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Die Wahrheit · 1933-03-03 · Heft 9 (3.3.1933) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1933
Issue
Heft 9 (3.3.1933)
Date
1933-03-03
Page
– (sequence 3)
Language
German
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DIE WAHRHEIT Seite 3 Herr Perlhefter macht sich wichtig Söhne aus Judas Stamm haben die Berufung in sich gefühlt, zum Sabul und Schießgewehr zu greifen. Das hat uns noch gefehlt, daß nunmehr auch der jüdische Frontkämpfer die Zähne fletscht und mit der mannhaften Faust seinen friedsamen Mitmenschen vor den Augen herumfuchtelt, daß auf der Walstatt der politischen Raufbolde auch Juda zu finden sein wird, daß der Kriegsbericht auch durch Waffentaten der jüdischen Frontkämpfer bereichert wird. Wir sehen schon, wie durch die Straßen der Leopoldstadt eine reisige Schar bewaffneter Juden zieht und dem friedlichen Bürger nunmehr auch von jüdischer Seite Furcht und Zähneklappern beigebracht wird. Will diese famose Stoßtruppe verirrter Juden die Straßen unsicher machen, weil ein Haufen Wahnwitziger bemüht ist, eine neue bewaffnete Formation zu schaffen .... Diese Sätze sind nicht einem Hakenkreuzblatt entnommen, sie sind wahllos herausgegriffen aus einem Artikel der letzten „Jüdischen Volkszeitung". Der Autor, Herr Adolf Perlhefter, ist uns schon hinreichend bekannt, er hat es bereits schon einmal unternommen, sich gegen eine gemeinsame Sache der Judenschaft zu stellen, nämlich gegen deren entschiedenes Auftreten gegen das Schächtverbot. Auch diesmal unterfängt er sich, eine Sache anzugreifen, die die Billigung aller Juden findet, weil durch den „Jüdischen Frontsoldatenbund" der Beweis erbracht wird, daß die Behauptung der fehlenden Anteilnahme der Juden in schwerer Schicksalsstunde ihres Vaterlandes nichts als Lüge ist. Diese Behauptung gehört zum Rüstzeug unserer Gegner und sie widerlegt in trefflicher Weise der „Jüdische Frontsoldatenbund". Wenn Herr Perlhefter also mit abgeschmackten Phrasen sich gegen diesen unpolitischen Bund stellt, dann tut er nur so wie bei seiner Stellungnahme in der Schächtfrage unseren Feinden einen großen Gefallen. Es ist bedauerlich, daß für solche Auslassungen ein jüdisches Blatt Raum opfert und sich auf diese Weise nur diskreditiert. Denn dler Aufsatz des Herrn Perlhefter hat überall, wo man ihn gelesen hat, Befremden und Ablehnung gefunden, wie uns eine ganze Reihe von Zuschriften beweist, in denen der Empörung über diese überflüssige Geschmacklosigkeit Ausdruck gegeben wird. Eine dieser vielen Einsendungen, die uns von einem Wiener bürgerlichen Juden, der kein Mitglied des Bundes ist, übermittelt wurde, veröffentlichen wir im folgenden: Der Artikel „Die Frontkämpfer" von Adolf Perlhefter darf nicht unerwidert bleiben. Abgesehen davon, daß da geschmacklose Ausdrücke gebraucht werden, sind seine Ausführungen gegen den Jüdischen Frontsoldatenbund selbst eine Dummheit Was uns Juden von Andersgläubigen bisher stets vor allem vorgeworfen wurde, war unsere angebliche Feigheit, und es wäre vielleicht niemals zu solchen Ausschreitungen und Anpöbelungen gegen uns Juden gekommen, wenn wir schon viel früher den Mut gehabt hätten, öffentlich zu erklären und es auch durch Einigkeit zu beweisen, daß wir nicht mehr willens sind, uns ganz einfach und ohne Gegenwehr von Radaubrüdern, aufgehetzt von Geschäftspolitikern und antisemitischen Führern, beschimpfen, bedrohen und an Leib und Leben schädigen zu lassen. ENODME AUSWAHT BILUOSTE PBE15E EpPlCH #8 5.st#* %. TCDNCnC vonn/lNOC modelstorrr, decken NUR!.,DAU£RlM!fARKT12-14 Es ist meiner Ansicht nach dem Jüdischen Frontsoldatenbund nur Dank zu sagen, daß der Oeffentiichkeit durch sein Bestehen zum Bewußtsein gebracht wird, daß Tausende von Juden, welche während des Weltkrieges bewiesen haben, daß sie als Juden für ihr Vaterland zu kämpfen und zu sterben verstanden haben, auch jetzt ihren Glauben von unverantwortlichen Elementen nicht beschimpfen und verhöhnen lassen wollen und sich gegebenenfalls gegen tätliche Angriffe solcher Banden nicht nur mit Worten, sondern auch durch Gegenwehr zu verteidigen wissen werden. Herr Perlhefter meint schon von vornherein, daß einzig und allein der Republikanische Schutzbund zum Schutze der Republik diene. Der Frontsoldatenbund, welcher aber auch voll und ganz auf dem Boden der jetzt bestehenden Staatsform steht, will in eben diesem Staate das Recht und die Achtung der jüdischen Staatsbürger gegen Anrempelungen und noch Aergeres in Schutz nehmen, was nicht nur dankenswert, sondern auch notwendig ist M. H. Der Angriff auf die Seele des deutsehen Juden. „Es nehmen sich heute Das Sonderheft „Der Staat" der im Philo-Verlag, Berlin, erscheinenden Zweimonatsschrift „Der Morgen" (Nr. 6) wird durch einen größeren Aufsatz von Rabbiner Dr. Max Eschelbach er-Düsseldorf, „Der deutsche Jude und der deutsche Staat", eingeleitet, in dem der Verfasser zunächst von der seelischen Belastung der deutschen Juden spricht. „Das ungeheure geistige Ringen um die Gestaltung des neuen Deutschland wird von der Rechten als ein Kreuzzug gegen den Kulturbolschewismus geführt. Niemand weiß, was dieses jüngste politische Schlagwort eigentlich besagt. Aber auf Grund unserer Leiden, nicht auf Grund unseres Tuns, können wir Juden ahnen, was damit gemeint sein soll. Bolschewismus, wie er hier verstanden wird, ist eine Form der Zerstörung, die sich gegen die geistigen Güter einer Menschengruppe richtet. Einem Dynamitanschlag fällt ein Haus, einem Mord ein Mensch zum Opfer. Der Kulturbolschewismus aber macht die Heiligtümer einer Gesamtheit gemein ... Er entwürdigt, was ihr heilig ist, er beschmutzt, worauf sie stolz ist, er will sie in ihren eigenen Augen gering und verächtlich machen. Das ausgeprägte Beispiel von solchem Kulturbolschewismus war schon lange, ehe dieses Schlagwort gemünzt war, der beispiellose, in seiner Gemeinheit unvergleichliche Kampf gegen die Heiligtümer und gegen den seelischen Besitz des Judentums, die Herabwürdigung unserer Bibel, die Beschimpfung des Talmud, die Verleumdung des Juden und des jüdischen Wesens." „Dieser schamlose Angriff auf unsere Seele und auf alles, was uns heilig ist" — fährt Doktor Eschelbacher fort —, „bedroht uns mit schweren Gefahren. Sie sind vielen in unserer Mitte noch nicht bewußt geworden, obgleich sie unsere gesamte Existenz im tiefsten erschüttern. viele Juden das Leben." Zwar spürt jeder, wie zweifelhaft unsere bürgerliche Stellung im Augenblicke geworden ist. Nicht jeder aber merkt, wie schwer, oft untragbar, diese Angriffe uns seelisch belasten. Es nehmen sich heute viele Juden das Leben. Wer später in die Vorgeschichte dieser Katastrophen Einblick nehmen kann, weiß es, daß nicht nur wirtschaftliche Not den verzweifelten Menschen zu Revolver, Gasschlauch und Veronal gebracht hat Vielmehr hat mancher ein Ende gemacht, weil sein jüdisches Selbstgefühl vernichtet war, und weil er die Verachtung nicht mehr ertragen konnte, die die Umwelt ihm auf Schritt und Tritt bekundete. Verachtung steckt In- und ausl. Modeneuhelten En gros En detail?eTu Ä FBANZ NEUMANN. I.. Concordiaplat* S tymeblflm 12. bis 19. März 1933 (Neue Burg 12. bis 18. März) SONDERVERANSTALTUNGEN: Möbelmesse I „Elektrizität im Haushalt" „Neuzeitliche Gasgeräte" / Radio- und Ravag- Ausstellung Wiener Strickmode / Pelzmode-Salon „Lichtbild und Reise" AUTOMOBIL- UND MOTORRAD-AUS¬ STELLUNG Eisen- und Patentmöbel / Wagnerausstellung Bau- und Straßenbaumesse / „Das wachsende Haus" / Siedlungsbau / Erdölausstellung Oesterreichische Weidenprodukte / Erfindermesse / Landwirtschaftliche Maschinen und Geräte / Nahrungs- und Genußmittel / Land- und forstwirtschaftliche Musterschau V. österr. Weizenwettbewerb / Gartenbau / Holzwerbeschau / Versuchs- und Unterrichtswesen „Vom Schubkarren bis zum Traktor" / Kleintierzucht / „Das Ei und seine Verwertung" Mastviehmesse am 17., 18. und 19. März Bundesweinkost BEDEUTENDE FAHRPREIS-ERMÄSSIQUNOEN1 Messeausweise a S 6.— bei der Wiener Messe-Aktiengesellschaft. Wien VII.. Messeplatz 1 — Eintrittskarten (zum einmaligen Besuch der Rotunde o d e r des Messepalastes und der Neuen Burg) a S 9.60 bei den Kassenschaltern der Messehäuser. an und kann einen guten Menschen schlecht machen. Das haben die Staatsmänner wohl gewußt, die vor 125 Jahren unsere Emanzipation ins Werk gesetzt hatten. . . . Wir brauchen gegen das Seelengift, das im Kampfe gegen uns eine Hauptwaffe ist, innere Stärkung und Aufrichtung. Ohne sie könnten wir uns weder als Juden noch als Menschen noch im Staate behaupten." Max Eschelbacher stellt sodann in der gegenwärtigen Situation die Geschichte des Judentums als Erweis der staatlichen, der politischen Kraft des Juden in Umrissen dar. Er weist darauf hin, daß die Geschichte der Juden in Deutschland fast so alt ist wie die deutsche Geschichte überhaupt, und schildert den tätigen Anteil der Juden am Staatsleben seit über 100 Jahren. Die deutschen Juden bewahren im deutschen Volke ihre besondere Art. Nur dann ist ein Mensch ganz, innerlich stark und eine Stütze auch für andere, wenn er seine Kraft aus den tiefsten Quellen seines Selbst schöpft und in den Tagen der Krisis zu seinen Vätern seine Zuflucht nehmen kann. Auch der deutsche Jude kann wahrhaft Deutscher sein, wenn er wahrhaft, mit ganzem Herzen und mit ganzer Seele, Jude ist Diese Ueberzeugung schafft die echte Harmonie zwischen Deutschtum und Judentum im deutschen Juden. Dr. Eschelbacher schließt: Auch wenn eine neue Verfassung bestimmen sollte, kein Jude könne Staatsbürger sein, dann könnten wir uns zwar nicht mehr auf die Verfassung berufen, aber unser Recht würden wir damit nicht aufgeben, sondern nur aus einem tieferen, einem ewigen Grunde schöpfen. Unsere alte jüdische Vergangenheit und unsere bald zweitausendjährige Geschichte in Deutschland sind ein mächtiges Zeugnis dafür, daß in unserer Art und in unserem Bestände sich Gottes Wille offenbart. Dann würden wir zuletzt den Kampf um unser volles Bürgerrecht in Deutschland als deutsche Juden führen mit Berufung auf Gottes Willen. Ein steirisches Unikum. Sonderbar wirft oft das Leben mit Menschen herum, gestaltet ihr Schicksal in wunderlicher Weise, pflanzt sie in fremde Erde, läßt sie verderben oder erblühen, wie blind verstreute Samenkörner. Da hat sich vor längerer Zeit ein Fünfzigjähriger, ein Herr G. Schofmann, in einem Dörfchen bei Graz niedergelassen, ein stiller Mensch, von dem die Einheimischen nur soviel wissen, daß er ein „Schriftsteller" ist, aber was er schreibt, haben sie nie gelesen, werden sie nie vor Augen bekommen, würden sie nie zu entziffern vermögen. Der Pfarrer träfe es vielleicht hei einigem Bemühen, doch auch er ahnt wohl kaum, daß der nachdenkliche Mann, dem er zuweilen auf anmutigen Wiesenpfaden und auf Feldwegen begegnen mag, ein Dichter der grünen steirischen Heimat ist, gleich Rosegger und Bartsch, ein leidenschaftlicher Bewunderer der Schönheiten unserer Alpenwelt, ein Bauerndichter, dessen realistische Darstellungen des rustikalen Lebens an Thoma gemahnen. Dieser Einsame, der mit dichterischer Inbrunst um die Gestaltung steirischen Bauerntums bemüht ist, stammt aus Rußland, seine Schöpfungen schreibt er in — hebräischer Sprache und seine Bücher erscheinen in Palästina! Ueber ihn äußert sich der Jerusalemer Korrespondent der ..Jüdi-

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