Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1933
- Issue
- Heft 9 (3.3.1933)
- Date
- 1933-03-03
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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DIE WAHRHEIT Seite 5 Nagers 5elchwaren-Restaurant Selchwaren an« der Fabrik Eisen & Hönigsber streng orth. "lOT (Unter Aufsicht der Adas - Jisroel - Schiffscbul) Wien Ii., PraterslraBe 33, Telephon R-47-4-49 Hochzeiten und Banketts werden bestens arrangiert Aus atter Welt „Jüdische Aerzte sind Volks- und Menschenfreunde." In der rumänischen Kammer richteten die An- Üänger dies radikal-antisemitischen Professors Cuza verleumderische Angriffe gegen die jüdischen Aerzte, denen sie vorwarfen, daß sie „das rumänische Volk vergiften". Unter großer Spannung des Hauses ergriff der Minister für Volksgesundheit Ioanitzescu das Wort zu einer Erwiderung, in der er feststellte, daß 'die jüdischen Aerzte sich durchaus volks- und menschenfreundlich betätigen. Unter starkem Beifall der Mehrheit der Deputierten erinnerte Minister Ioanitzescu an den jüdischen Arzt Dörfer, der vor kurzem eine hohe Auszeichnung deswegen erhielt, weil er zur Rettung von zahlreichen nichtjüdischen Kranken nicht weniger als 45mal sein 'eigenes Blut zur Transfusion hergab. In Ergänzung der Mitfleilung des Ministers erinnerte dfer jüdische Deputierte Michael Landau daran, daß es iein jüdischer Arzt war, der das Leben von Cuzas Tochter, das in akuter Weise gefährdet war, durch entschlossenes Eingreifen gerettet hat. Der cuzistische Abgeordnete R o b u versuchte, Landau tätlich anzugreifen, um ihn am weiteren Sprechen zu verhindern. Er wufvSe aber von anderen Abgeordnelten zurückgehalten. Fortwährend Zusammenstöße in Palästina. Wiederum ist in Palästina ein großer Waldfrevel zu verzeichnen. Arabischer Mob brach in eine Pflanzung des Keren Kajemeth in der Nähe von N a h a d a 1 ein und riß etwa 10.000 junge Bäume aus dem Erdreich heraus. Die dort beschäftigten Juden waren gegenüber dem ihnen an Zahl überlegenen arabischen Mob machtlos. Die Polizei trieb die Waldfrevler auseinander und verhaftete 13 von ihnen. — In dem Matalon-Levin-Orangenhain kam es zwischen jüdischen Arbeitern aus Ramat Hasharon in der Nähe von Herzliah und von dter Hainleitung aus fremden Distrikten neu eingestellten arabischen Arbeitern zu einem Zusammenstoß, bei dem "drei jüdische Arbeiter verletzt) wurden. Einer derselben, Alexander Zamir, wurde in bedenklichem Zustand in das Krankenhaus in Tel Awiw eingeliefert, ein zweiter, Isaac Parvari, 50 Jahre alt, erhielt eine so schwere Verletzung am Kopfe, dkß der Arzt der Kolonie nicht die Verantwortung aiuf sich laden wollte, ihn nach Tel Awiw überführen zu lassen, ein dritter, Mordechai Landberg, erlitt nur leichte Verletzungen. An dem Ort des Zusammenstoßes eingetroffene Polizei stellte alle Beteiligten namentlich fest und verfügte, daß die gesamte Arbeit im Hain vorläufig ruhen soll. Die arabischen Arbeiter, die den jüdischen an Zahl doppelt ■cl b e r 1 e gie n waren, waren mitStöckenund schweren Knüppeln bewaffnet. Radau-Antisemitismus in Manchester. Auf einer Tagung jüdischer Führer Manchesters wurde über Maßnahmen gegen sich häufende radauantisemitische Akte, die von einer kleinen, aber um so lärmender auftretenden Gruppe ausgehen, beraten. In der letzten Zeit wurden durch die Fenster der Talmud-Thora-Schule und des talmudischen Kollegs, sowie in die Privatwohnung einer jüdischen Familie, in der eine Frau schwer krank darniederliegt, in Papier gewickelte Ziegelsteine geschleudert; die Papierhüllen trugen die Aufschriften: „Nieder mit den Juden!" „Die Juden solLen verrecken!" Zettel ähnlichen Inhalts wurden an die Wände jüdischer Häuser, auch an das Haus des Präsidenten der Jüdischen Gemeinde, Nathan L a s k y, geklebt. In der Tagung wurde beschlossen, gegen die antisemitische Gruppe alle gesetzlichen Maßnahmen zu ergreifen. Die Presse in Manchester widmet diesen Zwischenfällen große Aufmerksamkeit und verurteilt einmütig das Treiben einer verantwortungslosen Gntppe. tos Aonditoreiworen tos Abraham Leib Pomeranz, IL, Hermlnengasse 13 Verkaufslokal: II., Floßgasse 7, Telephon A 41-7-78 Bestellungen für Hochleiten, Sudes und alle anderen Festlichkeiten, sowie verschiedene Zuckerbackereiwaren für Purin werden prompt nnd billigst ausgeführt. Unter Aufsicht der Adas Jisroel Schiffschul». Was Dr. Conti „unerhört" findet. Der Berliner SS.-Standartenarzt Dr. Arno Hermann erklärte einer Patientin, die den jüdischen Arzt Doktor Ostrowski aufsuchen wollte, er als deutscher Arzt könne ihr nur einen deutschen Facharzt empieh- 1 en. Das ärztliche Ehrengericht erblickte in diesem Vorgehen Dr. Hermanns eine Kränkung der jüdischen Aerzte und Dr. Ostrowskis und sprach eine Verurteilung aus. Die Kränkung, heißt es in dem Urteil, bestehe darin, daß Dr. Hermann zum Ausdruck gebracht hat, daß er jüdische Aerzte nicht als deutsche Aerzte ansehe; das Wort „deutsch" bezeichnet die Staatsangehörigkeit und sei daher auf jeden Staatsbürger anzuwenden. Der zum Kommissar für besondere Verwendung in das Preußische Ministerium des Innern berufene nationalsozialistische Landtagsabgeordnete Dr. med. L. Conti, der nach seinen eigenen Worten in seinem neuen Amte die nationalsozialistischen Grundsätze der Rassenhygiene zur Geltung bringen will, widmet dem Fall Hermann-Ostrowski im „Völkischen Beobachter"' einen längeren Aufsatz, in dem er es als „unerhört" bezeichnet daß „ein Standesehrengericht sich anmaßt, zu verbieten, was jedem deutschen Arzt auf Grund seiner Weltanschauung und innersten Ueberzeugung Pflicht ist und Pflicht sein muß". Sollten, fährt Dr. Conti fort, wirklich die "Aerztekammer und das ärztliche Ehrengericht einen Kampf gegen die Weltanschauung iühren wollen die heute Deutschland verkörpert, so wird für uns die Frage zu prüfen sein, ob „solche Parteiehrengerichtsbarkeit nicht beseitigt werden muß". Dr. Conti führt in seinem Artikel u. a. noch aus: Kein Berufsstand ist stärker durch das Eindringen des Judentums geschädigt worden als der Aerztestand. Kein Wunder, daß die deutsche Aerzteschaft sich vom Banne eines volks- und rassenfremden Einflusses loslöst Jeder nicht entarteten Frau muß und wird es im Innersten widerstreben, sich von einem jüdischen Frauenarzt behandeln zu lassen; das hat nichts mit Rassenhaß zu tun, sondern das ist eine ärztliche Forderung, daß ein Band des Verstehens vom seelenverwandten Arzt zum Patienten sich schlingen muß. CJLUSIUSBA» KWJ5- USf© BABüäAWSlTAJLT WIEN IX., CLUS IUSGASSE NR. 12 an der Friedensbrücke gelegen -------• Original Russistiaes Dampfbad mit T~ Buschenbehandlung gegen Rneuma etc. "tT Gegen Vorweisung dit-ses Inserates S 1.30 Rom. In der letzten Sitzung der päpstlichen Akademie der Wissenschaften Ai-v.ademia Pontificia delle Scienze) legte das jüdische Akademie-Mitglied, der berühmte Mathematiker Prof. Levi-Civita, seine letzte wissenschaftliche Arbeit — neu gefaßte mathematische Formeln — vor. Der Vorsitzende der Akademie Padre Gianfranceschi wies in seiner Ansprache auf die große Bedeutung der Arbeiten Levi-Civitas hin, den er als zu den größten Autoritäten auf dem Gebiete der mathematischen Physik, nach Einstein, gehörend bezeichnete. Der Fasttagsprotest gegen die Verfolgung religiöser Juden in Rußland. Der polnische Rabbiner-Verband hat in seiner Plenarsitzung beschlossen, den von der Jerusalemer Rabbiner-Konferenz für den 27. März proklamierten Fasttag als Ausdruck des Protestes gegen die Verfolgung religiöser Juden in Sowjetrußland seinerseits für Polen zu proklamieren. Ferner beschloß der Rabbinerverband, an die polnischen Juden zu appellieren, Mazzoth-Pakete und andere Pessach-Nahruiigsmittel nach Rußland zu senden. Der Menschenraub in Charbin. Drei russische Banditen versuchten, den bekannten Charbiner jüdischen Bürger S i n o w i Rosin auf offener Stflaße mittels eines bereitstehenden Autos zu entführen. Rosin, von seinem Leibwächter unterstützt, setzte sich erfolgreich zur Wehr. Der am vergangenen Jörn Kippur beim Verlassen der Synagoge entführte Scher in, Sohn des Inhabers der Asiatik Transport-Gesellschaft, ist gegen -ain Lösegeld von 50.000 Dollar freigegeben worden. Er wurde die ganze Zeit in einem Erdloch verborgen gehalten und ist dort zu einem Skelett abgemagert und fast des Augenlichtes beraubt. Sein Zustand ist bedenklich. Alleinstehende bedürftige jüdische Mütter nach gefallenen jüdischen Soldaten wollen ihre Adresse ehestens unter Vorlage der entsprechenden Daten und Belege dem „Bund jüdischer Frontsoldaten Oesterreichs", Wien II., Aspernbrückengasse 2, bekanntgeben. "IttO Streng orthodox np3 Prima ungarisches MastgallQgel, sowie erstklassige Weine per Liter von S 1.10 aufwärts. Auf Wunsch ins Haus gestellt. Adolf Neubauer, II., Ne<)»Heqasse 2 Zwei Siebziger. Ein überaus populärer Mann feierte vergangenen Samstag in vollster geistiger und körperlicher Frische seinen 70. Geburtstag, ein Mann, der diese große Popularität nicht nur in der Währingter Judenschaft besitzt, der er Zeit seines Lebens seine besten Kräfte gewidmet, sondern in allen jüdischen Kreisen Wiens geschätzt und beliebt ist. Josef Nossig verdankt diese Sympathien seinem biederen Wesen und seiner wahren Herzensgüte, die ihn jedermann mit aufrichtiger Freundschaft gegenüberzustehen heißt. Und so gestaltete sich die Feier, die Bethausvorstand und Chewra Kadischa XVIII ihm zu Ehren Samstag vormittag im Währinger Tempel bereiteten, zu einem wirklichen Festgottesdienst, dem zahlreiche Freunde und Verehrer des Jubilars gerne beiwohnten. Für die Kultusgemeinde war Vizepräsident Dr. J. Ornstein erschienen, ferner sah man viele Deputationen von Tempelvereinen und eine Abordnung der „Union österreichischer Juden". Der Bethausvorstand, die Chewra Kadischa und der Talmud-Thora-Verein waren mit Medi-Rat Dr. I. Winter und Leopold S u b a k an der Spitze, die Bezirkskommission durch Obmann Direktor H. Glücksthal vertreten. Der Jubilar, dessen Freunde und Familienangehörigen den schönen Anlaß zu stattlichen Spenden für Fürsorgezwecke, insbesondere den „Josef Nossig-Fonds" benützten, wurde feierlich zur Thora aufgerufen, wo ihm zunächst Oberkantor D. Groß mit einem schönen Mischeberach empfing. Sodann richtete an ihn Rabbiner Dr. D. Feuchtwang eine innige Ansprache, die den wackeren Menschen und guten Juden Nossig treffend charakterisierte, der sich um das Aufblühen der Währinger Gemeinde durch seine rege Anteilnahme an allen ihren Institutionen bleibende Verdienste erworben hat. Merklich aus vollstem Herzen kamen die Worte, mit denen der Vertreter der Kultusgemeinde, Vizepräsident Doktor J. Ornstein, den Jubilar auszeichnete, dem er namens der Gemeinde den herzlichsten Dank für sein rastloses Streben im Dienste des Judentums bekundete. Med.-Rat Dr. I. Winter beglückwünschte namens des Bethausvorstandes seinen treuen Mitarbeiter aufs herzlichste und gab bekannt, daß der Vorstand ihm zu Ehren einen wunderschönen Thoraschmuck gespendet habe, der allseitiges Gefallen fand. Mit einem stimmungsvollen Hallelujah des Chors schloß die erhebende Feier im Tempel; der Jubilar wurde hier wie auch in seinem gastfreundlichen Hause mit Glückwünschen überschüttet, in denen allgemein zum Ausdrucke gebracht wurde, daß es ihm noch recht lange vergönnt sein möge, im Kreise seiner Familie gleich ersprießlich wie bisher zu wirken. ♦ Samstag, den 25. d. M., fand im festlich geschmückten Tempel, VI., Stumpergasse 42, aus Anlaß des 70. Geburtstages des Präsidenten Herrn Moritz Felsenburg eine sehr schöne Feier statt. Eine große Zahl von Deputationen der Tempel Schmalzhofgasse, Siebenbrunnengasse, Turnergasse, Storchengasse, Millergasse, sowie der Machsike Hadas, Binjan Chodosch usw. sowie Herr Rabbiner Dr. Drobinsky und Präsident Herr Karl A11 m a n n überbrachten herzliche Glückwünsche. Weiter waren Vertreter der Adas Jisroel. Aguda, Kerenhathora, der Union, der Jugendgruppe und anderer Vereine erschienen, um den um das Judentum hochverdienten Jubilar zu ehren. Herr Rabbiner Flesch würdigte in einer gehaltvollen Festrede die Tätigkeit des um den Tempel- und Schulverein seit 40 Jahren hochverdienten Präsidenten und seine vielfachen Erfolge für die Chewra-Kadischa VI./VII. und den so segensreich wirkenden Frauenverein für den 6. und 7. Bezirk. In seiner Erwiderung wies Herr Präsident Felsenburg darauf hin, daß, wenn er Erfolge erzielen konnte, er diese nur der wertvollen Mitarbeit seiner Vorstandskollegen und der Unterstützung der Vereinsmitglieder verdanken könne. Er dankte allen Erschienenen für die Ehre ihrer Anwesenheit und die vielfachen Auszeichnungen. Die Vorstandsmitglieder der Stumperschul, Chewra Kadischa und des Frauenvereines überreichten als Ehrengeschenk einen silbernen Pokal mit hebräischer Widmung, den der Vizepräsident Herr Eduard Deutsch -m Restaurant Billett Bsstrenommii'rtB Küche II., Hammer-Purgstallgasse Nr. 3