Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1932
- Issue
- Heft 43 (21.10.1932)
- Date
- 1932-10-21
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT Seite 7 Speiialhaus für Wolle und Strickgarne Moritz Nagel Wien, 2. Bez., Taborslraße Nr. 17 Fabriksniederlage. Wirku. Strickmoden. Telephon A 45-8-69 verleidet wurde, vermehrte nur um eine Nummer die nicht zu knappe Liste seiner leidigen Erfahrungen mit den veränderten Wiener Verhältnissen. Wir legen auf sein frisches Grab diese Zeilen dankbaren Gedenkens. Uns ist er nicht gestorben. Er lebt fort in der Freundschait, die uns mit ihm verbindet trotz Tod und zeitlicher Schranke. G. | Henriette Grünwald | Wenn man die besten Namen unter iden Wohltätern und wohltuenden Erscheinungen aufzählte, über die das Wiener Judentum der allerjüngsten Zeit verfügte, so tat man Unrecht, wenn man sie vergaß. Und das konnte um so leichter geschehen und war um so verzeihlicher, als sie sich so ganz im Hintergrunde hielt. Ueberall sah man sie, wo Kleinarbeit, die schwerste urid undankbarste im sozialen Schaffen, zu leisten war. Nur die Eingeweihten aber wußten davon und welche Mühe sie, die selbst sorgsamer Pflege Bedürftige, in den letzten Jahren jede ihrer unzähligen Wege treppauf, treppab kostete, die sie in die Höhlen des Elends führten. Aber, wie den Armen eine gütige Fee, so war sie die treueste Freundin denen, die das Glück hatten, von ihr ins Herz geschlossen zu werden. Bei allen Anlässen, bei Freud und Leid, stand sie als eine der ersten schon idurch ihren lieben Anblick Freude mehrend, Leid mildernd, neben uns. Die betrübliche Kunde ihres Todes erinnerte die Freunde ihres gastfreien Hauses aber auch an den trefflichen Mann, 'der ihr längst im Tode vorausgegangen ist. Sein lauterer Charakter und seine reiche Erfahrung auf vielen praktischen Gebieten machten ihn zu einem wertvollen Mitgliede des Wiener Kultusvorsrandes. Viel ist ihr einst in ihm, nicht weniger jetzt uns in seiner treuen Gattin verloren gegangen. Nicht nur der Bezirk, dem insbesondere sie, die langjährige Leiterin seines jüdischen Frauenvereines, so manche Hilfsquelle erschlössen hat, sondern alle Wohlfahrtsvereine, denen sie ihre rege Arbeitskraft widmete, und nicht zuletzt die große Schar ihrer Freunde nehmen in aufrichtiger Trauer von ihr Abschied und segnen ihr Andenken. G. Eine der edelsten Frauen, welche das Wiener Judentum hervorgebracht hat, die Mutter der jüdischen Armen in Floridsdori, ist in hohen Jahren, die man aber der noch immer tätigen und rüstigen Dame nicht ansah, von einer tückischen Krankheit dahingerafft worden. Frau Henriette G r ü n w a 1 d. die Tochter der angesehenen Meidlinger Familie Taußky, folgte ihrem Gatten nach Floridsdorf, wo sie vor fünfzig Jahren in den jüdischen Frauenverein eintrat, dem sie dann 37 Jahre vorstand, in welcher Zeit sie ihn zu einem Musterverein machte. Ebenso wirkte sie ersprießlich im Wöchnerinnen-Verband und später in der „Weiblichen Fürsorge". Ihrem Gatten, dem Kultusvorstandsmitglied Emanuel G r ü n w a 1 d, war sie die liebevollste Gattin und in dem schönen Garten ihrer Villa blühten zwei Bäume, der des Glaubens und der der Wohltätigkeit, wie Rabbiner Dr. M. Rosenmann in seiner vortrefflichen Trauerrede sagte, eine der gehaltvollsten, die je am Grabe einer Frau gesprochen wurden. Nach ihm widmete der Präsident der Kultusgemeinde Prof. Dr. A. Pick der Heimgegangenen ehrende Worte. Dann hielt Frau Vizepräsidentin Babette Rosenmann namens des Floridsdorfer Frauenvereines eine ergreifende Rede, die den Gefühlen aller Damen des Vorstandes entsprach. Die kantorale Funktion versah I. Kantor Teig mit Chor in eindrucksvoller Weise. — Beim Begräbnis waren u. a. anwesend: Neben dem Kultuspräsidenten Prof. Pick Vizepräsident Dr. J. O r n s t e i n und Amtsdirektor Reg.- Rat G. Fuchsgelb, der Vizepräsident der „Union" Dr. Karl Steiner und der Obmann der Bezirksorganisation XXI der „Union" Dr. Julius Grünwald, die Kultusvorsteher Dr. D. Friedmann und Börserat I. Waltuch, Obmann G. Dukes mit sämtlichen Vorstehern der Chewra Kadischa Floridsdorf und den Herren des Bethausvorstandes, Dr. Max T i c h o. Obmann der Talmud-Thora XXI., der Obmann des Vereines „Chonem Dal" Herr Hugo Deutsch, Herr Gustav Planer namens der Altersfürsorge und Herr Amtsleiter Rudolf Kraus. Sehr stark war die Beteiligung von Vertreterinnen der weiblichen Fürsorgevereine. So erschienen u. a. in Vertretung der Präsidentin Regine Ulmann Vizepräsidentin Hermine K a d i s c h, Frau Regierungsrat Masaryk und Fräulein Rosa Schur für die „Weibhche Fürsorge", ferner die Damen Natalie B e r a n und Sidonie Hirschfeld (Leopoldstadt). Goldstein (Landstraße), Olga Friedmann und Mathilde Löwy (Brigittenau), Bundesfürsorgerat Irma Rosenberg Wien I., Seitenstettengasse 2, Tel. U 29-1-28 XI., Zentralfriedhof, «ttl (in I. Cff, Tel. U 18-0-85 („Krankenbesuch"). Marie Steiner (Jubiläumsverein), Frau Bundesfürsorgerat VV a 11 u c h (üreisinnenfürsorge), Dr. Stern (Krügerheim), Frisch (Zuflucht), sowie Frau Bischofs w erder und alle Vorstandsdamen des Floridsdorfer Frauenvereines, sowie zahlreiche Honoratioren von Floridsdorf. Die „W eibliche Fürsorge" veranstaltet am Montag, den 24. d. M.. 'AS Uhr nachm.. im Klubsaal des Cafe R u t h ni a y r, IX., Kolinsasse 14 eine Trauersitzung für die verdienstvolle Heimgegangene, deren Andenken überall ein geachtetes sein wird. Gemeinde - CfiroisiH Am Versöhnungstag beehrte der jugoslawische Gesandte, Seine Exzellenz Herr Georges N. N as t a s s i j e v i t s c h, in Begleitung des jugoslawischen Generalkonsuls, Herrn George .1 o s ini a v i c. den sephardisch-israelitischen Tempel. IL, Zirkusgasse 22, mit seinem Besuche und verweilte eine Stunde beim Gottesdienste. Seine Exzellenz beglückwünschte den Vorstand sowie die jugoslawischen Mitglieder der Gemeinde zu diesem hohen Feiertage und sprach sich über den weihevollen Gottesdienst sehr lobend aus. Vereinigung für fortschrittlich-religiöses Judentum. Montag, den 24. Oktober, 7 Uhr abends, findet im Architektenvereinssaaie, 1.. Eschenbachgasse, ein Vortrag von Miss Lilly Montag u aus London in englischer Sprache statt, welchen sogleich Frau Dr. Mar«. Golds te in aus Berlin ins Deutsche übersetzen wird. Diese beiden prominenten Propasandistinuen der Bewegung wollen die Gründung einer Vereinigung für iortschrittlich-religiöses Judentum durch ihre Vorträge im Auftrage der „WorWs Union for Liberal Judaism" (Wcltvereinigung für das Liberale Judentum) in Wien fördern. Dr. Berthold Oppenheim — 40 Jahre Rabbiner in Olmütz. Am Simchath Thora-Feste feiert Dr. Berthold ü p p e n Ii e i m. Rabbiner in Olmütz, Tschechoslowakei, sein 40jähriges Amtsjubiläuni. Dr Oppenheim, der Sohn des bekannten Rabbiners Dr. Chaim Oppenheim und Neffe des unvergeßlichen Lektors Weiß s. A., Wien, kam nach Absolvierung seiner theologischen Studien am Breslauer Seminar in jungen Jahren zuerst als Rabbiner nacli Mislitz. Mähren, wo er sich durch seine Wirksamkeit seltener Liebe und Anhänglichkeit bis heute erfreut. In den Neunzigerjahren des vorigen Jahrhunderts zum Seelsorger der neugegründeten Gemeinde Olmütz beruien. entfaltete er eine vielseitige segensreiche Tätigkeit als Rabbiner, Lehrer und Organisator. Denn hier war Neuland, hier war es notwendig, alle Kräfte einzusetzen, um aus dem Bethausvereine die blühende, große Gemeinde zu schaffen. Doch Dr. Oppenheim, der willensstark, voll Energie und Zähigkeit dieses Werk begann, verwirklichte trotz mancher Hindernisse von außen und innen die Ideale, die ihm in seiner Jugend vorschwebten. Wer den Menschen Oppenheim kennt, diesen vornehmen, lauteren Charakter, seine Herzensgüte und Aufopferungsfähigkeit, wird wohl verstehen, daß dies ihm gelingen mußte. Denn Dr. Oppenheim hat ebenso beim Bau des herrlichen Gotteshauses mitgearbeitet, wie er erst durch seine klugen, formvollendeten, eindrucksvollen Predigten die Gemeinde an einen geregelten Gottesdienst, an die Feier der religiösen Feste gewöhnte. Auch verstand er es, die Jugend im Sinne des Judentums zu erziehen, und seine Schüler hängen noch als erwachsene Menschen mit seltener Liebe an dem gütigen Lehrer. Freund und Helfer aller Kranken und Armen, war er der Begründer aller Wohlfahrtsvereine, deren Krönung er selbst in der „Chewrah Kadischa" sieht, an deren Spitze er steht und die selbständig arbeitet, indem die Mitglieder nach seinem Wunsche selbst Kranke besuchen und bei der Taharah alle Arbeit mittun. Bis zum Umsturz war Dr. Oppenheim viele Jahre durch seine besonderen Fähigkeiten als Organisator und Führer in der Leitung des Rabbinerverbandes tätig und hat in eifrigster und intensivster Weise die Interessen desselben vertreten. Als Freund des Palästina-Aufbaues hat er über seine diesjährige Reise nach Palästina interessante Artikel in der „Jüdischen Volksstimme"* veröffentlicht. Ebenso hielt es Dr. Oppenheim jedoch iür seine Pflicht, dem Antisemismus, wo immer er ihm begegnete, entgegenzutreten, und ich selbst weiß es, wie viele Freunde ihm sein liebenswürdiges, schlichtes Wesen auch unter den Andersgläubigen verschaffte. Dr. Berthold Oppenheim werden an seinem Ehrentage gewiß viele wohlverdiente Ehrungen zuteil werden. Er begeht dieses Fest trotz vieler Schicksalsschläge, wie sie ja keinem Menschen erspart bleiben, in körperlicher und geistiger Gesundheit und es bleibt mir nur übrig, zu wünschen, daß das verehrungswürdige Oberhaupt der Olmützer Gemeinde noch lange in Rüstigkeit und Kraft seines heiligen Amtes walten möge. A. M. Barmizwahfeiern. Am 1. Sukkothtage fand im Döblinger Tempel die Barmizwahfeier des Heinz Peter Keßler. Sohn des Herrn Isidor und der Frau Vally Keßler, geb. Immerglück, statt. Die große Beliebtheit, deren sich der Vater des Barmizwah im Iv GROSSFLEISCHHAUEREI S1EGM, KORNMEHL umammmmmmmmmmm^mmmamm^mi^^mmmmmmmm WUN OCv BMKKUSW NR. 1» FILIALE i XVIII., WAHRINOMSfRASSB MF Telephon Nr. A 17499 and A 18-9-34 Lieferant für Heilanstalt«» AbteilungenfarKoscherfleisch Mrtur «utaiaht 4mm ahm. RaabhuritM *•*> lar. Kiiltu«g«naiad«> VJtaa. Sämtliche Fleischsorten von ausschließlich Prima-Qualität zu den billigsten Marktpreises Berufs- und Gesellschaftsleben erfreute, kam in der überaus starken Beteiligung seiner Freunde und der Beamtenschaft des Hauses Ig. K11 n g e r, dessen Prokurist Herr Isidor Keßler ist, zum Ausdrucke. Heinz Peter Keßler trug die Segenssprüche und die Haftarah mit viel Verständnis vor, sein Vater, wie auch dessen Angehörige widmeten, zur Thora aufgerufen, für verschiedene Wohlfahrtszwecke reichliche Spenden. Rabbiner Dr. A. Frankfurter wünschte dem Barmizwah in seiner geistreichen Ansprache, daß dieses Fest der Freude Ausgangspunkt iür ein Leben voll Freude sein möge, in dem er sich bestreben solle, der bewährten Gediegenheit seines trefflichen Vaters nachzueifern. Oberkantor D. B o h o m i 1 n y versah die kantoralen Funktionen in gewohnt vorzüglicher Weise. — Am zweiten Sukkothtage fand im stark besuchten Pazmanitentempel die Barmizwah des Fritz Adler, Sohn des Ehepaares Emanuel und Ilona Adler, statt. Herr Emanuel Adler genießt in der Schneiderbranche, aber auch im jüdischen Vereinsleben der Leopoldstadt großes Ansehen, namentlich betätigt er sich seit vielen Jahren als eifriges Mitglied des Tempelvereines „A esc hei Awroho in", so daß neben dem Gesamtvorstande desselben unter Führung des Obmannes Oskar Schramek auch zahlreiche Freunde des Herrn Emanuel Adler und viele Vertreter von Wohltätigkeitsveeinen, in denen er ersprießlich wirkt, im schönen Gotteshause zu sehen waren. Allgemeines Gefallen löste der sinnvolle Vortrag des Barmizwah aus, der seinem Lehrer Julius C h a i z e r alle Ehre machte. Oberkantor J. Müller rezitierte ein feierliches Mischeberach, Rabbiner Dr. Z. Taubes richtete an Fritz Adler eine gehaltvolle Ansprache, in der das mustergültige Wirken seiner Eltern gebührendes Lob erfuhr. 70. Geburtstag. Arn 2. Tag Rosch Haschouo feierte Herr Moritz Gang in voller körperlicher und geistiger Frische seinen 70. Geburtstag. Der Jubilar wirkt seit Bestand des Bethausvereines „Adasz Jeschurun" in verdienstvoller Weise als Vorstandsmitglied. Herrn Gang wurden zu seinem Jubeltag vielfache Ehrungen zuteil, so seitens des Vereinsvorstandes durch Uebergabe eines Ehrengeschenke«. Personalnachricht. Direktor Leopold Rittmann von der Firma Karl Ceschka & Söhne feierte kürzlich sein 25jähriges Bertiisjubiläum. Von seiten seines Chefs sowie von den Arbeitern und Angestellten der Firma wurden ihm herzliche Kundgebungen zuteil. Todesfälle. Beim Leichenbegängnisse der im Lebensjahre verblichenen Frau Chaje Reich sprach am Grabe der Oberrabbiner von Steiermark, Prof. Dr. David Herzog, ein Enkel der Verstorbenen, tiefempfundene Worte des Gedenkens für diese treffliche Frau. Die kantorale Funktion versah in würdevoller Weise erster Kantor Leo Funke. - Vor einigen Tagen wurde Herr Emanuel Weiß, der durch eine lange Reihe von Jahren als Kassier des Bethausvereines „Adasz Jeschurun" in mustergültiger Weise wirkte und sich allgemein wegen seines lauteren Wesens besonderer Sympathien und Wertschätzung erfreute, zu Grabe getragen. An der Bestattung des Dahingeschiedenen, der ein Alter von 63 Jahren erreichte, nahmen der gesamte Vorstand, wie auch eine große Zahl Mitglieder des Bethausvereines teil. Der Verein „Oseu Chesed" (II. Schiifamtsgasse 5) enthüllte am Dienstag, den 11. d. M.. beim Abendgottesdienst in ieierlicher Weise eine Gedenktafel für sein vor einiger Zeit verblichenes Ehrenmitglied Herrn Jakob Weiß, der lange Jahre rühriger Obmann des Bethausvereines gewesen ist. Nach dem Minchagebet begann die erhebende Feier, zu der sich neben dem Vereinsvorstande sowie der Witwe und den Söhnen des Dahingeschiedenen u. a. eingefunden hatten: Rabbiner Dr. M. Rosen mann. Prof. Antscherl. Kultusvorsteher Dr. Leo Landau und Redakteur O. H i r s c h f e 1 d. Obmann B. Weizenbaum begrüßte die Erschienenen, sodann würdigte Rabbiner Rubinstein die Verdienste des Heimgegangenen in einer gehaltreichen Ansprache. Sehr eindrucksvoll war die Trauerrede, die Rabbiner Dr. Rosenmann seinem dahingegangenen Freunde widmete, dessen hervorragende persönliche und geistige Qualitäten er eindringlich schilderte. Die Gedenktafel wurde mit einer sehr herzlichen Rede des Obmann-