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Die Wahrheit · 1933-03-24 · Heft 12 (24.3.1933) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1933
Issue
Heft 12 (24.3.1933)
Date
1933-03-24
Page
– (sequence 3)
Language
German
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DIE WAHRHEIT Settel ehen ist, ergibt die Tatsache, daß im zweiten Halbjahr 1930 an rein jüdischen Ehen 1019 geschlossen wurden, an Mischehen aber 772; von rein jüdischen Eltern wurden 1127 Kinder geboren, aus Mischehen 284. So muß das Judentum binnen absehbarer Zeit bis auf geringe Reste verschwinden. Ernst Kahn in „Der internationale Geburtenstreik" rechnet, daß die heute auf etwa 537.000 zu veranschlagende Zahl der deutschen Juden 1940 auf 492.000, im Jahre 1950 auf 420.000, 1960 auf 341.000 und 1970 auf 264.000 gesunken ist. Von diesen 264.000 des Jahres 1970 wären außerdem 39 Prozent über 65 Jahre alt gegen heute 14 Prozent bei der jüdischen und 10 Prozent bei der Qesamtbevölkerung. Ein Ersatz dieses Schwundes durch Einwanderung von Ostjuden ist kaum anzunehmen, schon weil dieser Einwanderung von Deutschland aus erheblicher Widerstand entgegengesetzt würde, und dann auch, weil etwa einwanderungslus'tige Ostjuden wirtschaftlich günstigere Länder haben; und endlich, weil die Auswanderungslust der stark religiös eingestellten Ostjuden nach den „freieren" westlichen Ländern nicht allzu hoch veranschlagt werden darf. Das sind trübe Aussichten, weil das Schicksal der Juden das Schicksal des gesamten deutschen Volkes ist." Ernste finanzielle Lage der hebräischen Universität. Ein Interview mit dem Kanzler der Universität J. L. Magnes. In einem Interview mit dem Jerusalemer Vertreter der Jüdischen Telegraphen-Agentur, Boris Smolar, äußerte sich der Kanzler der Hebräischen Universität zu Jerusalem Dr. Judah Leon Magnes über Lage und Zukunft der Universität und erklärte, die Hebräische Utiversität habe heute finanziell sehr schwer zu kämpfen, ihre Kassen seien erschöpft Wenn nicht die Weltjudenheit in einem höheren Maße als bisher zu dem Budget der Universität beiträigt, so werde man sich sehr bald vor die Notwendigkeit gestellt sehen, eine Anzahl Abteilungen der Universität, wenn nicht gar die ganze Universität zu schließen. Obwohl die Universität, fuhr Dr. Magnes fort, eine Studentenschaft von nicht mehr als 200 jungen Männern und Frauen und einen akademischen und Forscherstab von nicht mehr als 60 Mitgliedern zähtt, hat sie bereits äußerst nützliche und erfolgreiche Forschungsarbeit, insbesondere in den Gesundheits- und naturwissenschaftlichen Disziplinen des Landes Palästina, geleistet. Die Universität wird ihre Tätigkeit wie bisher fortführen, sofern nicht die Zuschüsse zu dem Budget unter das Minimum der Erhaltungskcsten sinkeni. Die Universität verfügt über sehr wenige Stiftungen und ist fast ganz auf jährliche Zuschüsse von Körperschaften und Persönlichkeiten angewiesen. Zu Ende des akademischen Jahres 1928/29 betrug das Universitätsbudget etwas mehr als 50.000 Pfund. Auf der Tagung des Kuratoriums der Universität in Zürich im August 1929 wurde ein Budget von 70.000 Pfund festgesetzt, wobei gleichzeitig ein regelrechter Ausbauplan für Forschung und Unterricht ausgearbeitet wurde. Der damalige Vorsitzende der Amerikanischen Freunde der Hebräischen Universität Felix M. Warburg wohnte der Tagung des Kuratoriums bei und billigte die gefaßten Beschlüsse. Ich sollte nach Amerika gehen, um die notwendigen Gelder aufzubringen. Als aber dann, im Herbst 1929. die Unruhen in Palästina ausbrachen, verzichtete ich auf die Amerika-Reise und kehrte nach Jerusalem zurück. Seit jener Zeit mußte das Budget der Universität fast von Monat zu Monat herabgesetzt werden. Gehälter und andere Ausgaben wurden reduziert, gewisse Ausgaben ganz gestrichen, das technische Personal wurde vermindert, die Arbeitsbudgets der verschiedenen Forschungsabteilungen wurden auf ein Minimum gesetzt, neue Bücher wurden nicht angeschafft, Zeitschriften wurden nicht abonniert, der Bibliotheksdienst wurde eingeschränkt, auch sonst wurden alle möglichen Mittel zur Erzielung von Erparnissen angewandt. Das Budget der Universität für das laufende Jahr bewegt sich zwischen 37.000 und 38.000 Pfund, und es bestehen Zweifel, ob dieser Betrag wird aufgebracht werden können. Bei allen diesen Budget- und Ausgabenkürzuragen ging eine ständige Erweiterung der Unterrichtstätigkeit vor sich. Die Fakultät für klassische Sprachen und Literaturen wurde errichte*, die systematischen Biologiiekurse sind jetzt schon im zweiten Jahrgang, auch die interne Organisation der Universität wurde vielfach ausgebaut und befestigt. Aber heute sind wir bei einem Punkt angelangt, wo die Auflösung einsetzen müsse, wenn nicht das so stark eingeschränkte Budget auf eine solide Basis gebracht wird. Bisher, sagte Dr. Magnes weiter, flössen 90% der Gelder für das Budget aus den Vereinigten Staaten. Das eben war der Fehler, daß man sich allzu ausschließlich auf die Mittel aus Amerika eingestellt hatte. Die Freunde der Universität in Amerika hören nicht auf in ihren Bemühungen, den Bestand der Universität zu sichern, aber es scheint ihnen nicht gelingen zu wollen, die Fonds, die sie versprochen hatten, wirklich aufzubringen. Wir sehen uns heute darum genötigt, an die Judenheit in allen übrigen Ländern der Welt und besonders an die palästinensischen Juden zu appellieren. Bisher haben die Juden Palästinas faktisch so gut wie nichts zu dem Budget der Universität beigetragen. Heute aber, wo die wirtschaftliche Lage des Jischuw sich gefestigt hat und in Palästina eine verhältnismäßige Prosperität herrscht, ist es Pflicht der palästinensischen Judenheit, der Universität zu Hilfe zu kommen. Dazu kommt, daß ein enger Kontakt zwischen Universität 'und Jischuw sich als absolut nötwendig erwiesen hat. Eben dies sind die beiden Faktoren, mit denen sich die pro-Universitäts- Tagungen in Jerusalem und Tel Awiw zu befassen haben. Streng rituell... wird Kunerol erzeugt,in modernen,appetitlich reinen Anlagen, die vom Publikum jederzeit besichtigt werden können. Kunerol ist garantiert reines, 100%iges Pflanzenfett Seine besonderen Vorzüge sind: Großer Nährwert, leichte Verdaulichkeit und lange Haltbarkeit Kunerol wird unter ständiger Aufsicht des Herrn Bezirksrabbiners S. Ehrenfeld zu Mattersburg hergestellt KUNEROL 100% REINES KOKOS NUSS FEIT Nach deutschem Muster. Die unter Leitung von Prof. A. Cuza stehende antisemitische „Liga für national-christliche Verteidigung" und die cuzistische Presse versuchen, die Nachrichten über Maßnahmen des neuen politischen Kurses in Deutschland propagandistisch auszuwerten. Gleichzeitig haben die Cuzisten in der Kammer und — zum ersten Male — auch im Senat mit einer antisemitischen Offensive eingesetzt, die diesmal unter 'dlem Deckmantel einer „Abwehr der kommunistischen Gefahr" geführt wird. Der cuzistische Senator Iuliu Mumuianu forderte, daß die vorgeschlagenen verschärften Bestimmungen des Gesetzes zum Schutz des Staates (Lex Marzescu) nur gegen die Kommunisten angewandt werden. Er identifizierte in seinen Ausführungen Judentum mit Kommunismus, dessen theoretische Grundlagen von den „Jidani" Marx und Engels geschaffen worden seien. In die Kommunistenprozesse in Rumänien seien nur Juden verwickelt. Ihm trat der Vertreter des jüdischen Kultus. Senator Dr. I. Niemiro wer, energisch entgegen und stellte fest, daß das Treiben der Cuzisten in Rumänien schlimmer sei als das der Kommunisten, die sich keineswegs bloß aius den jüdischen Reihen rekrutieren. Auch der Vorsitzende, Senatsvizepräsictent Georoceanu, protestierte gegen die Beschimpfung der jüdischen Bevölkerung durch Senator Mumuianu und wies die kränkende Bezeichnung „Jidani" als unparlamentarischen Ausdruck zurück. In der Kammer wurde Prof. A. C. Cuza seitens dies Sprechers der liberalen Partei Victor I a m a n d i neuerdings eine schwere Abfuhr zuteil. Nachdem Cuza in einer Interpellation über die kommunistische Propaganda an den Hochschulen versucht hatte, die vor kurzem vom Abgeordneten Iamandi kritisierten Maßnahmen gegen die jüdischen Studenten in Jassy zu rechtfertigen, kündigte der jüdische Abgeordnete Michael Landau seinerseits eine Interpellation über die unerträgliche Lage der jüdischen Studentenschaft an den rumänischen Hochschulen an. Iamandi hielt eine großangelegte! Rede, in der er die verhetzende Tätigkeit der Cuzisten im allgemeinen undl das persönliche Wirken Cuzas im besonderen einer vernichtenden Kritik unterzog. Auch wandte er sich scharf gegen die Art der Behandlung der verhafteten jüdischen Studenten und Studentinnen im Jassyer Polizeigefängnis. Den im Namen der sich zur Regierungsübemahme rüstenden Liberalen abgegebenen Erklärungen Iamandüs kommt hohe politische Bedeutung zu. Die erdrückende Mehrheit des rumänischen Parlaments hat sich in letzter Zeit durch Erklärungen von Führern der großen Parteien entschieden gegen die antisemitische Haßpropaganda ausgesprochen. „Sowjetjudäa." Unter der Beschuldigung, einer gegenrevolutionären Organisation von „Saboteuren" anzugehören, die angeblich das Ziel verfolgt, die russische landwirtschaftliche Arbeit zu behindern, um Hungersnot und Unzufriedenheit unter den Massen hervorzurufen, wurden in Moskau 35 Beamte des Ministeriums für Kollektivisierung von der Ogpu (Politische Polizei) zum Todte verurteilt und hingerichtet und 40 Beamte zu 10, bzw. 8 Jahren Gefängnis verurteilt. Unter den Hingerichteten befinden sich 3 Juden, darunter Moses Wolf, einer der Schöpfer des Kollektivisierungsplanes. Unter den zu Gefängnisstrafen Verurteilten befinden sich 6 Juden. * Das Attentat auf Esriel Carlebach aufgeklärt Die Zweitausend-Mark-Prämie, die das „Israelitische F a m i 1 i e n b I a 11" für die Aufklärung des Attentats gegen Esriel Carlebach ausgesetzt hatte, führte schon in den ersten Tagen nach ihrer Ausschreibung dazu, daß der Staatsanwaltschaft Angaben über die Vorbereitung des Anschlages gemacht wurden. Nach ihnen ist der Ueberfall auf Carlebach im Kreise der Beteiligten schon Wochen vorher besprochen und später durch zwei Waffen besitzende Mitglieder ausgeführt worden. Am Tage nach der Tat veranstaltete man dann für die beiden eine Kollekte, um ihnen die Reise ins Ausland' zu ermöglichen. Sie sind noch am gleichen Abend über die deutsche Grenze gegangen. Bei beiden Beteiligten handelt es* sich um etwa zwanzigjährige Juden ausländischer Staatszugehörigkeit, die noch nicht tainge in Hamburg wohnhaft waren. Ihre Mitgliedschaft zur kommunistischen Partei ist nicht einwandfrei erwiesen; festgestellt wurde lediglich, daß sie linksradikalen Organisationen — so dem „Bund zur Bekämpfung des Faschismus" — aktiv angehören und daß sich ihr Angriff gegen Carlebach als dien „Rußlandhetzer" richtete. Der Beginn ihrer Aktion fiel zusammen mit dem Erscheinen des „Sowjetjudäa"-Berichtes des Aufsatzes über die „Dollar-Erpressungen der G.P.U.", der Veröffentlichung eines Gegenartikels „Israelitische Schauermärchen" in einer Berliner kommunistischen Tageszeitung und der Verbreitung eines Flugblattes Hamburger Kommunisten.

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