Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1932
- Issue
- Heft 47 (18.11.1932)
- Date
- 1932-11-18
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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mmsmma^ssmn &"^^2PW»tX!»iS^^ D1EWAHRHE1T Seite 3 Dichtung und Wahrheit voRNEnnc rünaicN-Pension i In der„NeuenWelt" lügt ein Berichterstatter: Referent Dr. Lenk bätte sich den Ausspruch geleistet: Zwischen West- und Ostjudentuni muß der Trennungsstrich gezogen werden. In der „Stimm e" lügt ein Berichterstatter: Ein Redner der „Union" (gleichfalls Dr. Lenk) verstieg sich zur Behauptung, die Balfourdeklaration s e i das größte Unglück für die Juden gewesen. „Die Wahrheit" vom 8. Mai 193$ veröffentlichte einen Artikel Dr. Lenks („Jabotinskys Appell an die G e w a 11"), worin es wörtlich heißt: „Für uns gibt es keine Unterscheidung zwischen Juden und Juden, zwischen Juden des Ostens und des Westens, zwischen Gesetzestreuen und Liberalen, zwischen Juden der Nationalität und dem Stamme nach, für uns gibt es nur die Einheit desJudentums, wenn es sich um Probleme handelt, die, wie das Palästina-Problem, uns alle berühren." Diese Gegenüberstellung zeigt die Dreistigkeit der zionistischen Wahlmanöver. Die Herren müssen sich trotz ihres zur Schau getragenen Optimismus sehr schwach fühlen, wenn sie auf diese Weise Wählerfang zu treiben versuchen, es sei denn, daß sie ihren Optimismus auf Lüge und Verleumdung gründen; darin können wir uns freilich mit ihnen nicht messen. Bisher war man nur gewohnt, daß sie sich mit fremden Federn zu schmücken suchten, da es ihnen an eigenen mangelt. Solche Aufschneidereien wirken nur auf ganz Einfältige. Mißbräuche aber, wie Verdrehungen von Aeußemngen, werden wir immer tiefer hängen. Wie leicht ist es, durch das Herausreißen eines Satzes aus dem Zusammenhang den ganzen Sinn zu verfälschen! Sind die Herren Berichterstatter bei den Talmudfälschern in die Schule gegangen? Nur um die Gemeinheit derartiger Praktiken zu kennzeichnen, geben wir den Gedankengang der Ausführungen Dr. Lenks wieder. Er sagte: Immer wieder habe man Gelegenheit, die bedauerliche Tatsache festzustellen, daß Ostjuden, die schon viele Jahrzehnte hier leben, hier ihr gutes Auskommen haben und ihre Kinder großziehen, den Anschluß an uns österreichische Juden nicht suchen und nicht finden, daß sie unsere Liebe zu unserer österreichischen Heimat verhöhnen und verspotten, daß sie auf dem Boden, auf dem sie und ihre Kinder leben, nicht heimisch werden und nicht heimisch werden wollen, trotz Staatsbürgerschaft und Glaubenseifer den Krieg erklärt, bietet im 17. Jahrhundert ein deutscher Professor der Theologie im Auftrage seines Fürsten einen der geachtetsten Lehrstühle an. nur unter der einen Bedingung, daß er sich verpflichte, „nichts gegen die herrschende Religion zu unternehmen". Wie viele brächten und bringen heut' so manches sehr bedenkliche Opfer um einer solchen Aussicht wülen! Spinoza aber lehnt das Anerbieten höflich ab, einmal, weil er seiner Lehrfreiheit keine Grenzen ziehen lassen will und dann, weil die Lehrtätigkeit ihm die Zeit für seine wissenschaftliche Arbeit kürzen würde. Des die eine Tatsache, die beweist daß Spinoza nicht zu jenen Philosophen gehört, von denen man sagt: „Sie sind wie Architekten, die nur Häuser bauen, in denen andere wohnen sollen." Sein Leben ist eben so lehrreich, wie seine Lehre in ihm Leben und Leib annahm. Die zweite Tatsache beweist seinen hohen persönlichen Mut. Der Mob hatte Spinozas Freunde, die Brüder de Witt, schändlich hingemordet. Spinoza ist über dieses politische Verbrechen so empört, daß er hinausstürzen und in einem öffentlichen Maueranschlag seiner Verachtung Ausdruck geben wül. Sein Wirt muß ihm die Tür versperren, um ihn daran zu bindern. Er wäre sonst vom PöbeJ zerrissen worden. Dieses Schicksal drohte ihm noch ein zweites Mal. Wie beim Kurfürst von der Pfalz bestand noch an einer anderen hohen Stelle der Wunsch, mit Spinoza in Verbindung zu treten. Es war der französische Oberbefehlshaber, der Prinz Conde. Er ließ ihn in sein Lager zu Besuch laden. Spinoza setzt sich mit der holländischen Regierung ins Einvernehmen. Mit ihrer Genehmigung folgt er der Einladung. Eine dringende Reise des Prinzen verhinderte die vereinbarte Begegnung. Als aber Spinoza, der nur zum Vorteil seines Landes die Einladung angenommen hatte, zurückkehrt, wird er vom Volke als Vaterlandsverräter bedroht. Seinen Wirt, der einen Sturm auf sein Haus befürchtet, beruhigt er mit der Zusage, beim leisesten Anzeichen eines feindseligen Unternehmens sich sofort dem Straßenpöbel stellen zu wollen. Hatte somit Spinoza in seinem kurzen Leben viel tu erdulden: Krankheit. Verfolgung, Armut, Entfremdung seiner nächsten Angehörigen, Undank, und wie es heißt, auch Unglück in der Liebe — so genoß er doch das seltene Glück, als Mensch Freunde, als Lehrer verständnisvolle Jünger, vor allem als Forscher eine Wahrheit gehinden zn haben, von der er selbst sagt: „Ich behaupte nicht, daß ich die beste Philosophie entdeckt habe, aber daß ich die wahre erkenne, das weiß ich." Die Liebe zu Gott auf Grund klarer Erkenntnis nennt er das höchste Gut. Er hat sie empfunden. (Fortsetzung folgt.) Zuständigkeit. Auch unsere Ahnen stammten nicht aus dem Teutoburger Wald, sondern kamen aus Böhmen, Mähren, Ungarn, Polen, Bukowina etc. hierher. Die Schuld daran, daß viele unserer ostjüdischen Brüder den Anschluß an ihre Umgebung, was schon aus wirtschaftlichen Gründen erwünscht wäre, nicht fanden, tragen die Führer der verschiedenen zionistischen Parteien, die aus politischen Gründen ihre Anhänger in künstlichen Ghettis, in Klausuren halten, die zionistische Politik ist schuld daran, wenn zwischen Ost- und Westjudentum ein Trennungsstrich gezogen wird . . . Ebenso gewaltsam ist die Verfälschung des Sinnes im zweiten Fall. Der Redner sprach von dem bevorstehenden Jahrestag der Verkündung der Balfourdeklaration, die für so viele Millionen Juden eine neue Hoffnung bedeutete, die aber zum größten Unglück für das Judentum werde, wenn mau jetzt noch in der heranwachsenden Jugend %uä=f. ^■■mmm^sft .^.^Vj^^gr-^; [ täglich S-Uhr-Tee SEMNEBING TELEPHON 11 Hochstraße 43 _ neben Hotel Panhans H Mäßige Preise, Zimmer mit PensionS 12.— aufwärts g Zentralheizung, fließendes Warm- und Kaltwasser g in jedem Zimmer. S3 g Zum Besuch ladet höilichst ein Eckstein, Besitzer Hoffnungen erwecke, die man nicht werde erfüllen können . . . Gar so leicht wollen wir den Jüdischnationalen die Wahlmanöver nicht machen. Sie werden denn doch den Versuch machen müssen, durch Hinweis auf ihre Arbeit und sachlichen Erfolge Wähler zu finden: freilich ist das nicht so leicht wie verdrehen und irreführen. Österreich — der schwarze Punkt. In dem in unserer vorigen Nummer zitierten Jahresbericht des „Board of Deputies of British Jews", der maßgebendsten Organisation des britischen Judenrums, deren Wort auch interstaatliche Bedeutung hat, wurde festgestellt, daß „Oesterreich heute hinsichtlich der Lage der Juden der schwarze Punkt ist". „Sollten sich die brutalen Ueberfälle auf Juden wiederholen", heißt es dort weiter, „so werden alle Versuche, Sympathie für Oesterreich im Auslande zu werben, fehlschlagen müssen." Wir glauben, die österreichischen maßgebenden Faktoren dürften kaum Veranlassung haben, sich diese Worte hinter den Spiegel zu stecken. Diese scharfe Verurteilung erfolgte gleichzeitig mit den Schritten der diplomatischen Vertreter der Vereinigten Staaten von Nordamerika und anderer Staaten wegen der Vorgänge an den Wiener Hochschulen, Schritte, die bekanntlich den maßgebenden Wiener Faktoren überaus peinlich waren und geradezu Bestürzung auslösten, so daß sich die Regierung gezwungen sah, die bisherige Politik der Duldung gegenüber den Hochschul-Ausschreitungen aufzugeben, ziemlich deutlich mit einer Sistierung der sogenannten Autonomie der Hochschulen zu drohen und eine eigene Universitätswache einzusetzen, um dem Nazi-Terror endlich ein Ende zu bereiten. Man sollte glauben, daß diese Erfahrungen es den verantwortlichen politischen Kreisen nahelegen sollten, auch außerhalb der Hochschulen mit der nötigen Energie vorzugehen. Aber die Herren Hakenkreuzler, denen bis auf weiteres an den Hochschulen das Handwerk einigermaßen gelegt wurde, versuchen es, sich auf anderen Gebieten zu „betätigen". Als die Arbeiterschaft am 12. November, am Jahrestage der Republikgründung, ihren gewissermaßen zu einem Gewohnheitsrecht gewordenen Aufmarsch ankündigte, erklärten die Nazi, daß sie in diesem Falle für sich gleichfalls das „Recht auf die Straße" geltend machen, und die Regierung gab ihrer Forderung nach. Es mußte also für die Nazi, die ja sonst für die selbständige österreichische Republik nicht viel übrig haben und ihr Ideal in dem kommenden „Dritten Reich" erblicken, das Aufmarschverbot sistiert werden, damit Herr Frauenfeld am Karlsplatz seine Weisheit zum besten geben und seine Getreuen das Straßenpflaster mit „Hakenkreuz-Schnitzeln" überschütten könnten. Ermutigt ob dieser indirekten Anerkennung ihrer Stellung, haben sie sich darauf verlegt, ihr „Braunes Haus" von unbequemen Mitbewohnern zu säubern. Und als diese infolge der Wohnungsnot sich weigerten, die Wohnungen zu räumen, bevor ihnen entsprechender Ersatz geboten werde, da setzte ein Terror ein, wie er in der Geschichte des politischen Lebens in Wien kaum ein Beispiel findet. Mit Tränengas, mit fortwährendem Alarm, mit Verlötung der Schlüssellöcher, mit offenen Drohungen, Trampeln, Pfeifkonzerten und dergleichen sollten die widerspenstigen Einwohner aus den Wohnungen hinausgeekelt werden. Es mußte ein großer Polizeiapparat aufgeboten werden, um die bedrohten Bürger zn schützen. Diese Energie der Polizeibehörden soll volf und ganz gewürdigt werden — aber man kann dennoch die Frage nicht unterdrücken, ob es denn wirklich so weit hätte kommen müssen? Würden sich die Nazi nicht die ganze Zeit hindurch der weitestgehenden Toleranz ihrer Exzesse erfreut haben, nie wäre ihnen derart der Kamm geschwollen, daß sie glauben könnten, sich alles erlauben zu dürfen. Aber gerade angesichts dieser Erscheinungen muß es höchst merkwürdig anmuten, wenn ausgerechnet der Staatssekretär für das öffentliche Sicherheitswesen, also derjenige Faktor, der am meisten für die Wahrung der öffentlichen Ordnung verantwortlich ist, sich an die Spitze einer Studentendelegation stellte, die beim Unterrichtsminister die baldigsteErledigung des famosen „Studentenrechtes" urgierte... Wie soll man die Versicherungen der Regierung hinsichtlich einer Aufrechterhaltung der Ordnung ernst nehmen, wenn ein solches Vorgehen möglich ist? In keinem Staate der Wellt, der etwas auf staatliche Ordnung hält, wäre dies möglich. Wird man sich darüber wundern dürfen, wenn die Hakenkreuzler, gegen die erst jüngst der neue Erzbischof von Wien so mannhafte Worte fand, ermutigt durch die Schützenhilfe' des Herrn Fey, die nächste Gelegenheit dazu benützen werden, um neuerdings an den Hochschulen jene wüsten Szenen aufzuführen, die Oesterreich zum „schwarzen Punkt" stempeln und die diplomarische Interventionen auslösten! Sind die maßgebenden Faktoren wirklich mit Blindheit geschlagen oder haben sie ein derart kurzes Gedächtnis, daß wenige Tage oder Wochen genügen, um die bitteren Stunden vergessen zu machen, die man erst erlebte, den beschämenden „Gang nach Canossa", den Spott und die Empörung aller Kulturmenschen? Es wird Sache der verantwortlichen Faktoren sein, sehr bald dafür zu] sorgen, daß man ihre Zusagen und Zusicherungen ernst nehme. Konkurs In der Novisader Isr. Kultusgemeinde gelangt eine neusystemisierte Religionslehrer-Stelle 2ur Besetzung. Konkurrieren können nur solche Bewerber, die das 40: Lebensjahr nicht überschritten haben, die Qualifikation besitzen, in den Mittelschulen Religionsunterricht erteilen zu können. Diejenigen, die der serbischen Sprache vollkommen mächtig sind, werden bevorzugt Gehalt laut Uehereinkommen. Bewerber wollen ihre Gesuche mit dem Nachweis der vorbezeichneten Erfordernisse, ferner ihres Alters, Familienstandes und bisherigen Wirkens, an gefertigten Vorstand bis 8. Dezember einsenden. Novl Sad (Jusostawien), den 8. November 1932 Der Vorstand der Isr Kultusgemeinde in Nävi Sad: Armin Klein, Notär. Julius Frank Präsident.