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Die Wahrheit · 1933-02-17 · Heft 7 (17.2.1933) · page 2

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1933
Issue
Heft 7 (17.2.1933)
Date
1933-02-17
Page
– (sequence 2)
Language
German
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■mnuimmHiHinanilHmninnr, achle(e. 0as> mußte aufhören. In Ungarn waren die Qm& V>im ULM auf. 5Jbtidsdo4< Denn dort steht die berühmte Schmidl-Mazzoth-Fabrik Jlathan (ßrodetetzy Zentrale: Wien, 2. (Bezirk, JCeopofdsgasse 43 Telephone: A 461-&0, A 41-9-52, A 60-2-63 Die ffftmidl-ytlauxotfä und das Fabrikat „DfTarfie $ cfkmidi Jl. äfj." (Mazzoth, Grieß und Farwel) sind außerdem erhältlich in allen besseren Geschäften m s 3 Graf Apponyi und die Position der Juden in Ungarn. ■ Der in Genf im Alter von 87 Jahren verstorbene Führer der ungarischen Delegation beim Völkerbund, Graf Albert Apponyi, der „Große Alte Mann Ungarns", kam während seiner politischen Laufbahn und insbesondere während seiner Tätigkeit in Genf mit Juden und jüdischen Fragen oft in Berührung. Seine vor dem Völkerbund wiederholt vertretene Meinung, daß der Schutz der Minderheiten in einem Staate durch eine außerstaatliche Instanz unvereinbar sei mit der Würde eines souveränen Staates, stand im Einklang mit der Anschauung der ungarischen Juden. Ueberhaupt war seine Haltung gegenüber den Juden und jüdischen Fragen eine außerordentlich freundliche. Als vor einigen Jahren die Frage des gesetzlichen Numerus clausus in Ungarn von dem Völkerbund behandelt wurde und der damalige ungarische Ministerpräsident Graf Stefan Bethlen und der Kultusminister Graf Klebelsberg sich über diese Angelegenheit in Genf persönlich äußern mußten, war es Graf Apponyi, der seiner Regierung geraten hat, nachzugeben und das Gesetz über den Numerus clausus seines gegen die Juden gerichteten konfessionellen Charakterszuentkleiden, um sich nicht beim Völkerbund eine Niederlage zu holen. Ungefähr um die gleiche Zeit gab Graf Apponyi dem Vertreter der Jüdischen Telegraphen- Agentur in Genf ein Interview, in dem er die Position der Juden in Ungarn darlegte und der Ueberzeugung Ausdruck gab, daß der Antisemitismus in Ungarn, der in den Jahren des Weißen Terrors so gewaltsame Formen angenommen hatte, abflauen und bald zu existieren aufhören werde. Die antisemitische Welle in Ungarn, sagte Graf Apponyi damals, sei nur eine Reaktion auf die Tatsache, daß sich in der bolschewistischen Revolution, die Ungarn so viel Schaden gebracht hat, eine Anzahl Juden hervorgetan hat, wobei die Menge vergaß, daß die übergroße Mehrheit der ungarischen Juden Gegner des Bolschewismus war und zahlreiche Juden unter dem bolschewistischen Regime verfolgt und zugrunde gerichtet wurden. Die Erwachenden Magyaren, die anfangs nur gegen das Bollwerk des Bolschewismus anrannten, sanken später zu einer antisemitischen Gruppe herab, die das Gesetz nicht Juden stets gleichberechtigt und werden es immer bleiben. * Die Pester Jüdische Gemeinde zum Tode des Gräfe« Apponyi. Die Vorstehung der Pester Israelitischen Religionsgemeinde richtete an die Gräfin Albert Apponyi die nachstehende Beileidsdepesche: „Tief erschüttert nehmen wir Anteil an der großen nationalen Trauer, die unser Vaterland durch das Ableben des Grafen Albert Apponyi, des idealen führenden Kämpfers um die ungarische Wahrheit und Rechtsgleichheit, getroffen hat, und senden in pietätvoller Huldigung seiner edlen Lebensgefährtin, den Kindern, sowie der ganzen Familie unser innigst empfundenes Beileid. Präsident Samuel Stern, Generalsekretär Alexander E p p 1 e r." Die Vorstellung hat ferner beschlossen, auf sämtlichen Gebäuden der Gemeinde die Trauerflagge zu hissen und im Rahmen der Freitagabendgottesdienste in der Predigt des Grafen Albert Apponyi als eines Vorkämpfers der ungarischen Gerechtigkeit und Rechtsgleichheit, sowie des konfessionellen Friedens zu gedenken. Die Gemeindevorstehung hat korporativ am Leichenbegängnis teilgenommen, ebenso die Zöglinge der höheren Klassen der Gemeinde-Mittelschulen. ISRAELITISCHE KVLTlSGErnCIllDE WIEN MO tSTAWDS A KHOW 1932/33__ An alle Mitglieder unserer Gemeinde! Bis zur Unerträglichkeit hat sich die Not der jüdischen Bevölkerung Wiens gesteigert. Nahezu 50.000 Menschen, fast ein Viertel der Juden Wiens, sind auf unsere Hilfe angewiesen! Hunger und Kälte bedrohen in bisher nicht gekanntem Maße Creise und Kinder, arbeits- und erwerbslose Familien. Die Not ist unbeschreiblich. Wenigstens eine warme Mahlzeit im Tage und etwas Brennmaterial wollen wir den Allerbedörftigsten geben. Unsere Winferhllisühlion ist in Gefahr angebrochen zn werden. weil die zur Verfugung stehenden Miiiel erschöpft sind. Dies wäre eine Katastrophe für die Allerärnuten; es wäre aber auch ein unbegreifliches, beschämendes Versagen der jüdischen Gemeinschaff, die bisher und auch in den schlechtesten Zeiten niemals fehlte, wenn es sich um Beseitigung schwerster Not handelte. Wer nicht den nagenden Schmerz des Hungers zu leiden hat, wer im gehetzten Zimmer den schwersten Unbilden eines strengen Winters entrückt ist, darf der unzähligen Hungernden, Frierenden und von Obdachlosigkeit Bedrohten nicht vergessen. Wir bitten alle, insbesondere aber jene, welche unseren ersten Aufruf unbeachtet ließen, um unverzügliche Hilfe. Jeder gebe nach besten Kräften! Die Zentralkommission für soziale Fürsorge: Dr. Isidor Klaber Obmann Börserai 1. oiodf, Proi. Dr. zappen Obmann-Stellvertreter Der Vorstand der Israel. Kultusgemeinde Wien: Dr. Deslder rrledmonn Präsident Dr. J. Ornslein Dr. J. Löwenherz Vize-Präsidenten Feuilleton Richard Wagners Stellung zum Judentum. Zum 50. Todestage des Meisters. Von Hans Hartmann. Richard Wagner wird von den Judenfeinden als einer ihrer Hauptkronzeugen angesehen. Für diejenigen, die die Materie nachprüfen wollen, seien kurz die Quellen angegeben. 1850. also im Alter von 37 Jahren, schrieb Wagner zum erstenmal über die Juden, und zwar in seiner Schrift „Das Judentum in der Musik", ihr ließ er eine Erläuterung von gleicher Länge folgen, und zwar aus Triebschen zu Neujahr 1869 in einer an Frau Marie Muchanoff, geborene Gräfin Nesselrode, gesandten Schrift „Aufklärungenüber das Judentum in der Musik" (in der Ausgabe von Breitkopf und Härtel, Band 8, Seite 238). Dazu kommen noch gelegentliche Bemerkungen aus kleineren Schriften, so aus den „Ausführungen zu Religion und Kunst", 1. Abschnitt „Erkenne dich selbst" oder aus dem kleinen Aufsatze „Modern**. (Beides Band 10.) Der letztere beginnt mit einem Knalleffekt, und da hier das niedrige Niveau des antisemitischen Kampfes sofort erreicht wird, sei-dieser Anfang wiedergegeben. Wagner zitiert „eine bedeutsame jüdische Stimme" aus einer ihm zugesandten Flugschriit, die folgendermaßen schließt: „. . . denn in. der1 Tat arbeitet jetzt das deutsche Judentum so .kräftig, so riesig, so unermüdel an der neuen Kultur und Wissenschaft, dali der größte Teil des Christentums bewußt oder unbewußt von dem Geiste des modernen Judentums «eleitet >?ird. Gibt-esdoch Jieuzutage fast keine Zeitschrift oder Lektüre, die nicht von Juden direkt oder indirekt geleitet wäre." Wagner knüpft daran an und schildert unter vielen Seitenblicken auf Frankreich den Einbruch der Juden in die deutsche-Kultur, der sie weder sprachlich noch sachlich gewachsen gewesen wären, so daß beide sich im tiefsten Grunde fremd geblieben seien. Hier nun ist Wagners eigentliche starke — oder, wie wir erkennen werden: schwache — "Stelle. Der Fremdheitskonip 1 e x steht im Mittelpunkte seiner Auffassung. Und er sieht ihn im wesentlichen von der Musik her. Das —- wortlich zitiert — „unwillkürlich Abstoßende, das unangenehm Fremdartige, die rein sinnliche Kundgebung der jüdischen Sprache, der Begriff des gebildeten Juden, der sich die undenklichste Mühe gegeben habe, alle auffälligen Merkmale seiner niederen Glaubensgenossen von sich abzustreifen" — all diese Dinge, und noch viel mehr, stehen in der ersten Schrift Wagners. Zu einer ernsteren: Höhe erhebt sich Wagner erst iu jener zweiten Schrift, den „Aufklärungen" von 1809. Um ihr gerecht zu werden, beseitigen wir erst den unangenehmen Geschmack, der uns von der ersten übrig bleibt Wagner läßt immer wieder mit einer geradezu grotesken Deutlichkeit durchblicken, daß er sich der Verfolgungen seitens der „jüdischen" Presse erwehren müsse. Sein Motiv zur Gegenwehr, wie er sie leider für nötig hielt, ist also ganz egoistisch. Er war ja darin überhaupt von einer nicht zu überbietenden Naivität. Der jüngst verstorbene Prager Philosophieprofessor Christian von Ehrenfels, der zum Kreis der engeren Wagner-Freunde gehörte und in seiner Jugend zu Fuß von Prag nach Bayreuth pilgerte, erzählte mir einmal mit ganz unbekümmerter Freude; Wagner habe in Bayern in seiner Glanzzeit in einem Abteil erster Klasse gesessen und wollte einsteigenden Reisenden nicht Platz machen. Als der Schaffner energisch wurde, fuhr er diesen an: „Aber wissen Sie denn, wer ich bin?" Ich erwähne das, weil solche kleinen Erlebnisse tief in die psychische Struktur eines Menschen — auch eines Genies! — blicken lassen. Der psychische Verlauf ist nämlich bei den größeren Dingen genau so! Und wenn man so zu den Wurzeln hinuntergräbt, wird manches erklärlich und dadurch freilich nicht „wahrer", sondern in Staub aufgelöst Alles, was aus Ressentiment geboren ist, ist unzulänglich und fatal, und so auch der Wagnersche Antisemitismus. Und — wenn noch eine kleine Bemerkung erlaubt ist: wie hält-sich Wagner über jüdische Musikwerke auf, die den Eindruck hervorrief eh,-als ob ein Goethesches Gedicht im jüdischen Jargon vorgetragen würde.- Ob" es wirklich!* ein Unterschied war, -wenn Wagner in sächsischem-Dialekt den „Tristan" vorlas (man denke: „Nie Wiedererwachens wahnlos hold bewußter Wunsch" auf sächsisch!), sei dahingestellt . . . Aber nun zu der Formulierung aus der späteren Schrift. „In jenem Absatz über das Judentum zeigte ich, . . . daß es die Schwäche und Unfähigkeit der nachbeethovenschen Periode unserer deutschen Musikproduktion war, welche die Einmischung der Juden in dieselbe zuließ: ich bezeichnete alle diejenigen unserer Musiker, welche in der Verwischung des großen plastischen Stils Beethovens die Ingredienzien für die Zubereitung der neuen gestaltungslosen, seichten, mit dem Anscheine der Solidität matt sich übertünchenden Manier fanden und in dieser nun ohne Leben und Streben mit duseligem Behagen so weiterhin komponierten, als in dem von mir geschilderten Musikjudentum durchaus inbegriffen, möchten sie einer Nationalität angehören, welcher sie wollen." Das Pathos Wagners gegen alles Seichte in allen Ehren: hier spricht das Genie, und wir beugen uns vor ihm, zumal er ja durch die Tat bewies, daß er es besser machen konnte. Aber: ist es nicht ganz fatal, daß Wagner hier jener Kurzschluß — man muß schon sagen — passiert: alles Schlechte, auch wenn es nicht durch Juden geschieht ist jüdisch!! Hiermit richtet sich Wagners Antisemitismus selbst Und er gibt uns selbst den Maßstab zu seiner Beurteilung in die Hand. Wir brauchen gar nicht zu jener billigeren Methode zu greifen und darauf hinzuweisen, daß Wagner Geld, Förderung und Mitarbeit von Juden gern nahm, wenn sie sich ihm boten. Nein, im rein Geistigen, in der nicht mehr sauber zu nennenden Ableitung, in der Vermischung der Begriffe liegt der Todeskeim. Daß man mit dieser Methode eine Unzahl Menschen, nämlich jüdische Menschen, aufs tiefste beleidigt wenn man schlecht gleich jüdisch setzt scheint Wagner ebensowenig wie allen, die denselben stereotypen Gedanken vertreten, aufgefallen zu sein. Und das wiegt nun freilich bei ihm schwerer. Nicht nur, weil er ein Genie war. Sondern, weit er wirklich ehrlich nach einem wahren, großen, volkhaften Humanismus strebte. Und weil ihm ganz klar war, daß die Christen an der Schaffung jenes Fremdheitskomplexes; schuld waren. Schön in - seiner erstenV|Sehrift''(von" 1850T sagt" er: „Daß das-geschichtliche''Elend der'Juden- und; die*

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