Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1933
- Issue
- Heft 4 (27.1.1933)
- Date
- 1933-01-27
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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DIE WAHRHEIT Seite 5 ständnis für die moralische Verpflichtung hatte, das Zugehörigkeitsgefühl zum jüdischen Stamme und zur jüdischen Religion nicht nur aus Pietät in der Stille fortglimmen zu lassen oder gar es als lästiges Erbe mit Resignation zu ertragen, sondern dafür mit Würde in der Oeffentlichkeit einzutreten. In diesem Geiste empfand es auch der Verewigte, seitdem er im Jahre 1884 als Nachfolger seines Vaters in den Vorstand der Allianz kooptiert wurde, als heiliges Vermächtnis, an den Hilfswerken für die verfolgten Juden, besonders in Rumänien und in Rußland, teilzunehmen (in jenen, wie man jetzt sagen muß, fast glücklichen Zeiten waren dies die einzigen Länder, in welchen die Juden ernstlich bedrängt wurden) und sich die Abwehraktion, wie sie anläßlich der infamen Ritualmordbeschuldigungen wiederkehrten (im Polnaer Prozesse, im Prozeß Beilis) angelegen sein zu lassen. Darüber hinaus widmete er sich mit Edelsinn und Herzensgüte mehreren großen Wohlfahrtsinstitutionen der Wiener Judenheit. Er wurde Präsident des Waisenvereines und des Oesterreichisch-Israelitischen Taubstummeninstituts. Es entsprach sowohl seiner vornehmen Gesinnung wie den Traditionen der Allianz, daß die zahlreichen Hilfswerke, die unter seiner Leitung oder Mitwirkung durchgeführt wurden, selten in der breiten Oeffentlichkeit propagandistisch bekanntgemacht wurden und auch in den Jahresberichten meist nur kurze Erwähnung fanden. Er trat selten persönlicli heTvor, wenn er aber bei großen Sitzungen anläßlich besonderer Hilfswerke eine Ansprache hielt, machten seine von Herzenswärme erfüllten und stets taktvollen Worte den tiefsten Eindruck. Als nach dem Zusammenbruch das amerikanische Joint Distribution Committee, dessen einzige Vertreterin für die Monarchie und die okkupierten Gebiete während des Krieges die Israelitische Allianz war — die die große Hilfsaktion für die vielen Hunderte Flüchtlingslager und für alle Ortschaften in Galizien und Russisch-Polen ganz allein organisiert hatte —, ein eigenes Komitee in Wien errichtete, wurde auch zu dessen Präsidenten Dr. Kuranda gewählt. Sein um zwei Jahre älterer Bruder, der im Jahre 1919 verstorbene Reichsratsabgeordnete Hofrat Camill Kuranda, war in späteren Jahren ebenfalls in den Vorstand der Allianz eingetreten und hat durch seine ungewöhnlichen vielseitigen Kenntnisse und seine parlamentarischen Verbindungen eine erfolgreiche Tätigkeit in der VereinsleituiiK entfaltet. Mit Wehmut erfüllt jetzt das Zusammentreffen, das in dem Jahre, da, wenn die Zeiten danach wären, eine Jubiläumsfeier begangen werden müßte, der Name Kuranda, der seit Gründung des Vereines mit demselben ununterbrochen und vielfach so ruhmvoll verbunden war, aus der Liste der aktiven Mitglieder des Vorstandes scheidet. Er wird aber - in der Geschichte der Allianz in immerwährendem Andenken bleiben. Es ist kennzeichnend für den bescheidenen Sinn des Verewigten, daß er letztwillig für sich ein einfaches Begräbnis ohne Grabrede angeordnet hat. Es mag aber ihm zu Ehren der Inhalt des wenige Tage vor seinem Tode an die Mitglieder der Allianz versandten ZiTkularschreibens mitgeteilt werden, des letzten, unter welchem sein Name als Präsident steht, und in welchem über die Tätigkeit der verflossenen Jahre berichtet wird. Israelitische Allianz zu Wien. In dieser Zeit verstärkten gehässigen Kampies gegen das Judentum in mehreren Ländern Zentral- und Osteuropas ungezähmter Aufhetzung der Massen durch giftige Verleumdungen in Wort und Schrift. Bedrohung der bürgerlichen Rechte und der wirtschaftlichen Existenz der Angehörigen unserer Gemeinschaft und öffentlicher Herabsetzung ihrer Ehre und ihres Ansehens ist die Israelitische Allianz vor besonders große und schwere Aufgaben gestellt Es ist diejenige jüdische Hilfsorganisation, die durch unabhängig voneinander in westeuropäischen Ländern bestehende, parallel und einvernehmlich wirkende Körperschaften, bemüht ist. Juden, fiberall wo sie als solche zu leiden haben, mit gemeinsamen Mitteln Hilfe zu gewähren, die Solidaritätsgefühle und den geistigen Kontakt aller Teile der Judenheit zum Zwecke einer tatkräftigen Abwehr ungerechter Angriffe zu fördern und die Ehre unserer Gesamtheit zu verteidigen. Unsere für diese Ziele in ständigem Einvernehmen mit der von Creinieux gegründeten Alliance Israelite Universelle in Paris wirkende, seit 1873 bestehende Israelitische Allianz zu Wien schaut jetzt auf eine sechzigjährige Tätigkeit zurück. Durch den Umstand, daß Wien eines der größten jüdischen Zentren ist und den Ländern des Ostens, wo die Juden schwer bedrängt sind, am nächsten liegt, hat unsere Organisation auch nach dem Zerfall der Atonarchie ihre Stellung im Verbände der jüdischen Hilfsorganisationen behalten und neben der Mitwirkung bei genieinsamen Hilfswerken hat die Not der Nachkriegszeit in großem Umfange die Unterstützung von jüdischen Flüchtlingen, von jüdischen Studierenden der zu Herden des Judenhasses gewordenen Hochschulen und von in ihrer Existenz bedrohten Wohlfahrtsanstalten erforderlich gemacht. Eine besondere Aufgabe ist der Israelitischen Allianz ferner in der Förderung der Ausbildung der Chaluzim und Unterstützung der Reise derselben nach Palästina entstanden. Unsere Einnahmen aus Mitgliedsbeiträgen und Spenden sind seit dem Zusammenbruche natürlicherweise sehr zusammengeschrumpft und wir wären überhaupt nicht in der Lage gewesen, in einer Zeit, da innerhalb der verarmten Judenheit Wiens die Wohltätigkeit selbst den dringendsten lokalen Bedürfnissen zu entsprechen außerstande ist. unsere den Blick auf die idealen höheren Ziele der Judenheit der ganzen Welt richtende Hilfsorganisation zu erhalten, wenn nicht kurz vor dem Kriege ein großzügiger Freund der Israelitischen Allianz unserem Vereine ein bedeutendes Legat testiert hätte. Im folgenden veröffentlichen wir die Liste der unionistischen Vertrauensmänner der Bezirkskommissionen der Kultusgemeinde. I. Wahlkreis (I. Bezirk): Saiiüor B a r o t i. I. Franz Denes. I. Josef Dohan. I. Siegmund Ernst, 1. Siegmund Freund. 1. Doszö F r i e d m a u n. XX. Max Hoibauer. I. Markus Kamm. 1. Dr. Norbert K1 i n g e r. I. Siegmund K o h n. I. Simon K o h ir. I. Dr. Edmund Korn. I. lug. Ludwig K r i t z 1 e r, 1. Eduard K u n s t a d t. I. Leopold O p p e n h e i in, I. Komm.-Rat Siegmund Planer, II. Leopold S a t o r i, I. Fritz Spitzer. 1. Samuel Wechsler, 11. Eduard Widrich, XVIII. Richard W i e n e r. I. II. Wahlkreis (11. Bezirk): Ludwig Adler, II. Max Bergmann. II. Wilhelm Herzka. II. Di?. Gustav Kol min. 11. Arthur Nasche r, II. Moritz Pappenheim. II. Gustav Planer, II. Jakob Stern. II. Alois Theumanu, II. Felix Wachsberge r. II. Friedrich Wechsler, II. III. Wahlkreis (III./XI. Bezirk): Albert Bauer, III. Magister Hermann Berger. III. Samuel Frost, III. Rudolf Horner. III. (ng. Hugo Koditschek. III. Komm.-Rat Adolf Unger. III. IV. Wahlkreis (1VJV./X. Bezirk): Max Boritz, V. Gustav Fuchs, IV. Leopold Grünspan, X. Max Pollatschek. X. Jakob S. Straßberg. IV. Alfred Tone lies. X. V. Wahlkreis (VL/'VH. Bezirk): Heinrich Bäck. VII. Emil Eckstein. VII. Moritz Felsenburg. VII. Ludwig Medak. VI. Nathan P o 11 a k. VI. Adolf Taub. VI. VL Wahlkreis (VIII./IX. Bezirk): Friedrich Feuer. IX. Josef Fuchs. IX. Moritz Röblitz. VIII. Siegmund Kornmehl. IX. Baumeister Edmund MeIcher, IX. Salomon Oesterreicher, IX. Ignaz Walzer, IX. Michael Max Weiß. IX. VIL Wahlkreis (XIL—XV. Bezirk): Komm.-Rat Samuel Bernhardt. XV. Ernst Gruber. XIV. Die Erträgnisse dieses Legates konnten zwar einen großen Teil unseres Budgets decken, sie ermöglichten es aber bei weitem nicht, zusammen mit den Jahresbeiträgen und Spenden den auf allen Gebieten gestiegenen Ausgaben, die im abgelaufenen Jahre zirka 67.000 Schilling ausgemacht haben, die Wage zu halten, so daß unsere Jahresrechnung mit einem bedeutenden Defizit schließt. Dabei gilt es. angesichts der nah und fern in der Judenheit gestiegenen Bedrängnis, unsere Hilfe zu erweitern und in größerem Maße als bis jetzt den an uns gestellten Anforderungen, zu entsprechen. Wir richten daher an unsere bewährten Freunde und an alle, die ein offenes Auge für die Lage der jüdischen Gemeinschaft haben, die dringende Bitte uns durch möglichst hohe Jahresbeiträge und einmalige Zuwendungen ihre Mitwirkung zu gewähren. Der Mindestbeitrag eines Mitgliedes beträgt derzeit S 12.— jährlich. Der Vorstand der israelitischen Allianz zu Wien. Dr. Arthur Kuranda. Präsident (es folgen die übrigen Vorstandsmitglieder). Hermann K u n c r. XIII. Hof rat Dr. Friedrich Pol Jak. XIV. Jakob Steiner. XIII. VIII. Wahlkreis (XVL/XVIL Bezirk): Jakob Fleischer. XVII. Rudoli Geiger. XVII. Dr. Otto K reisky. XVII. IX. Wahlkreis IXVIIJ./XIX. Bezirk): Dir. Jcset brüll. XIX. Dir. Heinrich Glückst ha I. XVIII. Josef Nossig. XVHI. Eduard Rechnitzer. XIX. Leopold Subak. XVHI. Michael Tauber. XIX. X. Wahlkreis (XX./XX1. Bezirk): Hugo Deutsch, XXI. Leopold Deutsch. XXi. Dr. Julius Grünwald. XXI. Heinrich S a I a m o n. XX. Leopold Weiß. XX. Die Bezirkskommissioueu der K u Itusgemeinden konstituierten sich am vergangenen Montag wie folgt: Wahlkreis I: Obmann: Dr. Norbert K 1 i n g e r: Obmannstellvertreter: Dr. Alfred Lanzer; Schriftführer: Siegmund Freund. Wahlkreis il: Obmann: Dr. Abraham Schmerler; Obmannsteilvertreter: Gustav Planer; Schriftführer: Jakob Scheuermann. Wahlkreis III: Obmann: Dr. Simon Händler; Obmannstellvertreter: K.-R. Adolf Unger; Schriftführer: David Klinghoffer. Wahlkreis IV: Obmann: Dr. Chaim Wolf mann: Obmannstellvertreter: Alfred Tonelles; Schriftführer: Joachim Cypkin. Wahlkreis V: Obmann: Dr. Sanel Beer; Obmannsteilvertreter: Emil Eckstein; Schriftführer: Dr. Fritz Spitzer. Wahlkreis VI: Obmann: Dr. Georg Weiner; Obmannstellvertreter: Architekt fklmund M elche r; Schriftführer: Siegfried Flener. Wahlkreis VI!: Obmann: Otto Ruzek: Obmannstellvertreter: Hof rat Dr. Friedrich Pollak; Schriftführer: Rudolf Duschner. Wahlkreis VIII: Obmann: Siegmund Fürst; Obmannstellvertreter: Dr. Salomon Böhm; Schriftführer: Bernhard Druckmann. Wahlkreis IX: Obmann: Heinrich Glücksthal; Obmannstellvertreter: Dr. Hermann Ebner; Schriftführer: Leopold Subak. Die Konstituierung der Bezirkskommission XX/XXI erfolgt demnächst. ^■■■■»■■■■■■■■■■■■»■■■■■■■■■■■■■■■■■»■■■«»■■■■■■■■■«■■■■■■•■■■■«■■■MuMWMMitimgiMitm—■■■■■■■■■■»mmmwmii Aas den Kaltusbezirkskommissionen.