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Die Wahrheit · 1932-11-18 · Heft 47 (18.11.1932) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1932
Issue
Heft 47 (18.11.1932)
Date
1932-11-18
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 DIE WAHRHEIT Kandidatenliste der Nfdifnailonalcn Liste der JOdisfli Dcmohralisdicn Arbcifsgemefn§diaft „Union Oslenreldttsdier Juden'4 — „Vereinigung werktätiger Juden" 1 Prof. Dr. Alois Pick, Generaloberstabsarzt i. R., Präsident der Wiener Israelitischen Kultusgemeinde, .2 Dr. Jakob Ornstein, Rechtsanwalt, Vizepräsident der Israelitischen Kultusgemeinde, 3 Bezirksrat Dr. Josef Löwy, Redakteur, 4 Dr. Josef Ticho, Rechtsanwalt, Mitglied des Vertreterkollegiums der Israelitischen Kultusgemeinde, 5 Baurat Dir. Ing. Wilhelm Kempler, Mitglied des Vertreterkollegiums, 6 Leo Rath, Sekretär, 7 Ministerialrat Ing. Friedrich Schläfrig, Architekt, 8 Richard Bettelheim, Prokurist, Kultusvorsteher, 9 Börserat Ignatz Glück, Obmann der Organisation der Wiener Tempelvereine, Mitglied des Vertreterkollegiums, 10 Fürsorgerat Max Weiß, Installateur, 11 Dr. Ernst Feldsberg, Bankbeamter, 12 Dr. Maximilian Stiglitz, Rechtsanwalt, 13 Dr. Paul Raumann, Bankier, 14 Ignaz Roßmann, Vertreter, Gremialrat des Gremiums der Wiener Handelsagenten, 15 Geza Klinger, Fabrikant, 16 Dr. Leonhard Maier, Rechtsanwalt, 17 Fürsorgerat Julius Grün, Kaufmann, 18 Berthold Sinai, Kaufmann, 19 Med.-Rat Dr. Jakob Deutsch, Arzt, Kultusvorsteher, 20 Edmund Hofmann, Tapezierer, Kultusvorsteher, 21 Eduard Widrich, Kaufmann, 22 Bundesfiirsorgerat Adolf Sobel, Bundesbahnbeamter i. R., 23 Joab Friedmann, Bankdirektor i. R., 24 Fürsorgerat Leopold Pollitzer, Ledergürtelerzeuger, 25 Universitätsdozent Dr. Hugo Stern, Arzt, 26 Dr. Julius Grünwald, Rechtsanwalt, 27 Reg.-Rat Dr. Max Lenk, Journalist, 28 Dir. Alois Donnebaum, Firmenvertreter, 29 Reg.-Rat Alfred Massarek, Cafetier, 30 Sandor Baroti, Kaufmann, 31 Komm.-Rat Gustav Stößler, Gutspächter, 32 Wolf Waldmann, Schneider, 33 Alfred Tonelles, Kaufmann, 34 Salomon Natowic, Sodawassererzeuger, 35 Komm.-Rat Sigmund Planer, Kaufmann, 36 Israel Chaim Welsch, Galanteriewarenhändler. die tiefstempfundene Verteidigung der nationalen Ehre ist. Das muß man sich ins Gedächtnis zurückrufen, will man die ganze Furchtbarkeit der Lüge ermessen, init der die Nationalsozialisten das Gewissen und die Seele des deutschen Volkes vergiften. Der Herr Kronanwalt entschuldigt sich. Eine „momentane Entgleisung". Der Kronanwalt für Palästina L. F. Elliot hat, wie letzthin mitgeteilt, bei Verhandlung eines Feuerversicherungsprozesses vor dem Jerusalemer Richter Frumkin die Aeußerung fallen lassen, es sei in England bekannt, daß Juden ihre Geschäfte versichern und sie dann in Brand stecken, um die Versicherungssumme einzustreichen. Nunmehr hat sich Elliot wegen dieser Aeußerung, die er als eine „momentane Entgleisung" bezeichnet, entschuldigt. Diese Entschuldigung vollzog sich in einer feierlichen Zeremonie. Der palästinensische Oberrichter Sir William McDonne 1 lud die jüdischen Anwälte Jeru salemsfür den 4. November morgens in das ObersteGericht. Kronanwalt L. F. Elliot ließ vor den versammelten jüdischen Anwälten durch einen jüngeren Staatsanwalt die folgende Erklärung abgeben: Ich bedauere es sehr, daß gewisse von mir gemachte Aeußerungen von der jüdischen Gemeinschaft als verletzend empfunden worden sind; ich ziehe diese Aeußerungen ohne jeden Vorbehalt zurück. Richter Frumkin, der ebenfalls der Zeremonie beiwohnte, erklärte noch, die Aeußerung Elliots vor Gericht stelle etwas noch nie Dagewesenes dar; er, der Richter, war ungeheuer überrascht gewesen, eine solche Aeußerung vor dem höchsten Gerichtshof in Palästina aus dem Munde eines Vertreters der Krone zu hören. (Frumkin hat auch die Gerichtsverhandlung sofort unterbrochen. D. Red.) Oberrichter Sir William McDonnel gab seiner Genugtuung darüber Ausdruck, daß die Angelegenheit durch die Erklärung Elliots in einer befriedigenden Weise ihre Erledigung gefunden hat, auffällig ist jedoch, daß der Herr Kronanwalt es nicht der Mühe wert gefunden hat, diese Erklärung persönlich vorzubringen. Die Jerusalemer Lehrer rebellieren. Kriegszustand hn Büro der Jewish Agency. Meinals 100 Lehrer der in diesem Schuljahre noch nicht wieder eröffneten hebräischen Schulen der Jewish Agency drangen am 9. November morgens in die Büroräume der Jewish Agency ein, stellten Posten vor die Ausgänge und erklärten, daß sie es nicht erlauben werden, daß ein Mitglied der Exekutive der Jewish Agency das Gebäude verläßt, bevor nicht die rückständigen Gehälter für dieMonateMaibisAugust 1932 bezahlt worden sind. Von den Mitgliedern der Exekutive befand sich im Gebäude einzig und allein der Schatzmeister, Dr. Werner Senator, die Mehrheit der Exekutive-Mitglieder weilte in Tel Awiw. Die Führer der eingedrungenen Lehrer verweigerten Dr. Senator die Erlaubnis, sich zum Frühstück in seine Wohnung zu begeben, es mußte ihm das Essen aus einem benachbarten Restaurant gebracht werden. Am Abiend wechselten die Lehrer die Wachen und erklärten, daß sie das Gebäude besetzt halten werden, bis die Gehaltsfrage entschieden sein wird, und wenn es auch Tage dauern sollte. Zu später Abendstunde wurde wohl Dr. Senator erlaubt, das Büro zu verlassen, das Gebäude wurde aber während der ganzen Nacht von den Lehrern weiter besetzt gehalten und erst am nächsten Tage freigegeben. flOdlS(bul€r> Absolvent des jüdischen Realgymnasiums, empfiehlt sich für Lektionen in allen einschlägigen Gegenständen. Anfragen unter „Auch Hofmeisterstelle". Eine neue Schär Die deutsche und österreichische nationalsozialistische Presse veröffentlichte vor der Reichstagswahl einen „Was schrieb der Jude Rat he na u an Frankreich?" überschriebenen Hetzartikel, in welchem Inhalt und Absicht der Schrift Walther Rathenaus „An Frankreich" (Nachgelassene Schriften von W. Rathenau, I. Band, Verlag Fischer, Berlin), in das Gegenteil umgefälscht wurden. Rathenaus Worte werden so gedeutet, daß er die Franzosen in das deutsche Land ruft, um das deutsche Volk restlos zu vernichten und sogar die Erinnerung an das deutsche Volk auszulöschen. Daran wird die folgende Bemerkung geknüpft: „So schreibt ein Jude, der in führender Stellung in Deutschland nach dem Weltkriege tätig war. Die Sätze sind so ungeheuerlich, daß man sich an den Kopf greift und sich fragt: Ist so etwas denn wahr? Es ist wahr und möglich deshalb, weil der Jude, obwohl er die deutsche Staatsangehörigkeit besitzt, ein Jude ist und bleibt, weil kein deutsches Blut in ihm fließt und er als Jude daher auch nicht deutsch fühlen und denken kann. Deshalb konnte der Jude Rathenau auch schreiben: „Vernichtet das deutsche Volk!" Nicht sein Volk wäre vernichtet worden, sondern eben nur das deutsche Volk! Wie steht es heute? Der Jude Rathenau ist tot. Ueberall haben aber seine Volks- und Blutsgenossen hervorragende Stellen. Seht die jüdischen Polizeipräsidenten, die jüdischen Intendanten und Schauspieler an den „deutschen" Theatern. . . . Das muß anders werden. Unsere Losung muß heißen: „Deutschland den Deutschen, nicht den Juden." Kauft nicht bei Juden, beschäftigt keine Juden, seht euch keine jüdischen Theaterstücke an, dann grabt ihr den Juden das Wasser ab und der jüdische Schmarotzer kann sehen, wo er andere Völker ausbeuten kann." Der Artikel Rathenaus bezieht sich auf das Verlangen Frankreichs nach Auslieferung der 800 „Kriegsverbrecher". Rathenau stritt dieser Forderung jedes moralische und materielle Recht ab und entwickelte dann folgenden Gedankengang: Besteht Frankreich auf der Selbstentehrung Deutschlands, denn eine solche ist die Auslieferung der „Kriegsverbrecher", dann muß es seiner eigenen Sicherheit wegen die logische Konsequenz ziehen. Es muß 60 Millionen Deutsche vernichten. Das aber ist Absurdität. Politischer und menschlicher Aberwitz. Ihn stellt Rathenau in seiner ganzen Kraßheit dem französischen Volke vor -Augen, an das er die Frage richtet: „Seid ihr euch dessen bewußt? Wollt ihr das? Ist das die Mission Frankreichs?" Und er antwortet: Was wir noch zu verlieren haben einschließlich des Lebens lohnt kaum der Mühe. Oder wollt ihr es nicht? Dann, Männer und Frauen Frankreichs, schafft den Frieden! Der aber kann nicht beruhen auf Entehrung und Unrecht, sondern auf dem Gedanken der Menschlichkeit und der Menschenrechte." Aus Scham um die tiefe Erniedrigung seines deutschen Volkes, zugleich aber aus dem Schmerz darüber, daß in der gesamten Menschheit und vor allem im französischen Volk das Menschliche, das „dem göttlichen Wesen der Menschheit" Gemäße, verloren und ausgelöscht zu sein schien —, aus dieser seelischen Einstellung heraus hat Rathenau diesen Aufsatz geschrieben, diesen Appell an das Gewissen Frankreichs, der zugleich Konhurs- AussdirclDnna! Bei der Isr. Kultusgemeinde Klagenfurt kommt die Stelle eines Rabbiners zur Neubesetzung. Zur Anstellung ist erforderlich: Nachweis der österr- Staatsbürgerschaft, Berechtigung zur Erteilung des öffentlichen Religionsunterrichtes an Volks- und Mittelschulen, Nachweis der mit ETfolg absolvierten seminaristischen VorbUdung, Eignung zum Prediger und Vorbeter. Bewerber, die Kaboles für Groß- und Klein- Schechita haben und in ähnlicher Stellung bereits tätig waren, werden bevorzugt. Offerte, denen alle erforderlichen Belege, Zeugnisse und Lichtbild beigelegt sein müssen, sind bis 15. Dezember 1932 an die Isr. Kultusgemeinde Klagenfurt, zu Händen des Herrn Präses Nathan Kriegsfeld, Klagenfurt, einzureichen.

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