Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1932
- Issue
- Heft 45 (4.11.1932)
- Date
- 1932-11-04
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT Seite 7 Antisemitische Propaganda in Athen. Eine vor kurzem in Athen gegründete „A n t ikommunistische Organisation" verbreitete Aufrufe zum Boykott jüdischer Warenhäuser. Die jüdische Gemeinde von Athen überreichte den zuständigen Stellen einen Protest gegen die Versuche, zwischen Juden und Nichtjuden, die von je in der Hauptstadt Griechenlands friedlich nebeneinander lebten, Zwietracht zu säen. In Athen leben unter etwa 800.000 Einwohnern rund 4000 luden. Antisemitische Hetze im Beizer Kreis. Eine Abordnung der Jüdischen Partei Rumäniens sprach bei Unter Staatssekretär im Irene nministeirium Armand Calinescu vor. um gegen die behördliche Duldung der antisemitischen Hetze im Beizer Kreis Protest einzulegen und wirksame Maßnahmen zun Sicherung von Leben und Gut der jüdischen Bevölkerung dieses Kreises zu fordern. Die Vertreter der Jüdischen Partei legten Beweise dafür vor, daß die Unruhen von Wahlagenten des cuzistischen Kandidaten Novitzky planmäßig herbeigeführt worden sind. Die Rädelsführer der Exzesse waren mit schriftlichen Autorisationen Novitzkys ausgestattet. Dem Minister wurde ferner ein vollständiges Namensverzeichnis der bei den Exzessen Geschädigten übergeben. Dep. Weißmann und Dr. Stern berichteten dem Minister fernen über die Beschwerden, die von der jüdischen Bevölkerung von Radoiu gegen den Kreispräfekten Gheorghäanoff und den Ortsbürgermeister wegen Unterlassung rechtzeitiger Vorkehrungen zum Schutze der jüdischen Einwohner vorgebracht werden, und wiesen darauf hin, daß bloß einige auswärtige Agitatoren verhaftet wurden, während die zahlreichen im Orte selbst ansässigen Teilnehmer an den Ausschreitungen bis heute unbehelligt geblieben sind. Unterstaatssekretär Calinescu hat,ah den Präfekten von Beiz telegraphisch Weisungen ergehen lassen, denen zufolge Maßnahmen ergriffen weiden sollen, um alle Exzedenten ausnahmslos vor Gericht zur Verantwortung zu ziehen und eine Wiederholung ähnlicher Vorkommnisse in Zukunft zu verhindern. Yersafflunlun&hdlender der fflCnTOlATIOWUiN LISTE Honfag, den 1. NOTemher Cafe-Restaurant „Goldener Engel", XXI., Am Spitz 3 Referenten: Dr. PI. SfigUtZ, StifT. LCO Dalli, Bnndesfflrsoraerat Adolf Sobel Dienstag, den 5 Nofcmber Sitzungs-Saal des Alten Rathauses, I., Wipplingerstraße 8 Referenten: Dr. JflKOD OrnSfClD, Dr. Jose! Löwu, Dr. Mai lenk Mittwodi, den 9. November Schützenhaus, VIII., Albertgasse 43 Referenten: Dr. Emst ftldSDCrg, Dir. Alois Donnebanm, Sehr. Leo Rath Donnerstag, den 10. Norember Speisehaus Heinrichshof, XX., Jägersir. 17 Referenten: Dr. JOSCl ftCilO. SClff. LCO Rath. Wolf waldmann Cafe Mariahilf, VI., Mariahilferstraße 89 a Referenten^ Dr. JOSef LÖWU DOrserat J. Giudf Alle Wählerversammlungen beginnen um 8 Uftr abends VERBAND DER SABBATFREUNDE „SCHOMRE SCHABBOS". II., Leopcldsgasse 16. Telephon A 48-1-15. Schomra-Verlosung. Die angekündigte Verlosung von zwei Preisen ä S 15.— für die bis Ercw Sukkoth zur Einlösung gelangten „Schomra"-Büchl£in findet am Montag, den 7. November d. J., um 10 Uhr vormittags, im Vereinslokale statt. Stellenvermittlung. Wir bitten alle sabbathaltenden Kaufleute. Gewerbetreibenden und Handwerker sich im Bedarfsfälle unserer kostenlosen Stellenvermittlung zu bedienen. Rechtsberatimg. Mitgliedern unseres Verbandes erteilt Herr Rechtsanwalt Dr. Arthur Funk gegen Legitimationsvorweisung kostenlos Rechtsauskünfte jeder Art. frfflnlftlulDffltö Wien I., Seitenstettengasse 2, Tel. U 28-1-28 XI., Zentrallrledhof, Uta 4ta I. Cor, Tel. U18-0-85 Aus aller Welt Geringe Resultate der antireligösen Aktion. Die jiddisch-kommunistische Presse veröffentlicht Berichte aus allen Teilen Rußlands, in denen die Korrespondenten klagen, daß die aus Anfaß der hohen jüdischen Feiertage eingeleitete antireligiöse Aktion nur geringe Resultate gezeitigt hat. In der Provinz sind die meisten jüdischen Arbeiter und Bauern an den Feiertagen der Arbeit ferngeblieben. Sogar in Kiew und in anderen größeren Städten waren die Produktionsstätten, in denen viele tausende jüdische Kleinhandwerker beschäftigt sind, an den Feiertagen geschlossen. Berlin. Der hervorragende Wirtschaftspolitiker und frühere Staatssekretär im Reichswirtschaftsministerium. Prof. Dr. Julius Hirsch, beging am 30. Oktober seinen 50. Geburtstag. Professor Hirsch wurde in Mandel bei Kreuznach geboren, lehrte an der Handelshochschule in Köln und Berlin und ist seit 1926 Professor für Betriebswirtschaftslehre an der Universität Berlin. Während des Weltkrieges war er Referent im Kriegsernährungsamt. Weit bekannt sind seine Schriften: „Die deutsche Währungsfrage", „Der moderne Handel", „Das amerikanische Wirtschaftswunder". Zu den jüdischen Fragen hat Professor Julius Hirsch mehrfach in Aufsätzen und in Vorträgen Stellung genommen. Seit 1930 ist er Mitglied des Verbandstages des Preußischen Landesverbandes, in dessen sozialen Ausschüssen er eine rege Tätigkeit entfaltet. Er ist auch Mitglied des Hauptverstandes des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens und betätigt sich auch auf dem Gebiet der politischen Aufklärung. München. Dr. Carl Joseph Melchior. Mitglied der Firma M. M. Warburg & Co., Hamburg, der zu den führenden Wirtschaftssachverständigen Deutschlands gehört, und als solcher auch international anerkannt ist, ist zum Senator der Deutschen Akademie in München ernannt worden.'Dr. MleJchior hat als der Vertreter Deutschlands auf internationalen Tagungen und in Zentral- und Weltwirtschafts-Instituüonen Deutschland große Dienste geleistet. Gemeinde - thtonik Wiener Bet-Hamidrasch. Dienstag, den 25. Oktober, um 7 Uhr abends, fand im Kleinen Leopoldstädter Tempel die feierliche Eröffnung des Winter-Semesters bei zahlreicher Beteiligung statt. Nach dem vom Herrn Oberkantor M a r g o 1 i e s stimmungsvoll und in altjüdischer traditioneller Weise vorgetragenen Maariw-Qebete hielt Herr Präsident Dr. Ornstein dem vor einigen Monaten verblichenen Vorstandsmitgliede Herrn Jakob Weiß s. A., der sich um das Blühen und Gedeihen der Lehranstalt unvergängliche Verdienste erworben hatte, einen tiefempfundenen und herzlichen Nachruf, der ebenso wie das nachfolgende „El mole rachamim", welches Herr Oberkantor M a r g o 1 i e s gleichfalls ergreifend rezitierte, von den Anwesenden stehend angehört wurde. In pietätvoller Erinnerung an Herrn Jakob Weiß wurde sodann eine kurze Pause eingeschaltet. Hierauf hielt der Vizepräsident Herr Kultusvorsteher Dr. Josef Tic ho einen vom Publikum beifälligst aufgenommenen Vortrag über „Wesen und Bedeutung eines Bet Hamidrasch'*, gewürzt mit den entsprechenden Zitaten, und zum Schlüsse sprach Herr Rabbiner Lektor Dr. Rubin über die „Lichtgestalt unseres Patriarchen Jakob", ein Thema, welches dem bekannten Bibelforscher alle Ehre macht. Der Vorstand hofft und wünscht, daß alle Vorträge zahlreich besucht sein mögen. Ernst Vogel. „Weibliche Fürsorge." Die Trauerfeier für die verewigte Frau Bundesfürsorgerat Henriette G r ü n w a 1 d, Präsidentin des Floridsdorfer Israelitischen Frauen-Wohltätigkeitsveretnes, die von der „Weiblichen Fürsorge" am 31. v. M. in den Räumen der B. B.-Logen veranstaltet wurde, fand in Anwesenheit der engeren Familie, des Präsidenten der Kuttusgemeinde Prof. Dr. A. Pick, des Obmanns tellvertreters der Fürsorgekommission der KuHusgemeinde Börserat I. Glück, der Rabbiner GROSSFLEISCHHAUEREI SIEGM. KORNMEHt »■■■■■■■■■■■■■■■■MaMMaMi WIEN IX., BBRGOASSB NR. tS HLIAlfti XVI».( WAHRINOIRSTRASSE »T Telephon Nr. A 17-3-99 and A 18-9-34 Ltafaraat für Heilanstalten AbteiiungenrarKoscherfleisch ttatep Aufsieht de» ebra. Rabhinates d«r Isr» Kultitsgaraaind* Wi«au Sämtliche Fleischsorten von ausschließlich Prima-Qualität zu den billigsten Marktpreisen Dr. D. Feuchtwang, Dr. M. ü r u ni w a 1 d und Dr. M. R o s e n m a n n, sowie von Vertretern der B. B.-Logen statt. Sehr stark war die Beteiligung der Wiener jüdischen Frauenvereine, die zumeist durch ihre Präsidien vertreten waren, insbesondere hatte der Floridsdorfer Prauenverein eine große Deputation entsendet, in der man namentlich die treue Freundin und Mitarbeiterin der Verstorbenen Therese Schnabel bemerkte, für die der Heimgang der prächtigen Frau einen schweren Verlust bedeutet. Präsident Prof. Dr. A. Pick, Rabbiner Dr. M. Rosenmann, Frau Regine Ulmann, die Präsidentin der „Weiblichen Fürsorge", und Frau Babette Rosenmann namens des Floridsdorfer Frauenvereines feierten in pietätvollen Ansprachen die Verdienste dieser echt jüdischen Philanthropin, für deren gesegnetes Andenken die schöne Feier eine ihrer würdige Ehrung darstellte. Barmizwahfeier. Samstag, den 5. d. M„ 9 Uhr vormittags, findet im Seitenstettentempel die Barmizwah des Hans Berger, Sohn des Herrn und Frau Ph. Mr. Hermann B e r g e r (III., Gärtnergasse 4) statt. Jona Reißmann gestorben. Dieser Tage verstarb hier der überaus populäre jiddische Schauspieler Jona Reißmann, der vier Jahrzehnte lang als einer der beliebtesten Charakterkomiker des jiddischen Theaters auf den verschiedenen jiddischen Bühnen mit größtem Erfolg wirkte. Jona Reißmann, der Nestor der jiddischen Bühne, war auch einer der Begründer des jiddischen Theaters in Wien, an dem er bis zu seinem Tod trotz Krankheit und Entbehrungen mit größter Hingabe und jugendlichem Kunsteifer wirkte. Eine zahlreiche Gemeinde trauert um den Verlust dieses wahrhaft großen Künstlers, die jüdische Schauspielerschait um eines ihrer besten Vorbilder und einen stets hilfsbereiten Kollegen. Beim Leichenbegängnis haben zahlreiche Freunde und Anhänger Jona Reißmanns dem Verstorbenen die letzte Ehre erwiesen. Der Brigittenauer Jüdische Frauenverein (Präsidentin Olga Friedmann) veranstaltet am Sonntag, den 6. November, 4 Uhr nachmittags, im Festsaal des Hotel Continental, II., Taborstraße 4, seine erste diesjährige Akademie, bei der u. a.. konferiert von Benno Lie, Oberkantor Gerson M a r g u 1 i e s, Else Kaufmann und Armin Berg mitwirken werden. Karten bei den Vorstandsdamen und an der Kassa erhältlich. Der Vorstand des Israelitischen Frauenvereines für den IV. und V. Bezirk (Präsidentin Frau Karoline Hof mann) ladet hiermit zu gemütlichen Zusammenkünften jeden Dienstag ab halb 5 Uhr nachmittags im Cafe des Niederösterreichischen Gewerbe-Vereines, Wien I., Eschenbachgasse, ein. fflmtfidfe VerfdutOärungen der Jsraefitisdjen TCuftusgemeinöe Wien Predigten in den israelitischen Gemeinde- und Bezirks-Synagogen. Freitag, den 4. November 1932, werden bei den um 4 Uhr 40 Minuten beginnenden Abendgottesdiensten in nachbenannten Gemeinde- und Bezirks- Synagogen Predigten abgehalten, und zwar: 1. Bez., Seitenstettengasse 2, Rabb. Dr. J. M. Bach. 2. Bez., Pazmanitengasse 6, Rabb. Dr. Z. Taubes, 3. Bez., Untere Viaduktg. 13, Rabb. Dr. K. Kupfer, 10. Bez., Humboldtgasse 27, Rabb. Dr. A. Weiner. Exegetische Vorträge: Samstag, den 5. November 1932, nach dem Nachmittagsgottesdienst: 13. Bez., Eitelbergergasse 22, Rabb. Dr. M. Lewin, 19. Bez., Dolinergasse 3, Rabb. Dr. A. Frankfurter.