Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1933
- Issue
- Heft 1 (6.1.1933)
- Date
- 1933-01-06
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6 DIE WAHRHEIT GROSSFLEISCHHAUEREI SIEGN. KORNMEHL WKN BEROOASSE NR. 19 NUlUi XMIL, WAhBINGERSTRASSE «7 Telephon Nr. A 17-M9und A 16-9-34 IMmrt für HaUanataltea AbteilungenfflrKoscherfleisch Jbrfaieht das •hm. Rabbinates der Isn. fcaltnsgenieind» Wim. Sämtliche Fleischsorten von ausschließlieh Prima-QoalitSt ta den billigsten Marktpreises | Leopold Bösel, | ©emeimte - thwonik tumultuösen Vorfällen kam. In der zur Ueberleichung an den polnisclien Generalkonsul vorbereiteten und von dem Demonstrierenden angenommenen Resolution wird die polnische Regierung aufgefordert, die antijüdischen Ausschreitungen zu verhindern; dies könne sie tun. wenn sie es wirklich wollte. Berlin. Von der Kaiser Wilhelm-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften wurde an Stelle des ersten Vizekanzlers des Ordens Pour!e merke für Wissenschaften und Künste Ludwig Hoffmann, der Maler Max Lieb er mann zum ersten Vizekanzler gewählt. Zionistischer Krach in der Tschechoslowakei. Der Geschäftsführende Ausschuß des Zionistischen Zentralverbandes für die Tschechoslowakei, dessen Vorsitzender Dr. Josef Ruf eisen ist, ist zurückgetreten. Als Grund für den Rücktritt werden finanzielle Schwierigkeiten und Mangel an Unterstützung seitens der Ortsgruppen angegeben. Die Ueberschuldung der Organisation soll etwa 400.000 Tschechenkronen betragen. Am 6. Jänner wird das Zentralkomitee der Landesorganisation zusammentreten. Es verlautet, daß die Zentrale, deren Sitz sich bisher in Mährisch-Ostrau befand, nach Prag oder Brünn verlegt werden wird, wo „geeignetere Möglichkeiten für die finanzielle Sicherung der Arbeit" bestehen sollen. In den außerhalb der Landesorganisation stehenden zionistischen Gruppen (Poale Zion, Misrachi, Revisionisten) erklärt man die geschaffene Lage aus der in den letzten Monaten immer stärker fortschreitenden Fraktionier ung, die dem allgemeinen Zionismus starke Kräfte entzogen hat. Wahre Demokratie. Aui eine Anfrage des Konservativen E. Doran im Unterhaus, wie viele Juden vom Dezember 1931 bis Oktober 1932 in Großbritannien eingewandert, bzw. hier engebürgert worden sind, erwiderte der Innenminister Sir John Cilmour: Fremde, die in Großbritannien einwandern oder sich hier einbürgern lassen wollen, werden nicht danach gefragt, ob sie der jüdischen Rasse angehören. Berlin. Dr. h. c. Jakob Goldschmidt der hervorragende deutsche Finanzmann und frühere Geschäfts- Inhaber der Darmstädter und Nationalbank, beging am 31. Dezember seinen 50. Geburtstag. Er wurde in Eldagsen bei Hannover geboren, begann seine kaufmännische Tätigkeit in der Darmstädter Bank in Hannover, ging 1907 nach Berlin, gründete 1910 zusammen mit Julius Schwarz die Bankfinna Schwarz. Goldschmidt & Co., die bald einen starken Aufschwung nahm. 1918 wurde er in den Vorstand der „Nationalbank für Deutschland" berufen. Es gelang ihm bald, dieses Institut in hohem Maße zu entwickeln. 1920 führte er die Verschmelzung dieser Bank mit der Deutschen Nationalbank in Bremen herbei. 1921—1922 erfolgte dann die Vereinigung der „Nationalbank" mit der „Darmstädter Bank" zur Darmstädter und Nationalbank, die vor einiger Zeit als Folge der großen Finanzkrise in Liquidation treten mußte. Die Universität Heidelberg verlieh Goldschmidt in Anerkennung seiner Verdienste „um die Sanierung der deutschen Wirtschaft in schwerer Zeit um ihre Reorganisation und Neubelebung" die Ehrendoktorwürde, Am jüdischen Leben nimmt Goldschmidt regen Anteil, insbesondere als Förderer jüdischer Wissenschaft und sozialer Bestrebungen. Er ist Vorsitzender des Förderer-Komitees der „Encyclopaedia Judaica" und Vorstandsmitglied der „Akademie für die Wissenschaft des Judentums". Die führende deutsche Presse widmete Goldschmidt eingehende Würdigungen und hob hervor, daß sein 50. Geburtstag in eine ungünstige Periode seines Lebens fällt, daß aber Goldschmidt mit ungebrochener Nerven- und Arbeitskraft über die schwere Zeit hinweggeht und daß er noch zweifellos wichtige Aufgaben finden wird, durch deren Erfüllung er der deutschen Wirtschaft wertvolle Dienste leisten Wanp Ein unerbittliches Schicksal hat Trauer über eine der bekanntesten' und geachtetsten Wiener jüdischen Familien gebracht. Leopold Bösel ist nach langer, schwerer Krankheit am 1. d. M. im 67. Lebensjahre verschieden und wurde am 3. d. M. zur ewigen Ruhe bestattet. Mit ihm geht ein einfacher, bescheidener Mann dahin, aber aucli ein Mensch, dessen Name in aller Munde war. Und man sprach von ihm nur mit Worten ehrlichster Verehrung, die er vollauf verdiente. Von frühester Jugend an emsige Arbeit gewöhnt, brachte er es durch Fleiß und Rührigkeit zu einer geachteten kaufmännischen Position. 40 Jahre lang lebte er in glücklichster Gemeinschaft mit seiner Gattin Julie, diie, aus einer angesehenen jüdischen Familie stammend — sie war die Schwester des bekannten Obmannes der Währinger Chewra Kadischa Josei Nossig —, durch seltene Gaben des Geistes und Gemütes ausgezeichnet war. Im Frühjahr 1925 zerstörte der grausame Tod diese harmonische Ehe, der eine Reihe prächtiger Kinder entsprangen. Die Söhne nehmen im Wirtschaftsleben unserer Stadt markante Stellungen ein und auch die Töchter sind mit Männern verheiratet, die große kaufmännische Geltung besitzen. All diese Kinder und Schwiegerkinder, wie auch die übrige Familie verehrten in Leopold Bösel das geliebte Familienoberhaupt, und er vergalt diese unendliche Liebe mit rührender Anteilnahme an dem Geschick jedes einzelnen Familienmitgliedes, insbesondere seiner braven Kinder. Sie verlieren in 'Sem Vater ungemein viel und ihre Trauer ist daher gewaltig groß. Aber auch die jüdische Gemeinschaft erleidet durch das Hinscheiden Leopold Bösels einen starken Verlust. Der stillen Wohltätigkeit und steten Hilfsbereitschaft, die er geübt, verdankte manche jüdische Familie Errettung aus schwerster Not. Er war Vizepräsident des Brigittenauer Tempelvereines, dem er mit warmem jüdischen Herzen diente. Er betätigte sich als Vorstandsmitglied und Förderer in vielen jüdischen Wohltätigkeitsvereinen, denen er sejee besten Kräfte lieh. Alles in allem, er war ein herzensguter Mensch und Vater, ein wahrer Jude. Sein Andenken wird fortleben bei allen, die das Glück hatten, ihn zu kennen, und die ihn schätzten und verehrten. * Unter außerordentlich großer Beteiligung wurde Herr Leopold B o s & 1 zu Grabe getragen. Unter den Trauergästen, die die schwarz drapierte Zeremonienhalle bis auf das letzte Plätzchen füllten, sah man zahlreiche Persönlichkeiten der Gesellschaft, der Kaufmannswelt, Vertreter vieler humanitärer Korporationen, deren Mitglied der Verstorbene war, und - Freunde der Familie. Namens der Kultusgemeinde erschien Präsident Prof. Dr. Pick in Begleitung des Vizepräsidenten Dr. Löwenherz, des Amtsdirektors Reg.-Rat G. Fuchsgelb und des Amtsleiters W. Freistadt Der Vorstand des Brigittenauer Tempelvereines war mit Obmann J. K o h n und Schrittführer Geza Klinger an der Spitze stark vertreten. Von der Währinger Gemeinde bemerkte man u. a. die Herren J. N o s s i g und Med.-Rat Dr. J. Winter. Nach den Trauergesängen, von Oberkantor M. Mathyas mit wesentlich verstärktem Chor wirkungsvoll vorgetragen, entwarf Rabbiner Dr. D. Feuchtwang ein herrliches Bild von der Persönlichkeit des Heimgegangenen, dem seine Familie über alles ging. Der Redner rühmte die treue Anhänglichkeit der Kinder an ihren geliebten Vater, dem sie immer nur das Leben zu verschönern suchten und dessen Hinscheiden eine große Lücke hinterläßt, nicht nur im Hause Bösel, sondern auch in der jüdischen Gemeinschaft, der er treu angehagen hat. Sodann sprach der Präsident Prof. Dr. Pick namens der Kultusgemeinde Worte des Gedenkens, in 'Jenen er die Verdienste des Verstorbenen hervorhob. Mit einem El mole rachamim des Herrn Oberkantors Landerer für den Brigittenauer Tempelverein wurde die ergreifende Trauerfeier in der schönen Familiengruft beendet. Zeitlebens Freude an Möbeln vom Großmöbelhaus lax BEromann, Wen II., Praterstr. 33 Ausstellungsräume 2000( m1 Telephon Nr. R 43-1-70 Bratislava. Als Nachfolger des vor mehreren Monaten bei einem Unfall tödlich verunglückten Präsidenten der Orthodoxen Landeskanzlei für die Slowakei Oberrabbiner Koloman Weber wurde in einer in Trencin-Tepütz abgehaltenen Tagung der orthodoxen Gemeinde Bratislava Isidor Pappenheim mit 102 gegen 88 Stimmen gewählt. Lehrerstreik an den Bukarester jüdischen Schulen. Das gesamte Lehrerpersonal der Bukarester jüdischen Schulen, etwa 150 Lehrer und Mittelschulprofessoren, befindet sich seit einigen Tagen im Streik, da die Jüdische Gemeinde Bukarest, i'ier das ausgedehnte Schulwesen der Stadt untersteht, infolge der akuten Finanzkrise seit fünf Monaten außerstande ist, den Lehrern die Gehälter auszuzahlen. Von dem Streik sind insgesamt 22 Schulen, 10 Volksschulen. 7 Mittelschulen, 1 Gewerbeschule, 3 Kindergärten und dne Abendhandelsschule mit insgesamt 3500 Schülern und Zöglingen betroffen. Es werden die größten Anstrengungen gemacht, um den Fortbestand des hochstehenden Schulwerks der Jüdischen Gemeinde Bukarest zu sichern. Barmizwahieier. Am Samstag, den 31. Dezember 1932, fand die Barniizwah von Walter Klein, Sohn des Herrn und Frau Ludwig Klein, im Prater- Bethausverein. statt. Die kantc-rale Funktion hatte Herr Oberkantor I. Wahrmann inne. Herr Rabbiner Dr. Zwi Taubes hielt eine zu Herzen gehende Rede. Anwesend waren u. a.: der Vizepräsident des Prater-Bethausvereines Jakob H e 1 i c z e r, sowie die Herren Chaim Uebersfeld und Schriftführer Leopold A11 h o 1 z, sämtliche Vorstandsmitglieder des Jüdischen Hilfsvereines Prater, unter Führung des Präsidenten S. N a t o w i c, sowie eine große Anzahl von Freunden und Bekannten der allseits geschätzten Familie des ßarmizwah. Trauung. Sonntag, den 1. d. M., fand im Tempel,. Wien IL, Pazmanitengasse 6, die Trauung des Fräuleins Edith Rainer. Tochter des Ehepaares Richard Rainer und Frau, mit Herrn Ernst Raschdowitz.. Sohn des Vorstehers des Tempelvereines „Aeschel Awrohom". Maximilian Raschdowitz und Frau, statt. Die große Beliebtheit, deren sich die Ehepaare und Braut und Bräutigam in weitesten Kreisen erfreuen, kam an diesem Tage zum Audrucke. Der festlich beleuchtete Tempel war dichtgefüllt mit Freunden und Bekannten. Unter anderen waren anwesend: Der Gesamtvorstand des Tempelvereines „Aeschel Awrohom" mit dem Obmann Oskar Scliramek. die Chefs des Bräutigams,, die Herren Dezsö und Isidor Herbst und. viele Angestellte dieser Firma. Den Trauungsakt, der äußerst feierlich vollzogen wurde, hatte Rabbiner Dr. Zwi Taubes vorgenommen. Er hielt eine sehr eindrucksvolle und zu Herzen gehende Ansprache an das Brautpaar, würdigte die hohen Verdienste, die sich Herr Maximilian Raschdowitz im Tempelverein nicht nur als Vorsteher, sondern auch im schwierigen Amt eines Kassiers, sowie auch als Personalreferent erworben hat. Er rühmte ganz besonders das schöne jüdische Familienverhältnis, das in seinem Hause herrscht. Er ermahnte die Brautleute, in gleichem Sinne für das Judentum tätig zu sein. Die kantorale Funktion versah Herr Oberkantor Müller mit dem Gesamtchor in erhebender Weise. Die bekannte Steinmetzfinna Friedländer & Deutsch beging am 1. d. M. ihr vierzigjähriges. Bestandjubiläum. 70. Geburtstag. Herr Leopold Löwy, Amtsgehilfe im Präsidium der Wiener israelitischen Kultusgemeinde, begeht am 15. d. M. seinen 70. Geburtstag. Herr Löwy ist seit 30 Jahren in der Kultusgemeinde sehr verläßlich tätig. TodesfalL Freitag, den 30. vt M., wurde das älteste Mitglied des Bethausvorstandes, III., Untere Viaduktgasse 13. Siegmund Wechsberg, zu Grabe getragen. Der Bethausrabbiner Dr. K. Kupfer feierte den Verblichenen als unentwegten jüdischen Idealisten und als ganzen Juden, der bis zum letzten Atemzug seine jüdischen Pflichten restlos erfüllt hat. Wechsberg ist ein Stück österreichisch-jüdischer Geschichte. Er war Kultusvorstand in Friedek-Mistek und dann Gründer und Schöpfer einer jüdischen Gemeinde in Friedland, bevor er nach Wien kam. — Nachher nahm der Vizepräsident der Kultusgemeinde, Herr Doktor Löwenherz, rührenden Abschied von Wechsberg,, den er als ein äußerst wertvolles Mitglied unserer Kultusgemeinde schilderte. Rabbiner Dn. Drobinsky sprach als ehemaliger Rabbiner von Friedek-Mistek, der den Heimgang seines früheren Kultusvorstehers und Freundes beklagte. Zuletzt sprachen die Herren Doktor Schmitz und Dr. Tartakower als Vertreter jüdischer Körperschaften und nahmen herzlichen Abschied' vom Toten. Der Heimgang dieses ausgezeichneten Mannes wird in der Familie und im TempeL HL, Unt. Viaduktgasse 13, als unersetzlich empfunden. Hohenau. Am 24. v. M. starb hier im 80. Lebensjahre Herr Obermedizinalrat Dr. Leopold Leimdörfer, Bahn- und Gemeindearzt Ehrenbürger von Hohenau und Ehrenvorsteher der Chewra Kadischa,. Durch volle 53 Jahre wirkte er als Arzt zum Wohle der Bevölkerung von Hohenau. Er hatte eine sehr hohe