Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1932
- Issue
- Heft 43 (21.10.1932)
- Date
- 1932-10-21
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 DIE WAHRHEIT f^-^l^^i^^p iS-'f^^Sä S^ÄÜßi ^^iliiiiiLiaisim YOMEflflE f APIILKN - PENSION m |M3BPBtion,Baffeebaiis 1! täglich 5-Uhr-Tee S SEWIEHING 1 I TELEPHON 11 m Hochstraße 43 1 ' neben Hotel Panhans | I Mäßige Preise, Zimmer mit PensionS 12— aufwärts g | Zentralheizung, fließendes Warm- und Kaltwasser g in jedem Zimmer. m | Zum Besuch ladet höflichst ein Eckstein. Besitzer g iinii^ Sowohl nach dem Urteilsspruch wie auch vorher hat Herr Dr. Weiß aus dem Publikum, und was besonders interessant ist, von vielen Nichtjuden, auch von solchen, die politisch rechts stehen, Briefe bekommen, in denen er ermutigt und beglückwünscht wurde. Die antisemitische Note in der gegen Dr. Weiß geführten Kampagne ist, wie Dr. Weiß meint, unverkennbar. Das Ergebnis des Prozesses, die scharfe Verurteilung der Angeklagten, bedeutet nicht nur ein Ehrenzeugnis für Dr. Weiß selbst, sondern auch die erfolgreiche und ehrenvolle Abwehr von Angriffen, die gegen das ganze Judentum geführt wurden. (Um so schmachvoller ist die von uns letzthin an den Pranger gestellte Schmutzerei dier „Neuen W e 11", die die nationalsozialistischen Verleumdungen gegen Dr. Weiß aufgriff. D. Redu) Dr. Weiß teilte noch mit, daß er inzwischen sein Abschiedsgesuch eingereicht hat und sich in Berlin als Rechtsanwalt niederzulassen gedenkt Das Problem Palästina. Die Palästinafrage in Genf. Der High Commissioner General Sir Arthur Wauchope, trat am 8. Oktober die Reise nach Genf an, wo er dem Teil der Sitzung* der Mandatskommission des Völkerbundes, bei dem die Fragen Palästinas behandelt werden, beiwohnen wird. Der High Commissioner überbringt der Mandatskommission einen ausführlichen und detaillierten Bericht über die gegenwärtige Situation in Palästina und wird auch die von Mitgliedern der Kommission an ihn gestellten Fragen hinsichtlich der Verwaltung Palästinas im Jahre 1932 beantworten. Die Tageszeitung ..Falastin", Organ der arabischeii Exekutive, veröffentlicht einen Aufruf an alle arabischen Organisationen, sich zu einer Einheitsfront zusammenzuschließen und die Mandatskommission des Völkerbundes zu ersuchen, bei ihrer jetzt in Genf stattfindenden Tagung den Bericht von Sir John Hope Simpson und das Weißbuch des früheren britischen Kolonienministers Lord P a s s f i e 1 d erneut in den Kreis ihrer Betrachtungen zu ziehen. In dem Aufruf wird dann weiter gesagt: Wir dürfen uns nicht auf den High Commissioner verlassen, der zweifellos der Mandatskommission die Gesamtlage in rosigen Farben schildern wird, um den Juden die Möglichkeit zu verschaffen, in größeren Massen einzuwandern. * Im Heiligen Lande... Führer der religiösen Judenheit Palästinas hielten unter dem Vorsitz von Rabbi K o o k, Rabbi Meir Berlin und anderen Persönlichkeiten eine Sonderberatung ab, die der Frage der Ermöglichung der Sabbath-Haltung für die in öffentlichen Diensten stehenden Juden gewidmet war. Es wurde eine Resolution angenommen, in der gegen die Palästina-Regierung die Klage erhoben wird, daß sie entgegen ihrer Verpflichtung den bei öffentlichen Arbeiten beschäftigten Juden nicht die Möglichkeit gibt, den Sabbath zu beobachten. Die Regierung wird in der Resolution darauf aufmerksam gemacht, daß sie gemäß dem Palästina-Mandat verpflichtet ist, den jüdischen Arbeitern und Angestellten an Sabbathtagen wie an hohen jüdischen Feiertagen Arbeitsdispens zu erteilen. In einer zweiten Resolution werden die Jewish Agency, der Keren Kajemeth und der Keren Hajessod in ultimativer Form aufgefordert, „binnen sechs Monaten, die in der Frage der Beobachtung der jüdischen Religion entstandenen großen Lükken zu verdichten". Sollten, heißt es in der Resolution weiter, diese Organisationen nicht in den von ihnen finanziell unterstützten Kolonien und Kwuzoth Schritte nach der Richtung der Heiligung des Sabbath ergreifen, dann werde die orthodoxe palästinensische Judenheit sich gezwungen sehen, mit Billigung aller führenden Rabbiner einen Appell an die Judenheit in der ganzen Welt zu richten, für diese Organisationen keine Gelder mehr herzugeben und nur solche jüdischen Organisationen Palästinas zu unterstützen, die das Land auf religiöser Basis aufbauen. Die Konferenz beschloß die Bildung einer Körperschaft zur Förderung der Sabbathbeobachtung durch jüdische Kaufhäuser, Fabriken, Taxichauffeure, Bäckereien, Fleischer usw. Die Konferenz protestierte in einer weiteren Entschließung gegen die Teilnahme der Jewish Agency an dem Abschluß des Arbeitsvertrages zwischen der Regierung und jüdischen Arbeitern betreffend den Bau des Wasserwerks in Römerna, weil dieser Vertrag die jüdischen Arbeiter zu S a bbatharbeit verpflichtet Die Konferenz protestierte auch gegen jene Organe der Sowjetunion, die die Juden zwingen, an jüdischen Feiertagen zu arbeiten. Am Samstag, den 8. Oktober (Schabbath teschuwah), demonstrierten 400 religiöse Juden aus Jerusalem in der Vorstadt Romema öffentlich dagegen, daß 60 jüdische Arbeiter gemäß Vertrag mit der Regierung gezwungen sind, am Sabbath Arbeit zutun. Die Polizei trieb die Menge auseinander und machte hiebei von den Knüppeln Gebrauch. Rabbi Abraham Blau, Führer der Agu'd'as Jisroel in Palästina, wurde wegen angeblichen Widerstandes gegen die Polizeigewalt verhaftet, aber bald gegen Kaution auf freien Fuß gesetzt. Eine Abordnung des Waad Leumi besuchte den Distriktskommissar von Jerusalem und bat ihn, den jüdischen Arbeitern an Sabbath tagen Arbeitsdispens zu erteilen. Der Distriktskommissar erklärte, dies sei aus reim technischen Gründen sehrschwierig; man könne wohl jüdische Arbeiter, die am Sabbath nicht arbeiten wollen, von ihrem Vertrag entbinden, müßte sie aber dann durch ägyptische Arbeiter ersetzen. e Aufdeckung einer kommunistischen Umsturz- Organisation. Aus Jerusalem, 14. Oktober, wird telegraphiert: Die Polizei hob hier die Zentrale der illegalen kommunistischen Partei aus, die auch in den Nachbarländern eine Organisation unterhielt. Hunderte von Dokumenten wurden dabei entdeckt, darunter ein genaues Programm zum Umsturz des bestehenden Regimes. Es war die Errichtung eines arabischen Nationalstaates geplant, für den bereits eine ins einzelne gehende Verfassung sowie ein Wahlgesetz, Steuergesetze und Maßnahmen zur Landaufteilung unter die Fellachen vorgesehen waren. Die Staatsschulden sollten nicht mehr anerkannt werden, die Oelleitungskonzession Mossul-Haifa sollte aufgehoben werden. Für die Bagdadbahn war die Entziehung der Betriebserlaubnis vorgesehen. * Jörn Kippur in Jerusalem. Tausende von Juden beteten am Jörn Kippur an der Klagemauer. Es kam zu keinerlei Störung. Bei Einbruch der Dunkelheit versuchte ein aus Polen stammender Revisionist mit Namen Schlojma Neiman nach dlem Neila-Gottesdienst Schofar zu blasen, was einen Verstoß gegen die die Klagemauer betreffende Verfügung der Regierung bedeutet. Neiman wurde sofort von der Polizei verhaftet, aber auf Grund einer Intervention von Rabbi Kook gegen Kaution auf freien Fuß gesetzt. Der Schofar wurde beschlagnahmt. Nach seiner Verhaftung griff eine Gruppe Revisionisten dem den Gottesdienst am Jörn Kippur überwachenden Rabbi Isaac Orenstein tätlich an, weil er angeblich die Polizei auf Neiman aufmerksam gemacht haben solk Schlojma Neiman wurde vom Gericht des Distriktskommissariats zu 21 Tagen Gefängnis verurteilt. Die Agudas Jisroel in Jerusalem veröffentlicht einen Protest gegen die Angriffe auf Rabbi Orenstein, der auch eine Verurteilung des Vorgehens Neimans enthält. In einem vom Waad Leumi veröffentlichten Kommunique werden das Vorgehen Neimans und der Angriff auf Rabbi Orenstein scharf verurteilt. * * * Schärfere Kontrolle des Touristenverkehrs nach Palästina. Das Einwanderungs-Departement der Palästina-Regierung hat allen englischen Konsulaten in Europa Instruktionen zugehen lassen, den Touristenverkehr nach Palästina schärfer zu kontrollieren. Personen, die Palästina als Touristen besuchen wollen, sollen nur dann das Einreise- Visum erhalten, wenn sie nachweisen, daß sie im Au s r e isel a nd ein G e s c h äf t s u n t e r n e h m e n oder irgendeinen Besitz haben; auch sollen die Touristen Rückreisebilletts vorlegen — alles dies, um die Garantie dafür zu schaffen, daß sie nicht dauernd in Palästina verbleiben. Einige Reise- Agenturen in Europa, besonders in Polen, wurden von der Palästina-Regierung auf die schwarze Liste gesetzt: diese Agenturen haben in der letzten Zeit Hunderte jüdische Touristen nach Palästina gebracht, denen sie versprochen hatten, sie würden dauernd" in Palästina bleiben können, wenn sie erst einmal das Land betreten haben, in der alten Heimat aufzulösen. Nachtrag zu: Allerlei Wahrheiten. Von Ego. Bei einem jüdischen Kreuger ruft die Allgemeinheit stets „Tod den Juden!" Wenn wir aber dem" Prof. Ernst Freund wirklich das wirksamste Mittel gegen den Krebs zu verdanken hätten, wie etwa das Salvarsan dem Paul Ehrlich, wem wird es dann einfallen, zu rufen: „Es leben die Juden!"? * * * Paulus, Epistel an die Römer. Kap. 13. Vers 1: „Jedermann sei unterthan der Obrigkeit, die Gewalt über ihn hat. Denn es ist keine Obrigkeit ohne von Gott: wo aber Obrigkeit ist, die ist von Gott verordnet." Paulus, Epistel an die Kolosser, Kap. 3. Vers 22: „Ihr Knechte, seid gehorsam in allen Dingen euren leiblichen Herrn, nicht mit Dienst vor Augen, als den Menschen zu gefallen, sondern mit Einfältigkeit des Herzens und mit Gottesfurcht." Diese Lehren des Paulus sind von jeher von größter Wichtigkeit gewesen. Christus, Paulus und alle Apostel lehrten Demut, Gehorsam, Subordination; das war es in erster Reihe, was die Kaiser Constantin, Karl d. Großen usw. bestimmte, den christlichen Glauben anzunehmen, denn damit waren die Untertanen viel leichter im Zaun zu halten. Hat man nun gehört, daß diese Lehren jener Männer jüdischer Herkunft jemals dem Judentum zugute gehalten worden wären, gleichwie man ihm die Lehren des Marx fortwährend anlasten will? Liegt darin nicht ein geradezu aufreizendes Unrecht? «s * :•: Paulus, von Beruf Zelttuchweber, einst Schüler Rabbi Gamaliels, jüdischer Fanatiker, dann, nach seiner inneren Wandlung auif dem Wege nach Damaskus, Heidenapostel und als solcher Begründer der weltumspannenden christlichen Kirche; In seinem Geiste wurden die Völker des Abendlandes 16 Jahrhunderte lang beherrscht. Wer hat nun die ätzende Lauge seines Hohnes über diese große Gestalt der Welthistorie ergossen? Wer suchte seine Lehren zu unterhöhlen, völlig zu diskreditieren? Wer also wirkte hier zersetzend? Waren es Juden? Nein! Es war der große Immoralist Friedrich Nietzsche. * * Haben die Herren National-„Soziälisten" einmal schon darüber nachgedacht, wie viel Deutsche, gleichviel ob Reichsdeutsche oder Oesterreicher im Auslände ansässig sind, daselbst ihre Existenz haben? In England, in Frankreich, in Italien, in Rußland, überall leben viel, viel mehr Deutsche, als umgekehrt bei uns Engländer, Franzosen, Italiener, Russen. Sie, die National- ..Sozialisten" sollen es nur wagen, die Juden verdrängen zu wollen! „Wenn schon so was heutzutage möglich, dann wolJen wir es mal auch gegenüber den uns nichts weniger als erwünschten Deutschen anwenden", könnten jene anderen Völker sagen, vielleicht viel früher, als sich das die Herren National- „Sozialisten" vorstellen. Es wäre das der Krieg in Permanenz im Frieden, den diese Unheilstifter bewirken würden! * * Die Geschichte des neueren Antisemitismus in DeutschJand ist die Geschichte der diäutsehen Wirtschaftskrisen im letzten halben Jahrhundert. So wars in den Siebziger-, in den Achtziger¬ und Neunzigeriahren des vorigen Jahrhunderts. Die jetzige — die furchtbarste von allen — bewirkte den blutrünstigsten Antisemitismus — aber nur in Deutschland, obschon es diesmal eine Weltkrise ist. Reklamiert Euer Wahlrecht!