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Die Wahrheit · 1933-01-20 · Heft 3 (20.1.1933) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1933
Issue
Heft 3 (20.1.1933)
Date
1933-01-20
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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JUeJEND-UNION Wien DL, Berggasse 4._Telephon A19-2-77. Einladung zu der am Sonntag, den 22. Jänner, 8 Uhr abends, im Theatersaal des Cafe Landtmann, L, Ring des 12. November 4, stattfindenden Geselligen Abend der Jugend-Union Auftreten von Mitgliedern der Theatersektion. Zur Aufführung gelangen: „In Ewigkeit Amen" Ein Gerichtsstück von Anton Wildgans > und „Monsieur Herkules" Posse in 1 Akt von Georg Beliy. In der Pause zwischen den beiden Stücken tanzt und singt der kleinste Wiener Star Lisi Weinb erger. Nach Schluß der Akademie Publikums Tanz „The Robby Lion Band." Karten zum Preise von S 1.50 sind im Sekretariat der „Union", IX., Berggasse 4, Telephon A19-2-77, und an der Abendkassa erhältlich. macht wird, die Kapitalskraft der sephardischen Juden zur Milderung der Finanzkrise Spaniens auszunutzen. Bernades kündigt eine Artikel-Serie an, in der er die heutige Lage der sephardischen Judenheit in )3en verschiedenen Ländern erörtern und nachweisen will, daß die sephardischen Juden ihrem einstigen spanischen Vaterlande Sn seinen Jetzigen finamzellen Schwierigkeiten sehr wohl helfen könnten. U. a, wiederholt Bemades in „La Publicitat" den schon von der Madrider Tageszeitung „Heraldo de Madrid" gemachten Vorschlag, einen Werbefeldzug zum Besuch Spaniens als Touristen unter den sephardischen Juden, bei denen allen wohl die Sehnsucht lebt, ihr altes Heimatland zu sehen, durclizuführen. \Prof. Dr. AlfredKappelmadier\ Das jähe Ableben des ordentlichen Professors der klassischen Philologie und Direktors des philologischen Seminars an der Wiener Universität. Dr. Alfred Kappel macher. der vor kurzem einem Schlaganfall erlesen ist. hat nicht nur im Kreise der Universität, sondern auch weit darüber hinaus, insbesondere im jüdischen Wien, lebhaften Anteil geweckt Denn es bedeutet wie iiofrat Dr. S. Frankfurter in der „Neuen Freien Presse" ausführte, einen tiefschmerzlichen Verlust für die Wissenschaft der klassischen Philologie und für die Wiener Universität, die in dem Heimgegangenen einen anerkannten Gelehrten und einen überaus erfolgreichen akademischen Lehrer vertiert Professor Kappel macher ist aus der Wiener Schule hervorgegangen, er war ein Schüler der Professoren Friedrich Marx. Edmund fiauler und Eugen Bormann. Nach Erlangung des Doktorats und Ablegung der Lehramtsprüfung war er zunächst als Gymnasialprofessor in NikoJsburc und dann am Wasa-Gymnasium in Wien tätig; auch an der Schwarzwald-Schule wirkte er und erfreute sich des besten Rufes als Lehrer. Im Jahre 1918 wurde er Privatdozent 1924 außerordentlicher Professor und erhielt im September 1931 als Nachfolger Prof. Haulers das Ordinariat für "klassische Philologie. Kappelmacher war vorwiegend Latinist und meisterte die lateinische Sprache in Wort und Schrift Sein besonderes Arbeitsgebiet waren die. römischen Klassiker, namentlich Cäsar. Vergä. fioraz. aber auch spätere wie der Arzt Celsus: eine Reihe von Untersuchungen galt den Griechen. Sein bedeutendstes Werk ist eine im Sammelwerk Oskar Walzeis erscheinende Geschichte der römischen Literatur, die nahezu vollendet ist Der Forschung und der Lehre unermüdlich ergeben, war er nicht nur in Fachkreisen geschätzt sondern als hingebungsvoller Lehrer von seinen Schülern verehrt. Seine Kollegien erfreuten sich eines besonders starken Besuches. Mit großer Gewissenhaftigkeit diente er seinem Beruf als Lehrer, den er wie ein Priesteramt ausübte. Ein gütiger Mensch, jederzeit hilfsbereit verstand er es auch, einen großen Freundeskreis um sich zu sammeln. Eifrig war er auch im Eranos Vindobonensis sowie im Verein der Freunde des humanistischen Gymnasiums tätig, wo er im Vorjahre bei der Vergil-Feäer die Festrede hielt, die vermöge ihrer klassischen Diktion großen Eindruck machte. Daß die Wissenschaft und die Universität ihn so früh (in seinem 57. Lebensjahr) verlieren mußte, ist tief beklagenswert Dn Trost für alle, die ihn kannten, namentlich für seine Familie ist es aber, daß ihm ein rascher und sanfter Tod. ohne Leiden und Siechtum beschieden war. Ein treues Gedenken bleibt ihm gewahrt. # Am 1. d. M. fand die Beerdigung auf dem Zentralfriedhof (1. Tor) unter überaus starker Beteiligung, der wissenschaftiiehen und aller Gesellschaftskreise statt. Der Kultusvorstand ehrte den Verstorbenen durch ein Ehrenbegräbnis. In Vertretung der Universität Wien erschienen: Prodekan Hof rat Prof. Meister im Talar, begleitet vom Pedell. Prorektor Prof. Uebersberger und viele Professoren. An der Bahre hielt Rabbiner Dr. F c u c h t w a n ig. mit dem Heimgegangenen durch enge Freundschaft verbunden, einen ergreifenden die hohe GeistigkeLt würdigenden Nachruf. Der Trauer der Gemeinde gab der Präsident Prof. Dr. Pick tiefgefühlten Ausdruck. Im Namen der Universität sprach Prodekan Hof rat Prof. Dr. Meister, als Freund und Gelehrter, ferner ein Schüler und im Namen der persönlichen Freunde Nationalrat Dr. Stein. Tief ergriffen folgte eine große Trauergemeinde dem Sarg zum Grabe an bevorzugter Stelle. Jffin&eii ßreus am Wevk Die Blüte der rumänischen Nation. Vor einigen Tagen verhaftete die Polizei von J a s s y neuerdings den Studenten Brica Stefan lliescu und den Jugendlichen Gheorghe Antoniu als öle Haupturheber des um die Mitte des vorigen Monats von Jassyer Studenten verübten b 1 utSgen Ueberfalls auf den Wohltätigkeitsball der jüdischen Vereinigung „Lubirea de Oameni", bei dem zahlreiche jüdische Besucher der Veranstaltung mehr oder weniger erheblich verletzt wurden. lliescu und Antoniu wurden nebst den vorher bereits Verhafteten der Staatsanwaltschaft übergeben, die indessen wieder der Polizei die weätere Untersuchung überließ. Nach Beendigung der Voruntersuchung wurden sämtliche an dem Ueberfall beteiligt gewesenen Studenten freigelassen, nur ein junger Handwerker, Botezatu, und eine Gariderobenangestellte wurden in Hiait behalten. — Die Bevölkerung der Stadt Tecuci ist tief erregt wegen eines Vorfalls, der auf die ständige Beunruhigung der Einwohner durch Gruppen der antisemitischen Terrororganisation „Eiserne Garde" zurückzuführen ist unldi diesmal ein Todesopfer gefordert hat. In den letzten Tagen wurden von jugendlichen „Gardisten" überall Boykottaufrufe gegen die jüdische Kaufmannschaft angeschlagen. Einen solchen Anschlag fand der Kaufmann Moise Cioiaira auch an seinem Laden angebracht. Als er den Anschlag abriß, stürzten auf das Signal eines Beobachtungspostens der „Eisernen Garde" etwa 20 Junggardisten herbei, die gegen den Kaufmann eine drohende Haltung einnahmen. Der bedrängte Kaufmann gab einen Warnungsschuß aus einer Alarmpistole ab, worauf die Jugendlichen das Weite suchten. Die greise Mutter Cioaras, Frau Fanny Cioara, erlitt infolge der Aufregungen über, diese Szene einen Nervenzusammenbruch und verschied bald darauf. Ein ungesühnter Mord. Anläßlich des Jahrestages der Erschießung von fünf jüdischen Jugendlichen, die von der Grenzgendarmerie nach einem vorbedachten Plan in eine: Falle am Dnjestr-Ufer bei S o rocia! gelockt worden waren, veröffentlicht die Kischineffer Tageszeitung „Unser Zeit" einen Artikel von M. Lewanda (Abg. Michael Landau), in dem festgestellt wird, daß der ehemalige Premierminister Jorga entgegen seinem Versprechen nichts unternommen hatte, um die Schuldigen der Bestrafung zuzuführen. Es wurde dagegen eine Hetzkampagne gegen <Uejetügen, die den Fall aufgedeckt hatten, geführt, man veranstaltete Straßenkundgebungen und stellte die im Parlament erhobene Forderung nach Gerechtigkeit und Sühne als Angriff auf die Ehre der rumänischen Armee hin. Der Verfasser richtet daher an den MMsterpräsidenten Iuliu Maniu tdlen Appell, den Fall nochmals zu untersuchen1 und die Bestrafung der Schuldigen zu veranlassen. Am Schluß des Artikels wird die Behauptung aufgestellt, in den offiziellen Untersuchungsakten, deren Vorlage an das Parlament verfassungswidrig verweigert wurde, sei der letzte Beweis dafür, daß die Opfer von Soroca durch die nioch heute unbestraft im Amt befindlichen Beschuldigten in ein Netz gelockt wurden, enthalten. Dep. Landau kündigt die Veröffentlichung neuen Beweismaterials zum Falle Soroca an. Ein tunesisches Fehlurteil. Unter den Mitgliedern der Jüdischen Gemeinde von Tunis herrscht große Empörung über ein Urteil des arabischen Gerichts, das auf drei Monate Gefängnis gegen den jüdischen Bäckermeister Laloum Ankri lautet. Ankri war beschuldigt worden, während des antijüdischen Pogroms in Tunis einen Schuß gegen einen Araber abgegeben zu haben, durch den dieser das Augenlicht verloren haben soll. In Wirklichkeit spielte sich der Vorfall so ab, daß Ankri, der von mehreren Arabern angegriffen worden war, aus seinem Revolver einen Schreckschuß in dste Luft abgab, durch den niemand getroffen wurde. Schon bei den ersten Vernehmungen sagten Sachverständige und Zeugen aus, daß die Erblindung des betreffenldbn Arabers die Folgfö einer Augenkrankheit sei, unter der er litt. Ankri, der nach dem Vorfall verhaftet worden war, wurde später als unschuldig auf freien Fuß gesetzt, dann aber wieder verhaftet. Die jüdische Presse Tunesiens greift scharf mehrere jüdische Notabein an, die um idtes Friedens willens und um einen Prozeß zu vermeiden, dem erblindeten Araber 2000 Fnancs Entschädigung zahlen, aber damit nur erreichten, daß die Araber däese Geste als Schuldbekenntnis seitens der Juden auswerteten. Aus aller Welt Attentatsversuch gegen den Präsidenten der jüdischen Gemeinde Charbin. Unbekannte Täter warfen eine Bombe in (Jas Haus des Präsidenten der Jüdischen Gemeinde von Charbin, Dr. Salomon Rawikowitsch,. die großen Schaden anrichtete, aber niemanden verletzte, da Rawikowitsch und seine Familie sich in den hinteren Räumen des Hauses aufhielten. Eine Polizeiwache wurde nun vor das Haus von Dr. Rawikowitsch gestellt. Wie sich bald herausstellte, handelte es sich beim Bombenwurf um einen Streich russischer Banditen, die d!e Gemeinde zwingen wollen, ein hohes Lösegelldl für die Freilassung des Gemeindemitgliedes Scheril, der am letzten Jörn Kipur beim Verlassen der Synagoge entführt worden war, zu zahlen. Die Banditen, die früher 100.000 Dollar Lösegeld forderten, erklärten jetzt, sich mit 20.000 Dollar begnügen zu wollen. Der Führer der Charbiner Zioriisten Doktor Kaufmann, Redakteur der Wochenschrift „Jewreskaja Schisn", erhielt Briefe der Banditen, die ihm mit dem Tode drohten, falls das Lösegeld für Scheril nicht erlegt wird. Der Bialik-Tag in Palästina. Der 8. Januar, auf den der 60. Geburtstag des großen hebräischen Dichters Chaim Nachman Bialik fiel, wurde von der palästinensischen Judenheit ais Festtag begangen. Im ganzen Lande wurden Bialik- Kundgebungen abgehalten. In Tel Awiw,. der Stadt Bialiks,'fand im überfüllten Theater eine Feier statt zu der die Einlaßkarten viele Tage vorher ausverkauft waren, so daß hunderte BiaÜk-Verehrer keinen Einlaß finden konnten. Die hebräischen Zeitungen erschienen am 8. Januar als Bialik-Festnummern, sie brachten neben Würdigungen Bialiks Proben aus seinen Werken. Die Vereinigung hebräischer Schriftsteller hat eine Bialik-Marke herausgegeben, deren Ertrag für Kulturzwecke verwendet werden soll. Dem Dichter sind viele hunderte Glückwunschtelegramme und Briefe aus dem gesamten Auslande zugegangen; auch die Wiener Kultusgemeinde hat gratuliert Der Dichter selbst hat sich allen Huldigungen seitens der Judenheit Palästinas dadurch entzogen, daß er plötzlich aus Tel Awiw verschwand und über seinen Aufenthalt keinerlei Angaben zurückließ. Die große Bialik- Feier im Theater von Tel Awiw fand in seiner Abwesenheit statt, nachdem, alles Suchen nach ihm ohne Ergebnis blieb. Zionistischer Krach in der Tschechoslowakei. Der Geschäftsführende Ausschuß des Zionistischen Zentralverb andes für die Tschechoslowakische Republik, über dessen schwierige Lage wir jüngst schon berichteten, überreichte in der Sitzumg des Landeskomitees vom 8. Jänner seine Demission. Dr. Rufeisen, dfer Vorsitzende des Verbandes, begründete die Demission mit dem mangelnden Interesse der zionistischen Ortsgruppen und Landeskomitee-Mitglieder an den zentralen Fragen der Organisation unidl Propaganda. Die Sitzung gelangte zu keinem Ergebnis und mußte wegen der vorgerückten Stunde abgebrochen und' um vier Wochen vertagt werden. New York. Iii der Kunstgaleric des zentralen Synagogen-Verbandes von New York wurde soeben eine Ausstellung „Jüdisches Leben und jüdische Tradition" eröffnet, in der Werke namhafter jüdischer Künstler aus verschiedenen Ländern zu sehen sind. Infolge Raummangels entfiel in der dieswöchentlichen Nummer der Schluß des Artikels „Besuch beim Budapester Judentum". wnäni UP3 Weine IS^D Kaufen Sie am besttn, von S 1.20 per Liter aufwärts, bei D. Steinhof IL, Haidgasse 5 — Telephon A 48-3-49

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