Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1933
- Issue
- Heft 11 (17.3.1933)
- Date
- 1933-03-17
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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DIE WAHRHEIT Seite? ffinWMt Wien I., Seitenstettengasse 2, Tel. U 28-1-28 XI., Zentrallriedhof, nill den I. tw, Tel. U 18-0-85 Spezialhaus für Wolle und Strickgarne Moritz Nagel Wien, 2. Bez., Tatoorstraße Nr. 17 Fabriksniederlage. Wirku. Strickmoden. Telephon A 45-8-69 Chewra Kadischa I. Samstag, den 4. März 1. J. fand im Leopoldstädter Tempel die Gedächtnisfeier nach den im letzten Jahre verstorbenen Mitgliedern der Chewra Kadischa unter starker Beteiligung statt. Bei diesem Anlasse kam unter anderem in der Gedenkrede des amtierenden Rabbiners der Gedanke zum Ausdrucke, daß ein regelmäßiges Geben auch von kleineren Beträgen von größerem Idealismus zeige als das einmalige Spenden von großen Beträgen, die sich nicht wiederholen. Darum sei die Spende des Oeles für die heilige Lampe als besonders geboten hervorgehoben, weil immer wieder für frisches Oel gesorgt werden müsse. Mit diesem Gedanken sei die Erzählung von dem Propheten zu verbinden, der eine Mutter, der die Kinder als Schuldpfand genommen werden sollten, dadurch von ihren Sorgen befreite, daß alle herbeigebrachten Gefäße aus einem Krüglein Oel gefüllt werden konnten. Leider sei die Zeit solchen Wunders vorüber. Gar manche Mutter käme voll Verzweiflung zur Chewra Kadischa, weil sie ihre Kinder von Krankheit bedroht, den Ernährer ihres Hauses dem Elend preisgegeben wisse. Die heutige Zeit bringt gar viele Krüge voll Leid und Not zu den Schaltern der Chewra Kadischa; wie weh aber muß es dieser sein, wenn ihr die Mittel fehlen, selbst das härteste Elend zu mildern. Im abgelaufenen Jahre sind diesem altehrwürdigen Vereine, dessen Institution seit fast 1800 Jahren besteht, durch den Tod 60 Mitglieder genommen worden. Es gilt nicht nur für diese Ersatz zu suchen, sondern auch immer neue Mitglieder mit neuen Kräften zu schaffen. Trotz der Not der Zeit, trotz der beengten Lage gar mancher Wohltäter, muß es unter jeder Bedingung vermieden werden, daß die Chewra Kadischa eines Tages ihre Pforten schließe. Es werden sich gewiß noch Hunderte finden, die den verhältnismäßig kleinen Beitrag der Chewra Kadischa leisten können und dafür das schöne Bewußtsein mit sich nehmen dürfen, zum Fortbestehen der Chewra Kadischa das ihre getan zu haben. «Jüdisches Museum." Am Montag, den 6. d. M., fand die 24. Generalversammlung der Gesellschaft für Sammlung und Konservierung von Kunst- und historischen Kultusgemeinde. Herrn Generaloberstabsarzt Uniin den Räumen der Bnai Brith-Logen statt. Unter den Gästen sah man den früheren Präsidenten der Israelitischen Kultusgemeinde. Herrn Generaloberstabsarzt Universitätsprofessor Dr. Alois Pick, und das Kultusvorstandsmitglied Herrn Dr. Rudolf Glanz. Der Präsident der Gesellschaft, Hofrat Professor Dr. Salomori Frankfurter, erwähnte einleitend, daß infolge der Wirtschaftskrise sich die Zahl der Mitglieder im vergangenen Jahre 1932 stark vermindert habe, und gedachte derer, die der Gesellschaft durch den Tod entrissen wurden. Hierauf besprach Hofrat Frankfurter die triste Lage, in der sich das Museum im Gegensatz zu seinen beiden Schwesterinstituten in Berlin und Budapest befindet. Ankäufe könnten wegen der schlechten Lage des Budgets überhaupt nicht mehr vorgenommen werden und die Vergrößerung der Sammlung erfolgte nur durch Geschenke. Die brennendste Frage sei jedoch die des Lokals, da der Verein „Talmud-Thora". in dessen Schulgebäude in der Malzgasse die Sammlungen ausgestellt sind, diese Lokalitäten der Gesellschaft gekündigt hat. Hofrat Frankfurter richtete daher an die Ku 11usgemeinde einen dringenden Appell, daß von dieser die Lokalfrage in einer zufriedenstellenden Weise gelöst werde. In das Kuratorium der Gesellschaft wurde Dr. Paul Steiner, der in früheren Jahren am Museum als Assistent gewirkt hatte, als II. Schriftführer gewählt. Hierauf hielt Universitätsprofessor Dr. W i 1 k e einen Vortrag über „Rituelle Tänze bei den alten Israeliten". Der Vortragende führte aus. daß der Tanz bei den alten Juden ebenso wie bei allen anderen Völkern eine große Bedeutung hatte und nicht selten sei bei ihm ein magischer oder religiöser Urgrund erkennbar. Man könne wie bei anderen Völkern bei den alten Israeliten Liebes-, Kriegs-. Vegetations- und Kulttänze unterscheiden. Für die Liebestänze charakteristisch sei der Tanz der Sulamithin im hohen Liede. Kriegstänze seien der Umgang um die Stadt Jericho, der Tanz Davids vor der Bundeslade und die von Frauen aufgeführten Siegestänze. Vegetationstänze seien der Hinktanz der Baalspropheten auf dem Berge Karmel (Eliasgeschichte in den Königsbüchern), die Prozession um den Altar am Sukkotfeste und der im Talmud erwähnte Fackeltanz im Tempelvorhofe gleichfalls am Sukkotfeste. endlich der turbulente Tanz, der noch heute in Palästina am Grabe des Tanaiten Rabbi Schimeon ben Jochai getanzt wird. Kulttänze sind die ekstatischen Tänze der Nabis (Propheten) und der Tanz um das Goldene Kalb. Alles in allem ergibt sich aus sachlichen und sprachlichen Inngft Wied&venöffmmg.^ Ich beehre mich allen meinen Bekannten und p. t. Gästen mitzuteilen, daß ich mein altrenommiertes Koscher-Restaarant M*\inCtPr u- Komädleng. 8 Oll Iget, //., Zlrkusaassa 10 wieder in eigene Regie übernommen habe und mich bemühen werde, stets die allerbesten Speisen und Getränke meinen geehrten Kunden zu verabreichen. Menü nach Wahl von S -.50, 1.20. 1.50, 1.80 und S 2—. — Puntigamer Biere und erstklassige Weine. dizien. daß im ältesten Israel jedes Fest ein Tanzfest war. und in den rituellen Tänzen der Chassidim lebt die alte Sitte bis zum heutigen Tage fort Hofrat Frankfurter dankte dem Vortragenden, den reicher Beifall lohnte, für seine überaus lehrreichen Ausführungen. Dr. Paul Steiner, Schriftführer der Gesellschaft. Personalnachricht. Jüngst beging Hofrat Prof. Dr. S. Frankfurter, der Direktor a. D. der Wiener Universitätsbibliothek, sein fünfzigjähriges Doktorjubiläum. Er erhielt aus diesem Anlaß, zu dem auch wir dem um das Judentum höchst verdienten Gelehrten die herzlichsten Glückwünsche entbieten, ein überaus herzliches Schreiben des Dekans der philosophischen Fakultät, des Ministers a. D. Professors Dr. Srbik. 60. Geburtstag. Samstag, den 18. d. M., feiert der langjährige Inspektor des Margaretoer Tempels, Herr David N e u m a n n, seinen 60. Geburtstag. Wiener-Neustadt In der konstituierenden Sitzung des neugewählten Kultusausschusses vom 12. Februar 1. J. hat der Kultussausschuß Wiener-Neustadt über Antrag des Herrn Jakob Jaul nachstehende Resolution einstimmig angenommen: Der Kultusausschuß schließt sich vollinhaltlich der Resolution an, die der Kultusvorstand Wien gegen den jüngsten Hirtenbrief des Bischofs von Linz beschlossen hat und begründet diesen Beschluß wie iolgt: Nicht genug damit, daß die Juden Oesterreichs ohnedies durch das rasche Anwachsen des Hakenkreuzlertums vieles über sich ergehen lassen mußten, platzte da plötzlich von einer Seite, von welcher man es am wenigsten erwartet hätte, eine Kundgebung herein, die geeignet ist das bißchen Wohlwollen, das wir noch bei einem Teile unserer andersgläubigen Mitbewohner genießen, uns zu nehmen. Eine Kundgebung, die von Unwahrheiten. Ungerechtigkeit und Verunglimpfung strotzt und die in versteckter Form gegen uns hetzt und einen Angrüf gegen die uns staatsgrundsätzlich gewährleisteten Rechte bildet. Dagegen hat der Ausschuß der Kultusgemeinde Wien in gemäßigter, sachlicher und würdiger Weise in einer Resolution nggienisdj.es Könißsllchl Seit vielenjahren dasa_erkannt beste tM^TOM Man achte auf die ges. gesch. Hark« „Hyglen. Königslicht" und Name Schulz Fabrik und Büro: Wien XIV., Braunhlrschengassse 3 Telephon R 33-1-87 Den allgemeinen Wünschen des konsumierenden Publikums Rechnung tragend, wird unter der Bezeichnung „Hygienisches Königslicht" Nummer 2 ein kleines Jahrzeitlicht in den Verkehr gebracht, das garantiert 24 Stunden brennt und sich Im Preise bedeutend billiger als das bisherige Nr. 1 stellt GROSSFLEISCHHAUEREI HEGM. KORNMEHL ■«■■«■■■■■■■■■■■■■■■■■i WIEN IX., BBROOASSB NR. 1» PlUALli XVIII., wAhrinoirstrass* n Telephon Nr. A 17-3-99 an d A 18-9-34 Uoterant für HallanaMte» AbteilungentarKoscherfleisch watar Aufsicht «es ehr«. Rabbinato« 4«r lar. Kultuagentaind» Wen» Sämtliche Fleischsorten von ausschließlieb Prima-Qualität zu den billigsten Marktpreisen Stellung genommen und es ist nur selbstverständlich, wenn sich die Kultusgemeinde Wiener-Neustadt als die zweitgrößte Stadt Niederöstcrrcichs dieser Verwahrung anschließt. Purimiest in Hollabrunn. Samstag, den 4. d. M., veranstaltete der rege Jüdische Qeselligkeitsverein ..Hollabrunn" zu wohltätigen Zwecken ein Purimfest. das einen glänzenden Verlauf nahm und auch einen nennenswerten Ertrag erzielte. Die Gäste, die von Hollabrunn und Umgebung, Mistelbach, Laa, Stockerau. Retz. Eggendorf, Sitzendorf. Znaim und anderen Ortschaften gekommen waren, verliehen ihrer Freude über den schönen Empfang Ausdruck, der ihnen zuteil wurde. Auch Wien hatte einige Gäste entsendet Um das Gelingen des Festes hatten sich vorwiegend Herr Kultusvorsteher Emil Skudetzky. dessen Kinder Edith und Ilse. Karl und Walter Skudetzky. die Familien Oskar Skudetzky. Häuser und Berger und Herr Dr. Glück verdient gemacht Vexeinmadmdkten. Leopoldstädter Tempelverein „Aeschel Awrohom*\ IL, Pazmanitengasse 6. Sonntag, den 19. d. M., halb 10 Uhr vormittags, findet im großen Bibelsaal des Tempelgebaudes die 57. ordentl. Generalversammlung statt. Wohltätigkeitsverein „Chaunen - Dal" XXI. Sonntag, den 19. d. M-, halb 11 Uhr vormittags, feiert der rührige Verein in Wien XXI., Holzmeistergasse 12, seine 25jährige Jubiläums-Generalversammlung, die durch eine Festansprache des Herrn Rabbiners Dr. M. Rosenmann eingeleitet wird. Die Jugend-Union gratuliert ihrem Obmann-Stellvertreter MAX MARK zu seiner Promotion zum Doktor der Rechte. Das Damenkoraitee des Ausspeisungsvereines ..Ohe! Rachel" (Präsidentin Frau Henriette Fuchs) veranstaltet am Sonntag, den 19. d. M.. 'A4 Uhr nachmittags, im Festsaal des Hotel Continental. IL, Taborstraße, eine Akademie mit Tanz. Es wirken u a mit: Konzertsängerin Frau Fleischmann-Königsiest. Opernsänger Dr. Max Hönig. Rezitatorin Frau Käthe v Gutmann. Hellerautänzerin Fräulein Trude Brod. die kleine Gerti Landau und als Conferencier Frau Lizzi Götzlinger. Ist es ein Wunder. daß Herr Nathan Brodetzky, der Eigentümer der Schmiedl-Mazzothfabrik in Floridsdorf, im jüdischen Wien einen so guten Namen hat, nicht nur wegen seines eminenten Wohltätigkeitssinnes, den er bei jeder Gelegenheit zum Wohle jüdischer Armen und Waisen bekundet? Nein, denn sein Unternehmen, das er seit mehr als 30 Jahren mit rühriger Umsicht führt, setzt bei jeder Besichtigung neuerlich in Staunen und Begeisterung. Da sind in seinem eigenen Hause schöne lichte Räume, in denen zu arbeiten ein wahres Vergnügen sein muß. Man erkennt das auch an der guten Stimmung der 60 Arbeiter und Arbeiterinnen, die unter der Aufsicht der vom Rabbinat der Wiener Kultusgemeinde beigestellten Maschgichim tätig sind. Man bewundert den Produktionsprozeß, wie aus dem in einer separaten Kammer auibewahrten Mehl durch Beimengung des den rituellen Bestimmungen entsprechenden Wassers (aus großen Kesseln entnommen) der Teig entsteht, der in einer amerikanischen Maschine geknetet wird. Und nun geht überhaupt alles amerikanisch, d. h. am laufenden Band. Auf einer großen Maschine wird der plattgedrückte Teig den gewünschten Formen entsprechend geschnitten und wandert in die gewaltige Heizanlage, wo in kürzester Zeit die fertige Mazze erscheint und in den geräumigen Versandraum kommt, um in alle Welt verschickt zu werden. Eine Neuerung stellt ein hygienischer Baderaum dar, der die Fürsorge des Firmeninhabers für seine Angestellten beweist. Und wie die Schmiedl-Mazzes heuer schmecken! Nicht nur die gewöhnlichen Mazzes, die in Wahrheit außergewöhulichu sind, auch die bekannte Spezialmarke „N. B.". das ist ein Hochgenuß wie auch der Grieß und die Farvel der Schmiedl-Fabrik diesmal besonders gut geraten sind.