Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1933
- Issue
- Heft 11 (17.3.1933)
- Date
- 1933-03-17
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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DIE WAHRHEIT Seite 3 ENORME AUSWAHL BILLIGSTE PREISE E p?P #5 U.*^* TEPPICHE VORHÄNGE MÖDELSTOFFE, DECHEN NUR I., BAUERNMARKT 12-14 laß gefunden hat, findet, wenn sie nun nach den Wahlen an die Arbeit geht, ein gewaltiges Maß von Aufgaben vor. Innerhalb dieses Stoffes nimmt, sollte man meinen, die Judenfrage einen ganz geringen Platz ein. Kulturmenschen werden es niemals begreifen, daß diese Frage, obwohl sie nicht aktuell ist, eine Lösung finden soll, die hart an Barbarei grenzt. Die Führer der englischen Judenheit über die Lage der Juden in Deutschland. Die Londoner „Times" veröffentlichen ein Schreiben des Präsidenten des Jewlsh Board of Deputies Neville Laski und des Präsidenten der Anglo-Jewish Association Leonard Q. Montefiore — beide sind gleichzeitig Präsidenten des Joint Foreign Committee — über die gegenwärtige Situation in Deutschland und die den Juden Deutschlands drohenden Gefahren, im dem es etwa heißt: Von allen jenen Bevölkerungsteilen, denen die Feindschaft der jetzigen Regierung gilt, sind die Juden zahlenmäßig bei weitem der schwächste. Besonderen Gefahren hinsichtlich der persönlichen Sicherheit sind die Juden in den Kleinstädten und in den Dörfern ausgesetzt. Seit Jahren sind die deutschen Juden Opfer eines Haßfeldzuges mittels Flugblätter, Zeitschriften, Tageszeitungen, sowie Reden in Versammlungen, deren Heftigkeit nicht ihresgleichen hat. Heute sind die Urheber dieses Haßfeldzuges verantwortlich für die Gesetze und die Ordnung in großen Gebieten Deutschlands, besonders in Preußen. Unter solchen Umständen ist die in jüdischen Kreisen außerhalb Deutschlands gehegte Besorgnis mit Bezug auf das Schicksal ihrer Glaubensbrüder in Deutschland ohne weiteres verständlich. In dieser Stunde bitterer Prüfung für ihre Glaubensbrüder in Deutschland glauben und vertrauen die Juden in der ganzen Welt, daß die öffentliche Meinung in allen Ländern, über die wahren Tatsachen aufgeklärt, den Gefährdeten die Unterstützung nicht versagen wird. Tl L LSR A. G,, WIEN VII., MarlahllferslraBe 22, Tel. B 33-5-14 Herren- und Damenkieider fertig und nach MaO, von der billigsten bi3 zur feinsten Austübreng Herrenmodeartikel u. Herrenwäsche Lieferantin der israelitischen Kultusgemeinde STEININDUSTRIE CARL BENEDICT Zentrale: III.. Rennweg 112, Tel. U iS-O-52 GRABSTEINLAGER: Zentralfriedhof, 3. Tor, Te!. U10-4-53 Die Aktionen gegen den Centrai-Verein. In einer zwischen dem Reichsminister Goering und dem Vorsitzenden des Central-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, Justizrat Dr. Julius Brodnitz, sowie dem Syndikus Dr. Alfred Wiener am 3. März stattgefundenen Aussprache wurde auch seitens des Ministers festgestellt, daß Beweise dafür, daß der Centrai-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens mit kommunistischen und staatsfeindlichen Bestrebungen zusammenhänge, nicht vorlägen. Reichsminister Goering erklärte ferner, die Sicherheit des .Lebens und des Eigentums der jüdischen Staatsbürger, die sich der Regierung gegenüber loyal verhalten, sei gesetzmäßig gewährleistet. (Eine ähnliche Erklärung hat bekanntlich P a p e n auch dem Korrespondenten des „Neuen Wiener Journals" gegeben.) Die Durchsuchung in den C.-V.-Büros in Berlin und im Reiche. Ueber die Durchsuchung von C.-V.-Büros wird vom Centrai-Verein u. a. mitgeteilt: Am Mittwoch, den 1. März, gegen 3 Uhr nachmittags, erschienen in der Berliner Hauptstelle des C.-V. mehrere Kriminalbeamte mit einer SA.-Abteilung. Die Polizei gab an, die Dringlichkeit der Bestellung eines Koffers durch einen Angestellten habe den Verdacht erregt, als geschähe irgend etwas, was mit mußte dem Strom in ihm gehorsam sein". Das ist idüe Naivität in diesem Reflexionsmenschen, ist die Jugend dieses Sechzigjährigen, dessen bis heute letzter Romlain der „Etzel Andiergast" war, das Buch über die werdende Generation. Ein Dichter von seiner Art ist ein Ethiker. Der ethische Sinn seiner Künstlerschaft ist von jeher sichtbar. Er war <es im „Caspar Hauser", den er interpretiert hat: „Das Menschenherz gegen die Welt, als ich diese Formel gefunden hatte, hoben sich die Schleier." Er war es im „Fall Maurizius", dem Roman der Schuld, der Strafe, des grausamen Justizapparats. Indem er sich erforscht, entdeckt er die unzerstörbare Idee der Gerechtigkeit. Sein Rechenschaftsbericht als der eines deutschen Juden führt auf sie zurück. Als er 1921 sich äußerte, sah er in der Zweiheit die Einheit, sah er in sich einen der Wegbereiter. „Daher glaube ich", war das Resultat, zu dem er gelangte, „daß im Abstand von den niedrigen Dingen das Geschwätz und dieir Geifer des Hasses unidl Unrechts ohnmächtig werden und die Missetaten sogar, die sie begehen, ihre Sühne finden". Zwölf Jahre später; und nun ist das Problem noch ungelöst. Ungelöst mit dem deutschen Problem unldl mit dem Europas. „Europäischer Geist ist eine unhaltbare Fiktion, Europa hat sich selbst aufgegeben; wie kann es uns tragen?" Und über Deutschland, das immerdar geliebte, an dem er in seinem tiefsten Wesen hängt: „Das schmerzt. Dieses wunderbare Land, dieses unvergleichliche Volk!" Nichts bleibt für Wassermann, den dleutschen Dichter, als der Idee der Gerechtigkeit treu zu sein, nichts als das Streben nach Gleichgewicht, nichts als die trauernde Hoffnung. In- und ausl. Modenenheiten SEIDE En gros En detail SANTE ™fSnÄ FRANZ NEUHANN, I., Concordiaplatz S kommunistischen Umtrieben im Zusammenhang stehe. Ferner wurde staatsfeindliches Material in einem Keülerraum des Vereines vermutet. Dieser wurde durchsucht. Dabei wurde ein altes, heute unbrauchbares, antinationalsozialistisches Flugblatt- und Broschüren-Material in kleinem Umfange gefunden, das aus dem Jahre 1930 stammte. Der Keller wurde versiegelt. Der Syndikus des Central-Vereins. Dr. Alfred Wiener, konnte der Polizei die nötigen Aufklärungen geben. Die Räume des Vereines blieben mehrere Stunden bis zum Eintreffen der politischen Polizei besetzt. Es fand eine Durchsuchung sämtlicher Räume statt, bei der nichts gefunden wurde, was für den Centrai-Verein belastend wäre. Die Polizei und die SA. rückten in später Stunde wieder ab. Nach der Durchsuchung der Berliner Zentrale fanden Durchsuchungen der Vereinsbüros in Frankfurt a. M. und in Erfurt statt Ebenso wurden bei verschiedenen Einzelpersonen, von denen man vermutete, sie ständen dem Centrai-Verein nahe, Haussuchungen abgehalten. Die Suche nach kommunistischem Material mußte natürlich ebenso ergebnislos sein wie die nach einer finanziellen. Beziehjung zu kommunistischen Organisationen. Am Sonntag, den 5. März, fanden in allen thüringischen Orten ebenso ergebnislose Haussuchungen bei früheren C.-V.- Persönlichkeiten statt. Sie stehen natürlich im engsten Zusammenhang mit dem Sonntag abends erfolgten Verbot des Centrai-Vereins in Thüringen. Der Centrai-Verein und das Ausland. Der Centrai-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens nimmt zu dem Centrai-Verein- Verbot in Thüringen und der Erklärung des thüringischen Ministeriums des Innern, sowie zu Ausführungen in der nationalsozialistischen Presse, in der von der Wirkung der Centrai-Verein-Arbeit auf das Ausland die Rede ist, unter anderem wie folgt Stellung: Der Centrai-Verein hat die Fragen des deutschen Judentums stets als inner-deutsche Angelegenheiten aufgefaßt. Das entspricht ebensosehr seinen ideologischen Voraussetzungen wie seiner praktischen Zielsetzung, die die Zukunft des deutschen Judentums in Deutschland und in der Verbindung mit der deutschen Volksgemeinschaft sieht. Die Korrespondenten der großen ausländischen Zeitungen haben in den letzten Jahren wiederholt bei der Beobachtung der deutschen Verhältnisse Vorgänge wahrnehmen müssen, die sich gegen eine bestimmte Gruppe deutscher Bürger richteten, aus dem hauptsächlichen Grunde, weil sie dem Judentum angehören. Das fiel ihnen auf und darüber berichteten sie. Sic lasen die deutsche Preise, insbesondere die nationalsozialistische, und fanden darin zahlreiche Artikel, die in mehr oder weniger verhüllten Formen zu Gewalttätigkeiten gegen diese jüdischen Bürger aufforderten. Sie beobachteten das Straßenbild, sahen gelegentlich Exzesse gegen diese iüdischen Bürger und hörten Marschlieder singen, Broschürentitel ausschreien und Zeitungsüberschriften ausrufen, in denen schwere Beschimpfungen und Bedrohungen des deutschen Judentums enthalten waren. Auch das fiel den Korrespondenten auf, und es war ihre Journalistenpflicht, darüber ihren Zeitungen zu berichten. Und nun macheu gerade diejenigen Zeitungen, die den ausländischen Berichterstattern die Unterlagen für ihre Nachrichten lieferten, dem deutschen Judentum den Vorwurf, es setze das deutsche Ansehen im Auslande herab. Und bedauerlicherweise hat sich die Regierung des Landes Thüringen dieser Beweisführung mit der besonderen Hervorhebung eines Verschuldens des Centrai-Vereines angeschlossen. Wir können vor aller Welt den Nachweis liefern, daß das Gegenteil der Voraussetzungen vorliegt, welche die thüringische Regierung zu ihrem Schritte veranlaßt haben. Immer dann, wenn eine Zuspitzung der deutschen innerpolitischen Verhältnisse zu Alarmnachrichten der Auslandspresse und daran anschließend zu Rückfragen von ausländischen Freunden und Organisationen beim Central-Verein führte, hat der Central-Verein geantwortet, daß es sich um vereinzelte Exzesse handele, daß die deutsche Volksstimmung zwar mehr und mehr judenfeindlich würde, daß aber die Behörden des Reiches und der Länder ihre Machtmittel nach unserer Ueberzeugung stets auch für die Atifrechterhaltung von Ruhe und Sicherheit der deutschen Juden einsetzen; man habe in einem Kulturvolke wie dem deutschen balkanische oder osteuropäische Zustände nicht zu befürchten. So warnten wir auch in unseren Blättern davor, lediglich um der Sensation willen im Auslände entstellte und dem deutschen Ansehen schädliche Gerüchte und Berichte zu verbreiten. Wir sind überzeugt, daß die Erregung, die mit den Wahlkämpfen und dem Wahltage selbst verbunden war, bald abklingen wird. Damit würde auch für die objektive ausländische Berichterstattung jede sachliche Grundlage fortfallen, beunruhigende Mitteilungen an ihre Zeitungen weiterzugeben. Auch für die jüdische Oeffentüchkeit außerhalb Deutschlands wird, wie wir hoffen, ^ehr bald die Möglichkeit gegeben sein, sich über das Schicksal der deutschen Juden, mit denen sie sich in den Stunden ihrer Gefährdung verbunden fühlte, zu beruhten. Hierzu kann das deutsche Judentum fast gar nichts, die nationalsozialistische Presse alles tun. Ghetto. Revision eines Fehlurteils. Von Reg.-Baumeister Dr. Ing. R. Oppenheim, Berlin. Niemand von uns ist von dem Gedanken frei, unter dem Ghetto der vergangenen Jahrhunderte enge, freudlose Gassen zu verstehen, in denen eine bedrückte Bevölkerung zusammengepfercht armselig gehaust hat Es ist die Vorstellung, die eine sentimentale, unkritische Geschichtsschreibung geschaffen hat und die nie revidiert wurde, weil eine wissenschaftliche, systematische Forschung bis zu diesem Gebiet noch nicht vorgedrungen ist. Fehlen kenntnisreiche Untersuchungen auf fast allen Gebieten jüdisch-nichtreligiöser Lebenssphäre, so ganz besonders 5n dlem mit dem Bauwesen zusammenhängenden Bezirk: Es ist ein Glück, daß wenigstens die deutschen Synagogen und' rituellen Bäder vor kurzer Zeit zusammenhängend bearbeitet wurden — an die privaten Bauten ist bisher noch riSemand herangegangen. Und doch ist diese Untersuchung dringend nötig, weil sie endlich ein gerechtes Urteil an die Stelle eines Vor- und Fehlurteils setzen würde. Arbeiten auf anderem Gebiete zwangen mich zur Durchsicht der Akten des Wormser Ghettos. Sie sind in reicher Fülle vorhanden und sie vermögen mit ihren durch Jahrhu'Jerte reichenden Aufstellungen ein klares Bild des jeweiligen Zustandes und der Entwicklung zu zeichnen; die Häuser wurden in bestimmten Zeiträumen von Beauftragten der Stadt besichtigt und es wurden Bestandsaufnahmen gemacht. So ist die Bebauung der Judengasse, die Anzahl der Häuser und ihre Zeichen, die Zahl und Bestimmung der Räume, die der Bewohner, der Mitbewohner und der Bediensteten bekannt, und für bestimmte Zeitabschnitte sogar das Inventar der Häuser. Noch fehlen zwar