Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1933
- Issue
- Heft 10 (10.3.1933)
- Date
- 1933-03-10
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT Seite 5 ^■HHHMMMHBHB^Hl^^^B^^^HHHnB^^^^^^^^B^HaaMHBB Hägers Selchwaren-Restaurant Selchwaren aus der Fabrik Eisen & Hönigsber streng orth. tot (Unter Aufsicht der Adas - Jisroel - Schiffschal) Wien II., PraterslraBe 33, Telephon R-47-4-49 Hochzeiten und Banketts werden bestens arrangiert und Industrie in der vordersten Reihe der Kämpfer für die wirtschaftliche Entwicklung unseres Oesterreich. Wir haben aber auch nicht gefehlt auf dem Gebiete der Wissenschaften und Künste. Nennen wir Dichter, unserem Glauben angehörend, wie Schnitzlcr, Beer-Hofmann, Zweig, Wassermann, und viele andere, sie zählen zu den besten Namen unserer deutschen Literatur, die sie durch ihre Geistesarbeit unendlich bereichert haben. An unseren hohen Schulen lehrten und lehren viele Männer unseres Glaubens, deren Name in der Geschichte ihrer Wissenschaft fortleben wird; sie haben jedes Gebiet des menschlichen Wissens durch ihr geistiges Scharfen befruchtet. Auch die freien Künste verzeichnen manche Namen unserer. Glaubensangehörigen mit hohen Ehren. Die Juden Wiens begrüßten die durch das Toleranzpatertt festgesetzte neue Ordnung, welche für sie eine wesentliche Verbesserung ihrer bisherigen Rechtstellung und ihrer sozialen Lage brachte, mit Jubel und Begeisterung für den Schöpfer dieser für sie so segensvollen Verfügungen. Sie mußten die große Tat Josefs um so höher werten, als sie wohl wußten, welch starken Widerspruch die Reformabsichten des Kaisers auf Sefte ihrer zahlreichen Gegner gefunden hatten; aber das Gesetzgebungswerk Josef II. hat anderseits auch mannigfache Anerkennung von andersgläubigen Mitbürgern geerntet. Ein Ausdruck dieses Dankes ist in der Lokalgeschichte Wiens verewigt. In Kisch's Häuserverzeichnis Wiens lesen wir: „Eines schönen Tages wurden die Wiener überrascht und freuten sich sehr, weil die protestantische und die jüdische Gemeinde durch das Toleramzpatent viel gewonnen hatten." Vom dritten Stockwerke des Hauses in der Inneren Stadt, Fleischmarkt Nr. 10, damals 695. leuchteten ihnen nämlich die nachfolgenden Verse entgegen: Vergänglich ist dies Haus — doch Josefs Nachruf nie — Er gab uns Toleranz — Unsterblichkeit gab sie. Nach Gronau's „Wien wie es war" wurde dieses Haus im Jahre 1783 erbaut. Die Inschrift dürfte also wohl aus dem Jahre der Erbauung stammen. Der Erbauer dieses Hauses war Christian von Nako, der auf seine Kosten auch die gegenüberliegende griechische Kirche erbauen ließ; in ihrer gegenwärtigen Gestalt wurde diese Kirche unter Benützung der von Nako hergestellten Anlage im Jahre 1S58 von Theophil von Hansen, dem Schöpfer des Parlamentsgebäudes, errichtet. Die schlichten und ungekünstelten Reime zieren auch jetzt noch dieses Haus. Die Inschritt wurde vor einigen Jahren auf öffentliche Kosten neu vergoldet, und so ist wohl die Gewähr gegeben, daß sie und das Relief, welches das Bild Kaiser Josefs wiedergibt, immer von neuem und so für immerwährende Zeiten den Bewohnern Wiens erhalten bleiben wird. Wir aber, die Nachfahren jener Wiener Juden, lür welche das Toleranzpatent den ersten Schritt zur Gleichberechtigung bedeutete, wollen mit allen unseren Glaubensgenossen, wo immer sie auf dem weiten Erdenrund weilen mögen, uns für alle Zeiten diese Verse zu eigen machen und mit ihnen sprechen: „Josefs Nachruf (wir sagen heute wohl Nachruhm) wird nie vergänglich sein. Das Toleranzpatent, diese große befreiende Tat. sichert ihm die Unsterblichkeit: ihm, Kaiser Josef IL, dem Schätzer der Menschheit, dieser edelsten Lichtgestalt auf dem Throne Oesterreichs. Eine jüdische Weltwirtschaftskonferenz. Die Londoner Föderation jüdischer Hilfsorganisationen hat an eine Anzahl zentraler jüdischer Wohlfahrtsorganisationen und Gemeinden in mehreren Ländern einen Fragebogen verschickt, um die Meinung dieser Organisationen und Gemeinden hinsichtlich der Notwendigkeit, eine jüdische Weltwirtschaftskonferenz abzuhalten, zu erkunden. Die Londoner Föderation sieht als Hauptziel einer solchen Konferenz: Prüfung der Wege und Mittel zur Besserung der Wirtschaftslage der Juden überall in der Welt und besonders in denjenigen Ländern, in denen die jüdische Bevölkerung Beschränkungen unterworfen ist. Die Konferenz soll auch die Koordinierung aller Formen jüdischer Hilfsarbeit erwägen und u. a. über folgende Gegenstände beraten: Ansiedlung von Juden auf dem Lande und Heranziehung möglichst vieler erwerbsloser Juden zu landwirtschaftlicher Arbeit; Ausbildung jüdischer Jugend für technische Berufe; Arbeitsbeschaffung für bereits.ausgebildete Handwerker; Erweiterung und Stärkung des Kredit- und besonders des Kreditgenossenschaftswesens in allen Ländern; Schaffung jüdischer Finanzinstrumente in verschiedenen Ländern zum Erwerb von Boden, Gewährung von Krediten und Förderung aller jüdischen Aufbauunternehmungen; Erkundung von Aus Wanderungsmöglichkeiten; Beratung über alle wirtschaftlichen Probleme, die die jüdische Bevölkerung betreffen. r^D Konditoreiwaren Abraham Leib Pomeranz, II., Herminengasse 13 Verkaufslokal: II., Floßgasse 7, Telephon A 41-7-78 Filiale: II. HollandstraBe 8 Bestellungen für Hochzeiten, Sudes und alle anderen Festlichkeiten! sowie verschiedene Znckerbäckereiwaren für Purlra werden prompt nnd billigst ausgeführt. Unter Aufsicht der Adas Jisroel (Schiffschal.'. Der Vorstand der Warschauer Jüdischen Gemeinde befaßte sich in seiner letzten Sitzung mit der Einladung des Londoner Komitees für eine jüdische wirtschaftliche Weltkonferenz zur Teilnahme an der Vorbereitung einer solchen Konferenz. Die der Agudas Jisroel angehörenden Vorstandsmitglieder sprachen sich für, die zionistischen Vorstandsmitglieder gegen den Plan einer solchen Konferenz aus. Die Zionisten wiesen auf den für den Sommer 1934 einzuberufenden Jüdischen Weltkongreß hin, der sich auch mit wirtschaftlichen Angelegenheiten des Judentums befassen wird. Ein Beschluß über diese Frage wird in der nächsten Vorstandssitzung gefaßt werden. Ernst and Würde. Das Mitglied des rumänischen Parlaments Dr. Mayer Ebner, der kürzlich in Berlin weilte, berichtet von seinem Berliner Besuch in der von ihm herausgegebenen „Ostjüdischen Zeitung" u. a. wie folgt: „Die Berufung Hitlers zur Reichskanzlerschaft hat auf die deutsche Judenschaft naturgemäß tiefen Eindruck gemacht und die Ungewißheit der künftigen Gestaltung der Dinge bedrückt die Gemüter. Aber so schwer dieser Druck auch lastet, die Judenschaft ist v o n e i n e r Panik, von der ab und zu berichtet wird, weit entfernt. Die Juden in Deutschland verfolgen mit Ernst und Würde den Lauf der Dinge. Man ist auf administrative Persekutionen gefaßt, auch auf eine Verschärfung der jüdisch-ökonomischen Lage, aber man glaubt nicht, daß der von den Nationalsozialisten gepredigte Grundsatz, Staatsbürger könne nur der Volksgenosse sein, auch in die Gesetzgebung eindringen wird." Sabbathalten — keine Preistreiberei. Das Gericht in Berescht bei Galatz hat in der soeben durchgeführten dritten Tagsatzung des gegen den jüdischen Schuhwarenhändler Lupu Fain wegen Verweigerung des Verkaufes am Sabbat auf Grund des Gesetzes gegen Warenspekulation und Preistreiberei angestrengten Prozesses entschieden, daß das von dem Hilfsrichter Blanaru mit dem Beschuldigten aufgenommene Anklageprotokoll wegen unrichtiger Anwendung des Gesetzes zu annullieren sei. Die Anklage gegen Fain war, wie seinerzeit gemeldet, auf Grund einer von dem antisemitischen Advokaten Chirilo-' "inszenierten Intrigue erhoben worden. Chiriloaiä schickte seine Magd an einem Sabbattage zu Fain, um ein Paar Schuhe zu verlangen, obwohl es stadtbekannt war, daß Fain als religiöser Jude am Sabbath nicht verkauft. Der durch die Anklageerhebung gegen Fain unternommene Versuch, die Sabbatbeobachtung durch jüdische Kaufleute unter Strafsanktion zu stellen, hat in Rumänien und im Auslande lebhaftes Aufsehen erregt und war auch Gegenstand einer Interpellation im rumänischen Parlament. Auf Grund der parlamentarischen Intervention hatte vor Durchführung des Prozesses in Berescht eine im Auftrage des Justizministeriums eingeleitete Untersuchung des Falles durch Justizinspektor Paraschivescu, Rat am Galatzer Appellationsgerichtshof, stattgefunden. Als Beitrag zur Klärung der Rechtslage hatte der Präsident der Union rumänischer Juden, Rechtsanwalt Dr. W. F i 1 d e rm a n n, der Ortsgruppe Berescht der „Union" eine durch ihn im Jahre 1927 herbeigeführte Entscheidung des Kassationshofes zwecks Vorlage an das Gericht Berescht übersandt. In dieser Entscheidung des Kassationshofes war auf Grund der Verfassungsbestimmungen über Glaubens- und Gewissensfreiheit ein Urteil des Gerichtes Ismail aufgehoben worden, durch welches sabbathaltende jüdische Kaufleute auf Grund des Sonntagsruhegesetzes verurteilt worden waren. Esthers Gebet. Hier lieg' im Staube ich vor dir, Um dir mein Herz ganz auszuschütten. Schwer ruht mein hohes Amt auf mir, Schwer ist der Weg, den ich beschritten. Den Frieden liebt ich, liebt ein stilles Glück Und eines jüdischen Weibes Pflichten. Nun wählte aus mich das Geschick, Der Feinde Anschlag zu vernichten. Im Dunkel wühlen sie und späh'n, Mit Lügengift und feilen Ränken Verleumdungssaat breit auszusä'n, Des Königs Sinn tief zu durchtränken. Nichts gilt, was Gutes wir vollbracht, Was Edles wir gewirkt im Leben. Vom Hasse blind und toll gemacht, Ausrottung ist ihr heißes Streben. Ausrottung, schauerliches Wort, Wird Mensch zu Mensch denn nie sich finden? Sie wollen Mord, den feigen Mord, Ihr Heldentum dann laut zu künden. Vor dir fleh' ich in tiefster Not: O, lass' dein Volk nicht untergehen; Lass' scheinen uns das Morgenrot, Gib, daß Erlösung wir bald sehen, Daß kühn der Freiheit Fahne weht. Lass' Rettung meinem Volk mich bringen. Allew'ger, höre mein Gebet Und schenke meinem Werk Gelingen! Beate Baumgarten. Ohne Geld - keine, VTOlksgemeinde1 In der Kultusgemeinde fand vergangenen Dienstag eine sehr interessante Sitzung statt. Das Präsidium hatte sämtliche Mitglieder der verschiedenen Bethausvorstände eingeladen und Dr. Löwe n h e r z unterzog sich der sehr unangenehmen Aufgabe, den Erschienenen die Trostlosigkeit der momentanen Finanzlage der Gemeinde vor Augen zu führen. Er verwies auf die Tatsache, daß derzeit schon das Defizit in die hunderttausende Schillinge gehe, so daß die Situation um so präkerer ist. als das Präsidium in den letzten Tagen vom Finanzministerium die Verständigung erhatten habe, daß an eine Subventionierung durch den Bund nicht zu denken sei, schon weil hierfür jede gesetzliche Voraussetzung fehle. Der Redner ermahnte die Erschienenen, für einen stärkeren Eingang bei den Spenden und beim Verkauf der Betsitze zu sorgen, die Gemeinde sei auf gesteigerte Einnahmen dringend angewiesen, ja man werde sogar zu einem zwanzigprozentigenZuschlagzuden Steuern und zu einer abschlägigen Behandlung aller Steuerrekurse greifen müssen. Diese wie auch andere Ankündigungen des zionistischen Vizepräsidenten fanden in der Versammlung sehr lebhaften Widerspruch, dem mehrere Bethausvorstände entschiedenen Ausdruck verliehen. Die Sitzung war ein bezeichnender Auftakt für die demnächst im Kultusvorstand beginnenden Budgetberatungen. Jtus alter WeU Noch keine Entscheidung im Falle Cohn. Wie aus Breslau mitgeteilt wird, ist im Falle des Professors Ernst Cohn noch keine Entscheidung gefallen. Es schweben jedoch Verhandlungen, die bald zu einer Beilegung der Angelegenheit führen sollen. Professor Ernst C o h n hat es abgelehnt, von sich aus ein Urlaubsgesuch einzureichen. Zu einer Zwangsbeurlaubung fehlt es jedoch an einer rechtlichen Grundlage, da die eingeleitete Untersuchung nichts gegen Prof. Cohn erbracht hat. Paris. Die Direktion der Musees Nationaux hat die von Artur Löwental in Berlin geschaffene Albert- Einstein-Medaille erworben. Die Einstein-Medaille war mit anderen Werken des Berliner Bildhauers im Salon International de la Medaille in Paris ausgestellt. Im Bürowesen sehr tüchtiges Mädchen, der englischen und französischen Konversation mächtig, auch im Haushalt und Säuglingspflege bewandert, bittet um ganz- oder halbtägige Beschäftigung. Zuschriften an die Administration des Blattes unter „Sofort". Streng orthodox ^3 Prima ungarisches MastgeHDget, sowie erstklassige Mtelne per Liter von S 1.10 aufwärts. Auf Wunsch ins Haus gestellt. Adolf Neubauer, II.» Negvrlegasse 2