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Die Wahrheit · 1933-03-17 · Heft 11 (17.3.1933) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1933
Issue
Heft 11 (17.3.1933)
Date
1933-03-17
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 DIE WAHRHEIT XR1HA # Erst SCH | 1EN Sie sich das Lager an, Dann ST / \ I INEN Sie über meine Preise Und KllwFEN Sie bestimmt nur bei ALBERT BARTFELD, II., Hollandstraße 18, HBS Sämtliche Lebensmittel für Pessacb, Weine, Slibowitz fiDS bti? Streng separierte Abteilung f Union österreichischer Juden Jugend-Union_ Samstag, den 18. März 1933, in den Gesellschaftsräumen des Handelsmuseums, Wien IX., Berggasse 16 PURIM- MASKENFEST mit vorangehender Akademie Mitwirkende der Akademie: Else Kaufmann, Oberkantor S. Postolow, Herbert Weiss, I.Bassist der Wr. Volksoper, David G r U nschlag, Violine, Lola Berg er, Tanz, Kurt Dixon, internat. Chansons, Lizzy Götzlinger, Conference und Solo, u. a. Jazz: Prof. Bernhard Wolfsthal Saaleröffnung 7 Uhr abends Beginn der Akademie V28 Uhr abends. Beginn des Maskenfestes 10 Uhr abends. Ende 2 Uhr früh. Eintritt S 3.— Jugendkarte S 2.50 Aviso für das Maskenfest: Kostümierung erwünscht Damen Maskenzwang! 1 hob SdioKoiaden und cocoo r>DD bv nur in bester Qualität Brünauer G.m.b.n. XII., noHmelstera 10 ~ESm. erzeugt unter strenger Aufsicht t-^M^ Sr. Ehrw. Herrn Rabbiner H. SC HENK (Talmud-Thora) Die amerikanische Bankenkrise und Palästina. Mehrere hundert jüdische Touristen aus Amerika, die gerade in diesen Tagen in Palästina eintrafen, wurden von der gegenwärtigen amerikanischen Finanzkrise schwer betroffen, da die palästinensischen Banken amerikanische Schecks nicht honorieren und auch nicht zum Inkasso übernehmen. Man befürchtet, daß die amerikanische Finanzkrisis das palästinensische Kolonisationswerk insofern empfindlich treffen könnte, als das Verbot der Geldausfuhr aus Amerika die Einwanderung von zahlreichen Personen der Kapitalistenklasse, die bereits ihre Uebersdedlung nach Palästina vorbereitet hatten, sowie sonstige amerikanische Investierungen in Palästina verhindern könnte. Ferner haben viele Unternehmungen in Palästina leitende amerikanische Kapitalisten noch ihre Kapitalien in den Vereinigten Staaten und können sie bis auf weiteres nicht herausziehen. Laut amtlicher Statistik lebten im Sommer 1932 3313 amerikanische Bürger, hauptsächlich Juden, in Palästina. Diese Zahl hat sich inzwischen erhöht. Budapest Bela Komjadi, der Meister des ungarischen Sportes, der insbesondere den ungarischen Schwimmerverband auf vielen internationalen Konkurrenzen zum Siege führte, ist von) der gesamten ungarischen Sportwelt betrauert, in diesen Tagen verstorben.- Bela Komjadi hatte sich als Offizier im Kriege mehrfach ausgezeichnet und ist Besätzer höchster Tapferkeitsmedaillen. Er führte den Titel Regierungsrat und war Mitglied des Munizipalausschusses. Die Pester israelitische Religionsgemeinde erließ aus Anlaß des Ablebens Komjadis eine Kundgebung. Der Präsident des Ungarischen Schwimmerverbandes, Nikolaus v. H o r t h y jun., Sohn des Reichsverwesers, sprach der Chewra Kadischa den wärmsten Dank dafür aus, daß sie dem „großen Toten des ungarischen Sports" ein Ehrengrab gewidmet hat Beileidskiindgebungen sandten der Chef der Kabinettskanzlei Dr. Vertesy im Auftrage des Reichsverwesers Nikolaus v. Horthy — der Reichsverweser nennt Komjadi: einen „selbstlosen Kämpfer des ungarischen Sports, der dem uns arischen Namen so viel Ehre eingebracht hat" —, Erzherzog Albrecht, Kultusminister Dr. Homan, viele in- und ausländische Verbände und politische Parteien. Viele tausende Personen gaben Bela Komjadi das Geleit Der Trauerfeier auf dem jüdischen Friedhof wohnten Erzherzog Albrecht Oberbürgermeister Doktor Huszar, Bürgermeister Dr. Sitöcz und Vizebürgermeister Uber bei. Rabbiner Dr. Franz Hevesi hielt die Trauerrede, woraufhin Nikolaus v. Horthy jun. Komjadis Sportpersönlichkeit würdigte und sagte: Wir alle in diesem verstümmelten Vaterlande haben die ungeheure Energie und die Selbstlosigkeit des Kriegs- und Friedenshelden Bela Komjadi bewundert. Auf dem Schlachtfelde und im Sportsleben hat Komjadi für das Vaterland gekämpft, im Dienste des Vaterlandes hat er sechs schwere Wunden empfangen und immer wieder seini Leben für das Vaterland aufs Spiel gesetzt Es sprachen dann noch die Reichstagsabgeordneten Dr. Homonnay und Doktor Rassay. Rassay sagte: „In unserer Phantasie sehen wir die ungarische Trikolore, die durch die Arbeit Komjadis in allen Ländern am Siegesmaste hochging und wie eine Trauermusik Hingt in den Sphären die ungarische Nationalhymne, die so oft auch jenseits des Ozeans, zum Zeichen der Komjadi-Triumphe ertönte, kündend unseren Willen und unser Recht zur Auferstehung." Der Trauerfeier wohnten auch der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Hofrat Samuel Stern und die Präsidenten und Vizepräsidenten sämtlicher Sportvereine bei. Diebe in 'der Grabeshöhle zu Hebron. Diebe suchten die Grabeshölüe zu Hebron (Meorath Hamachpeah) heim, in der nach der Tradition die Grabstätten der Erzväter und Erzmütter sich befinden und die von moslemitischen Geistlichen bewacht wird. Die Diebe entwendeten Gegenstände von großem Werte, so u. a. 15 Teppiche vom Grabe Abrahams. Silberleuchter vom Grabe Isaacs und verschiedene uralte Schriften. Auch ein Teil vom Grabstein Abrahams wurde von den Dieben mitgenommen. Rom. Hier verstarb im Alter von 81 Jahren der hervorragende jüdisch-italienische Komponist und Musiktheoretiker Tomaso Montefiore. Seine große Oper „Cecilia" hatte großen Erfolg auf der internationalen Bühne, auch einige andere seiner Opern wurden erfolgreich aufgeführt Er war Mitglied des Musikinsiituts von Florenz und Mitglied der berühmten „Accademia di S. Cecilia". Seine Bücher über Musik fanden auch außerhalb Italiens große Beachtung. Er gehörte der Familie von Sir Moses Montefiore an. Komitee für jüdische Interessen in Holland. Im Hinblick auf die in Europa und auch in Holland eingetretenen außerordentlichen Verhältnisse, namentlich was das Anwachsen des Antisemitismus betrifft, ist in diesen Tagen in Amsterdam ein Komitee zur Wahrnehmung jüdischer Interessen gebildet worden. Vorsitzender dieses Komitees ist der Präsident der aschkenasisch-jüdischen Gemeinde Hollands A. Asscher, als Sekretär fungiert Prof. Dr. D. Cohen, Mitglieder des Komitees sind ferner Dr. L. E. Visser, Prof. Dr. A. C. Josephus Jitta umd Senator S. van den Bergh jr. Bologna. Professor Ermanno Lövinson, Direktor des Staatsarchivs, ist vom König von Italien auf Vorschlag des Ministerpräsidenten zum Ritter des Verdienstordens ernannt worden. Prof. Lövison ist bereits Kommandeur des Ordens der italienischen Krone. Der hervorragende Gelehrte, Verfasser des bekannten Werkes „Roma I s r a e 1 i t i c a" stammt aus Berlin und ist ein Bruder der anerkannten Rezitatorin Johanna Meyer-Lövinson und der verstorbenen bekannten ist in diesen Tagen in Amsterdam ein Komitee zur Philanthropin Henriette May. London. Dr. Alfred E i c h h o 1 z, bis zu seiner Pensionierung im Jahre 1930 medizinischer Chefinspektor des staatlichen Erziehungsausschusses, ist nach kurzer Krankheit im Alter von 64 Jahren gestorben. Er war ein Schwiegersohn des verstorbenen Oberrabbiners Dr. Hermann Adler und nahm an den Angelegenheiten der englischen Judenheit starken Anteil. Er war Vorsitzender des Zentralkomitees für jüdisches Erziehungswesen, Vizepräsident des Jüdischen Religiösen Erziehungsausschusses und Vizepräsident der Organisation für jüdischen Gesundheitsschutz in England (OSE). Gemeinde - thronik Amsterdam. Die Kronprinzessin von Holland, J u 1 i a n a, hat an die Haager jüdische philanthropische Gesellschaft „Hilfe in der Not" ein Schreiben gerichtet, in dem sie dieser Gesellschaft für ihr Wirken, das sie persönlich beobachten konnte, hohe Anerkennung ausspricht und bekanntgibt, daß sie aus ihrer Privat Schatulle der Gesellschaft eine Geldsumme zugehen läßt. London. Chief Rabbi Dr. Joseph Hermann Hertz beging vor kurzem das 20jährige Jubiläum als Oberrabbiner des britischen Reiches (Chief Rabbi of the United Hebrew Congregations of the British Empire).. Er wurde am 25. September 1872 zu Rebrin in der heutigen Tschechoslowakei als Sohn des Rabbiners Simeon Hertz geboren, kam in jugendlichem Alter nach den Vereinigten Staaten, wo er Rabbinerämter bekleidete, ging dann nach Johannisburg (Südafrika), wo er die jüdische Gemeindevertretung organisierte und als Professor der Philosophie am „Transvaal-University-College" fungierte. Am 16. Februar 1913 wurde er als Nachfolger von Dr. Hermann Adler zum Chief Rabbi des britischen Reiches gewählt. Er ist ein hervorragender Kanzelredner und Schriftsteller und veröffentlichte eine Reihe grundlegender Schriften über Judentum. Im Gesamtleben der englischen Juden nimmt er eine maßgebende Stellung ein. New-York. Im 84. Lebensjahre verstarb in Cincinnati Leo Wise, Sohn des Begründers des Reformjudentums in Amerika Rabbi Isaac M. Wise. 30 Jahre lang war Leo Wise Herausgeber und Chefredakteur des von seinem Vater begründeten „American Israelite". Traurige Lage der Synagogen Amerikas. In der 18. Jahres-Konvention der Union orthodoxer jüdischer Kongregationen Amerikas, an der etwa 500 Delegierte teilnahmen, stellte Rabbi Herbert S. Goldstein in seiner Eröffnungsrede fest, daß die Lage der Synagogen in Amerika eine außerordentlich traurige ist. Ganze Gemeinden treiben einer geistigen Leere zu. Talmud Torah-Scbulen sind infolge der Wirtschaftslage gezwungen, zwei und drei Klassen zu einer einzigen zusammenzulegen. Rabbi Goldstein schlug dieEinführungeinerSteuerin Höhe von einem Dollar jährlich auf jeden Inhaber eines Synagogensitzes in den 3000 orthodoxen jüdischen Kongregationen der Vereinigten Staaten vor. Es würde bei Durchführung der Steuer mit einem Eingang von 1,200.000 Dollar zu rechnen sein. Diese Summe würde genügen, um der wirtschaftlichen Not der jüdischen religiösen Institutionen abzuhelfen. Auch andere Redner klagten über den Niedergang religiöser Institutionen infolge der schlechten Wirtschaftslage und berichteten, daß in allen Gemeinden die Gehälter der Rabbiner und religiösen Lehrer wiederholt gekürzt wurden und daß in sehr vielen Gemeinden auch die gekürzten Gehälter nicht zur Auszahlung gelangen. Gedenkgottesdienste anläßlich des deutschen Volks- . trauertages. Von den zahlreichen Gedenkgottesdfensten, die am vergangenen Freitag und Samstag anläßlich des Volkstrauertases von der Berliner Jüdischen Gemefnde veranstaltet wurden, verdient die Freitagabend-Feier in der Synagoge Prinzregentenstraße besondere Beachtung. Während die Gemeinde bereits im Gotteshaus versammelt war, wurden unter Orgelklängen die Abordnungen zahlreicher Vereinigungen hineingeleitet. Zuerst kamen die Vertreter des zum Reichskriegerbund Kyffhäuser gehörenden Krieger- und Landwehrvereins Berlin-Wilmersdorf und des Kriegervereins „Kameradschaft" Berlin-Wilmersdorf. Es folgten die Fahnen des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten, geleitet von zwei ehemaligen Frontoffizieren, die neben zahlreichen anderen Kriegsauszeichnungen das Eiserne Kreuz Erster Klasse trugen. In langem Zuge schlössen sich ihnen die Kameraden des R. j. F. an, darunter viele Kriegsbeschädigte. Kaum einer, der nicht eine oder mehrere Kriegsauszeichnunigien aufweisen konnte. Andere Abordnungen von Militärvereinen mit Fahnen folgten, zum Schluß in studentischem Wichs die Chargierten der akademischen Verbindungen mit ihren Fahnen. Die Fahnenabordnungen nahmen rings um den Altar Aufstellung. Rabbiner Dr. S w a r s e n s k y, der über das Wort „Friede, Friede und doch nirgends Friede" sprach, gedachte der Opfer, die auch die deutschen Juden im Weltkriege gebracht hatten. Er sprach die Hoffnung aus, daß die Welle des Hasses, die jetzt in Deutschland über die dahinfegt, die an der Front Schulter an Schulter als Kameraden neben Kameraden gestanden hatten, bald verschwinden und wirklicher Friede alle Glieder des deutschen Volkes umschlingen möge. Die Fahnen und die Schläger der Chargierten senkten sich, die Kameraden Dr. S. London und Adolf Philippsborn vom Vorstand des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten hielten die Thorarolle empor, während Oberkantor Friedmann das „El Moleh Rachamim"- Gebet für die Gefallenen sprach. Mft Kaddisch-Gebet und Chorgesang klang die erhebende Feier aus, die auf alle Anwsenden, besonders aber auf die Nichtjuden, ungeheuren Eindruck machte. Bukarest. Während einer Geschäftsreise ist der ehemalige Senator und Generaldirektor der Großbank Banca Moldova, Willy Dinner man, im Alter von 58 Jahren in Wien einem Herzschlag erlegen. Der Verstorbene gehörte zu den bedeutendsten Wirtschaftsführern Rumäniens und war Mitglied des Obersten Wirtschaftsrates, eines beratenden Organs der Regierung. Auf jüdischem Gebiet betätigte er sich als Förderer verschiedener Wohlfahrtsinstätutionen. Die Bukarester Presse widmet Dinnerman ehrende Nachrufe und hebt insbesondere seine großzügige patriotische Wirksamkeit während des Krieges hervor, wo Dinnerman als Leiter der Banca Moldova in Jassy den Flüchtlingen aus den besetzten Gebieten Rumäniens durch weitherzige Kreditgewährung über die schwere Zeit hinweggeholfen hat.

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