Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1933
- Issue
- Heft 7 (17.2.1933)
- Date
- 1933-02-17
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT Seite 3 Deutsche Worte, Gerhart Hauptmann. In den von Joseph Chapiro herausgegebenen „Gesprächen mit Gerhart Hauptmann" findet sich die folgende Aeußerang Hauptmanns über den Rassenwahn: „Obwohl ich kerndeutsch empfinde, ist mir ein eigentliches Rassegefühl ganz fremd. Ich hatte niemals Regungen dieser Art in mir zu bekämpfen wie zum Beispiel Tolstoi, der von Haus aus Antisemit war. Ich sehe einen Menschen weder auf seine Hautfarbe hin an noch frage ich nach seinem Glaubensbekenntnis, und wenn ich diese zufällig bemerke oder über jenes indirekt etwas erfahre, interessieren mich diese Tatsachen nur rein äußerlich, sozusagen als Phänomene. Es gibt eine Geistestufe — sie heißt Kultur und ist eigentlich ein UeberfluB unserer praktischen Geistigkeit — die zu erreichen wir alle trachten müssen. Auf dieser Höhe sind nur Geist und Menschlichkeit für das Kulturniveau eines jeden maßgebend, und nur auf ihr spüren wir ungeahnte Verwandtschaften, die bereichern und beglücken." Reichskanzler Marx. Vor kurzem vollendete d'er frühere Reichskanzler Dr. Wilhelm Marx sein 70. Lebensjahr. Als Führer des Zentrums wirkte Dr. Wilhelm Marx stets darauf hin, daß der Antisemitismus als Kulturschande Deutschlands bekämpft werde. Kurz nach Antritt seiner ersten Kanzlerschaft (Ende 1923) hat er dem Berliner JTA-Verteter eine Erklärung abgegeben, in <Ber er im Namen der Reichsregierung in entschiedener Form gegen die antisemitische Hetze Stellung nahm und der angegriffenen jüdischen Gemeinschaft, ebenso wie ihren einzelnen MigKedern Schutz ihrer Ehre und persönlichen Sicherheit zusicherte. Den Bestrebungen des Cientral-Vereins hat Reichskanzler Marx suets lebhaftes Interesse entgegengebracht. In jüngster Zeit erst, als ihm das „Weißbuch" des Oäntral-Vereins, eine Dokumentenmappe über die Stellung des Nationalsozialismus zur Judenfrage, übermittelt worden war, hat er dem Centrai- Verein u. a. geschrieben: „... Es ist mir geradezu unfaßbar, wie ein sonst so kluges und beherrschtes Volk wie das deutsche, wenigstens zu einem so großen Teile, auf so viel Unsinn eingeihen konnte. Eine Erklärung habe ich nur in dem Umstand? finden können, daß wir infolge der wirtschaftlichen Not geistig zerrüttet und' verwirrt worden sind. Eine Besserung scheint ja auf dem Marsche zu sein. Die von blindem Haß begleitete antisemitische. Einstellung der Nationalsozialisten habe ich schon kraft meiner Weltanschauung für ebenso verwerflich wie töricht und unsinnig, laber ebenso auch für undeutsch und antinational angesehen und. bekämpft, wo ich nur immer dazu Gelegenheit gefunden habe. Ihr ausgezeichetes Material wird mir bei meiner weiteren Abwehr und Bekämpfung wertvolle Dienste leisten." Und nun regiert Hitler... Märehen, nichts als Märchen . . . chan Aruch Rabbiner Dr. Katminka vernommen. Er erklärte dem Richter, was diese beiden Schriften bedeuten und enthalten, und gab an, daß nach dem Inhalt dieser beiden Bücher den Juden sexueller Mißbrauch mit Kindern keineswegs erlaubt ist, daß-vielmehr aus verschiedenen Stellen dieser beiden Bücher das gerade Gegenteil hervorgehe. Der Verteidiger versuchte den arischen Dreh, daß die inkriminierte Behauptung sich nicht gegen eine Religionsgemeinschaft, sondern gegen die Juden als Rasse und Nation richte. Der Verteidiger verwies auch auf Gerüchte, die sogar über Ritualmord verbreitet sind, und wollte für seinen Klienten sogar den guten Glauben als Strafausschließungsgrund in Anspruch nehmen. Der Richter tat ihm aber nicht die Freude, sondern verurteilte den Beschuldigten im Sinne der Anklage zu einer Geldstrafe von 300 Schilling, eventuell zu sechs Tagen Arrest. Der Richter verwies auf die Aussage des Sachverständigen Dr. Kaminka und betonte, daß in der inkriminierten Notiz nicht von einem Gerücht, sondern von einer Tatsache die Rede ist. Am 19. November v. J. war in der „D ö t z" unter der Ueberschrift „Wieder ein jüdischer Kinderschänder" eine Notiz erschienen, in der es hieß: „Nach dem Talmud und dem Schul chan Aruch, dem Buch der Entscheidungen, ist sexueller Mißbrauch mit Kindern den Juden erlaubt." In dieser Behauptung erblickte die Staatsanwaltschaft das Vergehen der Beleidigung einer Religionsgemeinschaft. Da jedoch der mutige Verfasser der Notiz wie gewöhnlich nicht eruiert werden konnte, wurde lediglich gegen den „verantwortlichen'' Schriftleiter, Dr. Gerhard Aich tilge r, eine Anklage wegen Vernachlässigung pflichtgemäßer Obsorge erhoben. In der Verhandlung vor dem Presserichtcr LGR. Dr. S t a n d h a r t i n g e r wurde als S a c hverständi.ger über Talmud und Schulräuberische Roheit der christlichgermanischen Gewalthaben den Söhnen Israels diese Macht selbst in die Hände geführt haben, braucht hier nicht erst erörtert zu werden." Nun, schärfer kann man das nicht gut ausdrücken. Um so iataler die Gesamthaltung zum Judentum bei Wagner . . . Chamberlain, der Antisemit, der in seiner Wagner-Biographie eine Anzahl (gar nicht zur Sache gehörenden) antisemitischer Stimmen bringt, verallgemeinert zu Unrecht, wenn er schreibt: „Der Verderb des Blutes und der demoralisierende Einfluß des Judentums, das sind also nach Wagner die tiefsten Ursachen unseres Verfalls." Nein: der Antisemitismus ist bei Wagner eine bedauerliche Seitenlinie, aus Ressentiment und Unsicherheit geboren, die mit seiner wahren und tieferen Weltanchauung nichts zu tun hat und die siefi durch jene Einschränkung „schlecht gleich jüdisch" von selbst ad absurdum führt. Schlimm ist nur die Gedankenverwirrung bei Chamberlain, der das gleiche weiß und doch Antisemit bleibt. Er bekennt, daß Wagner den Verkehr und die Freundschaft mit Juden nicht gemieden habe, und „daß diese ganze Hetze gegen Wagner nur bei den schlechteren Elementen des eigentlichen Judentums Unterstützung fand und in Wahrheit nichts anderes als eine Verschwörung der Talentlosen und Mittelmäßigen — „jeglicher Konfession" — gegen das Genie war." (Sperrungen vom Verfasser.) Was hat das dann noch mit den Juden zu tun? Warum verunglimpft man sie, wenn man die Mittelmäßigen meint? Warum ist Chamberlain so feige und stellt das nicht fest? Warum macht er sich des Verbrechens der lieblosen Verurteilung von Solschen, die er gar nicht verurteilen will, .. 'schuldig? Nun, weil es sehr, sehr menschelte ... bei 'ihm wie bei Wagner. Wir glauben aber, daß dieser geradezu klassische Fall uns wieder einmal die furchtbare kulturelle Gefahr zeigt, in der wir schweben, wenn weiterhin — entgegen der besseren Ueberz e g u n g! — jüdisch gleich schlecht gesetzt wird. Sagen wir uns alle gründlich davon los. aber so gründlich, "daß dieser weltgeschichtliche Schandfleck, dem auch ein tQenie wie Wagner zum Opfer fiel, aus dem Sinnen und Tun der Menschen verschwindet . . . CNOBPIC AUSWAHL BILLIGSTE MIEISI E pplP #S I* #*' %. teppiche vobhAnsc nöKUTorrr, decken MVR l.,DA»ERNMABItT12-l4 Eine neue judische Bibelübersetzung, Seit vielen Jahren arbeitet eine Kommission jüdischer Gelehrter an einer neuen volkstümlichen Bibelfibersetzung. Das Uebersetzungswerk wird von zahlreichen Kulturorganisationen, vor allem von der Jüdischen Gemeinde Berlin, gefördert In der Reihe der „Montag-Vorlesungen" der Berliner Hochschule für die Wissenschaft des Judentums erläuterte der Vorsitzende des Dozentenkollegiums der Hochschule und Redaktor des Uebersetzungswerkes Dr. Harry Torczyner vor einem großen Auditorium, in dem sich zahlreiche jüdische Wissenschaftier befanden, die wissenschaftliche Grundlage der Uebersetzungsarbeit: Einleitend rechtfertigte er das Bedürfnis weiter jüdischer Kreise nach einer dem neuesten Stande der Wissenschaft und der deutschen Sprache entsprechenden neuen Uebersetzungswerke. Die früheren Uebersetzungen, von denen Doktor Torczyner die Z u n z s c h e als die lebendigste bezeichnet, dienten nur der wortgetreuen Textübertragung, wurden aber vielfach den dichterischen Schönheiten der Bibel und den Stilerfordernissen der deutschen Sprache nicht vollauf gerecht. Die christlichen Uebersetzungen waren wegen ihrer Tendenz für Juden unbrauchbar, zumal auch sie stilistisch nicht hervorragten. Nach dem Kriege ging eine wissenschaftliche Kommission, bestehend aus 14 jüdischen Gelehrten aller religiösen und wissenschaftlichen Richtungen (u. a. Doktor Elias Auerbach-Haifa, Prof. Dr. Pick, Rabbiner Doktor Jakob-Dortmund, Dr. Torczyner. Rabbiner Dr. Dienemann-Onenbach, Rabbiner Dr. Cäsar Seiigmann, Rabbiner Dr. Salzberger-Frankfurt, Rabbiner Dr. Emil Levy, Rabbiner Dr. Emil Bernhardt-Cohn, Rabbiner Doktor Schreiber-Potsdam, Rabbiner Dr. Gans) an die gemeinsame Arbeit. Festgelegt wurden nur zwei Grundsätze: Die Treue zum überlieferten Text und die traditionelle Uebersetzung des Gottesnamens Im übrigen sind die Uebersetzer trei. Die tiefgreifenden Unterschiede in der wissenschaftlichen Auffassung und andere Unterschiede in den einzelnen Arbeiten machten sich alsbald störend bemerkbar: so übersetzten einige alles in dichterischer, andere alles in Prosaform, gleichartige Partien wurden nach entgegengesetzten Grundsätzen bearbeitet. Zur Wahrung der Einheitlichkeit wurde daher Dr. Torczyner zum Redaktor berufen. Dr. Torczyner legte alsdann seine Einstellung zur hebräischen Sprache, zur Bibel und zu methodischen Fragen dar. Soll eine Uebersetzung volkstümlich werden, so muß sie bei jedem Bibelwort und bei jedem Bibelsatz ganz von neuem beginnen und sich jeden Begriff neu erarbeiten, wie dies Franz Rosenzweig und Martin B u b e r in ihrer Arbeit vorbildlich getan haben. Im übrigen aber weist diese Uebersetzung nach Meinung des Redners zahlreiche grundsätzliche Fehler aui, vor allem die Ueberbetonung des Wertes der Etymologie. Dr. Torczyner belegt dies an einzelnen Beispielen. Er hält auch die reine Wiedergabe des hebräischen Sprachrhythmus im Deutschen für unmöglich und glaubt, daß die Uebersetzung der erzählenden und anderen Prosateile der Bibel sich scharf abheben müsse von der Verdeutschung der Dichtungen, die er selbst in den Psalmen und Propheten als Einlagen ansieht. Das Uebersetzungswerk ist jetzt beendet und die Schiußredaktion schon soweit gediehen, daß die erste Probe binnen wenigen Wochen gedruckt vorliegen wird. Zur Illustration der von Dr. Torczyner vorgetragenen Grundsätze rezitierte der Schauspieler Meinhart M a u r einzelne für die neue Uebersetzung bezeichnende Kapitel aus der Bibel: Das Schlußlied des Mose („Haasinu"), die Jotam-Fabel („Richter", Kapitel 9). das zweite Kapitel aus „Jeremias", einen Teil des „Hohen Liedes", die ersten Kapitel aus „Hiob" und das erste und letzte Kapitel aus „Koheleth". Der Prozeß Jesu in historischer Beleuchtung. Der hervorragende deutsche Kirchenhistoriker Professor Hanz Lietzmann. der Nachfolger Harnacks, hat auf Grund historisch-kritischer Forschungen und Ueberleguiigen vor einiger Zeit die These aufgestellt, daß das Todesurteil über Jesus, nach der Lage der Dinge, keineswegs vom jüdischen Synhedrion sondern einzig und allein vom römischen Landpfleger Pilatus gesprochen werden konnte. Diese These begründete Professor Lietzmann vor kurzem in der Gesamtsitzung der preußischen Akademie der Wissenschaften. Er kam zu dem folgenden Ergebnis: die Rolle, die das jüdische Gericht im Markus-Evangelium spielt, ist unhistorisch erwiesen und die Verurteilung Jesu durch den römischen Statthalter eine Tatsache. Für den Bericht im Markus-Evangelium, daß das ganze Synhedrion Jesus wegen Gotteslästerung zum Tode verurteilt hat und dem Pilatus übergab, wird nach Lietzmann keine Quelle glaubhaft. Petrus ist nicht der Gewährsmann, denn er ist wie zweimal ausdrücklich betont wird, nur bis in den Hof des hohenpriesterlichen Palastes vorgedrungen und unten im Hof geblieben. Er kann also von der Verhandlung nichts gehört haben, einen anderen Zeugen sehen wir nicht. Jenes Wort, das den auferstandenen Jesus als Meister des neuen Lebens dem außer Kraft gesetzten mosaischen Gesetz gegenüberstellt, atmet den Geist der bekehrten Hellenisten. Ebenso unjüdisch ist die Frage des Hohepriesters. ob Jesus der Messias, der Sohn Gottes, sei. Was Jesus antwortete, mochte man als volksverderblichen Aberglauben bekämpfen, aber eine Lästerung war es nicht — selbst der Name Gottes war mit jüdischer Korrektheit in der Antwort Jesus ebenso vermieden wie in der Frage des Hohepriesters. Nimmt man selbst an, Jesus sei vom Synhedrion für die Gotteslästerung zum Tode verurteilt worden, so ergäbe sich notwendig, daß er nach dem levitischen Gesetz durch Steinigung hätte hingerichtet werden müssen. Nun ist aber Jesus gekreuzigt worden: eine typisch römische Strafe, aus deren Vollzug sich ergibt, daß Pilatus das entscheidende Urteil gesprochen hat. Der Einwurf, Pilatus habe nur ein jüdisches Urteil vollstreckt, da das Synhedrion wohl das formale Recht zur Verurteilung hatte, aber nicht die Kompetenz zur tatsächlichen Ausführung seines Urteils, das erst durch den römischen Prokurator zu bestätigen war — diesen Einwand wider. CliUSIU^lBA]» KÜR* UND BAXHEANSTAIVT WIEN IX., CLUSIUSGASSE NR. 12 an der Frlederu-brücke gelten - .A. Original POSSlSdlCS DeotpflM* mit ——-» Buschenbehandlung gegen Rheuma etc. Gegen Vorweisung dieses Inserates S 1.30