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Die Wahrheit · 1932-11-04 · Heft 45 (4.11.1932) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1932
Issue
Heft 45 (4.11.1932)
Date
1932-11-04
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 DIE WAHRHEIT genommen, weil er und seine Freunde die agrarische Richtung nicht ausschließlich für Christen in Antspruch nehmen und nicht die jüdischen Landwirte, denen die ungarische Landwirtschaft so viel verdankt, aus ihr ausschließen wollen. Er würde es nie zulassen, daß das Christentum als Sprungbrett für politische Karriere benützt werde. Jfaüeiiftreiis am Werh „Volksvergifter." Das antisemitische Blatt „Der Eiserne Besen" war in diesen Tagen Gegenstand einer Verhandlung vor dem Bezirksgericht. Der „Eiserne Besen" hatte den jüdischen Kaufmann L. als „Konjunkturjäger" bezeichnet und sagte ihm unlauteres Geschäftsgebaren nach. Der empörte L. schrieb an die anonyme Redaktion, sie bestünde aus Volks vergiftern; es sei höchste Zeit, daß solchen Hintertreppenredakteuren das Handwerk gelegt werde. Durch diese Feststellungen fühlte sich der Musikdirigent Alfred Glarner, der damit als Redakteur aus dem Dunkel der Anonymität auftauchte, beleidigt und strengte gegen L. einen Beleidigungsprozeß an. Das Bezirksgericht erklärte L. als straff rei und führte in der Begründung des Urteils ungefähr aus: Den Publikationen des „Eisernen Besen" gehe jede vornehme Kampfweise ab. Die immer wiederkehrenden Angriffe seien als Hetze gegenüber Angehörigen einer Rasse und Religionsgemeinschaft, die nach der geltenden Bundesverfassung als gleichberechtigte Staatsbürger anerkannt sind, zu charakterisieren. Die Art dieser Hetzer verdiene durchaus die Bezeichnung ,.V e r g i f t u n g". Wenn man noch in Betracht zieht, daß weder die Einsender noch die Redakteure des „Eisernen Besen" mit ihrem Namen offen zur Sache stehen, kann sich der Kläger Glarner nicht beklagen, wenn er als „Volksvergifter" bezeichnet wird. Auch die Bezeichnung „Hintertreppenredakteure" könne in diesem Falle nicht als Beleidigung angesehen werden, da „Redakteuren, die für eine Schreibweise verantwortlich sind, wie sie in den vorstehenden Erwägungen charakterisiert worden ist . . . mit der Bezeichnung „Hintertreppenredakteure" nicht zu nahe getreten wird". — UmIrrtümern vorzubeugen, sei festgestellt, daß es sich nicht um das blutrünstige Salzburger Hetzblatt „Der Eiserne Besen", sondern um dessen viel zahmere Namensschwester aus Zürich handelt, die das dortige Bezirksgericht so gebührend abfertigte. Ob die Salzburger Richter auch so streng sind? So macht man's in Polen. Nationaldemokratische Studenten begingen in der Vorwoche wiederum schwere antisemitische Ausschreitungen an der Warschauer Universität Nach einer in der Aula trotz Verbots seitens des Rektorats abgehaltenen Versammlung stürzten sich nationaldemokratische Trupps auf einzelne jüdische Studenten und mißhandelten sie schwer. Regierungstreue und sozialdemokratische Studenten kamen den Angegriffenen zu Hilfe, es entwickelte sich eine schwere Schlägerei, die erst durch das Dazwischentreten der Polizei, die mit Wasserspritzen die Angreifer vertrieb, beendet wurde. Von der Universität zogen die Nationaldemokraten durch die Straßen und stießen Rufe gegen: die Regierung und die Juden aus. Im PoJytechnikum wurden Versuche der Nationaldemokraten, antisemitische Unruhen hervorzurufen, durch die Polizei unterdrückt. Der Volksbildungsminister Jendzejew i c z ließ den Rektor der Universität wissen, daß er, falls die Unruhen fortgesetzt werden sollten, die Autonomie der Universitätaufheben und der Polizei das Recht einräumen werde, auf dem Boden der Universität für Ruhe und Ordnung zu sorgen. Die Freispräche im Borscha-Prozeß bestätigt Vor dem Appellationsgerichtshof der transsylvanischen Hauptstadt C 1 u j wurde am 26. Oktober die neuerliche Verhandlung gegen die im Zusammenhang mit den schweren antisemitischen Unruhen, die sich vor zwei Jahren im Städtchen Borscha, in der Provinz Marmarosch, ereignet haben, durchgeführt. Das Appellationsgericht bestätigte das Urteil des Gerichtes in Satu Marc, durch welches mit Ausnahme des Hauptangeklagten Constantin Danila, der eine Geldstrafe in der Höhe von 5000 Lei (125 Mark) erhalten hatte, sämtliche Angeklagten freigesprochen worden sind. Die Unruhen in Borscha, welche zur Niederbrennung fast aller jüdischer Häuser des Städtchens geführt hatten, lösten seinerzeit in der gesamten jüdischen und demokratischen Oeffentlichkeit Entsetzen und tiefste Empörung aus. Zugunsten der durch den Brand Geschädigten wurde eine Aktion unter der Judenschaft Rumäniens und des Auslands eingeleitet Dank dieser Aktion, an deren Spitze der tianssylvanische jüdische Abgeordnete Dr. Josef Fischer stand, ist heute das jüdische Städtchen Borscha vollständig wieder aufgebaut. Deutschland wird gemieden. In Bad Kreuznach hielt kürzlich der Allgemeine deutsche Bäderverband seine Generalversammlung ab, an der u. a. auch Vertreter des Reichsverkehrsministeriums, des Auswärtigen Amtes, der Reichsbahn, der Länderregierungen und verschiedener Weltfirmen teilnahmen. Der Vertreter des Auswärtigen Amtes, Legationsrat Dr. Davidsen, Berlin, sprach über die volkswirtschaftliche Bedeutung des Fremdenverkehrs und forderte Maßnahmen gegen die von jedem Gesichtspunkt aus verwerfliche antisemitische Hetze, die eines großen Kulturvolkes unwürdig sei. Viele amerikanische Juden aus vermögenden Kreisen seien im letzten Sommer wegen des Antisemitismus nicht nach Deutschland zur Erholung gekommen, wie die Statistik des amerikanischen Fremdenverkehrs beweise. Aehnliche Ausführungen machte auch der Verbandssyndikus Hauptmann a. D. Schmidt, Berlin. Mit Stolz könne von den deutschen Bädern behauptet werden, daß trotz der politisch unruhigen Zeit und trotz den wiederholten Wahlen Kurgäste nicht belästigt wurden. Die August-Attentate in Ostpreußen. Am 25. Oktober fand im Preußischen Innenministerium eine Unterredung zwischen dem zuständigen Sachberater des Ministeriums und dem entsprechenden Sachbearbeiter des Centraivereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens statt, in der die Ergebnisse der verschiedenen Eingaben des Centraivereins aus Anlaß der Bombenattentate in Ostpreußen, Oberschlesien, Schlesien und Schleswig-Holstein durchgesprochen wurden. Im Zusammenhang damit wurden andere Fragen, die aufhetzende Zeitungsartikel In der Unterredung wurde von seiten des Vertreters des Ministeriums deutlich gemacht daß die schlimmster Art angehen, durchgesprochen. Hygienisches Königlich! iiwimiiiiiiiiiiiiiii» •i wim Seit vielenjahren dasa_erkannt beste «Tili tD^-ntttM Man achte auf die ges. gesch. Marke „Hyglen. Königslicht" und Name Schulz brik und Büro: Wien XIV., Braunhlrschengassse 3 Telephon R 33-1-87 Den allgemeinen Wünschen des konsumierenden Publikums Rechnung tragend, wird unter der Bezeichnung „Hygienisches Königslicht" Nummer 2 ein kleines Jahrzeitlicht in den Verkehr gebracht, das garantiert 24 Stunden brennt und sich im Preise bedeutend billiger als das bisherige Nr. 1 stellt umfassenden und planmäßigen polizeilichen Aktionen, in deren Verlauf auch Spezialdezernate in einzelnen Landesteilen errichtet worden sind, den anzuerkennenden Bemühungen der Behörden und Gerichte in ihren Ergebnissen entsprochen haben. Gegen das thüringische Schächtgesetz. In einer Eingabe an den Thüringer Landtag wendet sich der ThüringerHotelbesitzerverband gegen den Entwurf eines Schächtgesetzes, der dem Landtage vorliegt Der Verband betont, daß ihn selbstverständlich rein wirtschaftliche Gesichtspunkte zu seinem Vorgehen bestimmen, und erklärt dann u. a.: „Das Bestreben der thüringischen Fremden-, industrie ist es stets gewesen, allen Gästen, gleichgültig welcher politischen oder konfessionellen Richtung sie angehörten, den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu machen und die Gäste dadurch zu längerem Bleiben und stetem Wiederkommen zu veranlassen. Unter den gegenwärtigen Verhältnissen, in denen das gesamte thüringische Fremdenverkehrsgewerbe verzweifelt um die Aufrechterhaltung seiner Existenz kämpft, müssen wir Verwahrung dagegen einlegen, daß uns durch augenblicklich nicht unbedingt notr wendige Maßnahmen noch weitere Schädigungen verursacht werden. Eine solche Schädigung wirkt sich nicht nur auf das Hotel- und Gaststättengewerbe, sondern auf alle Wirtschaftszweige aus." Ein Fest der deutschen Antisemiten. Die gesamte nationalsozialistische und auch die den Deutschnationalen nahestehende völkische Presse feiert in längeren Aufsätzen den „Altmeister des deutschen Antisemitismus" Theodor Fritsch, zu seinem 80. Geburtstag. Der Hammer-Verlag in Leipzig bereitet zum 80. Geburtstag seines Begründers die 31. Auflage seines „Handbuchs der Judenfrage" vor. „Völkischer Beobachter" und „Angriff" zitieren aus diesem Anlaß die folgende Aeußerung Adolf Hitlers: „Das Handbuch der Judenfrage" habe ich bereits in früher Jugend in Wien eingehend studiert. Ich bin überzeugt, daß gerade dieses in besonderer Weise mitgewirkt hat, den Boden vorzubereiten für die nationalsozialistische, antisemitische Bewegung. Damit ist Fritsch's „Mission" hinreichend charakterisiert. Zur Nachahmung empfohlen! Die Ortsgruppe Hannover des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten lud zu einer Versammlung im großen Saal des Konzerthauses ein. Die überaus große Beteiligung — der Saal war mit rund 1200 Personen besetzt, und dabei waren nur Männer zugelassen — machte eine Parallelversammlung notwendig, die von rund 400 Personen besucht war. Unter den Erschienenen waren zahlreiche Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften der Reichswehr, Vertreter der Schutzpolizei, der Kriegervereine, des Reichsbanners, des Jungdeutschen Ordens u. a. m. Redner waren Dr. Freund-Berlin und Doktor U r i a s - Hamburg. Ihre Ausführungen wurden oft von spontan einsetzenden Beifallskundgebungen unterbrochen. In der Aussprache ergriff ein alter ehemaliger Offizier, Freiherr von Rodenberg, das Wort und betonte als Vorsitzender des Hannoverschen Landeskriegerverbandes, daß er und sein Verband den Antisemitismus aus nationalen und kameradschaftlichen Gründen verurteilen. Andere ehemalige Offiziere erklärten gegenüber Dr. Freund, daß sie die Tendenz seiner Ausführungen unterstützen wollen. Zwei ehemalige Offiziere, Angehörige der N. S. D. A. P., erklärten, sie würden aus der Partei austreten, falls nicht der Juden-Paragraph im Parteiprogramm gestrichen würde. Ein führender Nationalsozialist erklärte nach der Versammlung, er bedauere lebhaft, daß diese sachlichen und tiefernsten Vorträge nicht vor noch größerem Publikum stattgefunden habeir.' Die Hannoversche Presse, auch die rechtsgerichtete, brachte spaltenlange, äußerst wirksame und objektive Berichte dieser Versammlung. Hochschüler erteilt gewissenhaften Unterridit und Nackhilfe in sämtlichen hebräischen unb profanen Wissenschaften. Zuschriften unter „HONORAR MÄSSIG" an die Redaktion.

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