Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1933
- Issue
- Heft 2 (13.1.1933)
- Date
- 1933-01-13
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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safc.ii lehren auf :äas ÄuslandsdeutSchturri .festgestellt wurde? jbißs führende "Blatt der nationalsozialistischen Bewegung scheint Sich vor 'einer sachlichen Auseinandersetzung Sber. das Problem „Deutsche Minderheitenpolitik und .NSDAP" zu scheuen. Es flüchtet, sich in unsachliche Beschimpfungen, die 'Oer Kenner der Verhältnisse nur als Ausfluß eines bösen Gewissens werten kann. Merkwürdige Erbfaktoren. In der „Dötz" fand sich kürzlich ein von Liebe, Verehrung, Dankbarkeit überströmender Bericht über die Abschiedsfeier, die deutschnäitonale Studenten für den wirklich bedeutenden Professor Dr. Ferdinand Hochstetter anläßlich seines Rücktrittes von der H. anatomischen iJniVersitätslehricanzel und der Enthüllung seines "Öcrikmäles veranstalteten. In seiher Antwort — ich zitiere die „Dötz" — sagte Hochstetter: Wenn ich als Lehrer und Forscher das geworden bin, was ich heute bin, so ist das nicht mein Verdienst; ich verdanke das, um einen wissenschaftlichen Ausdruck zu gebrauchen, den Genen, die ich von nieinen Eltern ererbt habe, jenen Erbfaktoren, die mich gewissermaßen .zwangen, das zu leisten, was ich geleistet habe. Es war mir angeboren, das, was ich wußte, anderen mitteilen zu müssen. Wahrlich, niemals sind die jüdischen „Genen" so unbewußt in Hochstetter aufgestiegen, wie in diesem feierlichen Augenblicke. Müssen wir es doch oft bedauern, daß geistig und ethisch hochstehende Männer in solchen Momenten nicht dankbar öffentlich ihrer Eltern gedenken. Hier aber begegnen wir der unwillkürlichen dankbaren Aeußerurig eines jüdischen Sohnes. Wenn jeder Mensch durchschnittlich geistig mehr das Produkt seiner Mutter als seines Vaters ist, dürfte dies bei Hochstetter besonders zutreffen. Sein Vater, ein protestantischer Großindustrieller, starb, bevor er seine Studien vollendete, seine Mutter, eine geborene Bengough, die mir aus meiner Kindheit als eine hervorragende, ihre Familie beherrschende Frau in Erinnerung ist, .war jüdischer Abkunft. Ihr Vater war einer jener Gewaltigen der Englischen Gasgesellschaft, die auf Veranlassung aus dem Kreise Sir Moses Montefiores nach Wien kamen. Sein Haus in Döbling war vor etwa 80 Jahren tonangebend. Die jungen englischen Töchter heirateten führende Männer der Großindustrie und Wissenschaft. Mit seinen „Genen" kann also Hochstetter zufrieden sein, er, den die „Dötz" als Ideal eines deutschen Professors feiert. C. Benedikt. Aus atler Weit „Ein ehrendes Gedenken..." Der Bundesvorsitzende des deutschen Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten, Dr. Löwenstein, erhielt als Antwort auf die Uebersendung des Gefallenen-Gedenkbuches ein Schreiben von General a. D. Schlee-Pascha, Ehrenvorsitzendem des Bundes der Asienkämpfer, das u. a. lautet: „... 12.000 Gefallene der deutschen Judenheit bilden den Inhalt des Buches, das eine Erinnerung an die wohl schwerste Zeit deutscher Geschichte darstellt, an die Zeit aber auch, wo es nur Deutsche ohne Unterschied des Stammes und der Rasse gab, wo alle einig waren in der Verteidigung ihres geliebten gemeinsamen deutschen Vaterlandes. Mit Stolz werde ich das Buch meiner vaterländischen Bibliothek einverleiben, ich werde den in demselben vermerkten tapferen Kameraden stets ein ehrendes Gedenken bewahren." Pogromland Polen. In Kielce wurden mehrere Führer der Nationaldemokraten verhaftet, die beschuldigt werden, in Kielce ein Judenpogrom nach dem Lemberger Muster vorbereitet zu haben. Es waren auch schon antijüdische Akte zur Auslösung der Ausschreitungen, sowie das Angriffsmaterial, wie Stöcke, Steine und judenhetzerische Aufrufe, vorbereitet worden. Unter den Verhafteten befinden sich der nationaldemokratische Deputierte und Redakteur der Zeitung „Slowo", Przybilski, und" der. Präsident des Akademischen Verbandes Julian Miercejewske. Die Verhafteten erklärten, sie hätten nur einen Selbstschutz gegen jüdische Angriffe gebildet und Selbstschutzvörbereitungen getroffen. Sie wurden gegen Erlegung einer Kaution von je 100 Zloty aus der Haft entlassen. — Der Rektor der Lemberg er Universität hat den Verein der jüdischen Philosophie-Studenten wegen seiner Resolution gegen die antijüdischen Ausschreitungen in Lemberg für aufgelöst erklärt. Der Rektor hat dem Verein mitgeteilt, daß er die ihm übermittelte Resolution wegen ihres „frechen Inhalts" dem Senat nicht vorlegen werde. Es ist wohl überflüssig zu bemerken, daß die Resolution des Philosophen-Vereins in würdiger Form abgefaßt worden war. Mangelnde Sicherheit in Transjordanien. Die transjordanische Grenzpolizei macht neuerdings jüdischen Touristen, die Transjordariieh besuchen wollen, Schwierigkeiten; die Polizei erklärt, es bestehe die Gefahr, daß die Touristen von der arabischen Bevölkerung Transjordaniens angegriffen werden könnten. Als eine Gruppe jüdischer Touristen, . ungeachtet der Warnung, in dieser Woche Amman, die Hauptstadt Transjordaniens, besuchte, wurde die Polizeimacht in dieser Stadt verstärkt. Die Touristen durften statt der beabsichtigten 10 Tage nur 3 Tage in Transjordanien verbleiben. Hitler-Hunde. Hitler-Leute in Danzig hetzten einen Schäferhund gegen Rabbi Sch neu r soll n, einen Vetter des Lubawitscher Rebbe. Der Hund riß dem Rabbi die Kleider vom Leibe und biß ihn tief in das Bein. Hernach schlugen die Hitler-Leute auf Rabbi Schneursohn mit Stöcken so lange ein, bis er bewußtlos liegen blieb. Er wurde in erheblich verletztem Zustand in seine Wohnung gebracht Der Familie des Rabbi, die sich an die Polizei mit der Bitte um Feststellung der Täter gewandt hatte, wurde von der Polizei erwidert, sie möge eine schriftliche Klage einreichen. Devisenerleichterungen für die Numerus clausus- Opfer. Den Familien der jüdischen Studenten, die infolge des Numerus clausus ihre Hochschulstudien nicht in Ungarn absolvieren können und auf ausländische Universitäten ziehen mußten, haben die strengen Devisenvorschriften schwere Sorgen bereitet. Die Eltern sind außerstande, ihren in der Fremde weilenden Kindern die zum Lebensunterhalt erforderlichen Geldbeträge zukommen zu lassen. Auf Bitten des Zentralausschusses für jüdische Studentenhilfe hat der Präsident der Israelitischen Landeskanzlei und der Budapester Gemeinde, Hofrat Samuel Stern, in dieser Sache bei der Regierung und der Nationalbank mit Erfolg interveniert. Von der Nationalbank ist Dggienlsdies KöniöslicM Seit vielenjahren dasa..erkannt beste ßD^-n&ip; Man achte auf die gas. gesch. Marke „Hyglen. KSnlgslidil" und Name Schulz Fabrik und Büro: IVIcn XIV., Braunhlrschengasise S Telephon R 33-1-87 Den allgemeinen Wünschen des konsumierenden Publikums Rechnung tragend, wird unter der Bezeichnung „H y g ienlsches Königs 1 ichf Nninmer 2 ein kleines Jänrzeitlicht in den Verkehr gebracht, das garantiert 24 Stunden brennt und sich im Preise "bedeutend billiger als das bisherige Nr. 1 stellt Zeitlebens Freude an Möbeln vom Großmöbelhaus lax Bepfimann, fiien II., PralBfsir.& Ausstellungsräume 2000 nf Telephon Nr. R dem Hoirat Stern die Verständigung zugegangen, daß für die im Ausland studierenden jüdischen Höchschüler monatlich die Ueberweisung -von insgesamt 50.000 Pengö und 50.000 Schilling bewilligt .werden wird. — Nach Intervention der Jüdischen Partei beim Innenministerium und beim "Gouverneur der rumänischen Nationalbank wurden Verfügungen zugunsten der im Ausland studierenden Hochschüler — vorwiegend für jüdische Hochschüler denen die Inskription an einer rumänischen Universität nicht möglich war — getroffen. Die Päßgebühren für diese Studenten wurden auf ein Viertel der normalen Gebühr ermäßigt; ferner wird ihren Angehörigen ermöglicht, ungeachtet der bestehenden Devisenvorschriften Unterhaltsbeiträge in ausländischer Valuta an Idie im "Ausland Studierenden zu überweisen. London. Anläßlich des Jahreswechsels hat König Georg von England an drei Persönlichkeiten die Pair- VVürde verliehen, unter ihnen an zwei Juden: an Sir I s a a c I s a a c s, Generalgouverneur von Australien, und früheren Chei des Obersten Gerichtes Australiens, und an den berühmten Londoner Kunstsammler und Philanthropen Sir Joseph D u v e e n. Sir Joseph Duveen ist einer der Kuratoren der National Gallery. Kurator der Wallace Collection und des Imperial College of Art. hn Oktober 1928 machte Sir Joseph Duveen sich erböäg, die Ausgaben für die Erweiterung der bestehenden Galerien in Höhe von etwa einer halben Million Pfund zwecks angemessener Unterbringung der nationalen Kunstschätze aus eigenem zu decken. Er war auch Begründer der British Artists' Exhibitions Organisation, deren Ziel die Förderung noch wenig bekannter englischer Künstler ist. Außer diesen zwei in den Pairstand erhobenen Juden figurieren noch andere Juden in der Neujahrsehrenliste des British Empire. Major Isidore Salmon, seit Oktober 1924 Parlamentsmitglied iür den Distrikt Harrow und seit 18 Jahren Mitglied des Londoner Stadtrates, wurde für seine politischen und sozialen Dienste in den Ritterstand erhoben. Major Salmon ist Vizepräsident des Board of Deputies of-British Jews und Schatzmeister der United Synagogue. Sir John Bradly Abraham. Unterstaatssekretär beim Ministerium für Luftfahrtwesen, wurde zum Mitglied des Order oi the Bath, Civil Division, ernannt. Max N u r o c k. Chefsekretär bei der Palästina-Regierung, wurde zum Offizier des Order of the British Empire, Civil Division ernannt Nurock ist der einzige Jude in"Palästina, der auf der Neujahrsehrenliste figuriert, während mehrere arabische und britische Beamte in dieser Liste zu sehen sind. Seit den Unruhen im August 1929 erschien kein Zivilist in Palästina mehr in der Neujahrsliste. Padua. An den Folgen der Verletzungen bei einem Autounglück verstarb in diesen Tagen der hervorragende jüdische Gelehrte und Professor der Zoologie an der Universität Padua, Paolo Enriques. Der Verstorbene war ein Bruder des bedeutendsten italienischen Mathematikers Prof. Federigo Enriques. Dem verstorbenen Professor Paolo Enriques wurde vor einigen Jahren von der päpstlichen Wissenschaftlichen Akademie für seine Forschungen auf dem Gebiete der Vererbung die höchste Auszeichnung der Akademie verliehen. Die Auszeichnung wurde ihm durch P a p st Pius XI. in einer feierlichen Sitzung der „Academia Potificia" persönlich übergeben. Livorno. Im Rahmen der Kunstausstellung der Provinz Livorno wurde dem bekannten jüdischen Maler U1 v i L i e g i die Goldene Medaille der Provinz Livorno als Anerkennung seines künstlerischen Schaffens verliehen. Vorsitzender der Jury war der berühmte italienische Bildhauer und Mitglied der königlichen Akademie Romane Iii. Bittere Schokolade. In der „Eisenacher Zeitung" preist eine Anzeige das neueste Erzeugnis völkischen Erneuerungswillens an, nämlich — Schokolade. Wenn in der Politik nicht mehr rechte Erfolge zu erzielen sind, dann werfen sich eben die Helden auf den bisher als jüdisch geschmähten Beruf des Händlers! Folgendes kündet die mit Hakenkreuzen geschmückte Anzeige: Deutsche, kauft und eßt nur die deutsche Schokolade, t r u s t - un d k o n z e r n f r ei! Helft mit im Kampfe gegen die 'Konzerne! 'Zur Zeit - vorrätig: „Deutschland erwache" (bitter). ,4ns dritte Reich" (Vollmilch). Nun wird ja bis zum Toilettenpapier mit dem Hakenkreüz bald alles vorhanden sein, ' was 'der Jünger des Dritten Reiches für seines- Leibes Notdurft -braucht,'um sein Dasein rein zu-verbringen! •Nur'eine'kleine Frage: wird' der tüchtige' SchöRö- : lädöhtiäridler'nicht den Ausschluß aus der" Hitler- Parteizu';befiirchten haben, -wenn er-sr>;öffen!2ugibt, daß Deutschlands'Erwachen — bittepjst?