Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1932
- Issue
- Heft 42 (14.10.1932)
- Date
- 1932-10-14
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT Seite 7. für fortschrittlich-religiöses Judentum ins Leben zu rufen. Die Proponenten dieser Vereinigung veranstalteten kürzlich eine aufklärende Vorbesprechung, bei 4er in Anwesenheit einer gewählten Gesellschaft Ob. Med. Rat Dr. H. Haase und Studienrat Prof. Dr. Redisch über den Stand der Aktion Bericht erstatteten. Der „Bund jüdischer Frontsoldaten Oesterreichs" hat an beiden Neujahrstagen strenge Bereitschaft gehalten und insbesondere die großen Tempel ständig bewacht. In besonders bedrohten Bezirken, so im 2. und 20., hat der Bund fliegende Patrouillen eingerichtet. Diesem letzteren Umstände ist es auch zu verdanken, daß beim Sturm auf das Bethaus in der Großen Sperlgasse kein größeres Unheil durch die Hakenkreuzler angerichtet worden ist, da die dort diensthabende Patrouille des Bundes sich den Angreifenden entgegengestellt hatte und den Sturm so lange aufhielt, bis die Polizei kam. Drei Leute dieser Patrouille sind verletzt worden. Generalkonsul Dr. Paul Hohenau 60 Jahre alt. Kürzlich hat, wie bereits berichtet, Generalkonsul Dr. Paul Hohenau, der bekannte pazifistische Schriftsteller und Herausgeber der universell verbreiteten Zeitschrift „Das neue Europa", seinen 60. Geburtstag gefeiert. Der Jubilar genießt in der politischen Welt solch großes Ansehen, daß es nur Ehrenpflicht eines jüdischen Blattes ist, das hervorragende Wirken dieses dem Judentum zur höchsten Zierde gereichenden Glaubensgenossen kurz zu charakterisieren. Ursprünglich Chemiker, wirkte er als Dozent für pharmazeutische Chemie am Technologischen Gewerbemuseum in Wien. Im Jahre 1904 weilte Dr. Hohenau als Delegierter des österreichischen Handelsministeriums an der Weltausstellung in St. Louis (U.S.A.). An schriftstellerischen Werken sind zu erwähnen „Blätter im Walde" (Novellensammlung 1912), „Briefe einer Wienerin" und „Lachendes Leben" (1913), „Die Feinde" (1915) und „Amouresken" (1919). Die Stärke Dr. Hohenaus liegt jedoch auf politischem Gebiet. Als internationaler Friedensfreund wirkt Dr. Hohenau durch seine Zeitschrift „Das neue Europa" unermüdlich im Dienste der Völkerverständigung; im Jahre 1929 konnte dieses Organ das 15jährige Bestehen feiern. Führende Staatsmänner zählen zu den ständigen Mitarbeitern dieser wertvollen Zeitschrift und sie, wie auch zahlreiche Organisationen beglückwünschten Dr. Hohenau zum 15. Jubiläum seiner Zeitschrift. Dr. Hohenau ist auch Aufsichtsrat der Verlagsgesellschaft, welche die „N e u e Pariser Zeitung" herausgibt, ebenfalis ein für die internationalen Beziehungen sehr wertvolles Blatt, das auf Verständigung und Kulturaustausch der einzelnen Länder untereinander, besonders zwischen Deutschland und Frankreich hinarbeitet. Für diese erfolgreiche und unermüdliche Friedensarbeit erntete Dr. Hohenau den Dank der Weltöffentlichkeit. Groß ist die Zahl der Anerkennungen und Auszeichnungen, welche ihm dafür zuteil wurden. Wir erwähnen nur die wichtigsten: Bereits 1913 ernannte ihn die französische Regierung zum „Officier de l'Instruction publique"; er ist korrespondierendes Mitglied der „Alliance Scientifique Universelle" in Paris; er ist ferner Kommandant des Ordens „Libertador" und besitzt die silberne Medaille des Roten Kreuzes von Spanien; dank seiner Wirksamkeit für das Rote Kreuz während des Weltkrieges erhielt er die Ehrenmedaille dieser Institution; Präsident Roosevelt widmete ihm sein Bild mit einer anerkennenden Widmung und auch der schweizerische Bundespräsident Dr. H ä b e r 1 i n sandte im November letzten Jahres Dr. Hohenau sein Bild mit der Widmung: „Der Bundespräsident der Schweizerischen Eidgenossenschaft spricht den aufrichtigen Wunsch aus, daß Ihr „Neues Europa" recht wirksam dazu beitragen möge, in Tat und Wahrheit ein neues Europa zu schaffen im Sinn und Geiste Ihrer völkerverbindenden Tätigkeit auf dem Boden des politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Friedens." Bereits im Jahre 1930 wurde der Jubilar zum Ritter der französischen Ehrenlegion ernannt im Hinblick auf seine friedensfördernde und völkerversöhnende Wirksamkeit. Dr. Hohenau ist in Wien als Generalkonsul für Peru akkreditiert. Eine bleibende und unvergängliche Ehrung erhielt Dr. Hohenau durch die Gemeindeverwaltung des Bades Ischl, welche einen Platz nach dem Jubilar benannte. Wir gratulieren herzlichst. 70. Geburtstag. Wie bereits in unserer letzten Nummer berichtet, feierte am 28. v. M. der in weitesten Kreisen beliebte und geschätzte Herr S. K o h n seinen 70. Geburtstag. Der Bethausverein „O h e 1 Abraham" (IX., Grünentorgasse) veranstaltete aus diesem Anlasse seinem langjährigen überaus verdienstvollen Obmanne zu Ehren im Klubsaal des Caie Promenaden ein Festbankett, das unter außergewöhnlich großer Beteiligung der Freunde und Verehrer des Jubilars sehr stimmungsvoll verlief. In der unter Vorsitz des Herrn Berthold K u b i e stattgehabten Versammlung sah man Vertreter all jener Körperschaften und Vereine, denen Herr S. Kohn seit vielen Jahren seine bewährte Kraft leiht Es waren erschienen namens der Kultusgemeinde und der Organisation der Tempelvereine Herr Börserat I. Glück, für die Bezirkskommission I Hofrat Goldmann und zahlreiche Mitglieder der Kommission, ferner die Herren Rabbiner Dr. J. M. Bach, M. Blech und Dr. A. Z. Schwarz, namens der „Einheit" Obmann M. Felsenburg und Ehepaar S. Wechs- I e r, für die „Union" Regierungsrat Dr. M. Lenk, Kommerzialrat S. Planer und Sekretär O. Hirschfeld, außerdem sah man in der stattlichen Zahl der Festgäste Herrn Generaldirektor A. K u b i e. Insbesondere aber war der Gesamtvorstand des Bethausvereines „Ohel Abraham"' und auch die Familie des Jubilars erschienen. Seine Verdienste wurden in zahlreichen Reden gefeiert, in denen die herzlichen Sympathien, deren sich Herr S. Kohn überall erfreut, zum Ausdrucke kam. Nach einer eindrucksvollen Festrede des Sprechers des Bethausvereines Herrn Doktor E. Feldsberg, der Mitteilung von der Gründung eines „S. Kohn-Fonds" machte, sprachen die Herren Rabbiner Dr. J. M. Bach, Dr. A. Z. Schwarz und M. Blech, sowie Herr Börserat I. Glück, der Kantor des Bethausvereines I. Rosenwald, namens der persönlichen Freunde des Jubilars Dr. Freudmann und schließlich Regierungsrat Dr. M. Lenk. Es war eine schöne, echt jüdische Feier. Angesichts der furchtbar schweren Situation, in der sich in der gegenwärtigen VVirtschaftkrise die jüdischen Wohlfahrtsinstitutionen Wiens befinden, hat Herr Großindustrieller Hans Engel auch heuer am Jörn Kippur im Stadttempel einen namhaften Betrag für verschiedene Wohlfahrtszwecke gespendet. Todesfälle. Im 88. Lebensjahre verschied hier hochangesehen unser trefflicher Gesinnungsfreund Dr. Hermann Fialla, dessen hervorragendes öffentliches und jüdisches Wirken eine eingehende Würdigung verdient, die in unserer nächsten Nummer vorgenommen werden soll. Hier verstarb am Jom Kippur im 94. Lebensjahre Frau Chaje Reich, die namentlich in Polen wegen ihres besonderen Wohltätigkeitssinnes rühmlichst bekannt war. Die Verblichene, die trotz ihres hohen Lebensalters eine staunenswerte Rüstigkeit und Geistesfrische auszeichnete, war die Mutter des Naphtaindustriellen Nathan Reich (Wien) und des verstorbenen Sejmdeputierten und Präsidenten des Polnischen Minoritätenklubs, Dr. Leon Reich. Am Erew Jom Kippur verschied hier plötzlich Herr David Tänzer, ein in weitesten Kreisen, insbesondere der Leopoldstadt höchst geachteter Gaubensgenosse, dessen unermüdliches Streben es war, seinen Mitmenschen zu dienen. Er war langjähriges Mitglied und zeitweise auch Vorstandsmitglied des Tempelvereines „Aeschel Awrohom" (IL, Pazmanitengasse), Ehrenmitglied des Leopoldstädter Krankenunterstützungsvereines „Nächstenliebe" und Delegierter der Chewra Kadischa, in allen diesen Ehrenstellen mit Hingabe tätig. Die starke Beteiligung bei dem am 12. d. M. stattgehabten Leichenbegängnis bewies die große Wertschätzung, die der Verblichene überall mit vollem Recht genoß. Rabbiner Dr. Z. Taubes rühmte seine großen Verdienste und sein wohltätiges Wesen, das er bis zum letzten Atemzuge übte. Obmann Oskar Schramek nahm von dem pflichteifrigen Mitglied des Tempelvereines „Aeschel Awrohom" herzlichen Abschied. Präsident Dr. Wilhelm Pappenheim dankte dem treuen Begleiter der Toten für sein gottgefälliges Wirken. Vorstandsmitglied Klein hob die besondere Anteilnahme des Heimgegangenen an dem Verein „Nächstenliebe" hervor, die sich auch in der Gewinnung seines Sohnes Dr. Felix Tänzer für den Vereinsvorstand dokumentierte. Die kantorale Funktion versah in vorzüglicher Weise I. Kantor A. S t i 11, am offenen Grabe rezitierte für den Pazmanitentempel und die Familie Oberkantor J. Müller ein ergreifendes „El mole rachamim". Der trauernden Familie, namentlich dem Sohne Dr. Felix Tänzer, der im jüdischen Vereinsleben einen geachteten Namen besitzt, wendet sich die allgemeine Teilnahme zu. Der Verein Ohe! Rahel zur Ausspeisung armer Juden hat einen schweren Verlust zu beklagen. Einer seiner Gründer, Herr Ignaz R i n d 1 e r, ist in seinen besten Jahren dahingerafft worden. Der gegenwärtige Vorstand hat unter Leitung seiner überaus rührigen Präsidenten, der Herren J. K n i s p e 1 und Dir. D. M e 1 i o n, am 24. v. M. eine würdige Trauerfeier im Ausspeisungslokal des Vereines veranstaltet. Außer der Familie des Verewigten und dem Gesamtvorstande wohnten derselben Abordnungen der meisten jüdischen Wohlfahrtsvereine bei. In bewegten Worten gedachte Vorstandsmitglied Ziegenlaub der unvergeßlichen Verdienste des Verblichenen und seiner unermüdlichen erfolgreichen Tätigkeit als Vorstandsmitglied. Rabbiner Dr. G e r s 11 gedachte in warmen Worten des Toten. Die Enthüllung eines vom Maler Fischer angefertigten Bildes des Verstorbenen sowie ein Appell an alle Anwesenden, im Sinne des Dahingeschiedenen den Verein durch tatkräftige Unterstützung auch weiterhin in die Lage zu versetzen, sein edles Werk fortführen zu können, schloß die überaus würdige und eindrucksvolle Trauerandacht. Veweimsnadmdkten Der Verein Krankenbesuch Bikur Chaulim veranstaltet am Sonntag, dien 23. Oktober, nachmittags 4 Uhr, im Saal des Hotel Continental, anläßlich seines 30jährigen Bestandes, eine Festjause zugunsten seiner armen und schwerkranken Schützlinge. Dias vollständige Festprogramm wird in der nächsten Nummer der „Wahrheit" erscheinen. Die Preise werden nicht erhöht, dagegen wird auch die kleinste Ueberzahlung dankendi angenommen. Der Jüdische Frauenverein Landstraße (Präsidentin Frau Erna Schwarz-Hiller) veranstaltet am Sonntag, den 16. O k t o b c r d. J., im Festsaale GROSSFLEISCHHAUEREI I1EGM. KORNMEHl UNMMMMHBMnHMmHHHBBHB WIEN IX., BERGOASSS NR. 1» FILIALE i XVIII., WÄHRINOERSIRASSS *f Telephon Nr. A 17-349 and A 18-3-14 Ltetemt für Heilanstalt» AbteilungenrarKoscherfleisch Mtei» Aufsieht de« ahrw. RaMMaata» «fm» Isr. KultasaanMiad* Wi«M. Samtliche Fleischsorten von ausschließlich Prima-Qualität zu den billigsten Marktpreisen des Hotel Continental, IL, Taborstraße 6, einen Tanz- Tee mit Vorträgen. Beginn präzise 16 Uhr. Regiebeitrag S 2.—. Mitwirkende: Frau Marianne Mislap-Kapper, Herr Dario M e d i n a, Herr Benno Weiser. Jazz-Kapelle. Das Erträgnis wird für die wohltätigen Zwecke des Vereines verwendet. Die Mensa academlca iudaica ohne Geldmittel. Der Verein zur Erhaltung und Förderung der Mensa academica judaica, der sich zur Aufgabe gemacht hat, den Studenten in der Mensa academica judaica ein Mittagessen — oft die einzige Mahlzeit des Studenten — ohne jedes oder nur um ein sehr geringes, an die tatsächlichen Gestehungskosten nicht heranreichendes Entgelt zu bieten, ist zu Beginn des neuen Schuljahres jeder Geldmittel bar. Um doch die Mensa academica judaica, in der hunderte jüdische Studenten ausgespeist werden, auch in diesem Jahre aufrechterhalten zu können, sieht sich der genannte Verein gezwungen, die Aufmerksamkeit der gesamten jüdischen Oeffentlichkeit auf diese, für die jüdische Studentenschaft lebenswichtige Institution zu lenken und zur raschen und ausgiebigen Hilfe aufzurufen. Adressen für Geldsendungen: Verein zur Erhaltung und Förderung der Mensa academica judaica, IX., Zimmermannplatz 8 (Postsparkassenkonto Nr. 30.372). Berichtigung. Der „Jüdische Verein Nord- O s t" in Wien II., Taborstraße 21a, ersucht uns mitzuteilen, daß die im „Jüdischen Jahrbuch für Oesterreich" veröffentlichten Daten, diesen Verein betreffend, auf unrichtigen Informationen beruhen. Präsident dieses Vereines ist nicht Herr Dr. Jacob R a p a p o r t, sondern Herr Adolf Hecht, der seit genau 25 Jahren an der Spitze des Vereines steht und erst vor kurzem in Anerkennung seiner besonderen Verdienste zum lebenslänglichen Ehrenpräsidenten dieses Vereines ernannt wurde. flmtfieffe Verfautßarungen öer Jsraefitisdjen TCuftusgemeinöe Wien Predigten in den israelitischen Gemeinde- und Bezirks- Synagogen. Am 1., bezw. 2. Tage des kommenden Laubhüttenfestes werden in nachbenannten Gemeinde- und Bezirkssynagogen Predigten abgehalten und zwar: Samstag, den 15. Oktober 1932: I. Seitenstettengasse 4 (Rabbiner Dr. I. M. Bach) V. Siebenbrunnengasso la (Rabbiner Dr. M. G. Mehrer) VI. Schmaizhofgasse 3 (Rabbiner Dr. J. Drobinsky) , X. Humboldtgasse 27b (Rabbiner Prof. Dr. A. Weiner) f XIII. Eitelbergergasso 22 (Rabbiner Dr. M. Lewin) 1 XVIII. Schopenhauerstr. 39 (Rabbiner Dr. D. Feuchtwang) XXI. Holzmeistcrgassc 12 (Rabbiner Dr. M. Rosenmann) Sonntag, den 16. Oktober 1932: II. Tempelgasso 5 (Rabbiner Dr. I. M. Bach) H. Pazmanitengasse 6 (Rabbiner Dr. Z. Taubes) III. Unt. Viaduktg. 13 (Rabbiner Prot. Dr. Karl Kupfer) VIII. Neudeggergassc 12 (Rabbiner Dr. M. Bauer) XV. Turnergasse 22 (Rabbiner Dr. I. Taglicht) XX. Kluckygasse 11 (Rabbiner Dr. B. Murmelstein) Am Vorabende des Laubhüttenfestes. Freitag, den lA Oktober 1932. Beginn des Gottesdienstes 5 Uhr 15 Min. IX. Miillnergasse 21 (Rabbiner Dr. A. Z. Schwarz) * Die Kleider-Stelle der Fürsorge-Zentrale bittet dringendst um Zuweisung von brauchbaren Bekleidungsgegenständen jeder Art, Wäsche, Schuhe usw. für Männer, Frauen und Kinder. Telephonische oder schriftliche Benachrichtigung erbeten an die Fürsorge-Zentrale der isr. Kultusgemeinde Wien, I., Seitenstettengasse 2, Telephon Nr. U 25-5-85, welche die Abholung veranlaßt. * Abschriften des Wählerverzeichnisses können von dfcn wahkverbcndcn Parteien gegen Vergütung der Eigenkosten (S 50.— pro Stück) bei der Amtsdirektion der Israelitischen Kultusgemeinde bezogen werden. J% ff ' X Reklamieren Sie lUr Wahlrecht!