Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1932
- Issue
- Heft 43 (21.10.1932)
- Date
- 1932-10-21
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 DIE WAHRHEIT Alle freunde and Dekonnfen 1 lade ich hiemitzurBarmizwahmeinesSohDes Alfred, welche am 29. Oktober, Schabos Bereschis, um halb 10 Uhr, im Bethaus „Montefiore** IL, Taborstraße 38, stattfindet, ein. Dr. Leopold Schwarz, 11., Gr, Pfarrgasse 3 JederSesewhat AasWawV. jCnsttkmiftvn. aus «lern {fubtxfiunt Geehrte Redaktion! Mit großem Interesse habe ich in der letzten Nummer Ihres Blattes die Betrachtung über den Hakenkreuzüberfall auf das improvisierte Bethaus in der Sperlgasse gelesen. Leider vermißte ich, was ich übrigens schon in der „Stimme" öffentlich feststellte, im Anschluß daran die Vermerkung der Tatsache, daß die Wiener Presse zum Teil eigenartig auf diesen Vorfall reagiert hat. Es muß doch wenigstens die jüdische Bevölkerung davon in Kenntnis gesetzt werden, daß das „Wiener Journa 1", das, wie sein unverschämter Artikel am letzten Sonntag bewiesen hat, so „aufrichtiges Interesse" für jüdische Kultusangelegenheiten zum Vorteile der Nationaljuden an den Tag legt, sich damit begnügte, ganz unauffällig unter dem Titel „Der Gautag der Nationalsozialisten" so nebenbei von dem durch Schüsse aus dem Cafe, in dem vorher ein jüdischer Gottesdienst stattgefunden hat, provozierten Scharmützel zu berichten. Die jüdische Presse muß eine solche Berichterstattung festnageln und die .luden auffordern, ihre Konsequenzen aus der Handlungsweise dieses Blattes zu ziehen. f!in eifriger Leser. Aufklärung über den Talmud. Das Ai!K;:st'September-Heft der in 60.000 Exemplaren in christliehen Kreisen zur Verbreitung gelangenden Monatsausgabe der „C. V.-Z e i t u n g" beschließt eine Reihe der Sondernummern, durch die der C e n t r a 1 v e i e i u deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens einen geschlossenen Ueberblick über die verschiedenen Gebiete geben wollte, von denen her Angriffe, Mißverstehen und Feindschaft zwischen Judenrum und Umwelt entspringen. Nachdem in der Januar-März- Nummer die seelische, kulturelle, geschichtliche und politische Verknüpfung der deutschen Juden mit ihrer deutschen Heimat dargestellt wurde, war die April- Nummer gegen das Unheil des Schlagwortes gerichtet. Die August/September-Ausgabe ist dem Talmud- Pr ob lern gewidmet, über das in der außerjüdischen Welt so viel und vielerlei geschrieben, geredet, be- Imunet. von dem aber so wenig gewußt wird. Rabbiner Dr. Felix Gold mann (Leipzig) gibt in einem sehr eingehenden grundlegenden Aufsatz Aufschluß über: 1. Des Talmuds Werden (dabei u. a.: Die Entwicklung des Rechts. Die Mischnah. Die Auslegung): 2. Des Tainutds Wesen und Inhalt (dabei u. a.: Leben und Lehre. Der soziale Gedanke): 3. Des Talmuds Wert (dabei u. a.: Angriffe und ihre. Widerlegung). In einer Schlußbetrachtung führt Dr. Felix Goldmann aus:.....Die talmudische Ethik ist die geradlinige Fortsetzung der sittlichen Anschauungen der Thora und der Propheten, die ja auch Grundlage der christlichen F.:hik geworden sind. Und selbst v enu im gewaltigen Garten jüdischer Lehre sich hier und da Blumen fnden sollten, die der flüchtige Beobachter für Giftblüten hält, so verschwinden sie vor der Fülle der starken gesunden Bäume, der fruchttragenden, blühenden Pflanzen, der Blumenpracht, die Auge und Herz erfreut. Die wahrhafte Sittlichkeit des Talmuds braucht sich nicht zu verstecken, und das Judentum hat sich WIENER BET HAMIDRASCH. Wien. IL, Tempelgasse 3. Vorlesungen im Wintersemester 1932/33 (5693). Sonntag 5—6: Rabb. Lektor Dr. Rubin. Midrasch; 6— 7: Rabb. Lektor Dr. R u b i n. Talmud (Beroshot). Montag 6—7: Rabb. Dr. Rosenmann, Psalmen (aus. gewählte Kapitel); 7—8: Rabb. Dr. Murmelstein. Pirke des Rabbi Elieser. Dienstag 6—7: Prof. Dr. Krauß. Geschichte der Juden in der Neuzeit; 7—8: Rabb. Dr. Taglicht, En Jakob. Mittwoch 6—7: Rabb. Lektor Dr. Rubin, Midrasch; 7— 8: Rabb. Dr. Rosen mann, Psalmen (ausgewählte Kapitel). Donnerstag 6—7: Prof. Dr. Krauß, Geschichte der Juden in der Neuzeit; 7—8: Prof. Dr. Krauß, Chowoth ha Lewowoth. Samstag 11—12: Prof. Dr. Krauß, Chowoth ha Lewowoth; präzise %4: Rabb. Lektor Dr. Rubin, Bibelvortrag. Die feierliche Eröffnung des Wintersemesters findet Dienstag, den 25. Oktober 1932, um 7 Uhr abends. IL Tempelgasse 3, statt 1W2 -rcra als neuesle Spezialität Senfgurken DAVID STEINHOF Wien II., Haidgasse 5 ihrer nicht zu schämen. Sie gipfelt in dem Gebote allumfassender Menschenliebe: „Du sollst deinen Nächsten lieben, er ist wie du!" (3. Buch Moses, 18. 19). Unter dem Nächsten versteht das Judenrum alles, was Menschenantlitz trägt, und dem Fremden insbesondere gilt das gewaltige Wort: „Die Frommen der Völker der Welt haben den Anteil an der künftigen Welt!" Letzter Sinn der talmudischen Sittlichkeit ist die Hoffnung auf die Einheit des ganzen Menschengeschlechts, auf die Zeit des ewigen Friedens, im Glauben an den einen Gott der Schöpfung. „Gott wird einst König sein über die ganze Erde, an jenem Tage wird Gott der Einzige sein und sein Name der Einzige" (Sech. 14. 9.). Wie der JTA vom C. V. mitgeteilt wird, gibt sich in den christlichen Kreisen gerade für diese Nummer trotz ihres abstrakten Themas ein starkes Interesse kund, wovon eine große Zahl von Zuschriften und Nachbestellungen Zeugnis ablest. Den 12.000 Toten, „Die jüdischen Gefallenen des deutschen Heeres, der deutschen Marine und der deutschen Schutztruppen 1914—191S". ein Gedenkbuch, herausgegeben vom Reichsbund jüdischer Frontsoldaten 1932, erscheint im Verlag „Der Senil d", Organ des R. j. F.. Berlin W 15. üs wird im Monat Oktober 1932 zur Ausgabe gelangen. (Preis Ganzleineneinband RM. 4.—.) In mehrjähriger Arbeit hat der R. j. F. die Liste der jüdischen Gefallenen zusammengestellt und einmal in einem alphabetischen Namensverzeichnis und außerdem in einem Ortsverzeichnis in diesem Buche niedergelegt. Ein Nachwort gibt nähere sachliche Erläuterungen. Seitens des R. j. F. wird uns hierzu mitgeteilt: ..Mit diesem Gedenkbuch errichtet der R. j. F. den im Weltkriege gefallenen jüdischen Soldaten ein bleibendes Denkmal. Er erfüllt eine Ehrenpflicht, die die Gesamtheit der deutschen Juden angeht, das Andenken au die Gefallenen zu wahren und snäteren Generationen zu hinterlassen. Aber auch ein anderes Moment darf hierbei nicht unbeachtet bleiben. Die politische Bedeutung und Wichtigkeit dieses Gcdenkbuches ist von nicht zu unterschätzendem Wert. Sein Erscheinen wird nicht nur von allen jüdischen Kreisen, sondern in hohem Maße auch von maßgebenden politischen, nichtjüdischen Kreisen mit besonderer Aufmerksamkeit erwartet. Es ist ein Dokument von höchster Schlagkraft im Kampfe gegen üie :>uf Entrechtung' 'der' deutschen Juden gerichteten Bestrebungen, die in der judenfeindlichen Agitation damit begründet werden, daß die deutschen Juden im Kriege an Blut nicht die gleichen Opfer gebracht hätten wie ihre nichtjiidischen Mitbürger. Dieses Buch widerlegt diese Lügen in eindrucksvollster Weise und ist dpher für die deutsche Juclenbe'.t geradezu die beste Begründung für die Rechte, die nicht zu erbitten, sondern gerade im Hinblick auf diese Opfer zu fordern sind." Hygfenisdies HOnlUsIIcht ------------------------------------- aBBBBBBHBHB Seit vielenjahren dasa..erkannt beste Ernst Vogel, m, Schriftführer. Für den Vorstand: p. Dr. Jakob O r n s t e i n, m. p. Präsident üybn&v} Man achte auf die ges. gesch. Marke „Hyglen. Königslicht" und Name Schulz Fa brik und Büro: Wien XIV., Braunhirschengassse 3 Telephon R 33-1-87 Den allgemeinen Wünschen des konsumierenden Publikums Rechnung tragend, wird unter der Bezeichnung „Hygienisches Königslicht" Nummer 2 ein kleines Jahrzeitlicht in den Verkehr gebracht, das garantiert 24 Stunden brennt und sich im Preise bedeutend billiger als das bisherige Nr. 1 stellt.! I Jüdische Mädchen vor der Berufswahl!! Zweijährige Fachschule für Kleidermachen und Wäscheerzeugung mit Öffentlichkeitsrecht Staatsgültige Zeugnisse Einjährige Koch- und Haushaltungsschule mit erweitertem Lehrplan für allgemeine Bildung, streng rituell Modistenkurs Dr. Krfigerheim, Ii., Malzgasse? Tel. A 48-0-77 Internat. Samstag schulfrei. Berufsberatung täglich von 11 bis 12 Uhr. Aus alter Welt Jörn Kippur in Moskau. Am Jörn Kippur waren die wenigen Synagog e n in Moskau derart überfüllt, daß ungeheuere Mengen Andächtiger wegen Mangels an Raum auf den Plätzen und Straßen vor den Synagogen an den Gottesdiensten teilnahmen. Die jüdischen Kommunisten veranstalteten am Jom Kippur in Fabriken und in anderen Betrieben, die eine große Zahl Juden als Arbeiter beschäftigen, zehn antireligiöse Massenversammlungen. Der neue Kurs in Ungarn. In der Debatte des ungarischen Parlaments über die Regierungserklärung erklärte der Abgeordnete M e s k o im Namen der ungarischen Nationalsozialistischen Partei seine Zu stimm ungzum Programm des Ministerpräsidenten (lömbös, den die Nationalsozialisten als alten Rassenschützler verehren; im übrigen aber habe Gömbös seinen Standpunkt zur Judenfrage etwas verfrüht revidiert. M e s k o sagte, auch er sei. obwohl Nationalsozialist, kein Antisemit, er wolle nur seine ungarische Rasse schützen. | Dr. Hermann Fialla Als er mit jugendlicher Elastizität seinen achtzigsten Geburtstag gefeiert hatte, lud er auf den Dankkarten die Gratulanten zum Neunzigsten ein. Er sollte ihn nicht erleben. Zum bitteren Leidwesen seiner Freunde, die ihn nicht etwa besuchten, wie man aus Pietät, halb aus Mitleid einen alten Herrn besuchte. Nein, man suchte ihn. wenn man vor wichtigen Entscheidungen wertvollen Rat brauchte. Man suchte ihn auf, wenn man sich den erlesenen Genuß leisten wollte, mit einem geistvollen, welterfahrenen, bis zuletzt mit beiden Füßen im lebendigsten Leben, ja im Berufe stehenden, vollendet ritterlichen Vertreter des besten Oesterreichertums der liberalen Aera, man möchte sagen: des Ancien Regime, ein Stündchen angeregt zu plaudern. Und immer ging man reich beschenkt von ihm. Bereichert mit Anekdoten aus der Geschichte Wiens, die zugleich Ausschnitte aus seiner eigenen Lebensgeschichte waren, staunend über die Schärfe seines Geistes, die Klarheit seiner Rede, seine gewinnende Art, sich als Wirt zu geben. Und nun ist er so plötzlich erloschen. So ist einst Mose ganz unerwartet, ganz ohne Zeichen des Verfalls, von seinem Volk gegangen. Was er uns Freunden war, läßt sich nicht niederschreiben. Dem Judentum war er ein treuer Sohn. Der „Politische Volksverein", den er im Verein mit unserem Dr. Josef Bloch und dem nun auch schon seit Jahren verewigten Dr. Marcell H o f f m a n n auf einer geistigen und gesellschaftlichen Höhe leitete, die unsere Nachkriegsexistenzen wie vorgeschichtlich-sagenhaft anmuten muß, war eine iener Erscheinungen unseres jüdischpolitischen Lebens, die so ganz auf das Persönliche ihrer Schöpfer und Erhalter zugeschnitten sind, daß ihre Neuerweckung undenkbar ist. Ganz vergessen ist eine seiner advokatorischen Meisterleistungen, durch die er den bekannten Freund Dr. Luegers. den Apostaten des Judentums, Dr. Mandl, zur Strecke brachte. Ein Schimmer des Triumphes blitzte noch jüngst in seinen Augen auf, wenn er die dramatische Szene schilderte, wie er als gegnerischer Anwalt mitten im Plädoyer alles Beweismaterial beiseite schob und mit der rhetorischen Frage: „Wer ist denn eigentlich dieser Doktor Mandl?" eine Philippika einleitete, mit dem Erfolge, daß Dr. Mandl als politische Leiche den Gerichtssaal verließ. Dr. Fialla war ein erfreulicher Gast unseres Gotteshauses an den hohen Festen, er, der vor Jahren selbst einen Gottesdienst für die Sommergäste in Vöslau eingerichtet hatte. Unter den Lesern der „Wahrheit" war er unzweifelhaft einer der gewissenhaftesten. Er ließ sich nicht nur gern über manches, was ihm darin aufgefallen war, des näheren berichten. In den Gang der Geschehnisse selbst einzugreifen, so z. B. den Verein der Tempelfreunde über Wasser zu halten, stellte er sich noch vor wenigen Jahren zur Verfügung. Daß es ihm