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Die Wahrheit · 1932-10-14 · Heft 42 (14.10.1932) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1932
Issue
Heft 42 (14.10.1932)
Date
1932-10-14
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 DIE WAHRHEIT Ü>anfzsagimg? Anläßlich meines 25jährigen Amtsjubiläums sind mir zahlreiche Beweise aufrichtiger Freundschaft und Sympathie zugekommen. Da ich mich außerstande sehe, jedem einzelnen direkt zu danken, sage ich auf diesem Wege allen Korporationen und Persönlithlichkeiten meinen herzlichsten Dank für die freundliche Anteilnahme an meinem Jubeltag. Rabb. Prof. Dr. Arnold Frankfurter traut zu machen — der Religions-Unterricht soll und muß überparteilich sein, und zwar so überparteilich, daß er von allen Parteien gefördert und als Grundlage für ihre weitere jüdische Erziehungsarbeit benützt werden kann. Gegen den in diesen Zeilen dargelegten Hebräisch-Unterricht kann wohl von keiner positiv jüdisch eingestellten Seite Einwand erhoben werden. So fällt dem Religions-Unterricht noch eise hehre und erhabene Aufgabe zu. Annäherung und Versöhnung zu schaffen zwischen den jüdischen Parteien durch Verständnis und Anerkennung für die Bestrebungen der Gegenrichtung, die ja auch von einem Teil der Judenschaft vertreten wird. Wie gleich anfangs erwähnt sollen diese Zeilen nur informativen Charakter tragen und die jüdische Oeffentlichkeit zur Meinungsäußerung anregen. Wenn es nicht mehr üblich sein wird, den Religionsunterricht zu verunglimpfen, sondern ihn zum Gegenstand sachlicher Betrachtung und Behandlung zu machen, sind wir schon um einen großen Schritt vorwärts gekommen. Stürm über der palästinensischen Käste. Schwere Schäden in Tel Awiw und in den Weinbergen. Die palästinensische Küste ist am 6. Oktober von einem schweren Sturm heimgesucht worden, der in Tel Awiw und auch im Landesinnem vielfach schwere Schäden verursacht hat Das Zeltlager des Haschomer Hazair in Rischon le Zion wurde vom Sturm vollkommen zerstört sämtliche 27 Zelte wurden fortgetragen, 70 jüdische Arbeiter mußten eine ganze Nacht im schweren Sturm ohne Dach über dem Kopfe verbringen, so daß mehrere von ihnen erkrankt sind. Die Zion. Exekutive hat sofort den Lagerinsassen Hilfe gebracht und für ihre Unterkunft gesorgt. Besonders heftig wütete der Sturm in Tel Awiw. Elektrische Mäste wurden umgeworfen, das Lichtnetz wurde vielfach zerstört so daß die Stadt Tel Awiw die ganze Nacht in Dunkel gehüllt war. Eine wilde Panik entstand im Theater Matate, wo während der Aufführung am Abend das Licht erlosch und der Sturm um das Haus wütete. Das Publikum drängte zu den Ausgängen, glücklicherweise gab es keine Verletzte. Schwerer Schaden wurde an den King Solomons Pools angerichtet, wo Häuser im Rohbau und im Gerüst niedergerissen wurden. Auch die Ernte in der Küstengegend hat vielfach Schaden gelitten, besonders wurden große Teile der Weinernte vernichtet. Man beziffert den Schaden auf etwa 2000 Pfund. 3Va߀Tiitreii3 mnWexfc Was geschieht mit Arnolt Bronnen? Von der Reichsleitung der NSDAP wird u. a. mitgeteilt: „Durch die Presse geht die Meldung, daß ein nationalsozialistischer Kreisleiter jüdischer Abstammung ist (Wir haben über diesen ominösen Fall ebenfalls berichtet.) Hierzu ist folgendes festzustellen: Da sich nach Prüfung der Unterlagen herausgestellt hat, daß Dr. Saalfei dt, Eutin, tatsächlich jüdischer Abstammung ist, ist sein Ausschluß aus der Partei durch den Vorsitzenden des Untersuchungs- und Schlichtungs-Ausschusses der Reichsleitung erfolgt. Ein solcher Ausschluß ist satzungsgemäß selbstverständlich; es entfallen also alle Verdächtigungen der Gegner, die behaupten, daß die NSDAP Judenstämmlinge in ihren Reihen dulden würde. ... In der Reichsleitung werden Maßnahmen erwogen, die eine nochschärfere Prüfung ihrer Amtsträger möglich machen." Wegbereiter des „Dritten Reiches". In der letzten Sitzung des Stadtrats von Coburg, dessen Mehrheit nationalsozialistisch ist, wurde der Beschluß gefaßt, den Pachtvertrag mit der Israelitischen Kultusgemeinde in Coburg zum 31. Dezember dieses Jahres zu kündigen. Damit wird die jüdische Gemeinde, die seit über 60 Jahren von ihr als Synagoge benutzte Kirche St Nikolai aufgeben müssen, wenn die Staatsregierung nicht noch anders verfügt Die Nikolaikirche, ein kleines, ehemals christliches Gotteshaus am Südausgang der Stadt, wurde im Jahre 1873 der jüdischen Gemeinde in Coburg ohne Pacht bis heute überlassen. Weiterhin verlangt der Stadtrat auch noch die Instandsetzung der Kirche in den früheren Zustand. Nachdem bereits kürzlich vier SA-Leute unter der Beschuldigung, das Handgranatenattentat auf das Aliensteiner jüdische Kaufhaus Abraham mit verübt zu haben, Ein Tonfilm wie „Madame sucht Anschluß" I LIANE HAID om WILLY FORST in -3^- »ra PRINZ »on ARKADIEN mit Hedwig Bleibtreu, lageborg Grahn und Albert Paulig Budi: WALTER REISCH Musik: ROBERT STOLZ Regie: KARL HARTL (Schöpfer der Meisterwerke »Berge in Flammen" und „Gräfin von Monte Christo") Uraufführung ab heufei OPERN - KINO f., IMPERIAL-KINO I., LÖWEN - KINO III., MARIA - THERES1EN - KINO VII-, FLIEGER - KINO IX. Monopol: Koppelmann & Co., Wien VII. verhaftet worden waren, ist jetzt auch der S t u r mführer der Allensteiner SA, Hellwig, unter dem Verdacht der Anstiftung und Mittäterschaft an dem Attentat verhaftet worden. Der Freistaat Danzig weist Hitler-Leute aus. Der Senator des Innern des Danziger Freistaates, Dr. Hinz, ordnete die Ausweisung von vier reichsdeutschen Hitler-Leuten an, die eine Reihe Terrorakte gegen jüdische Einwohner der Umgebung von Danzig verübt hatten. Die Presse bemerkt, daß die Dianziger Regierung durch diese Ausweisung die Hitler-Bewegung als staatsfeindlich erkannt hat. Aus affer Welt Erhöhte Nothilfe des Joint für die europäischen Juden. Der Sekretär des American Joint Distribution Committee, Herr Joseph C. Hyman, der soeben von einei Europa-Reise nach den Vereinigten Staaten zurückgekehrt ist, gibt der Jüdischen Telegraphen- Agentur die folgende Erklärung: Ein sehr harter \Vi"A*r steht den breiten jüdischen Massen in Rumänien, Polen und den übrigen osteuropäischen Ländern bevor. Das Joint Distribution Committee sieht sich genötigt, an das amerikanische Judentum zu appellieren, nun in einem erhöhten Maße dazu beizutragen, daß das Notstandshilfswerk des Joint auch im kommenden Winter zweckentsprechend funktioniert. Wenn wir nicht Hilfe bringen, so werden die vielen lokalen Hilfsorganisationen in Osteuropa ihren Halt verlieren und nicht imstande sein, das Winterhilfswerk durchzuführen. Ich habe, fuhr Hyman fort, in Europa mit Herrn Dr. Bernhard Kahn, europäischer Direktor des Joint Distribution Committee, Beratungen gepflogen, und wir beide kamen zu dem Schlüsse, daß sich die Lage der Juden in den osteuropäischen Ländern gegenüber dem vorigen Jahre noch verschlechtert hat und daß viele Wohlfahrtsorganisationen — besonders die Institutionen für Kinderfürsorge — sich vor die unaufschiebbare Notwendigkeit gestellt sehen, Massenausspeisungen zu veranstalten. Speziell die Lage der rumänischen Juden ist eine so traurige, daß sie mit Worten nicht zu schildern ist Deutschland, schloß Hyman, habe ich diesmal nicht besucht, aber aus mir zugegangenen Berichten ersehe ich, daß — zum erstenmal seit vielen Jahren — auch deutsche Juden der Hilfe seitens des American Joint Distribution Committee nicht werden entraten können; und wenn deutsche Juden um eine solche Hilfe ansuchen, so kann man gewiß sein, daß sie sich in einer wirklichen Notlage befinden. Die Araber gegen den Baliour-Tag. Die arabischen Führer erließen einen Aufruf an die arabische Bevölkerung, den 2. November d. J., den Jahrestag der Verkündigung der Balfour-Deklaration, zu einem Tag arabischen Protestes zu gestalten und im ganzen Lande Versammlungen abzuhalten, in denen Entschließungen gegen das Mandat und die Balfour-Deklaration gefaßt werden sollen. Die neue Redaktion der „Jüdischen Presse". An die Stelle des nach 12jähriger ersprießlicher Wirksamkeit aus der Redaktion des Wiener orthodoxen Organs „Jüdische Presse" ausgeschiedenen Herrn Dr. Joel Pollak trat am 1. Oktober d. J. unter Beibehaltung des bisherigen Kurses eine Arbeitsgemeinschaft, für die als Herausgeber David Türkl und als verantwortlicher Redakteur Karl Richter zeichnen werden. Wir wünschen der neuen Leitung in kollegialer Verbundenheit die besten Erfolge.!! Jüdische Mädchen vorder Berufswahl!! Zweijährige Fachschule für Kleidermachen und Wäscheerzeugung mit öffentlichkeitsrecht Staatsgültige Zeugnisse Einjährige Koch- und Haushaltungsschule mit erweitertem Lehrplan für allgemeine Bildung, streng rituell Modistenkurs Dr. Krügertieim, n„ Malzgasse i Tel. A 48-0-77 Internat. Samstag schulfrei. Berufsberatung täglich von ll bis 12 Uhr.; Gemeinde - 'Chronik Warum geht's in Breslau? Die Zusammensetzung der jetzigen Gemeindevertretung in Breslau beruht auf der Einheitsliste, die 1930 auf Grund einer Verständigung zwiscbe«. Liberalen, Konservativen, Volkspartei, Wirtschaftspartei, Mittelpartei und Ostjuden eingereicht worden ist. Die so gewählte Gemeindevertretung hat nach den, gesetzlichen Bestimmungen bis Ende 1935 zu amtieren. Es wurde aber vereinbart, daß sämtliche Gemeindevertreter nach einem Jahr ihr Amt niederlegen sollten, damit bei Rückkehr einigermaßen normaler politischer und wirtschaftlicher Verhältnisse die Wähler alsbald wieder zu Worte kommen sollten. 1931 waren diese Voraussetzungen, nicht gegeben; das Kompromiß wurde daher ohne sachliche Aenderungen auf ein Jahr verlängert. Von vornherein bestand die stillschweigende Voraussetzung, daß sich die Verlängerung des Kompromisses, im Jahre 1932 um ein weiteres Jahr vollziehen, werde. Aber nun trat zu den Parteien, die 1930 das Wahlabkommen geschlossen haben, eine weitere hinzu: die Jüdische Arbeiterpartei. Sie umfaßt Männer und Frauen vor allem auch aus denjenigen Kreisen, die durch die Wirtschaftskrise aus ihrem: Beruf als Kaufleute, Handwerker, Angestellte, Hand- und Kopfarbeiter herausgeschleudert oder in ihnen brotlos geworden sind. Die Partei tritt vor allem mit wirtschaftlichen Forderungen an die Gemeinde heran und wünscht auch eine Vertretung in. den Gemeindekörperschaften. Wie nun die „Breslauer Jüdisch-liberale Zeitung" meldet, kamen die Fraktionen nach längerer Erörterung auf folgender Grundlage überein: Das Wahlkompromiß wurde unverändert um ein weiteres Jahr verlängert; jedoch schon in diesem Jahre soll der Arbeiterpartei Gelegenheit gegeben werden, in den Gemeindeausschüssen ihre Interessen wahrzunehmen. Es wurde ein kleiner Ausschuß eingesetzt, der mit der Leitung der neuen Partei verhandeln soll. Vor Ablauf des neuen. Kompromisses werde Klarheit darüber geschaffen werden, ob man in der Lage sein wird, eine neue Einheitsliste unter Einbeziehung der Arbeiterpartei zu präsentieren oder ob das Votum der Wähler eingeholt werden soll. Budapest. Die von einer Minorität angefochtene Wahl des Präsidenten der Pester Israelitischen Religionsgemeinde Hofrat Samuel Stern zum Präsidenten des Vi. Israelitischen Gemeindedistrikts wurde von dem vom Kultusminister eingesetzten Sondergericht, das sich aus angesehenen Repräsentanten des ungarischen Judentums zusammensetzte, bestätigt. Mit Genugtuung wurde festgestellt, daß der Kultusminister die Autonomie der Gemeinde wahrte, indem er ein jüdisches Sondergericht einsetzte. Mit diesem Gerichtsurteil, das in Rechtskraft erwachsen ist, konnte der Konflikt, der das konfessionelle Leben der ungarischen Judenschaft schon seit Monaten in Erregung hält, zum Abschlüsse gebracht werden. Warschau. Vorstand und Repräsentanz der Warschauer Jüdischen Gemeinde hielten zur Beratung der Budgetvorlage eine; Sitzung ab, die die ganze Nacht andauerte und stürmisch verlief. Die Budgetvorlage in Höhe von rund 250.000 Zloty wurde .gegen die Stimmen deszionistischen Blocks angenommen, woraufhin die Mitglieder dieses Blocks zum Protest den Saal verließen. Das Budget sieht die Anstellung von 35 neuen Rabbinern vor. Der von den Zionisten stark bekämpfte Beschluß, daß Polnisch die Unterrichtssprache in den Gemeindeschulen sein solL blieb ungeändert. Berlin. Im Alter von 60 Jahren verstarb in Berlin der bekannte Schriftsteller und Dramaturg Arthur Kahane, seit etwa drei Jahrzehnten einer der engsten Mitarbeiter Max Reinhardt s.. Arthur Kahane wurde 1872 in Wien geboren, war seit 1905 Dramaturg des Deutschen Theaters in Berlin und hatte an der geistigen Leitung der Reinhardt- Bühnen großen Anteil. Als Lyriker wurde er bekannt durch seine 1908 erschienenen „Gedichte" und 1910 erschienenen „Lieder". Er schrieb auch eine Reihe idyllisch-lyrischer Romane, die eine große .Leserschaft fanden. 1928 erschien sein „Tagebuch eines Dramaturgen", das auch verschiedene Lebensläufe berühmter jüdischer Künstler schildert. In Form von Nachdichtungen gab er „Die Kraft der Stimme, Novellen aus der Bibel", heraus. 1931 erschien „Das Judenbuch", ein Bekenntnis Kahanes zum Judentum. Wien. Ende dieses Monates werden Miss Montague aus London und Frau Dr. Goldstein ans Berlin im Auftrage der Worlds Union of Liberal Judaism (Weltvereinigung für das liberale Judentum) i Wien Vorträge abhalten, um hier eine Vereinigung

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