Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1933
- Issue
- Heft 10 (10.3.1933)
- Date
- 1933-03-10
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6 DIE WAHRHEH tum 1s" tob bv Sdiofcoiaflep wm cacoo noc nur in bester Qnoilf&t Brönaoer G.m.b.H. XII., B©«nieisiera 10 erzeugt unter strenger Aufsicht Sr. Ehry. Herrn Rabbiner H. SCHENK (Talinud-Thora) I Rabbi Josef Baumgarten 1 In der Nacht von vergangenem Freitag auf Samstag verstarb nach längerem Leiden der Rabbinats-Assessor der Adas Jisrocl. Rabbiner Josef Bau mg arten, tr war am 17. Adar 5624 in Kremsier in Mähren geboren und verbrachte seine Kindheit bei seinem Großvater, der Rabbinats-Assessor in Holleschau war. In jugendlichem Alter kam er auf die berühmte Jeschibah des Rabbiner Samuel Ehrenfeld in Markersdorf, wo er sehr rasch infolge seiner ungewöhnlichen Geistesgaben und der ganz hervorragenden persönlichen Eigenschaften der Lieblingsschüler des großen Rabbi wurde. Er war der Glanz der damaligen Jeschibah, und alle, die ihn damals kannten, sagten ihm seine glänzende Entwicklung voraus. Er heiratete die Tochter des Rabbinats-Assesors in Serdahely, des Schwagers des Mattersdorfer Gaon, und kam nach Wien, wo Rabbiner Salomon Spitzer s. A. die glänzende Begabung des jungen Mannes erkannte und seine Bestellung zum Dajan der Schiffschul veranlaßte. Zweiundvierzig Jahre bekleidete er diese Stelle. Während dieser Zeit arbeitete er unablässig an seiner Vervollkommnung. Durch seinen unermüdlichen Fleiß, durch seine heiße Liebe zur Thora war er bald ein Gelehrter von großem Format Seine strenge Selbstzucht führte ihn zu jener schönen Frömmigkeit, die sich damit nicht erschöpft, die formalen religiösen Vorschriften peinlichst genau und mit Begeisterung zu üben, die vielmehr auch bestrebt ist, ihren hohen ethischen Inhalt sozusagen zu verkörpern. Strengste Wahrhaftigkeit, gerade Charakterfestigkeit, Selbstlosigkeit und Hilfsbereitschaft gegen jedermann waren die Gruridzüge und Leitgedanken seiner Lebensführung. Die formalen Aufgaben seines Amtes waren ihm nicht genug. Er wußte durch das Beispiel seiner Lebensführung zu lehren; er nahm an den Sorgen und an der Not aller teil; wer ihn suchte, fand in ihm Tröster und Helfer. Er fand den Weg zum Herzen der Jungen und Alten. So streng er gegen sich war, so mild war er gegen andere. Seine Leutseligkeit und sein Wohlwollen zwang jeden in den Bann seiner Persönlichkeit So war es natürlich, daß er hier in Wien bei allen ohne Unterschied eine beispiellose Verehrung genoß und auch auswärts überall, wo jüdisches Leben und Denken gekannt wird, die größte Wertschätzung fand. Sein Heimgang läßt eine breite, klaffende Lücke zurück, die nicht leicht ausgefüllt werden kann. Die Wiener Judenschaft, insbesondere die Adas Jisroel, Schiffschul, hat einen unersetzlichen Verlust zu beklagen. * Das Leichenbegängnis fand Sonntag, den 7. Adar, statt Mit Rücksicht auf den Sabbath war eine entsprechende Verlautbarung nicht möglich. Nichtsdestoweniger hatte die traurige Nachricht die weiteste Verbreitung gefunden und eine nach Tausenden zählende Menschenmenge war zur Leichenfeier erschienen. Sie sammelte sich vor dem Trauerhause, bildete in den Straßen zur Schiffschul ein dichtes Spalier, die Synagoge war überfüllt. Unzählige Deputationen waren eingetroffen. Der Präsident der israelitischen Kultusgemeinde Doktor Desider Friedmann erschien, um das Beileid dem Vorstande der Schiffschul (Adas Jisroel) auszusprechen. In der Synagoge hatten sich als Trauergästc eingefunden die Großrabbiner aus Czortkow, Husyatin, Kopyczince, Sadagora, in Vertretung des Rabbinates der Wiener Israelitischen Kultusgemeinde die Herren Rabbiner Babad und Rabbiner Dr. Feuchtwang, die Gemeinderabbiner Dr. T a g 1 i c Ii t, Dr. R o s e n m a n n, die Vereinsrabbiner der Wiener Bethäuser Rabbiner Breuer, Benedikt, Blech, Flesch, Friedmann, Hager, Habermann, Neuwirt Dr. Pollak, Rubinstein, Schenk, ferner die hier weilenden Rabbiner Jeruchem, Hager, Günsberg u. v. a. Von auswärts waren erschienen Herr Oberrabbiner Schreiber aus Preßburg, Oberrabbiner Dr. Carlebach aus Baden, Rabbiner Schreiber, Neutra u. a. Der Vorstand der Wiener Kultusgemeinde war vertreten durch Vizepräsidenten Dr. Ornstein, Dr. Ticho, Dr. Feldsberg. Fast alle Wiener Bethäuser hatten Vertretungen entsendet Zahlreiche Vereine und Körperschaften hatten Deputationen geschickt ferner kamen Vertretungen auswärtiger Gemeinden, wie Preßburg, Neutra etc. Die zahlreichen hervorragenden Persönlichkeiten, die zu den Freunden und Verehrern des Verblichenen gehören, können namentlich nicht angeführt werden, es seien nur genannt die Herren Univ.-Prof. Heinrich Neuin ann, Prof. Kislcr. Dozent Bondi, Schrittsteller Chaim Bloch, Lipe T ü r k 1, Professor B aumgarten u. v. a. Im Trauerhause hielt der älteste Sohn dem Heimgegangenen einen Nachruf. Der Sarg wurde gehoben und von den Vorstehern der Schiffschul (Adas Jisroe!) in das Beth Hamidrasch durch das dichte Spalier der Trauergäste in die Schiffschul gebracht wo der Sarg an den Stufen der Bundeslade niedergestellt wurde. Herr Oberrabbiner Fürst hielt tiefersriüen die Gedenkrede, in der er das ideale Lebensbild seines Amiskoüegen schilderte. Nach ihm sprach der Sohn des Ver- Eln Darlmaesdieiib sind Redler-MöDei in Preis anÜ Qualität Giatie-ßeratung von erstklassigem Architekten Beamten Sic «e Adresse I., S<h»tte Dring Nr. Samstag eeschlossen 35 blichenen, der zu dessen Nachfolger erwählt wurde. Sodann würdigte Oberrabbiner Akiba Schreiber aus Preßburg die Bedeutung des Heimganges um die Gesamtheit des Judentums. Zum Schlüsse sagte der Obmann der Schiffschul (Adas Jisroel) Kommerzialrat Bondi tiefempfundene Worte des Dankes. Nach Vortrag des El mole rachamim durch Oberkantqr Braun wurde der Sarg gehoben und durch die Schiffgasse, Obere Dpnaustraße bis zur Ferdinahdsbrücke von Schülern des Verewigten getragen! gefolgt von einer unabsehbaren Menge von Leidtragenden. Dort würde der Sarg in den Wägen gehoben und auf den Friedhof nach Mattersburg gebracht auf welchem die vor 28 Jahren verstorbene Gattin und die großen Lehrer des Verblichenen Rabbi Samuel und Rabbi Benjamin Ehrenfeld ruhen. Ein Sonderzug führte viele hundert Trauernde hinaus. Um '^3 Uhr fand die Leichenfeier in Mattersburg statt. Auch dort hatten zahlreiche Trauergäste sich eingefunden, die Rabbiner aus Wiener-Neustadt Rabbiher Weiß aus Deutschkreatz, Grünwald und Goldmarin, Eisenstadt Schlesinger, Lackenbach, Kraus. Oedenberg, Posen, Vertretungen sämtlicher burgenländischer Gemeinden, Wiener-Neustadt Steinamanger, Papa, Raab etc. waren gekommen. Die Landeskanzlei der Orthodoxie hatte Herrn Klein und Dr. Deutsch als Vertreter entsendet. In dem Beth Hamidrasch, in dem der Talmudjünger Josef Baumgarten den Grund seiner Gelehrsamkeit gelegt hatte, feierte Oberrabbiner Ehrenfeld den großen Schüler seines Großvaters. Vor dem Friedhofe widmete Oberrabbiner Kraus aus Lackenbach tiefempfundene Worte der Erinnerung. Am offenen Grabe sprach noch der Vertreter der autonomen orthodoxen Gemeinde in Budapest Herr Markus Klein und namens der Verwandten und Schüler Herr Siegmund S t e r n aus Wien. Vor Einbruch der Nacht war die würdige Feier zu Ende. Man wußte es: man hatte von einem Großen in Israel, von einem edlen Menschen Abschied genommen. Seine Erinnerung bleibt bei uns lebendig. Gemeinde ~ €thronifc Berlin. Am 2. März besuchten Ministerialdirektor Dr. Trendelenburg und vier weitere höhere Beamte des preußischen Kultusmimsteräums das Museum der Jüdischen Gemeinde Berlin. Der Besuch geschah auf Grund der seraierzeMgen Einladung zur Eröffnung des Museums, der beizuwohnen Herr Ministerialdirektor Trendelenburg damals verhindert war. Die Herren vom Kultusministerium verbrachten etwa eineinhalb Stunden in den Räumen des Museums, wobei der zu ihrer Begrüßung erschienene Rabbiner Dr. Baeck und der Direktor des Museums Dr. Karl Schwarz die notwendigen Aufklärungen gaben. Dr. Trendelenbuxg und die übrigen Herren äußerten sich begeistert über die Einrichtung des Museums und den Reichtum an großen jüdischen Kunstwerken und antiken Wertgegenständen, die es beherbergt. New York. Hier verstarb Frau Therese Schiff, geb. Loeb, Witwe nach dem 1920 verstorbenen berühmten amerikanischen Finanzmann und jüdischen Philanthropen Jacob H. Schiff, der ein Nachkomme des Rabbi Meir, genannt „Maharam Schiff", war. Die Verstorbene hat an den großen sozialen Werken ihres Mannes innigen Anteil genommen und setzte diese auch nach dessen Ableben fort. Sie war die Tochter von Loeb, einem der Inhaber der großen New Yorker Bankfirma Kuhn Loeb & Co. Ihr Sohn, Mortimer L. Sclnff, ist ihr vor wenigen Jahren im Tode vorangegangen; ihre einzige Tochter. Frieda, ist die Gattin vom Felix M. W a r b u r g. Saloniki. Der Vorstand der Jüdischen Gemeinde Saloniki und das Salonikier Rabbinat haben einstimmig Rabbiner Dr. Zwi Hirsch Koretz aus Berlin zum Oberrabbiner von Saloniki gewählt Doktor Koretz hat die Wahl angenommen und wird demnächst mit seiner Familie definitiv nach Saloniki übersiedeln. Czernowitz. Der ehemalige Reichsrats- und Landtagsabgeordnete m Oesterreich und gewesene Deputierte in Rumänien, der frühere Kultuspräsident Dr. Benno Straucher, beklagt den Heimgang seiner unvergeßlichen Gattin, Frau Fanny Straucher, welche nach einer vierundfünfzigjährigen Ehe ins bessere Jenseits abberufen wurde. Wenn der bekannte Judenführer durch sein ausgezeichnetes Wirken für Juden und Judentum sich die Anerkennung und Anhänglichkeit seiner Glaubensgenossen errungen, so war die Verblichene durch ihre hervorragenden Tugenden, wie Edelmut, ilerzensgüte. Nächstenliebe, Opferwilligkeit und fromme Bescheidenheit geradezu gekrönt Die außergewöhnliche Beteiligung sowohl der jüdischen, wie auch der nichtjüdischen Bevölkerung von Czernowitz beim Leichenbegängnisse war dem greisen Judenführer der beste Beweis für die unbeschränkte Popularität und Wertschätzung, die er seitens der ganzen Stadt Czernowitz genießt. Freunde, Anhänger, Bekannte und politische Gegner, alle versammelten sich, um der Lebensgefährtin des verdienstvollen jüdischen Politikers das letzte Geleite zu geben und dem alten Dr. Straucher die Gefühle ihrer innigen Teilnahme zu bekunden. Restaurant Billett Bestranommierte Küche II., Hammer-Purgstallgasse Nr. 3 Union österreichischer Juden __Jugepä-Upiop Samstag, den 13. März 1933, in den Gesellschaftsräumen des Handelsmuseums, ,1 Wiep IX., Berggasse 16" PURIM- T mit vorangehender. Akademie Mitwirkende der Akademie: Else Kaufmann, Oberkantor S. Pöstolöw, Herbert Weiss, I.Bassist der Wr. Volksoper, Kurt Dlxon, Internat. Chansons, Lizzy Götzlinger, Conference und Solo, u. a. Jazz: Prof. Bernhard' Wo I fs'thal Saaleröffnung 7 Uhr abends Beginn der Akademie 728 Uhr abends. Beginn des Maskenfestes IGT Uhr abends! Ende 2 Uhr früh. Eintritt S 3.— Jugendkarte S 2.50 Aviso für das Maskenfest: Kostümierung erwünscht Damen Maskenzwang! I Trauerfeier. Am Sonntag, den 5. d. M., fand im Dr. K r ü g e r - H e i m unter überaus großer Beteiligung eine Trauerfeier für den kürzlich dahingeschiedenen Herrn Ober-Medizinalrat Dr. Krüger statt. Die Feier wurde stimmungsvoll durch den Trauermarsch von Chopin eingeleitet, den Herr Dr. Bendiener meisterhaft zum Vortrage brachte. Hierauf begrüßte die Vizepräsidentin Dr. Helene Stein die zahlreich erschienenen Delegationen und Persönlichkeiten und schilderte in bewegten Worten den Werdegang des Vereines, an dessen Gründung auch sie noch teilgenommen hatte, und all die großen Leistungen des verewigten Präsidenten. In einer großangelegten Rede hielt sodann Herr Rabbiner Dr. Joel Pollak dem Heimgegangenen einen würdigen Nachruf, in welchem er die großen, unvergänglichen Verdienste des dahingeschiedenen Präsidenten und Gründers des Vereines würdigte. Er schilderte auch, wie Frau Hermine K r ü g e r als Vizepräsidentin in aufopferungsvollster Weise durch mehr als zwei Jahrzehnte ihrem Gatten zur Seite gestanden. Namens der Schützlinge dankte ein Mädchen dem verstorbenen Präsidenten für alle seine Liebe und Güte. Mit tief ergreifenden, ja geradezu packenden Worten der Frau Dozent Landsberg, Leiterin der Beth Jacob-Schule, die namens des Lehrkörpers und der sonstigen Mitarbeiter sprach, schloß die würdige Feier. Es waren u. a. erschienen: Herr Bezirksvorsteher Max Berdiczower, für das Polizeikommissariat II. Bezirk Ober-Polizeirat Dr. Richter und Ober-Polizeikommissär Doktor N oß b e rg e r, für den Aerzte-Verein des II. Bezirkes Ober-Medizinal rat Dr. Carl Berdach, für den Kultusvorstand die Herren Dr. J. K1 aber und Direktor Dr. Paul Rauraann, ferner Herr Professor Dr. Alois Pick und viele Mitglieder und Gönner des Vereines, sowie Abordnungen zahlreicher karitativer und sonstiger jüdischer Vereine. Der Bethausverein „Chewra Beth Hatfilah" IX. (Müllnertempel) hielt Montag, den 6. d. M., unter Vorsitz seines verdienstvollen Obmannes Börserates I. Glück die 65. ordentliche Generalversammlung ab. Es waren u. a. erschienen namens der Kultusgemeinde Dr. J. T i c h o, ferner die Kultusvorsteher Dr. E. Feldsberg, Dr. H. Körner und Dr. L. Landau, zahlreiche Abordnungen von Tempel- und sonstigen Vereinen, ferner die Herren Komm.-Rat M. Reif, Oberverwalter Popper vom Versorgungshaus, Direktor Raschkes vom Spital u. v. a. Es war wohl eine Art Jubiläum, das der Verein da beging, aber zum Jubilieren fehlte wirklich jeder Anlaß, denn auch dieser Tempelverein leidet schwer unter der Wirtschaftskrise, die sein Budget trotz vielfacher Sparmaßnahmen passiv gestaltet. In diesem Sinne war der Bericht, den nach der Begrüßung durch den Vorsitzenden Herr Schriftführer Max E i s n e r erstattete, nicht sehr erfreulich zu nennen, dagegen gewährte restlose Befriedigung seine Schilderung des schönen Gottesdienstes, der vornehmlich den hervorragenden Leistungen der Funktionäre zu verdanken ist, und des erhebenden Jugendgottesdienstes, der jeden Samstag nachmittags bis auf das letzte Plätzchen, vielfach auch von Erwachsenen, besucht ist. Besonderen Eindruck machte die Rede des Vertreters der Kultusgemeinde Herrn Dr. J. T i c h o, der, ausgehend von der schweren wirtschaftlichen und seelischen Not, in der sich das Judentum derzeit befindet, die große Bedeutung des Gotteshauses hervorhob, das heute mehr denn je Trost und Erbauung den Gedrückten und Bedrängten bringen soll. Er lobte die zielbewußte Führung HHta i,J.