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Die Wahrheit · 1932-09-23 · Heft 39 (23.9.1932) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1932
Issue
Heft 39 (23.9.1932)
Date
1932-09-23
Page
– (sequence 4)
Language
German
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II Deutsch - Englische Kindergemeinschaft!! Schulkinder und Kleinkinder werden ganz intern, halb intern und nachmittags aufgenommen. Sprachen, Schulnachhilfe, Musik, Sport Bekannt mäßige Preise. Elli Hattviii: «I., laFiakiltost. 11 Tel. B 36-0-52, Sprechst. 9-11 Uhr Winter: 14 ttg. Skikurs Sommer: eigenes Ferienheim. solchen Niedertracht fähig ist, einem hilfsbedürftigen Menschen,_ sei er wer er will, nur eine Minute die Hilfe zu versagen. Politik und Religion dürfen im Leben des Arztes nie eine Rolle spielen, haben auch in diesem Falle keine Rolle gespielt" nur Rechtsgleichheit, sondern auch BröJeriichkeit. In schroffsten Gegensatz zum Geiste der Demokratie, fuhr Bundespräsident Motte fort, würden sich diejenigen setzen, die eigene Mitbürger ihrer Konfession, Sprache, Abstammung oder ihres Standes wegen geringschätzen wollten. Die in jüngster Zeit hie und da zum Vorschein tretenden Versuche zu einer Judenhetze sind daher unschweizerisch. Ebenso unschweizerisch sind die Leidenschaften eines überspannten Nationalismus. Schächtverbot in Eger. Der Stadtrat von Eger hat beschlossen: „Zur Vermeidung von Tierquälerei sind die Tiere bei Schlachtungen nach jüdischem Ritus vor der Blutentziehung nach Vorschrift zu betäuben." In der Begründung dieses Beschlusses wurde hinzugefügt: „Durch die modernen Betäubungsapparate usw., welche sogar mit »dien Religionsgesetzen der Juden nicht im Widerspruch stehen." Die Prager „S e 1 b s t w e h r" bemerkt zu diesem Beschluß u. a.: Jeder Vorurteilsfreie weiß, daß die in der Verordnung unterstrichenen Gründe auf jüdischfeindlicher Basis beruhen, daß sie ein Hauptargument Hitlers sind, alles Jüdische zu verwerfen und zu diskreditieren. Bedeutende Forscher, sowohl christlicher wie jüdischer Konfession, haben bewiesen, daß die rituelle Schächtung die humansteist Es ist traurig, daß der Beschlußeinstimmig angenommen würfle, daß kein Stadtvater die Lanze für die jüdische Ethik brach, daß niemand dagegen Bedenken hatte, daß das Volk Uier Bibe» als barbarisch hingestellt wurde. Kein religiöser Jude wird eine rituelle Schlachtung, der eine Betäubung vorangegangen ist gutheißen. Denn vor dem rituellen Schlächter muß ein völlig gesundes Tier hingetegt werden. „Selbstwehr'" weist noch darauf hin, daß Eger, die althistorische Stadt im Zentrum der westböhmischen Bäder, mit dem Fremdenverkehr und der Frequenz der Kürgäste rechnet Die Kurfrequenz ist nahezu 75 Prozent jüdisch. Die nichtjüdlischen Geschäftsleute in Eger führen spezifisch jüdische Andenkenar tikel. So lange diese Kurgäste sich jüdisch-rituell verköstigen können, ist Eger für sie ein Anziehungspunkt, ist es aber nicht der Fal, meiden sie diese „feindliche Stadt". Goldene Worte. Vor einigen Monaten war gegen den bekannten Regensburger Chirurgen Geh. Sanitätsrat Dr. Dörfler der Vorwurf erhoben worden, er habe aus Judenfeindschaft einem verunglückten jüdischen Schüler, der schwer verletzt in seine Privatklinik gebracht worden war, die notwendige ärztliche Hilfe versagt Auch wir haben seinerzeit tä>er dien Fall eingehend berichtet. Wie das „Deutsche Aerzteblatt" nun in seiner letzten Nummer mitteilt, hat gegen Geheimrat Dr. Dörfler das Verfahren vor dem ärztlichen Berufsgericht für den Regierungsbezirk Oberpfalz stattgefunden und festgestellt daß Geheimrat Dr. Dörfler „s e i n e ä r z t- Uche Berufspflicht in keiner Weise verletzt, vielmehr sach- und pflichtgemäß gehandelt hat". Das berufsgerfchtliche Verfahren ist eingestellt worden. Die Schriftleitung des „Deutschen Aerzte- Mattes" veröffendicht dazu Schlußsätze aus einem Brief, den Geheimrat Dörfler an sie gerichtet hat, und fügt hinzu, sie mögen „als goldene Worte über allem polnischen Hader der Jetztzeit stehen". Geheimrat Dörfler schreibt: „Ich persönlich bhi überzeugt daß überhaupt kein deutscher Arzt einer ■ VORNEHME f AMILIEN - PENSION iRestaBratioD.Haffeebatts täglich 5-Uhr-Tee Isenmering Gemeinde - "thtonih Der Döblinger Tempelverein (XIX. Dollihergasse 3) feiert Sonntag, den 25. d. M., präzise 11 Uhr vormittags, im Rahmen eines Festgottesd'ienstes ein schönes Doppeljubiläum. An diesem Tage jährt sich nämlich zum 25. Mate sowohl die Errichtung des Tempels wie aucli die Einführung des beliebten Rabbiners Prof. Dr. A. Frankfurter. Der Tempel verein „Beth Hachneseth" Wien. III., Untere Viaduktgasse 13, ladet aucli auf diesem Wege zu der Sonntag, den 25. September 1932, um halb 6 Uhr abends, stattfindenden feierlichen Einweihung des renovierten Tempels (Entzündung des ewigen Lichtes und1 Einführung der Thorarollen) ein. Predigt Freitag, den 23. September 1932, wird bei dem um 5 Uhr 45 Minuten beginnenden Abendgottesdienste in dler Bezirkssynagoge, IL, Pazmanitengasse 6. Herr Rabbiner Dr. Z. Taubes anläßlich des Jahrestages der Einweihung der Vereinssynagoge eine Festrede halten. 60. Geburtstag. Generalkonsul Dr. Paul Hohenau, Ritter der Ehrenlegion etc., Begründer und Chefredakteur der Zeitschrift „D a s neue Europa", seit Jahrzehnten einer der unentwegtesten und werktätigsten Vorkämpfer für Völkerversöhnung und Weltfrieden, vollendet am 25. September sein 60. Lebensjahr. Wir gratulieren herzlichst Oberkantor S. Postolow. Wie uns mitgeteilt wird, sind es an diesen hohen Feiertagen 10 Jahre, seitdem Oberkantor S. Postolow sein Amt im MüHner-Tempel, 9. Bezirk, angetreten hat. Oberkantor Postolow erfreut sich großer Beliebtheit in und außerhalb seiner Gemeinde. Seine große schöne Stimme mit seltener Schlagkraft der Höhe, sein künstlerisch würdevoller Vortrag, seine charaktervolle Persönlichkeit wird allgemein bewundert und anerkannt. Der Jubilar verspricht infolge seiner Jugend, in seiner Kunst noch steigend, noch lange Jahre seine Zuhörer in Andacht zu fesseln und zu begeistern. Wir gratulieren dem Jubilar und seiner Gattin und werden uns freuen, immer Schönes von ihm berichten zu können. Kluckytempel. Samstag, den 17. d. M. fand im festlich beleuchteten Tempel des 20. Bezirkes eine erhebende Feier statt. Herr Miki Hirse hl, der Sieger im Ringkampfe bei der Olympiade in Los Angeltes, der Freitag aus Amerika! mit den übrigen Sportlern nach Wien zurückkam, erschien beim Mussaf-Gottesdienste und wurde feierlich zur Thora gerufen. Nachdem er daselbst für die glücklich überstandene Reise nach und! von Amerika ein kurzes Gebet gesprochen hatte, richtete Herr Rabbiner Dr. Murmelstein an ihn einige passende Worte über seine dem Judentum zur Ehre gereichende; sportliche Leistung bei den Olympiakämpfen und hob, unter Hinweis auf die Makkabäer, den Wert des Sportes und der körperlichen Erstarkung für die jüdische Jugend im alügemeänen hervor. Sodann beglückwünschte den Heimkehrer der Obmann des Tempelvereines Kohn als Brigittenauer Kind; durch seine Leistung habe er nicht nur sich selbst und seinen Angehörigen, nicht nur dem Tempelverein, dessen Vorstande sein Vater seit vielen Jahren angehört, sondern auch allen jüdischen Bewohnern des Bezirkes und den Juden der ganzen Welt Ehre gemacht Die überaus zahlreichen Tempelbesucher waren über diesen spontanen Festakt sehr erfreut. Der Bethausverein „Ohel Awrohom", IX. Bezirk, hat Herrn Rabbiner Moses Blech als Vereinsrabbiner engagiert. Herr Rabbiner Blech wird dort sicherlich eine ihm würdige Arbeitsstätte finden. Wir gratulieren dem Vereine zu dieser ausgezeichneten AkquisMon. VInkovci (S. H. S). Am Sonntag, den 11. d., fand hier die Hochzeit des Fräulein Ruth Frankfurter, Tochter des Oberrabbiners Dr. M. Frankfurter, mit dem Fabrikanten Josef L ö w y aus Palänka (S. H. S.) statt. An dieser Feier nahm sowohl die jüdische als auch die christliche Bevölkerung teil. Die Trauung fand nach althergebrachter Sitte unter freiem Hämmel statt Das Bedecken nahm der Bruder des Brautvaters, Herr Rabbiner Dr. A. Frankfurter aus Wien, mit einer zu Herzen gehenden Ansprache vor. Den Trauungsakt voll- :i:.»TV*^£s*iS*A5&-T^ '. Pfeife ÄfSiliiH -tsc^Sm^&i TELEPHON 11 Hochstraße 43 neben Hotel Panhans! Mäßige Preise, Zimmer mit PensionS 12. — aufwärts I Zentralheizung, fließendes Warm- und Kaltwasser in jedem Zimmer. 1 Zum Besuch ladet höflichst ein Eckstein, Besitzer IlHM zog der Brautvater selbst. An der Tafel, die im Festsaale des geschmackvollen neuen Gemeindehauses stattfand, sprachen u. a. der Gemeindevorstand Dr. Lang, der milt seiner Gemahlin, der Vertreterin dies jüdischen Frauenvereimes. teilnahm, Rabbiner Dr. Schlang (Belgrad) und die Herren Rabbiner aus Ruma und Brod a. d. Save und Dr. Frankfurter aus Wien. Diamantene Hochzeit Zu der seltenen Feier einer diamantenen Hochzeit hatte für Samstag, den 17. d. M., der Vorstand des Favoritner Tempelvereines seine Mitglieder und Freunde in den festlich geschmückten Tempel eingeladen. Die Ehrung galt dem diamantenen Ehepaare Moritz Faltitschek. das kn Bezirk, wo es seit 1893 wohnt, sich größter Hochachtung und Wertschätzung erfreut. So war denn auch außer dem Vizepräsidenten der Kultusgemeinde Dr. J. O r n s t e i n und den. Vertretern verschiedener Korporationen der Gesamtvorstand des Tempelvereines X. mit dem Ehrenpräsidenten Jakob S. Strassberg und dem Obmanne Benjamin Scher an der Spitze fast vollzählig erschienen. An den zur Thora gerufenen Jubilar richtete zunächst Oberkantor Schlesinger einen schönen feierlichen Mischeberach. Sodann beglückwünschte ihn auf das herzlichste Herr Benjamin Scher namens des Tempelvereines, dessen Ehrenmitglied und langjähriges ehemaliges Vorstandsmitglied Herr Faltitschek ist. Rabbiner Dr. A. Weiner brachte die Gefühle der dankbaren Gemeinde zum Ausdruck, die in dem Jubilar einen Menschen verehrt, der als wahrer Hüter und Wächter der Religion zu bezeichnen ist Insbesondere würdigte Dr. Weiner die Verdienste des Jubilars als Gründer und Obmann des Schulvereines X. Vizepräsident Dr. J. O r n s t e i n übermittelte dem in vollster geistiger und körperlicher Rüstigkeit stehenden Ehepaare die Glückwünsche der Kultusgemeinde. In der Wohnung des Jubilars versammelte sich nach dem wirklich schönen erhebenden Festgottesdienste eine überaus große Zahl von Freunden und Verehrern der beliebten Familie zur persönlichen Gratulation. Das Ehrenmitglied des Tempelvereines, Herr Simon Steiner, überreichte das Glückwunschdiplom der Kultusgemeinde mit herzlichen Worten der Anerkennung. Frau Dr. Mandel gratulierte innigst als Präsidentin des Frauenvereines X. dem Ehepaare, das als leuchtendes Beispiel echt jüdischer Wirksamkeit stets tätig gewesen ist Namens des Bürgermeisters erschien Stadtrat Honay. Ein Sohn des Jubelpaares ist der allseits geschätzte Kommerzialrat Louis Faltitschek. Todesfall. Kürzlich verstarb hier im 72. Lebensjahre Frau Julie Engel, geb. Weiß, die Witwe nach dem ihr im Tode vorangegangenen Gatten Hermann Engel, dem rühmlichst bekannt gewesenen Großkaufmann. Die Verblichene war durch mehr a?s 51 Jahre ihrem Gatten eine Weggefährtin von seltenen Eigenschaften. Als Geschäftsfrau tüchtig und fleißig, galt ihr ganzes liebevolles Sinnen und Wirken nur ihrer Famin'e. insbesondere ihren Söhnen. In echter Frömmigkeit fand sie besondere Freude am Wohltun und Schenken, Ihr Heimgang hat eine große Zahl von Verehrern und Freunden der Verblichenen und der Familie tief bewegt, wie sowohl die gewaltige Zahl von Kondolenzen, darunter von höchststehenden Persönlichkeiten, wie auch die starke Beteiligung bei dem am 13. d. M. stattgehabten Leichenbegängnisse bewies. Unter anderen erschienen der Präsident der Gemeinde Prof. Dr. A. Pick und Regierungsrat G. Fuchsgelb. Die Trauerrede hielt Rabbiner Dr. D. F e u c h t w a n g, die kantorale Funktfon hatte Oberkantor H. Fischer mit verstärktem Chor inne. Die Chewra Kadischa in Wien XVIIL hat den Beschluß gefaßt, auf ihre Kosten verarmten Mitgliedern im Falle ihres Ablebens ein würdiges Begräbnis zu veranstalten, wenn die Hinterbliebenen hiezu außerstande sind. Ebenso wird die Ohewra Kadischa das Andenken solcher Mitglieder durch Aufstellung eines Grabsteines ehren* In Ausführung dieses Beschlusses hat nun die Chewra Kadischa XVIIL mehreren, vor Jahren verstorbenen Mitgliedern, deren Gräber schmucklos, ohne Gedenkstieäne waren, Grabsteine gesetzt, deren Enthüllung am Sormtag, den 11. d M., am alten und neuen Friedhof im feierlicher Weise stattfand. Zur Feier hatte sich der Gesamrvorstand eingefunden und nach den dem treuen Gedenken der Toten gewidmeten zündenden Ansprachen des Obmannes Josef Nossi« und des Bettoausobmannes, Medizinaärat Dr. Winter, wurde vom Oberkantor Dawd Groß «Tot El mole rachamäm in ergreifender Weise zum Vortrag gebracht Nachdem noch vom Gesamtvorsrand am Grabe das Kad^hgebet verrichtet wurde, fand die Feier ihren Abschluß. Die Steine wurden von der Grabsteinfirma David Klein in sehr gefälliger und schmucker Ausführung geliefert.

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