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Die Wahrheit · 1933-03-03 · Heft 9 (3.3.1933) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1933
Issue
Heft 9 (3.3.1933)
Date
1933-03-03
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 DfE WAHRHEIT mit einer herzlichen Ansprache übergab, in der er die großen Verdienste des Jubilars in vierzigjähriger Tätigkeit würdigte. Präsident Felsen bürg erfreut sich nicht nur innerhalb des Tempel- und Schulvereines Stumpergasse, sondern auch in allen Wohltätigkeitsinstitutionen, die er leitet, so insbesondere der „Einheit" und in weitesten jüdischen Kreisen allgemeiner Wertschätzung, so daß die allseitigen Segenswünsche für sein weiteres Wirken aus aufrichtigstem Herzen kommen. Hofrat Dr. Benjamin Rappaport, ein Neunziger. Hofrat Dr. Benjamin Rappaport, dessen Wirken im öffentlichen Dienste und im Interesse der Wiener Judenschaft noch immer unvergessen ist, ist am 23. v. M. 90 Jahre alt geworden. Das hehre Alter, das dieser prächtige Mann erreicht hat, hat seine hervorragenden Geisteskräfte nicht nur nicht beeinträchtigt, sondern noch immer bekundet er reges Interesse für die Vorgänge im Wiener Kultusvorstand, dem er selbst in den Jahren 1898 bis 1921 angehörte. Schon vier Jahre nach seinem Eintritt in den Kultusvorstand wurde er ins Vertreterkollegium berufen, 1910 wurde er zweiter, 1916 erster Vizepräsident Am 14. Mai 1920 zeichnete ihn der Vorstand durch die Wahl zum Präsidenten aus, in welcher Eigenschaft er bis zu seinem Ausscheiden aus dem Vorstand am 13. Jänner 1921 glänzend fungierte. Durch viele Jahre war er Obmann der Kommission für die Versorgungsanstalt und des Kuratoriums des Merores-Waisenhauses, sein Spezialgebiet waren die Stiftungs- und Rechtsangelegenheiten der Gemeinde. Er hat sich um diese unvergängliche Verdienste erworben und in dankbarer Erinnerung an sein Wirken überreichte ihm auch Vizepräsident Dr. J. O r n s t e i n in Begleitung des Amtsdirektors Reg.-Rat G. Fuchsgelb an seinem seltenen Jubeltage ein anerkennendes Glückwunschdiplom. Der Jubilar empfing die Deputation voll Herzlichkeit und sprach mit ihr mit staunenswerter Erinnerungsgabe über viele Geschehnisse während seiner vieljährigen Wirksamkeit. l^^jj^jj^j^Mi^SiS^f Montag, den 27. d. M.. wurde ein prächtiger Mensch und seelensguter Jude, Herr Ober-Medizinalrat Dr. Samuel Krüger, unter großen Ehren im Alter von 80 Jahren zu Grabe getragen. Sein Leben war dem Wohle der verlassenen Mädchen, denen er ein schönes Heim erbaute, gewidmet Nach Absolvierung seiner Universitätsstudien ließ er sich als junger Arzt in der Leopoldstadt nieder, wo er bald dank seinem Wissen und seiner Energie sich zu einem der bekanntesten Aerzte emporarbeitete. Er war einer der Mitschöpfer des neuen Dianabades, dessen Chefarzt er bis vor wenigen Jahren war. Er war nicht nur ein großer Arzt sondern auch ein großer Mensch. Auf karitativem Gebiete betätigte und bewährte er sich in der Fürsorge für Mädchen. Vor 35 Jahren gründete er ein Heim für jugendliche Lehrmädchen und Arbeiterinnen, das er mit seiner zielbewußten und unermüdlichen Arbeitskraft von geringen Anfängen zu einer der größten und angesehensten Wohlfahrtsanstalten ausgebaut hat Im Kriege, den Ober-Medizinalrat Dr. S. Krüger als Oberstabsarzt mitgemacht hat wurde das große Mädchenheim in ein Spital umgewandelt Hier bewährte sich sein menschenfreundliches Herz und sein organisatorisches Talent aufs vortrefflichste. Seine diesbezügliche Tätigkeit hat die Anerkennung aller maßgebenden Kreise gefunden. Die Nachkriegszeit mit ihrem Elend und der großen Verarmung stellte das Heim und seinen Präsidenten Doktor Krüger vor ganz neue Aufgaben. Dr. Krüger, in dieser Zeit schon ein Siebziger, arbeitete mit Jugendeifer an der Ausgestaltung des inzwischen mit dem Nachbarhaus vergrößerten Heimes in der Malzgasse zu einer der modernsten Wohlfahrtsanstalten in Wien. In diese Zeit fällt die Gründung der ersten jüdischen Gewerbeschule, die heute als zweijährige Fachschule für Weißnähen und Kleidermachen hunderte jüdische Mädchen zu einem nützlichen Beruf ausbildet. Anläßlich des 50jährigen Doktorjubiläums wurde er im Jahre 1929 seitens seiner treuen und ergebenen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen durch die Umbenennung des von ihm gegründeten Heimes, das seither den Namen Dr. Krügerheim führt in sinnvollster Weise geehrt In den letzten Jahren wurde das Dr. Krügerheim bei Beibehaltung der ursprünglichen Zwecke des Heimes zu einer Zentralanstalt für jüdische Mädchenerziehung umgewandelt Dr. Krüger war es vergönnt bis in die letzten Wochen seines Lebens das Heim, dessen Erhaltung und Fortentwicklung sein einziger Lebensinhalt war, unterstützt von seiner gleichgesinnten Gattin, Frau Hermine Krüger, zu leiten. Hervorragend waren auch seine Verdienste um die Schaffung der Fürsorge-Zentralstelle, die seiner Tatkraft ihre Entstehung und Modernisierung verdankt Anläßlich seiner Bestattung fanden sich am Zentralfriedhof nicht nur die Schützlinge des Heimes, sondern auch zahlreiche führende Persönlichkeiten des jüdischen Wiens ein, darunter Vizepräsident Dr. Jakob Ornstein, die Kultusvorsteher Dr. Isidor Kl ab er und Prof. M. Rath, Rabbiner Dr. Feuchtwang, Amtsleiter Wilhelm Freistadt der Vorstand der Fürsorgezentrale Emil Engel, Inspektor Oehler, BundesstaatL Fürsorgerat Rosa Schwarz, ferner die Herren Hofrat Horowitz, Reg.-Rat Lenk, Dr. Ign. Weintraub, Med.-Rat Dr. Loewensohn, Primarius Dr. M. Weil, Präs. Schallinger, Baumeister Wilhelm Schallinger, Redakteur O. Hirschfeld, Oberkantor J. L ö w i t und der gesamte Vorstand des Dr. Krügerheimes mit Komm.-Rat H. Smetana und Dir. J. Friedmann an der Spitze, sowie der Lehrkörper der Frauengewerbeschule und der Beth- Jakob-Religionslehrerinnenbildungsanstalt In Vertretung des Dianabades erschien Direktor Weinberger und die gesamte Aerzteschaft Rabbiner Dr. M. Rosenmann, Vizepräsident Dr. J. Ornstein, Dr. L. Deutschländer und Dr. Juris würdigten in ergreifenden Reden die große Persönlichkeit des Dahingeschiedenen, dem das von ihm gegründete und auf eine erstaunliche Höhe gebrachte Heim ein segensreiches Andenken bewahren wird. Namens des Aerztevereines sprach Herr Ober-Medizinalrat Dr. Berdach warme Worte der Anerkennung. Die kantorale Funktion versah in vorzüglicher Weise I. Kantor L. Funke. Die allgemeine Teilnahme wendet sich der Witwe und trefflichen Mitarbeiterin des Heimgegangenen, Frau Hermine Krüger, zu. * Sonntag, den 5. März, 11 Uhr vormittags, findet im Dr. Krüger-Heim, II., Malzgasse 7, eine Trauerfeier für den verewigten Präsidenten Herrn Ober-Medizinalrat Dr. Samuel Krüger statt. Das Begräbnis Professor Molls. Am 25. v. M. fand auf dem Zentralfriedhof das Leichenbegängnis des in allzu frühen Jahren plötzlich verschiedenen Herrn Hofrat Professor Dr. Leopold Moll statt Die Beteiligung an der Trauerfeier war eine ganz ungeheure. Außer den zahlreichen Trauergästen waren sämtliche Moll- Schwestern in ihrer charakteristischen Tracht, zahllose Mütter und Kinder erschienen. Nach den Trauergesängen des Herrn Oberkantors fi.Fischer mit großem Chor hielt Rabbiner Doktor D. Feuchtwang eine tief ergreifende Trauerrede und pries Moll als das Muster eines Gelehrten, eines Arztes, Menschen und Juden, der unzähligen Kindern das Leben gerettet hat Es sprachen weiters Präsident der Kultusgemeinde Dr. Friedmann, der in Begleitung des gesamten Präsidiums erschienen war, in Vertretung des Bundesministers für soziale Verwaltung Sektionschef Dr. Scherrer, als Kurator der Reichsanstalt Sektionschef Dr. Kreischmer, namens der Gesellschaft der Aerzte Professor Dr. E i s e 1 s b e r g, namens der Medizinischen Fakultät der Dekan Professor Dr. Pick, namens der Wiener und der deutschen Gesellschaft für Kinderheilkunde Professor Dr. Hamburger, namens der österreichischen Aerzteschaft Obersanitätsrat Dr. N a r b e sh u b e r, namens der Krankenkassen Generaldirektor Korschinek, namens der Schüler und Aerzte der Reichsanstalt Assistent Dr. S t r a n s k y, HQüieiilsdift KönisslicM Seit vielenjahren dasa~erkanni beste vshncNn Man achte auf die ges. gesch. Marke „Hyglen. Königslicht" und Name Schulz Fabrik und Büro: Wien XIV., Braunhirschengassse 3 Telephon R J3-1-87 Den allgemeinen Wünschen des konsumierenden Publikums Rechnung tragend, wird unter der Bezeichnung „Hygienisches Königslicht" Nummer 2 ein kleines Jahrzeitlicht in den Verkehr gebracht, das garantiert 24 Stunden brennt und sich im Preise bedeutend billiger als das bisherige Nr. 1 stellt namens der Krankenschwestern Oberschwester Klara. Mit Abschiedsgrüßen seiner Freunde aus Böhmisch-Leipa, die Dr. Spratzer aus der Heimat Molls überbrachte, war die erhebende Trauerfeier in der Zeremonienhalle beendet und der Trauerzug bewegte sich zu dem von der Kultusgemeinde gewidmeten Ehrengrab, .von dem die Teilnehmer mit dem Bewußtsein Abschied nahmen, einen edlen Menschen verloren zu haben. Gemeinde - thtomh Aus dem Wiener Kultusvorstand. In der am 24. v. M. stattgehabten Plenarsitzung des Kultusvorstandes wurde das Budgetprovisorium bis 31. März 1933 verlängert Namens des Klubs der nichtnationalen Kultusvorsteher gab Obmann Dr. J. Ticho die Erklärung ab, daß der Klub für den Antrag stimme, weil er sich der Notwendigkeit der Bestreitung der laufenden Ausgaben nicht verschließe. Dr. Ticho betonte aber gleichzeitig, daß diese Stellungnahme keine Anerkennung für die Gebarung der Majorität beinhalte. Saloniki. Seit einiger Zeit weilt in Saloniki Rabbiner Dr. Zwi Hirsch Koretz aus Berlin, dem das Amt eines Oberrabbiners von Saloniki angeboten worden ist Dr. Koretz will sich mit der Lage in Saloniki vertraut machen und sich erst dann entscheiden, ob er das Amt eines Oberrabbiners übernehmen soll. Man hofft, daß seine Entscheidung positiv ausfallen wird. Der „Bund jüdischer Frontsoldaten Oesterreichs" bereitet die Herausgabe eines Gedenkbuches der Gefallenen: „Jüdisches Heldenbuch des Weltkrieges" vor, welches neben einem Verzeichnis der an den österreichischen Fronten gefallenen Juden eine Beschreibung ruhmreicher Taten österreichisch-jüdischer Soldaten auf den Schlachtfeldern enthalten wird. Das „Heldenbuch" wird auf Grund amtlicher Dokumente hergestellt und soll Zeugnis ablegen von der Vaterlandsliebe und der Opferbereitschaft des österreichischen Judentums. Alle jüdischen Kriegsteilnehmer Oesterreichs sowie Hinterbliebene derselben werden ersucht, sich dieserhalb mit dem „Bund jüdischer Frontsoldaten Oesterreichs" (Wien IL, Aspernbrückengasse 2) in Verbindung zu setzen. Victor Nathanson gestorben. Letzten Sonntag wurde der in den weitesten Kreisen bekannte und ob seiner Menschenfreundlichkeit und Charakterfestigkeit hoch geschätzte Exporteur Victor Nathanson, den der Tod von einem längeren Leiden erlöste, zu Grabe getragen. Eine überaus große Schar von Trauergästen füllte die Zeremonienhalle, in der der Sarg, bedeckt mit dem Tuche der Chewra Kadischa, auf der Bahre ruhte. Oberkantor Müller und Erster Kantor Stift versahen ergreifend die Funktionen. Rabbiner Dr. Bach, der den Verblichenen seit seinen eigenen Jugendjahren kannte und verehrte, widmete dem Dahingeschiedenen einen warmempfundenen Nachruf, in dem er seine Rechtlichkeit, sein treues Festhalten am Judentum sowie sein humanitäres Wirken an der Seite seiner edlen Gattin hervorhob. Im Namen des Vereines Aschel Awrohom (Pazmanitentempel), in dessen Vorstand der Verstorbene durch viele Jahre verdienstvoll wirkte, nahm Kultusvorsteher Dr. Leonhard Maier von dem Verewigten Abschied und sagte ihm Dank für seine hingebungsvolle Mitarbeit. Nachdem noch ein Vertreter des Exporteurvereines, dessen Vorstand Nathanson gleichfalls angehörte, einige herzliche Worte des Gedenkens gesprochen, wurde der Sarg mit der sterblichen Hülle auf den Gottesacker getragen und ein prächtiger Mensch zur ewigen Ruhe gebettet. Israelitischer Tempel- und Schulverein Favoriten. Sonntag, den 19. d. M., fand unter Vorsitz des Obmannes Benjamin Scher die Generalversammlung des Tempelvereines Favoriten statt. Der Vorsitzende begrüßte unter anderen den Ehrenpräsidenten Jacob S. Straßberg, den Vertreter der Kultusgemeinde Dr. Leonhard Maier, den Obmann der Organisation der Tempelvereine Börserat Ignaz Glück, den Kultusrat Doktor Maximilian Stiglitz als Vertreter der „Union österreichischer Juden", den Kultusrat Dr. Leo Landau als Vertreter des polnischen Tempels, die Vertreter des Tempelvereines IV./V. Max Spitzer und Philipp Nußbaum, die Vertreter des Pazmanitentempels Prot Peszenik und Leenmann, den Vertreter des Tempelvereine« des VIII. Bezirkes Moritz Röblitz, die Damen des Frauen-Wohltätigkeitsvereines X. mit Präsidentin Dr. Anna Mandel an der Spitze und den Obmann des Humanitätsvereines X,. Medi7inalrat Dr. Richard Back. Nachdem der Vorsitzende in pietätvoller Weise der verstorbenen Vereinsmitglieder gedacht halte, erstattete Schriftführer-Stellvertreter Gustav Fuchs den Jahresbericht, in welchem er inbesondere die große finanzielle Not, in der sich der Verein zu Beginn des eben abgelaufenen Geschäftsjahres befunden hat, hervorhob, der durch tiefeinschneidende Sparmaßnahmen, insbesondere auf dem Gebiete des Personalsaufwandes teilweise gesteuert werden mußte. Aus der sich nun entwickelnden Debatte sind besonders die Reden der Herren Dr. Maier. Börserat Glück und Dr. Stiglitz hervorzuheben, die mit Rücksicht auf die segensreiche Tätigkeit des Vereines in einem so exponierten Wiener Bezirke erklärten, ihren ganzen Ein¬ Einfluß dahin auszuüben, daß dem Vereine auch in der Zukunft ausgiebigste Hilfe seitens der Kultusgemeinde zuteil werde. Dem Vorstande wurde seitens der Generalversammlung das Absolutorium erteilt und bei der hierauf folgenden Wahl die ausscheidenden Herren Aibert Bauer. Alfred F e s s 1 e r, Dr. Karl N e u m a n n„

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