten und Privaten sind Glückwünsche eingelangt, die alle dem Wirken und der Person des Jubilars höchste Anerkennung zollen. Erwähnt sei noch, daß Herr Schwager seit Inkrafttreten des Zwangsgenossenschaftsgesetzes dem Vorstande der Zuckerbäckergenossenschaft in Linz angehört und im Jahre 1927 anläßlich des 40jährigen Geschäftsjubiläums zum Ehrenvorstandsmitgliede ernannt wurde. Mehr als 25 Jahre ist Herr Schwager im Stadtschulrat und Armerirat der Stadtgemeinde Linz tätig. Für sein hervorragendes Wirken wurde Präsident Schwager mit dem silbernen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Oesterreich ausgezeichnet. Der Leopoldstädter Tempelverein „Aeschel Awrohom" (II.. Pazmanitengasse 6) hielt am Sonntag^ den 19. d. M. seine 57. ordentliche Generalversammlung unter dem Vorsitz des verdienstvollen Obmannes Oskar Schramek ab. Als Gäste waren u. a. erschienen: In Vertretung der Kultusgemeinde Kultusvorsteher Geza Kliniger. der Obmann der Organisation der Tempelvereine Börserat I. Glück und Vertreter verchiedener Tempelvereine. Nachdem der Obmann den im abgelaufenen Jahre verblichenen Vorstands- und Vereinsmitgliedern einen ehrenvollen Nachruf gehalten hatte, erstattete Herr Maximilian Raschdowitz den Jahresbericht, aus dem hervorging, daß trotz der Schwere der Zeit, unter der der Tempelverein selbstverständlich auch sehr zu leiden hatte, seine Leistungen dennoch ganz hervorragende gewesen sind, was insbesondere der ersprießlichen Wirksamkeit der Funktionäre zuzuschreiben ist. Er dankte insbesondere Herrn Rabb. Dr. Taubes für sein umfassendes Wirken, namentlich auf dem Gebiete des Unterrichtes, sowohl in der Talmud-Thora, wie auch in der vor einiger Zeit eingerichteten Jeschiwa für Vorgeschrittene. Der Rechnungsabschluß wurde genehmigt und auf Antrag des Revisors Prof. Markus Petschenik dem Vorstande einstimmig das Absolutorium erteilt. Zum Rechenschaftsbericht sprach u. a. Obmannstellvertreter Dr. Leonhard M a i e r, der die Schwierigkeit der Arbeit des Vorstandes i« dieser kritischen Zeit' eingehend schilderte und betonte, daß dieser auch weiterhin alles tun werde, um den schönen Tempel und seine Institutionen im alten Glänze zu erhalten. Kultusvorsteher Geza K1 i n g e r gab in beredten Werten der Anerkennung des Kultusvorstandes für die segensreiche Tätigkeit des Vereinsvorstandes Ausdruck und erklärte, daß er alles daran setzen werde, um die heute nicht hinreichende Subvention erhöhen zu lassen. Die Situation der Gemeinde sei wohl eine sehr prekäre, aber seiner Ansicht nach müsse alles geschehen, um einen Tempel von der Bedeutung des Pazmanitentempels zu helfen. Auch Börsenrat I. Glück versprach, das Sednige zu tun, damit im Kultusvorstande den berechtigten Wünschen des Vereines Genüge geschehe. Er sprach auch von der Notwendigkeit von Sparmaßnahmen die aber nicht so weit gehen dürfen, daß die Würde des Gottesdienstes darunter leide. Der Jahresbeitrag wurde angesichts der kritischen Finanzlage auf S 20.— erhöht. Bei der hierauf vorgenommenen Wahl wurden einstimmig gewählt: Zu Vorständen: Peter Appel, Daniel Diamant. Moses Frankel. Samson Leenmann, Isidor N e u m a n n. Bernhard N i w e s, Arch. Ignaz Reiser, Dir. Gerson W d 111 i n, Koppel Reichmann. Komm.-Rat Ferdinand Rosenbaum. ProL M. P e t s c h e n i k; zu Revisoren: Oskar Hirschfeld. Wolf Isler, Heinrich Kawe. Otto Pisk, Jakob Springer. — Bei der am 20.d.M. stattgehabten konstituierenden Sitzung wurden neben dem Obmann Oskar Schramek gewählt: zu Obmannstellvertretern die Herren Dr. Leonhard M a i e r, Arch. Ignaz Reiser und Isidor Schönherz; zum Kassier Herr Maximilian Raschdowitz; zum Schriftführer Herr Daniel Diamant und zu dessen Stellvertreter Herr Prof. Markus Petschenik. Isr. Wohltätigkeitsverein „Channen-Dal" XXL lieber Initiative des Herrn Rabbiner Dr. M. Rosenmann, wurde am 2. Februar 1908 der im Titel genannte Wohltätigkeitsverein in Floridsdorf gegründet. Die Statuten verzeichnen als Gründer des Vereines die Herren Dr. M. R o s e n m a n n (Ehrenpräses). Dr. Ferdinand Brüll, Gabriel Dukes (erster Obmann). Moritz Schwarz, Salomon Weiniger, Ignatz Grünwald und Emil Fanto. — Herr Rabbiner Dr. M. Rosenmann hielt bei der am 19. d. M. stattgefundenen 25jährigen Jubiläums-Generalversammlung, die zahlreich besucht war, eine feierliche Ansprache zunächst über die Gründung des Vereines und dessen segensreiches Wirken in Floridsdorf seit 25 Jahren. Er zollte der Tätigkeit des Vereines lobende Worte, gedachte der dahingeschiedenen Gründer des Vereines, der Herren Dr. Ferdinand Brüll und Moritz Schwarz, und wünschte dem Vereine, der seit einigen Jahren unter Leitung des Obmanns Herrn Hugo Deutsch sehr ersprießlich wirkt und alljährlich mehr als S 3000— an Bedürftige des Bezirkes zur Verteilung bringt, außerdem auch Naturalien, wie Mehl, Kartoffel und Brennmaterial verteilt, ein weiteres gedeihliches Arbeiten im Dienste der jüdischen Wohltätigkeit. Die tiefsinnige, gehaltvolle Ansprache des Herrn Dr. M. Rosenmann erzielte bei allen Anwesenden erhebende Wirkung. Ueber seinen Antrag wurde in Würdigung der besonderen Verdienste Herr Obmann Hugo Deutsch, desgleichen über Antrag des Herrn Bundesstaatlichen Fürsorgerat Adolf S o b e 1 die Herren Salomon W e i n i g e r. Ignatz Grünwald und Emil Fanto zu Ehrenmitgliedern des Vereines gewählt, nachdem schon seit 1910 die Herren Dr. M. Rosen mann und Gabriel Dukes. Ehrenmitglieder des Vereines sind. — In den neuen Vorstand wurden die bewährten Herren: Hugo Deutsch, Obmann, Dr. Julius G r ü n w a 1 d, Obmannstellvertreter.

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