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Die Wahrheit · 1932-09-23 · Heft 39 (23.9.1932) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1932
Issue
Heft 39 (23.9.1932)
Date
1932-09-23
Page
– (sequence 3)
Language
German
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DIE WAHRHEIT Seite 3 Für Festgerichte das reine Kunerol... Kunerol ist 100% reines Fett aus Kokosnüssen und deshalb für Fleisch- und Mehlspeisen ganz besonders geeignet. Kunerol wird in mustergültigen Betrieben auf einwandfrei hygienische Art erzeugt — es kommt während der Herstellung nie mit Menschenhand in Berührung. Kunerol wird unter ständiger Aufsicht des Herrn Bezirksrabbiners S. Ehrenfeld zu Mattersburg hergestellt. KUNEROL 100% REIN ES KOKOSNUSSFETT JUGEN D-U N 1 0 N jugendgruppe der „Union österreichischer Juden" Silz: IX. Berggasse 4 Telephon A 19-2-77 In der nächsten Woche empfangen wir einen guten Freund der JUGEND-UNION aus dem Reiche als unseren Gast. Herr Dr. WERNER CAHHNANH, Nflnthen, Syndikus des Landesverbandes Bayern des „Centrai-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens", wird uns die Ehre seiner Anwesenheit schenken and auf dem Dienstag, den 27. September, ^9 Uhr abends, im Klubsaal des Cafe Excelsior, I. Rotenturmstr. 24, stattfindenden DISKUSSIONSABEND einen Vortrag über „Jüdische Jugend im politischen Kampfe der Gegenwart" halten. Wir hoffen, alle Gönner, Anhänger und Freunde der Jugend-Union bei diesem interessanten Vortragsabend begrüßen zu können, der uns die nähere Bekanntschaft mit einem Manne vermittein wird, der selbst in der deutsch-jüdischen Jugendbewegung führend tätig ist und daher die genauen Kenntnisse über die deutschen Verhältnisse besitzt, die für uns mit Rücksicht auf die engen politischen Beziehungen der beiden Länder von größter Wichtigkeit sind. Der Besuch dieses Abends wird daher nicht nur für unsere Freunde, sondern auch für eingeführte Gäste eine wertvolle Bereicherung jüdisch-politischen Wissens bedeuten. Für die Leitung der Jugend-Union: Der Obmann: Sekretär Oskar Hirschfeld m. p. fädischesJahrbach für Oesterreich, 5693. Herausgegeben von Löbel Taubes und Chaim Bloch. In angenehmer Erinnerung an die genußreiche Lektüre d'es „Jahrbuches für Israeliten", das von Josef v. Wertheimstein und Leopold K o mp e r t seit 1862 herausgegeben und mit wertvollen Beiträgen versehen war, das der geistvolle Simon Szanto fortgesetzt hatte, bin ich mit einer gewissen Skepsis an das neue Jahrbuch herangetreten. Es sei vor allem zugegeben, daß der erste Teil, der informative, wirklich einem Bedürfnisse aller am jüdischen Gemeindteteben interessierten Kreise entgegenkommt. Wissenswerte statistische Daten, richtige Darlegung des Umfanges der Agenden der Kultusgemeinde, Schilderung der Verbands- und Vereinstätigkeit in Wien und den größeren Orten in den Bundesländern werden kurz und doch erschöpfend gegeben. Im zweiten, belletristischen Teile kommt, abgesehen von den verewigten Dr. Bloch und! Dr. C h a j e s eine wahre Elite zeitgenössischer jüdischer Schriftsteller zum Wort, mit Beiträgen, die den höchsten Anforderungen an wissenschaftlicher wie stilistischer Qualität genügen, wie es bei Namen wie Feuchtwang, Qrunwald, Herzog, Kaminka, Krauss, Kurrein, Rosenmann, Taglicht, Wachstein und der beiden Herausgeber und anderen ja selbstverständlich ist. Aus der Fülle des Gebotenen sei der aus den Lebenserinnerungen Dr. Blochs herrührende Auszug erwähnt, in dem hochinteressante, von Musikhistorikern meist absichtlich verschwiegene Daten über die jüdische Abstammung von hervorragenden Wiener Musikern, wie selbst der Straußschen Walzerdynastie enthalten sind, die einer breiteren Oeffenffichkeit zur Kenntnis gebracht werden sollten. Das Fehlen eines in solchem Rahmen sonst gewohnten jüdischen Jahreskalenders könnte in den folgenden Jahrgängen, die dem sehr empfehlenswerten Buche zu wünschen sind, vermieden werden. Dr. H. H. „Wie der Jude lacht!" Witze. Satiren, Anekdoten. Humoresken usw. von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart. Ein Beitrag zur Psychologie des jüdischen Witzes und zur jüdischen Volkskunde. Von Regierungsrat J. Kreppet. Verlag „Das Buch", Wien I., Postamt 9, Postfach 22. Preis Schilling 5.—. Der wegen seiner Vielseitigkeit bekannte Verfasser zeigt in dieser neuen Arbeit dieselbe bewährte schriftstellerische und literarische Höchstleistung wie in seinen groß angelegten Werken „Juden und Judentum von heute", „Handwörterbuch für Politik und Wirtschaft" usw. Es sind keine alltäglichen, banalen Witze, die schon einen langen Bart haben, die wir hier präsentiert erhalten, sondern fast lauter Dinge, die wir zum ersten Male in deutscher Sprache zu lesen bekommen. Nicht jeder von einem Juden oder über Juden erzählte Witz ist ein jüdischer Witz. Diese Bezeichnung kommt nur denjenigen zu, die jüdischen Inhalts sind, mit dem jüdischen Leben zu tun haben. Der eigentliche jüdische Witz ist eine Art Selbstironie, Sarkasmus, Galgenhumor — der Jude flüchtet sich in seiner Ohnmacht gegen das Schicksal zum Witz; er verspottet sich selbst, sein Leben, sein Los, selbst seine Lehre und seinen Gott. Von besonderem Interesse sind in dieser Sammlung die Abschnitte: Gott. Thora, Patriarchen, Talmudweisen, Rabbiner, Apikorsim, Judenfeinde, Zarismus, Bolschewismus, Hakenkreuzler, Reichtum und Armut, Frauen, Schriftsteller und1 Gelehrte, Zionismus und Palästina usw. Jiafoentotenai am Werf* Besser aufnorden! Der österreichische Nationalsozialismus stellt in der Theorie seiner Führer einen TeU der reichsdeutschen faschistischen Bewegung dar. Aber nur in der Theorie, wie am Sonntag bewiesen worden ist. Hat der große Hitler es sich auch im letzten Moment überlegt, ist auch der Osaf selbst nicht, wie er versprochen hatte, nach Wien gekommen, so hat er doch seinen Propagandachef, Dr. Josef Goebbels, geschickt, der, wenn schon durch nichts anderes, durch sein stereotypes Hetzwort „Der Juidl ist schuld" eine traurige Berühmtheit erlangt hat. Es hätte niemand Wunder genommen, wenn sich Tausende von Wienern zu der Goebbels-Versammlung gedrängt hätten. Nicht einmal ein Beweis für die fortschreitende Ausbreitung der nationalsozialistischen Bewegung in Oesterreich wäre das gewesen. Ueber die Werbekraft, ja über die hypnotische Wirkung, die von den reichsdeutschen nationalsozialistischen Agitatoren ausgeht, werden seit vielen Monaten Wunderdinge berichtet. Was wäre natürlicher gewesen, als daß politisch Indifferente oder auch politische Gegner der Nazi sich einen ihrer Hauptredner einmal anhören wollten. Aber cße Wiener wollen nicht. Weder Parteilose noch Gegner, ja nicht einmal acht Prozent der nationalsozialistischen Wähler brachten Interesse für den Anblick des Dr. Goebbels oder für seine rhetorischen Leistungen auf. Auch die Zuhörer, die sich in der Engelmann-Arena eingefunden hatten, blieben sehr kühl und sichtlich unberührt von den zweistündSgen Ausführungen des Berliner Agitators. Sie konnten sich nicht für ihn erwärmen, er kommt aus einer anderen Welt. Goebbels verließ Wien als Fremder, wie er gekommen war. Selbst das nationalsozialistische Wien hat offenbar auf dem Gebiet der Aufnordung noch sehr viel nachzuholen. Aus dem „Dritten Reich". Der nationalsozialistische Gauredner S p i ewock erklärte kürzlich in einer Versammlung: „Wir dachten bisher, daß Hindenburg deutsche Gehirnwindungen hat. Nun sehen wir. er hat auch jüdische Gehirnwindungen, da er dieses Urteil in Beuthen, das nicht nach deutschem Recht, sondern nach jüdisch-römischem gesprochen wurde, zugelassen hat." — Am 21. Januar hat der nationalsozialistische Reichstagsabgeordnete B o e r g e r aus Neuss in einer Kölner Versammlung den Ausspruch getan: „Wenn wir die Macht haben und ein Franzose die deutsche Grenze überschreitet, dann werden in einer Nacht sämtliche Juden in ganz Deutschland'dran glauben müssen." Jetzt — nach acht Monaten — hat die Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren gegen Boerger wegen Aufreizung zu Gewalttätigkeiten eingeleitet. — Das Schnellschöffengericht Berlin-Mitte verurteilte den 24jährigen SA.-Mann Kurt Kirchner wegen schweren Exzesses zu fünf Monaten Gefängnis. Kirchner hatte in der Nacht zum 26. August in der Nähe des BeBe-Alliance-Platzes einen i5jährigen Friseurlehrling angegriffen, ihn einen „dreckigen Juden" genannt und gedroht, ihn mit „ seinem Taschenmesser zu „schachte n". Er schleppte den jungen Menschen durch mehrere Straßen. Den Polizeibeamten, die ihn stellten, erklärte er, daß er „als SA.-Mann die Staatsgewalt für Hitler ausübe." Vor Gericht entschuldigte er sich mit schwerer Trunkenheit. Der schweizerische Bundespräsident Motta verurteilt die Judenhetze. Der Bundespräsident der Schweizerischen Eidgenossenschaft, Dr. Giuseppe Motta, hielt auf der 600-Jahrfeier tiler Stadt Luzern eine Rede über den schweizerischen Staat su nd Volksgedanken, die durch die Schweizer Sender verbreitet wurde und im ganzen Lande einen starken EintilTuck hervorrief. Bundespräsident Motta erklärte, die Schweiz bleibe eine Hauptträgerin des Freiheitsgedankens in der Welt. In ihrem reinsten Sinne bedeute Demokratie nicht

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